Titel

Wikingerwelten Band 1

Leseprobe

Urheber
Rainer W.Grimm

Verlag
BoD Norderstedt
Bindung
Paperback
Seitenzahl
140
Sprache
Deutsch
Format
14,8 x 21 cm
ISBN
978-3-8391-1877-1
Preis
€ 8,95 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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„Wikingerwelten Band I“ ist der erste Teil einer Sammlung von historischen Begebenheiten und bedeutenden Ereignissen der nordischen Welt, die durch die Phantasie des Autors noch einmal zum Leben erweckt werden. Er erzählt die Geschichte in der aus dem Norweger Rollo der Begründer der Normandie wurde oder von einem bekehrungswütigen Priester, der auf Island sein Unwesen trieb. Von dem jungen Grönländer Leif Eriksson, der einer Erzählung folgend, fünfhundert Jahre vor Columbus das Land entdeckte, das man heute Amerika nennt. Und er erzählt die Lebensgeschichte des heidnischen Wikingerkönigs Olaf, der zum überzeugten Christen wurde und versuchte sein Land unter dem neuen Glauben zu vereinen.


Leseprobe

2. Rollo und der gestürzte König

Ich erzähle euch die Saga von Göngu Hrolfr. Von Rolf dem Vagabunden!

Es war zu der Zeit als König Harald Harfagr, den sie alle Schönhaar nannten, über das Land am Nordweg regierte. Da lebte in einem Fjord, weit im Norden des Landes, ein junger Bauer mit dem Namen Rolf. Doch nannten ihn alle nur Rollo. Dieser Mann war bei seinen Nachbarn wenig beliebt, denn er galt als unfreundlich und äußerst gewalttätig. Nur allzu oft hatte Rollo schon mit den anderen Bauern im Streit gelegen und der Herrscher des Gaus musste auf dem Thing (Ratsversammlung der nordischen Völker) , immer wieder durch seinen Rechtsspruch für Ordnung sorgen. Und so kam es, dass der streitbare Bauer wieder einmal vor dem Fürsten des Helgelandes stand. Doch diesmal stand es nicht gut für ihn. Die Schafe eines Nachbarn hatten die Wiesen des Bauern Rollo abgegrast. Darüber war der aufbrausende Mann so in Wut geraten, dass er seinen Nachbarn kurzerhand im Zorn erschlug. Nun des Totschlags angeklagt, führte man Rolf erneut vor den Herrscher des Helgelandes. Doch eigenwillig und trotzig wie

 der junge Bauer nun mal war, lehnte er die Zahlung einer Mannesbuße (Strafzahlung an die Hinterbliebenen eines Opfers) ab. Schließlich war der Nachbar seiner Meinung nach selbst schuld an dem Unglück. Da war es dem Jarl (Graf, Fürst, herrschten oft als Kleinkönige über ein Gau, engl. Earl) und dem Altenrat zuviel der Frechheit. Kurzerhand verbannten sie Rollo, den jähzornigen Bauern, für vier Jahre auf die Orkney Inseln und unter Todesdrohungen verboten sie ihm die Rückkehr in seine Heimat. Doch nur zwei Jahre hielt es den verbannten Mann auf den Orkneys. Dann belud er sein Schiff, um auf das Nordmeer hinaus zu fahren. Nach und nach wuchs auch die Zahl der Seekrieger, die sich dem Rollo anschlossen und bald befehligte er eine voll bemannte Schnigge (schlanker Schnellsegler der Wikinger, mit bis zu dreißig Riemen) mit der er als Seeräuber und Wikinger, an den Küsten von Norwegen sein Unwesen trieb. So machte sich der Bauer, der auf die Orkney Inseln verbannt war, in den nordischen Königreichen einen üblen Namen. Viele Seekönige buhlten plötzlich um die Gefolgschaft des Rolf und so kam es, dass sich der Vagabund, wie ihn die Menschen im Norden nun nannten, einem dänischen Wikingerführer anschloss. Keine Küste war sicher vor der Wikingerflotte dieses dänischen Seekönigs und kein Heer vermochte es, die Angriffe zu unterbinden. Das Sachsenland, die großen Handelsplätze der Friesen, die Städte an den Flüssen im Wendenland und auch die Insel der Angelsachsen wurden von ihnen verheert und gebrandschatzt. Die Küsten der Nordländer jedoch verschonte der Däne und dies ärgerte Rollo sehr, denn ihn drängte es in das Helgeland zurück. Der Rache wegen! Er musste sich aber dem Befehl seines Anführers beugen, hatte er doch einen Eid geleistet und diesen zu brechen, hätte ihm sicher kein Glück gebracht. Doch es kam, dass nach jedem Überfall den sie begingen, der Unmut der Wikinger über die ungerechte Verteilung der Beute wuchs. Der Seekönig bezahlte sein Gefolge schlecht und behielt den größten Teil der Schätze für sich. 
So war es Rollo der seine Stimme erhob und der den Aufstand und die Meuterei gegen den dänischen Anführer anzettelte. Als er genügend Krieger auf seiner Seite wusste, trat er vor den Wikingerfürsten und sprach zu ihm, mit drohenden Worten. „Lange genug hast du uns um unseren Anteil betrogen, Däne! Es ist an der Zeit, das ein ehrlicherer Mann an deine Stelle tritt!“ „Und dieser Mann willst du sein, Rollo?“ zischte der Seekönig leise und lachte dann bitter. „Ich weiß nicht ob ich der Mann sein werde, der an deine Stelle tritt! Aber ich weiß das ich derjenige bin, der dir sein Eisen in den Leib sticht!“ Ein Großteil der Gefolgschaft begann zu jubeln, doch es gab auch Männer, die weit weniger begeistert waren oder sogar noch ganz hinter dem Anführer standen. So zog Rollo sein Schwert und der Däne tat es ihm gleich. „Nun wirst du für deine Frechheit bezahlen, Rollo“, rief der Anführer der Wikinger. Doch zur Antwort hieb der Norweger mit dem Schwert nach dem Seekönig. Laut klirrend schlugen die Klingen gegeneinander und die Männer bejubelten  jeden Schlag, des einen oder anderen Kämpfers. Rollo war der Jüngere der Kontrahenten, er zählte nun etwa siebenundzwanzig Sommer und Winter. Wogegen sein dänischer Gegner schon über vierzig Mal das Mitsommerfest gefeiert hatte. Der Anführer der Wikinger war aber ein erfahrener und geschickter Krieger und machte es dem Rollo auch recht schwer. Doch je länger der Kampf andauerte, umso mehr wuchs der Siegeswille des Norwegers und der Schwertarm des Dänen begann langsam schwerer zu werden. Jeder Hieb und jeder Stich mit der ehernen Waffe, kostete die Kämpfer viel Kraft und so war der Jüngere der beiden bald im Vorteil. Doch es war Rollo, der die erste Wunde davontrug, denn ein schneller Schwerthieb hatte ihn im Gesicht getroffen und seine Wange aufgeschlitzt. Kein tiefer Schnitt, aber schmerzhaft. Und nun trat der Jähzorn des Kriegers hervor, den man aus dem Helgeland wegen genau dieser schlechten Eigenschaft verbannt hatte. Jetzt schlug er ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben, auf den dänischen Seekönig ein. Schlag um Schlag sauste das Schwert auf den Gegner nieder und es dauerte nicht lang, da fand das Eisen des Rolf auch sein Ziel. Ein Hieb traf den Anführer in die Schulter, zerschlug seinen ledernen Wams und das Blut aus der tiefen Wunde, tränkte schnell das wollene Hemd des Dänen. Doch der Mann gab nicht auf. Mit dem Mute der Verzweiflung stürmte er gegen den Gegner, aber die Kraft hatte ihn verlassen und nun war es für Rolf den Vagabunden ein Leichtes. Er trieb ihm seine Klinge direkt in die Brust und es knackte laut, als der Stahl das Brustbein des Mannes durchbohrte. Der Däne starb wenig später an seinen schweren Verwundungen und Rollo wählten die Männer bald darauf zu seinem Nachfolger. So wurde aus einem verbannten norwegischen Bauern, ein Seekönig mit einer Flotte von fünf Schiffen und einem Heer, das zum größten Teil aus dänischen Kriegern bestand. Nun machte sich der Wikinger Rollo, so wie er es gewohnt war und um seinen Rachedurst für die Schmach der Verbannung zu stillen, über die Küsten von Norwegen, Schweden und Dänemark her. Der Seekönig überfiel so manche Siedlung und nun, da er eine Flotte befehligte, waren auch die größeren Städte nicht mehr vor ihm sicher. Bald gab es keinen König mehr in ganz Thule (alte Bezeichnung für die skandinavischen Königreiche), der nicht versuchte diese Plage loszuwerden.

Es war bereits Herbst und schwere Stürme tobten über das Nordmeer. Kaum ein Kaufmann oder Eroberer wagte sich noch mit seinem Schiff auf die wütende See hinaus. „Ja! Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um eine große Stadt zu überfallen“, dachte Rollo. Im Herbst und im nahenden Winter fühlten sich die Menschen des Nordens sicher und ihre Wachsamkeit ließ nach. Es würde große Beute auf sie warten, denn die Stadtkassen der Hersen und auch die Geldschatullen der reichen Kaufleute, waren nach dem Sommer meist gut gefüllt. Außerdem war die Zeit gekommen in der die Steuereintreiber der Könige durch das Land zogen, um den Zehnten einzufordern. Die Bedenken einiger seiner erfahrenen Krieger, beachtete der Wikingerkönig nicht und so ließ er seine Schiffe seeklar machen. Grau war der Himmel und heftiger Regen fiel auf die Männer herab, als sie rudernd ihr Versteck auf einer kleinen Insel in einem Fjord, nicht weit der Shetlands verließen. Ein kräftiger Wind blies aus Norden und das Segeltuch spannte sich fast bis zum zerreißen. Die Südküste Norwegens sollte ihr Ziel sein, denn hier gab es reiche Städte die vom Handel mit den Kaufleuten aus dem Reich der Deutschen, dem der Franken und Wenden profitierten. Die Jarle und auch die Stadthersen (Stadthalter, Bürgermeister) der südlichen Gaue, erlaubten sogar den christlichen Priestern ihren Glauben zu verkünden und in mancher Stadt gab es bereits eine Kirche. Dies wiederum hatte die reichen Kaufleute des Südens, an die Handelsplätze des Nordens gezogen. Doch als der Seekönig Rollo die Südküste erreichte und in dem Gau Hardanger die Stadt Kap Lindesnäs überfallen wollte, gab es für ihn eine böse Überraschung. Die Ankunft eines nahenden Wikingerheeres hatte sich schnell herumgesprochen und so kam es, das Rollo in Hardanger bereits erwartet wurde. Die Macht des hier herrschenden Jarls Namens Erik war groß, denn er war der älteste Sohn des norwegischen Königs Harald Schönhaar und sollte später den Beinamen „Blutaxt“ erhalten, für all die Morde, die er im Kampf um die Macht an seinen Brüdern begehen würde.

Der Moment der Überraschung blieb den Seeräubern versagt und so hatte der Jarl von Hardanger ein Heer nach Kap Lindesnäs geschickt, um die Wikinger in die stürmende See zurück zu jagen. Als Rollo das große Aufgebot an Schiffen sah, das sich ihm an den Gestaden der großen Handelsstadt entgegen stellte, gab er den Befehl die Schniggen zu wenden und segelte hinaus auf das Meer. Nun aber geriet die Wikingerflotte Rollos in einen heftigen Herbststurm und wurde nach Süden getrieben. Einige der Männer glaubten bereits, der Seekönig hätte sein Heil verloren und die Götter würden ihm zürnen, da er sich aus Rache an seinem eigenen Volk vergriff. Doch noch folgten sie ihm!

Längst hatten die Wikinger den Sturm hinter sich gelassen und zu ihrem Glück, hatten die Schiffe kaum Schaden genommen, da ließ Rollo, zur Verwunderung seiner Männer weiter nach Süden segeln. Und so erreichten die fünf nordischen Großsegler bald die Westküste des Frankenreiches. Über einen Fluss ruderten sie ein Stück weit in das Landesinnere bis sie eine Stelle erreichten, die in den Augen des Anführers gefallen fand. Hier gingen die Männer an Land, zogen ihre Schiffe auf den Strand und errichteten ein großes Wik. Und sofort begannen sie damit, die Dörfer und Siedlungen der Umgebung zu überfallen und auszuplündern. Sie stahlen das Vieh, schändeten die Weiber und töteten die Männer.

Als der Winter einbrach waren alle Siedlungen und Höfe in der Nähe des Wikingerlagers verlassen und die Menschen geflohen. Doch zur Verwunderung des Seekönigs Rollo blieben die Eindringlinge größtenteils unbehelligt. Kein Heer kam, das sich ihnen zum Kampf entgegen stellte und das die Wikinger für ihre Taten bestrafte. Was musste der Herrscher dieses Landes doch für ein Feigling sein! Für Rollo schien es, als ließe sich hier der Winter gut verbringen. Sie hatten Nahrung und Wasser, hatten ein wärmendes Feuer und Sklavinnen. Außerdem gab es Holz im Überfluss und so wurden aus den Zelten mit der Zeit feste Hütten. Bald schon, bauten sie sogar große Langhäuser und Rollo, als ihr Anführer und Seekönig, besaß das Schönste. Sogar eine große Methalle hatten sie erbaut, in der die Wikinger ihre Feste feierten. Einige fränkische Weiber, die sie gefangen hatten, waren ihre Bräute geworden und es schien fast als wäre aus dem Haufen wilder Wikinger, nun eine Schar von einfachen Siedlern geworden. Als aber der Frühling kam, war es dann mit der Ruhe vorbei, denn aus Rollo war keineswegs wieder ein einfacher Bauer geworden. Er war immer noch der raue Wikinger, der vor einigen Wintern von den Orkneys geflohen war und jetzt da der Schnee schmolz, wollte er sehen was dieses Frankenreich einem wilden Nordmann noch zu bieten hatte. Von den reichen Städten entlang des Flusses, den die Franken Seine nannten, hatte Rollo schon oft gehört und nun wollte er sich vergewissern, ob dies auch der Wahrheit entsprach. Schließlich wäre er nicht der erste Wikinger gewesen, der bis vor die Tore von Paris segelte. Den Winter über hatten sie ihre Schiffe ausgebessert, nun lagen die fünf Schniggen zur einen Hälfte im Wasser und zur anderen auf dem Strand. Und als diese mit Proviant und ihren Habseligkeiten beladen waren, stachen sie in See, um auf Raubfahrt zu gehen. Nur wenige Männer ließ Rollo als Wachen im Wik zurück.

Die Drachenschiffe segelten entlang des großen Flusses und folgten dem Strom nach Süden. Und bald schon erblickten sie die Dächer einer kleinen Stadt, die den Kampfeseifer der Nordmänner zu spüren bekommen sollte. Im Morgengrauen, als die Stadt noch halb im Schlaf lag, rutschten die Kiele der Schniggen in den Sand des Flussufers und der Angriff begann. Die überrumpelten Stadtwachen hatten den Angreifern wenig entgegen zu setzen und waren schon nach einem kurzen Kampf nieder gehauen. Doch viele Männer in der Stadt waren sehr wehrhaft und stellten sich den Wikingern zur Schlacht. So beschränkte sich der Überfall auf das Viertel, das dem Fluss am nächsten lag. Bald schon war der Spuk beendet, denn so schnell und überraschend sie gekommen waren, so schnell verschwanden sie auch wieder. An einem geeigneten Ort, etwas weiter Flussabwärts, schlugen sie ihr Lager auf, um zu sehen wie groß ihre Beute war. Doch sie war weit weniger wertvoll ausgefallen, als die Männer gehofft hatten. Da es Rollo aber nicht geschafft hatte in den Stadtkern vorzudringen, entgingen ihm die ersehnten Schätze im Haus des reichen Hersen und somit auch die sicherlich gut gefüllte Stadtkasse. Verärgert musste er sich eingestehen, dass sein Heer für einen Raubzug auf eine Stadt zu klein war. Also zogen sie durch das Land und überfielen Gehöfte und Dörfer oder auch einmal den Sitz eines Grafen. Und je länger der Raubzug des Rollo und seiner Wikinger durch das nördliche Frankenland andauerte, umso lauter wurde der Ruf des Volkes nach Vergeltung. Doch wenn der Frankenkönig ein Heer aussandte, um die Nordmänner zum Kampf zu stellen, waren diese schon längst wieder verschwunden. Dieses Katz und Maus Spiel trieben die Wikinger den ganzen Sommer über, bis sie sich im Herbst, als die ersten bunt gefärbten Blätter fielen, auf den Weg in ihr Lager im Norden des Landes machten. Die Schiffe waren voll beladen mit dem Raubgut des letzten Sommers, als ihre Kiele den Strand vor ihrem Wik an der Seine erreichten. Freudig wurden sie von den Menschen im Lag er begrüßt, die schon lange auf die Rückkehr ihrer Gefährten gewartet hatten. So mancher Wikinger war im letzten Sommer Vater geworden und staunte nun nach der Ankunft nicht schlecht, als ihm das Frankenweib, das er vor vielen Monden verlassen hatte, ein Kind in die Arme legte. Der Herbst hielt schnell Einzug und die Blätter fielen zuhauf von den Bäumen. Es wurde spürbar kälter, doch nicht annähernd so kalt wie in ihrer Heimat und so fühlten sich die Nordmänner ganz wohl in dem Wik. Einige von ihnen hatten sogar mit ihren Weibern die verlassenen Höfe in der Umgebung bezogen und fingen an ein normales Bauernleben zu führen. Und es kamen sogar noch Männer in das Wik, um sich dem Wikingerkönig Rollo anzuschließen. Von Dänemark waren sie in das Frankenland gesegelt, als sie von der Landnahme des Wikingers Rolf und der Schönheit dieses Landes hörten.

Doch das Blatt sollte sich wenden! 

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