Titel

Wandelbar
Zeitreise durch das Leben

Leseprobe

Herausgeber
Elfie Nadolny und Wolf-Jakob Schmidt

Verlag
Tordenfjord-Verlag Bremerförde
Bindung
Paperback
Seitenzahl
205
Sprache
Deutsch
Format
Taschenbuch
ISBN
978-3-9399-4811-7
Preis
€ 14,80 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

Internet
www.inselchen.com

Kaufen
Buchhandel
Internetshops

www.tordenfjord.de
www.amazon.de

Bei diesem Buch handelt es sich um die nun schon 4. Anthologie des Inselchen-Forums, das zu der Internetseite http://www.inselchen.com gehört. Auch dieses Mal haben wir eine Blütenauslese ausgewählter Texte und Bilder von Mitgliedern des Forums zusammengestellt.  

Wenn sich das Jahr – wie das Leben - auch in Zeiteinschnitte einteilen lässt, so ist doch der Übergang innerhalb des Jahres, der Natur und des menschlichen Seins fließend. Das Jahr wie der Mensch als Ganzes bleiben erhalten – etwa wie ein Rahmen, innerhalb dessen Veränderungen auf dem Bild stattfinden.  

Schon die alten Griechen kannten den Begriff vom Fließen und vom Fluss des Lebens.

Das bekannte Zitat vom „panta rhei“, übersetzt mit „Alles fließt“, das auf Heraklit zurückgeführt wird und z.B. von Platon aufgegriffen und interpretiert wurde, ist in der Literatur und Philosophie immer wieder anzutreffen. So beschäftigen sich schon lange die großen Denker mit dem Sein als ewigem Wandel.  

Goethe äußert sich z.B. in seinem Gedicht: „Dauer im Wechsel“ folgendermaßen:  

„Gleich mit jedem Regengusse

Ändert sich dein holdes Tal,

Ach, und in demselben Flusse,

Schwimmst du nicht zum zweiten Mal.“  

Wie sich die Natur fließend verwandelt, wie Blumen wachsen und verwelken, so verwandeln auch wir uns fließend, ohne uns dabei ganz in unserer Persönlichkeit zu verändern. Wie bei Bäumen kommt es auch bei Menschen vor, dass angeborene Triebe nicht richtig entwickelt werden. Im Gegensatz zu den Pflanzen haben wir als „Vernunft - begabte Wesen“ aber die Chance, den richtigen Moment zu ergreifen und zu erkennen, dass wir wachsen, indem wir lieben. Wobei Pflanzen diese Wahrheit kennen, ohne sie erkennen zu müssen. Wir aber brauchen das „carpe diem“, das „Nutze den Tag“, um uns über Grund legende Wahrheiten klar zu werden.  

Daher haben wir uns mit dem Wandel der Natur und den Festen und Höhepunkten innerhalb eines Jahres und parallel dazu mit schönen, aber auch schmerzlichen Dingen eines menschlichen Lebens befasst, die zum Jahr wie zum Leben gehören.  

Wir haben ein Buch geschrieben, das den Leser auf eine Reise in die fließenden Übergänge und wechselnden Zeiten, Begebenheiten und Gefühle des Lebens mitnehmen soll. Wenn er erkennt, dass das Leben immer seinen Platz findet, was auch immer geschieht, dann haben wir – abgesehen von der reinen Unterhaltung – das erreicht, was wir erreichen wollten.

Leseprobe

Alles fließt – panta rhei 

Immer wieder zog es Angie magisch an den Fluss, ihren Fluss.

Seit Jahren ging sie täglich dorthin und suchte ihre Erinnerung.

Vor ihrem geistigen Auge sah sie, wie sie als junges Mädchen Hand in Hand mit ihm dort entlang gelaufen war, wie sie gelacht und gescherzt hatten, sie hatte ihre Füße damals so gerne in den Fluss getaucht und mit ihren Zehen im Wasser gespielt.

Um sie herum schienen nur Schmetterlinge zu fliegen, damals. Es war schön und sie war glücklich wie nie zuvor in ihrem Leben.

„Schau mal“, hatte er zu ihr gesagt: „Alles fließt.“ Sie schaute ihn an und antwortete: „Ja, panta rhei. Hat das nicht Heraklit gesagt?“

Sie hatten damals sehr viel über Philosophie gesprochen, über ihre Ziele, Wünsche und Wertvorstellungen. Und Angie dachte, es würde immer so weitergehen. Jedes Treffen verlief harmonisch und sie waren unzertrennlich.

Doch dann rückte der Zeitpunkt des Abiturs immer näher, Andreas bewarb sich um einen Studienplatz der Altphilologie und Angie um einen Medizinplatz, die Zusagen kamen. Angie konnte in ihrer Heimatstadt bleiben und Andreas erhielt einen Platz in einer sehr entfernten Stadt. Angie freute sich ja über die Zusagen, aber die Vorstellung der Trennung schnürte ihr die Kehle zu und Tränen traten in ihre Augen. Als er das bemerkte, sagte er: „Das ist doch eine rein äußerliche Entfernung, wir werden immer Freunde bleiben.“ Und er küsste sanft ihr Haar. Sie dachte: „Oh, Andreas, ich liebe dich!“, aber sie sagte es nicht.

Nachdem er sich ein Zimmer in der anderen Stadt genommen hatte, ging Angie jeden Tag an den Fluss, hing ihren schönen Erinnerungen nach und wartete auf den Tag, an dem sie wieder mit ihm zusammen an dem Fluss spazieren gehen würde. Er rief oft an und schrieb auch häufig. Und die Briefe las sie immer auf der gleichen Bank. Immer wieder war sie versucht ihm zu schreiben, wie sehr sie ihn liebe, aber dann entschied sie sich dafür, ihm das persönlich an dem Tag des Wiedersehens zu sagen.

zurück