Titel

Verlorenes Weltwunder
Das Bernsteinzimmer


Leseprobe

Urheber
Mario Morgner

Verlag
BoD Norderstedt
Bindung
Paperback
Seitenzahl
216
Sprache
Deutsch
Format
Din A5
ISBN
978-3-8423-6409-7
Preis
€ 19,90 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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1980 erklärte Erich Mielke, Minister für Staatssicherheit der DDR, die Jagd nach dem verschollenen Schatz zum offiziellen, geheim zuhaltenden Vorgang mit dem Decknamen “Puschkin”.

Die Suche nach verschollenen Kunstgegenständen des Zweiten Weltkrieges war in der ehemaligen DDR Sache der Staatssicherheit. Das Ministerium war von Anfang an in die Suche involviert. Ein eigener Bereich unter dem stellvertretenden Minister für Staatssicherheit Gerhard Neiber wurde dafür eingerichtet. Mit der Suche wurde Oberstleutnant Dr. Paul Enke unter von Oberst Hans Seufert beauftragt. Vorrangig ging es dem Ministerium um das Auffinden des 1945 verschwundenen Bernsteinzimmers Das vorliegende Buch stellt eine Auswertung der Suche des Ministeriums und der Akte “Puschkin” dar.

Das Original des Bernsteinzimmers, das 1716 der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. an Zar Peter I. verschenkte, ließ Zarin Elisabeth später im Katharinenpalais bei Petersburg errichten und mit weiteren Schnitzereien, Spiegeln und Möbeln vervollkommnen.

Von Wehrmachtssoldaten 1941 sichergestellt und in Kisten verpackt, wurde es nach Königsberg gebracht. Hier verliert sich mit dem Untergang der Ostpreußens 1945 die Spur des Bernsteinzimmers. Vielen Legenden umwittertes Schicksal der wertvollen Paneele bis heute. Weder Wissenschaftler noch Geheimdienste oder die zahllosen "Schatzsucher" konnten den Verbleib bisher aufklären.

Leseprobe

1944 befand sich die Front 150 km vor Memel, und somit war Ostpreußen bedroht.

Rohde machte sich Sorgen. Was wird passieren, wenn sich die Front nicht stabilisiert und Königsberg mit seiner Kunstsammlung und dem Bernsteinzimmer in die Reichweite sowjetischer Flieger gelangt?

Frühzeitig begann er deshalb mit Auslagerung der Kunstsammlung in scheinbar sichere Unterkünfte. Ein Brief Alfred Rohdes an Geheimrat Zimmermann verdeutlicht dies:

„Sehr verehrter Herr Geheimrat Zimmermann!

Die Unterbringung ihrer Leihgaben, die luftschutztechnisch einwandfrei ist, ersehen Sie aus beiliegender Aufstellung. Die kleineren Formate sind alle in Kisten zusammen mit unseren Bildern verpackt. Die Kisten stehen in Wildenhoff bei Zinten in absolut entlegener Gegend. 

Die mittleren Formate (7Bilder) stehen im ersten Stockwerk des Schlossturm, auch absolut sicher. Für diese 7 Bilder werde ich jetzt auch noch Kisten anfertigen lassen, vorausgesetzt, das ich Holz erhalte. 

Lediglich 2 Bilder stehen noch wegen ihrer zu großen Formate in einem besonderen Luftschutzraum des Schlosses, der aber auch als sicher anzusprechen ist.

Die beiden Miniaturen von Königswieser und Rose liegen in einer Kiste in einem Bunker außerhalb des Schlosses. Es ist dies ein neuzeitiger Hochbunker mit Heizungs- und Entlüftungs-Anlagen, in dem meine größten Kostbarkeiten (Frans Hals; C.D. Friedrich etc) liegen. 

Ich möchte empfehlen, sie hier zu lassen, da sie hier sicherer als in Berlin liegen. 

Transport möchte ich im Augenblick vermeiden und davon abraten, da mir erst kürzlich 2 Sendungen, eine nach Berlin und eine nach Dresden durch Feindeinwirkung verloren gingen. So sieht es mit der Luftsicherheit aus, die sicher besser ist, als im Westen, zumal wir Terrorangriffe kaum zu erwarten haben und die russischen Luftangriffe sehr milde sind.

 Ich war gerade letzte Woche einige Tage in Insterburg und habe das erleben können.

Anders liegt die Frage der etwaigen Räumung, die steht für uns aber nicht zur Diskussion und darf nicht erörtert werden. 

Als vor 10 Tagen Gall seinen Amtmann Mertsch schickte, um das hiesige Schloss zu räumen und die Sachen nach Kassel zu überführen, hat der Oberpräsident den schon in der Durchführung begriffenen Abtransport sofort unterbunden und wegen Beruhigung der Öffentlichkeit verboten.

Jedenfalls, wenn etwas geschieht, denke ich an Ihre Bilder in erster Linie!

Mit besten Empfehlungen und Heil Hitler, Ihr Rode“

(Quelle: MfS Sekr. Neiber Bd. 382 Blatt 57,58)

Gauleiter Koch hatte zu dieser Zeit andere Sorgen, ihm war die Bedrohung Ostpreußens vollkommen bewusst. 

Er ließ sich von Adolf Hitler die Genehmigung zum Bau des so genannten „Ostwalls“ geben, einem über 1000 km langen Graben, der hauptsächlich die sowjetischen Panzer aufhalten sollte. 

Am 24. August 1944 meldete Koch seinem Führer die Fertigstellung der Verteidigungsanlage in seinen Grundzügen.

Die Gefahr für Königsberg kam von unerwarteter Seite. In der Nacht vom 26. zum 27. August 1944 starteten die Briten einen verheerenden Luftangriff auf die Stadt. 167 Bomber mit 460 Tonnen Bomben flogen auf das Zentrum von Königsberg.

Ziel waren Wohngebiete und keine militärischen Anlagen. Bei diesem Angriff wurden erstmalig Stabbrandbomben mit verheerender Wirkung eingesetzt. 

Große Teile der ostpreußischen Hauptstadt waren ein Trümmerfeld. Kaum hatte sich die Königsberger Bevölkerung von diesen Schrecken erholt, fand in der Nacht vom 29. zum 30. August ein zweiter Luftangriff statt. 189 britische Bomber warfen 492 Tonnen Bomben vorwiegend in die historische Altstadt von Königsberg. 

Das Schloss ging in Flammen auf. 5000 Königsberger fanden den Tod.

Und das Bernsteinzimmer?

Dr. Alfred Rohde hatte mit seiner Familie unbeschadet den Bombenterror überstanden. Am Morgen des 30. August begab er sich sofort zum Schloss. 

Rohde stellte in den rauchenden Trümmern fest, dass die Kellergewölbe den Bomben standgehalten hatten. 

Lediglich einige Sockelplatten, die in einem anderen Raum lagerten, fielen den Flammen zum Opfer. 

Dr. Rohde unterhielt sich an diesem Tag mit Dr. Gerhart Strauß, Mitarbeiter der Königsberger Sammlung.

Thema war das Bernsteinzimmer. Strauß bestätigte nach dem Krieg die Aussage Rohdes, dass das Bernsteinzimmer nicht zerstört wurde. 

Nach seinen Erinnerungen stand das in Kisten verpackte Bernsteinzimmer zwei Tage nach dem Brand im Schlosshof und sollten in die ehemaligen Ordensräume im Nordflügel untergebracht werden. 

Der älteste Teil des Königsberger Ordensschlosses hatte den Bombenhagel relativ unbeschadet überstanden.

Ein Brief Dr. Rohdes an Geheimrat Heinrich Zimmermann, Rohdes Vorgesetztem in Berlin, vom 2. September 1944, bestätigt, dass das Zimmer den Angriff und den folgenden Brand überstand.

“Der Einfachheit bitte ich Sie, auch Herrn Direktor Prof. Dr. Schmidt, Berlin, Schlossmuseum, mitzuteilen, dass seine sämtlichen Leihgaben (Steinzeuge und Bernsteinobjekte) erhalten geblieben sind, ebenso Herrn Direktor Dr. Gall, dass das Bernsteinzimmer bis auf 6 Sockelplatten unversehrt geblieben ist.” (MfS Neiber, Band 382 Blatt 57)

Die 6 Sockelplatten waren mit den 24 Spiegeln nicht zur Aufstellung gekommen und im Keller des Schlosses separat von den anderen Teilen des Bernsteinzimmers gelagert. 

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