Titel

Zu spät erkannte Endometriose
und die Folgen


Leseprobe

Urheber
Andrea Christiansen

Verlag
BoD Norderstedt
Bindung
Paperback
Seitenzahl
238
Sprache
Deutsch
Format
Din A5
ISBN
978-3-8370-1650-5
Preis
€ 13,95 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

Internet
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Vor zirka 13 Jahren erkrankte ich selbst an Endometriose.
Der Umgang mit Patienten die an dieser Krankheit leiden ist zumindest in meiner Region eine Katastrophe.
Ärzte nehmen die Beschwerden nicht für ernst und lautet dann endlich die Diagnose Endometriose, werden sie als zu kompliziert auch nicht gerne behandelt.
Zu aufwendig, zu teuer.
Wie sollen das die armen Ärzte nur den geizigen Krankenkassen erklären, dass die Patientin so viel Aufwand benötigt.

Aber in meinem Buch beschreibe ich die unzähligen Untersuchungen und die vielen Ärzte, die fast 3 Jahre brauchten um eine Krankheit zu erkennen, die die weibliche Erdbevölkerung wie eine Grippewelle heimsucht.
Und natürlich die Folgen, die eine Späterkennung zur Folge hat.


Leseprobe

3. Kapitel 

D

ie weitere Woche lief ganz normal. Mir ging es gut. Ich fragte mich nur, wenn ich tatsächlich zwei weitere Harnleiter haben sollte, warum hatte ich damit immer gut leben können? Was sollte daran jetzt die Beschwerden verursachen? Was hatten Harnleiter mit Regelschmerzen zu tun? Wenn sie jetzt rausoperiert werden müssten, wäre das eine große Operation mit langen Schnitten und riesig langen Narben?

Schließlich war ich noch eine ziemlich junge Frau von einunddreißig  Jahren, die eine Deformierung ihres Körpers nicht mit Begeisterung entgegen sah.

Ich versuchte trotzdem nicht daran zu denken, bis ich Freitag mit heftigsten Schmerzen wach wurde. Es war wie in den letzten Wochen. Angefangen mit schnell ausbreitenden Unterbauchschmerzen, die eindeutig von der Regel kamen. Die Tabletten die ich nahm, wirkten nicht und nach Stunden langen Schmerzen die bis in die Oberschenkel und in den Rücken zogen, Erbrechen, Durchfall und die dazugehörigen Schweißausbrüche wurde mir klar, daß das nicht so weitergehen konnte. In diesen Stunden war es mir immer egal. Was die Ärzte auch machen wollten, ich würde es hinnehmen, weil ich es einfach nicht mehr ertragen konnte.

Irgendwann ließen die heftigsten Schmerzen nach und ich schlief dann ein paar Stunden. Nachdem ich den Hund versorgt hatte, duschte ich und legte mich wieder hin. Die heftigsten Krämpfe dauerten in der normalerweise zwischen vier bis fünf Stunden. Danach waren die Schmerzen bisher erträglich, aber mir fiel auf, daß es jetzt anders war.

Mein Bauch war aufgeschwollen. Es bildeten sich unnatürlich Gase, die mir natürlich unangenehm waren. Blähungen sind nicht ein Thema, daß in der Öffentlichkeit erwähnt wird. Selbst den Ärzten gegenüber hatte ich Hemmungen, darüber zu sprechen.

Das Problem war, daß die Luft nicht wich. Tagelang brauchte ich nun, den angeschwollenen Bauch los zu werden. Tagelange Schmerzen bis hin zu kollikartigen Krämpfen.

Auch an diesem Wochenende war es so, daß ich meist zusammengekrümmt auf den Bauch lag und mich kaum rühren konnte. Ich versuchte es wieder mit einem längeren Sparziergang, schon alleine des Hundes wegen. Doch mitten im Ausflug mußte ich mich übergeben. Teilweise mußte ich in die Hocke gehen, weil ich mich nicht mehr aufrecht hinstellen konnte.

Am Montag ging es mir immer noch so schlecht, daß ich mich schon wieder krank melden mußte. Nachdem ich zwei Stunden im Wartezimmer gewartet hatte, rief mich die Sprechstundenhilfe endlich ins Zimmer.

Dr. Hammen begrüßte mich freudig.

„ Guten Morgen“.

Ich erwiderte ihren Gruß. Aber nachdem sie mich angesehen hatte meinte sie:

“ Wenn ich sie so ansehe, ist das für sie doch nicht ein so schöner Morgen.“

„ Nein“, bestätigte ich. „ Und das Wochenende war auch ein Alptraum.“

Sie tastete den Bauch ab und ich erzählte ihr vom letzten Besuch von Dr. Scheinig. Als sie hörte, daß ich zwei Harnleiter zuviel hatte, veränderte sich ihr Gesichtsausdruck.

Mit einem Ton der keine Widerrede duldete bestand sie darauf mich ins Krankenhaus einzuweisen.

Meine Erinnerungen an das Wochenende waren noch zu frisch um dagegen anzugehen. Meine übliche Abneigung gegen alle Krankenhäuser kam mir jetzt fast lächerlich vor. Ich konnte das nicht mehr aushalten und ich wollte auch nicht mehr. Sie bekam meine Zustimmung, aber ich sagte, daß ich noch Zeit brauche um meinen Hund für die Tage unterzubringen. Das sah sie ein. Sie ließ mich allein im Sprechzimmer auf die Einweisungspapiere und die Krankenmeldung warten.

„ Alles gute, “ sagte die Sprechstundenhilfe und ich konnte gehen.

Wie üblich fehlte alles Mögliche für einen Krankenhausaufenthalt und genervt besorgte ich alles bei Woolworth, weil es dort für meine Bedürfnisse alles auf einen Schlag gab. Für einen Einkaufsbummel fehlte mir die Kraft und die Zeit war ohnehin begrenzt.

In meiner Wohnung mußte ich noch aufräumen und die Blumen mußten gegossen werden. Danach brachte ich Kim zu meiner Schwester Brigitte. Sie hatte selbst einen Hund.

Brigitte fuhr mich ins Krankenhaus und begleitete mich bis auf die Station.

Bei meinen Bettnachbarinnen handelte es sich um eine über achtzig jährige Frau, die nicht mehr sehr viel mitbekam. Auch bei ihr war in unklaren, welche Krankheit sie hatte. Aber das erfuhr ich erst im Laufe der nächsten vier Tage. Die neben mir lag war eine stark Übergewichtige um die fünfzig, die an Morbus Chrom litt. Eine chronische Darmentzündung.

Nachdem ich mich eine Stunde mit ihr unterhalten hatte, war mir klar, daß an dieser Frau nichts Sympathisches gab, außer das sie zu Hause einen Schäferhund hatte. Zumindest tierlieb ist sie, dachte ich genervt.

Sie hatte an alles und jeden was auszusetzen. Es war zu schmutzig, die Krankenschwester nicht nett und die ältere Frau nervte sie auch. Die einzigen die sie anhimmelte, waren die jungen Ärzte und ihr Verhalten ihnen gegenüber konnte man nur als peinlich bezeichnen. Der Stationsarzt war ein gutaussehender junger Mann in den dreißiger und ihre Flirtversuche waren geradezu lächerlich. 

Nachdem der Arzt mich befragt und untersucht hatte, bekam ich Schmerztropfen verabreicht.

Am nächsten Morgen litt ich an starke Übelkeit und Kopfschmerzen.

Nachdem ich den Klingelknopf betätigt hatte, kam auch sofort eine Schwester. Sie maß den Blutdruck und stellte fest, daß dieser viel zu niedrig war. Das Fußende des Bettes wurde hoch gestellt und der Arzt verständigt.

Dieser kam auch kurze Zeit später. Mir ging es wirklich sehr schlecht und der Arzt nahm noch mal Blut ab.

Damit ich nicht noch zusätzlich Schmerzen bekam, gab er mir vorsorglich die Schmerztropfen.

Diesen Tag verbrachte ich im Bett. Meine Mutter und Brigitte kamen zu Besuch, aber leider konnten sie nur wenig mit mir sprechen. Ich übergab mich immer wieder und die Kopfschmerzen wurden auch nicht besser. Mein Blutdruck war so weit unten, daß ich kaum aufstehen, geschweige laufen konnte.

Der Besuch zur Toilette war eine Qual. Zum einen war ich auf der Gastrologie, wo es nur Darm und Magenkranke gab. Frauen und Männer auf einer Station. Die Toiletten waren teilweise mit Kot und Blut verschmiert.

Als ich die Schwester auf die schmutzige Toilette aufmerksam machte, fauchte sie mich an: „ Ich kann mich schließlich nicht um alles kümmern.“

Die Nachschwester versorgte mich mit den Schmerztropfen und  diese Nacht regelmäßig mit einem Kühlbeutel. Gegen die starken Kopfschmerzen. 

Wir hatten nun den dritten Tag und der Arzt drängte zur Magenspiegelung. Meine Übelkeit und die Kopfweh waren noch genauso schlimm wie am Vortag, aber sie mußten mit den vorgegebenen Untersuchungen beginnen. Da mein Magen nichts vertragen konnte, machte mir die Wartezeit bis zum Mittag nichts aus.

Der Krankenpfleger schob mich mit dem Bett in die Untersuchungsräume. Unterwegs beruhigte er mich, daß ich von der Magenspiegelung nichts mitbekommen würde. Er war schon älter, eher der väterliche Typ und gab mir noch Tipps wo ich Akupressur machen solle, um die Kopfschmerzen los zu werden.

Natürlich hatte ich aufgrund der nun folgenden Untersuchung ein komisches Gefühl. Meine Versuche den Arzt davon abzubringen und mich erst beim Urologen vorzustellen, was nach den Einlieferungsgründen (vier Harnleiter) für mich nur logisch war, fanden kein Gehör.

Ich wurde als überängstlich hingestellt und die ersten Anzeichen, daß er meine Unterbauchschmerzen als psychosomatisch ansah, kamen jetzt schon zu Tage.

Normalerweise hätte ich mir das nicht bieten lassen, aber da mir so elend war, sagte ich nichts.

Von der Magenspiegelung merkte ich nichts, da man mir eine Spritze gab. Erst im Zimmer wurde ich wieder wach. Sofort gab man mir die üblichen Tropfen. Ich versuchte mich zu weigern, da ich nun keine Schmerzen mehr hatte. Aber die Schwester bestand darauf.

Nachdem festgestellt wurde, daß irgendjemand mein Mittagessen verspeist hatte, ging ich mich erst einmal duschen.

Kaum war ich wieder im Zimmer, ging es mir wieder schlecht und die Kopfschmerzen stellten sich wieder ein. Ich versuchte mich dagegen zu währen.

Meine Mutter kam zu Besuch und wir gingen trotz meiner Übelkeit an die frische Luft. Als wir wieder auf Station kamen wartete schon der Stationsarzt auf mich. Die Krankenschwestern waren alle schon ganz aufgeregt, weil ich nicht auf meinem Zimmer war.

Meine Mutter verabschiedete sich und der Arzt setzte sich zu mir ans Bett. Er berichtete mir, daß die Magenspiegelung nichts ergeben hatte.

Das wunderte mich wenig. Schließlich hatte ich keine Magenprobleme.

„ Aber“, sagte er sehr souverän: „ Sie müssen sich keine Sorgen machen, falls wir nichts finden. Das Krankenhaus hat seit neusten eine Station für psychosomatisch Erkrankte.“

„ Ich habe in regelmäßigen Abständen schreckliche Bauchschmerzen seit einem halben Jahr“, stellte ich fest.

„ In meinem Kopf ist alles kerngesund. Warum machen sie keinen Termin, mit den im Krankenhaus befindlichen Urologen?“

„ Ich glaube ihn ja, daß sie Schmerzen haben“, sagte er in einen Ton, der vermuten ließ, daß er mir kein Wort glaubte.

„ Außerdem ist mir schlecht und ich habe immer noch Kopfschmerzen, “ ließ ich ihn wissen.

Er stand wortlos auf.
Keine fünf Minuten später stand eine Schwester mit kleinen Plastiktopf in dem die Tropfen waren, vor mir.

„ Gegen ihre Kopfschmerzen“, sagte sie. Ich nahm sie. Ich war mittlerweile gereizt.

Eigentlich hatte ich schrecklichen Hunger, aber nachdem ich die Tropfen genommen hatte, erbrach ich Schleim und fing vor Übelkeit und den nun wirklich nicht mehr auszuhaltenden Kopfschmerzen an zu jammern.

Die Bettnachbarin klingelte. Die Schwester fragte noch ganz doof was denn jetzt schon wieder sei.

„ Mir geht’s jetzt wirklich schlecht“, stammelte ich. Erbrach zur Unterstreichung noch mal in die Nierenschale, die aufgrund meines Mageninhaltes, nämlich sechzig Schmerztropfen vollkommen ausreichte.

Sie lief raus und kam mit dem Arzt zurück. Dieser war genervt und gab sich auch keine Mühe es zu verbergen.

„ Sie müssen auch nicht immer nur im Bett rum liegen und jammern“, sagte er. „ Gehen sie doch mal an die frische Luft. So krank sind sie nicht, daß sie nicht raus dürfen.“

Ich übergab mich jetzt während er dabei stand. Die Dicke meldete sich jetzt auch noch zu Wort.

„ Die wirklich Kranken hier im Zimmer stellen sich am wenigsten an“, säuselte sie den Arzt zu.

Aber der reagierte nicht auf das, was die sagte, sondern maß den Blutdruck persönlich und gab der Schwester Anweisungen, das Fußende hoch zu stellen.

„ Morgen machen wir mit den Untersuchungen weiter“, meinte er grimmig. Und das hörte sich fast wie eine Drohung an.

Dann ging er.

Bevor die Frühschicht des Personals sich in den Feierabend begab, wurde ich nochmals mit den Tropfen versorgt. Mir ging es mittlerweile so schlecht, daß ich sie einfach wortlos nahm.

Die Nacht war ein Alptraum. Die Nachtschwester hatte scheinbar keine Lust mehr, den Kühlbeutel ständig auszuwechseln. Sie reagierte einfach nicht mehr auf mein Klingeln.

Als ich auf die Toilette mußte, die immer noch oder erneut verdreckt war, kam mir ein Mann entgegen, der sich wegen des Saustalls, wie er es nannte stark aufregte. Ich hätte gerne mit gezetert, aber ich versuchte von der Schwester einen Kühlbeutel zu bekommen.

Fehlanzeige. Die war so vertieft in einem Gespräch mit dem Krankenpfleger, daß ich sie nicht stören mochte. Zumal sie sich gerade darüber aufregte, daß die Patientin wegen jeder Kleinigkeit stören würden. Nicht mal in Ruhe ihren Kaffee, könnte sie trinken.

Frierend kroch ich schnell wieder ins Bett und versuchte mich so geräuschlos wie möglich von den Tropfen in meinen Magen zu befreien. Die Dicke neben mir grunzte zwischendurch und ich befürchtete, sie würde, wie die Nacht zuvor wieder schnarchen. Aber sie schlief verhältnismäßig ruhig weiter. 

Donnerstagmorgen konnte ich die Schwester, die nun an meinem Bett stand, kaum noch erkennen. Die Kopfschmerzen hatte nun die Überhand genommen und ich konnte nur noch blinzeln.

„ Frau Christiansen geht es ihnen besser?“ Ich lallte nur irgendwas. Versuchte mich aufzurichten, doch bei den Sturz zur Seite hatte ich das Gefühl, in der Halligalli zu sitzen und ich würde aus den Sitz geschleudert.

Die Schwester die schon etwas älter war, tastete nach meinen Puls, nachdem sie mich wieder gerade gelegt hatte.

Es kam noch eine Schwester die mir bekannt war und fragte:

 „ Und?“ Sie sah ihre Kollegin an.

Die sah jetzt auf meine Krankenakte und sagte: „ Tramalunverträglichkeit.“

Dann verschwanden beide und ich sah für die nächsten Stunden keinen Arzt und keine Schwester, die sich für meine Übelkeit interessierten. Es wurden die üblichen Behandlungen und Pflegemaßnahmen bei der alten Frau und bei der Dicken durchgeführt.

Das Gerede von der letztere ging mir allerdings so stark auf die Nerven, daß ich nicht mal einnicken konnte.

Als für die dann auch noch ein Stuhl gebracht wurde, daß sie ihren Darm entleeren konnte, war es einfach zuviel. Zweihundertzwei Kilo stellte man fest, als extra für sie eine Viehwaage geliefert werden mußte. Sie bestand zwar darauf, daß die Herren sich verwogen haben, weil sie schon immer nur zweihundert Kilo gewogen hatte.

Ich konnte den Anblick von zweihundertzwei Kilo Masse, kackend auf den Stuhl sitzend, nicht ertragen. Zumal man mir gleichzeitig das Frühstück aufdrängen wollte.

Als ich mich aus den Bett quälte, fragte die Schwester mich aller ernstes, ob ich immer noch keinen Hunger hatte.

Ich war mir fast sicher, daß ich schon in der Psychiatrie war. Wenn es mir nicht so schlecht gegangen wäre, und ich als gesunder Mensch dort gewesen wäre, hätte man sicher darüber lachen können.

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