Titel

Universität des Lebens - Mein Jakobsweg nach Santiago de Compostela

Leseprobe

Urheber
Mieczyslaw Gasowski

Printbook / Ebook

Verlag
Verlag Kern / Verlag Kern
Bindung
Paperback
Seitenzahl / Dateigröße
152 / keine Angabe
Sprache 
Deutsch
Format
13,5 x 20 cm / keine Angabe
ISBN / ASIN
978-3-9442-2471-8 / 978-3-9394-7899-7
Preis
€ 16,90 (je nach Anbieter zzgl. Porto) / € 12,68

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Rückblickend war der Weg nach Santiago de Compostela für Mieczyslaw Gasowski sehr bereichernd. Er war angenehm überrascht, sah viel und traf sehr interessante Menschen aus verschiedenen Ländern, mit denen er viele aufschlussreiche Gespräche unter Pilgern führte. Dabei kam ihm natürlich zugute, dass er fünf Sprachen relativ fließend spricht. Auf dem Weg führte er ein Tagebuch, in dem er alles festhielt, was er sah und erlebte, so ganz für sich alleine. Nach der Rückkehr dachte er allerdings, dass er seine Erkenntnisse und Erfahrungen mit anderen teilen sollte. Und so entstand dieses Buch.

Was er schreibt, richtet er im Grunde an alle, nicht nur an jene, die zur Pilgerwanderung zum heiligen Jakob aufbrechen werden. All jene, die den Jakobsweg schon gegangen sind, können seine Eindrücke und Erlebnisse mit den ihren vergleichen. Jene hingegen, welche nicht an eine Pilgerwanderung dieser Art denken, können fragmentarisch erfahren, wie Leute unterschiedlicher Professionen, aus verschiedenen Ländern der Erde, über verschiedene Themen denken, was sie interessiert, was sie schmerzt, wovon oder womit sie (einfach gesagt) leben.

Der Autor freut sich, wenn jede Leserin/jeder Leser durch dieses Buchs in psychischer, intellektueller wie auch geistiger Dimension Bereicherung erfahren könnte.

Leseprobe

Der erste Tag der Pilgerwanderung
Route: Pamplona (Pampeluna) - Puente de la Reina
(24 km)
Die erste Nacht verbrachte ich - es ist schwer von Schlafen
zu sprechen, da ich mindestens zehnmal aufgewacht
bin - im Stadtzentrum in einer Pilgerherberge in einer
alten Jesuitenkirche. Nach Verlassen der Pilgerherberge
um 7:00 Uhr morgens richtete ich meine ersten Schritte
zur nahe gelegenen Kathedrale, die leider geschlossen
war. Nach einem kurzen Gebet vor den Toren der Kathedrale
brach ich auf nach Santiago de Compostela.
Auf den Straßen der Hauptstadt von Navarra streiften
meine Blicke die alten Gebäude, ich sah andere Pilger
wie auch viele Einheimische, die zur Arbeit eilten. Diese
Stadt - sowohl die alten wie auch die neuen Stadtteile
- machte auf mich einen besonderen Eindruck. Hier
wurde 1521 der spätere Heilige, Ignatius von Loyola,
verwundet, als er versuchte, trotz Überzahl der Franzosen
die Festung zu halten. Dieser Ort ist mit dem Orden
der Jesuiten eng verbunden.
Die Stadt verließ ich auf der südwestlichen Seite, um
mich auf den Weg zur Bergkette des Vergebens zu begeben.
Auf dem Weg blickte ich zurück auf die Pyrenäen,
auf Pamplona und auf die wunderschöne Landschaft, die
durch eine große Anzahl nüchterner Windräder leicht
verunstaltet war. Auf dem Pass Puerto del Perdon traf
ich eine große Gruppe von Pilgern. Alle machten Fotos
vor dem Hintergrund des modernen und schlichten Pil10
gerdenkmals, das jene Leute darstellt, die sich zu Fuß
oder mit dem Pferd nach Santiago de Compostela aufmachen.
Wegen des starken Windes ging ich sehr schnell
weiter. Gegen 18:00 Uhr erreichte ich mein Ziel, Puente
la Reina. Die Stadt ist durch die romanische Brücke
bekannt, die im 11. Jahrhundert der König von Navarra
im Auftrag seiner Frau erbauen ließ. Diese Brücke, ein
enger und steiniger Weg, wird bis heute begangen.. Ich
bewunderte die Baukunst dieses alten Wegs. Im Mittelalter
war das Überqueren solch einer Brücke mit einer
Abgabe verbunden, Pilger hingegen überquerten die Brücke
gratis. Kurz gesagt, trug diese Brücke zur Entstehung
und Entwicklung der Stadt bei. Ein Beispiel dafür ist das
Faktum, dass in Puente la Reina die Tempelritter im 12.
Jahrhundert hier eine Kirche und ein Kloster errichteten.
Die oben genannte Brücke beging ich dreimal, das erste
Mal, als ich mich zur Pilgerherberge "Santiago Apostol"
begab. Sie lag am Ende des Städtchens hinter dem Fluss,
wo ich mich aufhielt. Am Abend nach dem Abendessen
entschloss ich mich, in die Stadt zu gehen. Mein erstes
Abendessen nahm ich in Gesellschaft von zwei kanadischen
Frauen und einem Ingenieur der Firma Boeing aus
Seattle zu mir. Das Gespräch betraf zum großen Teil den
Zweiten Weltkrieg und seine tragischen Folgen für die
osteuropäischen Länder. Alle äußerten die Meinung, dass
manche Länder, wie Polen, aus diesem Grund bis heute
zu leiden hätten. Der derzeitig sehr niedrige Lebensstandard
ist auf den Kommunismus zurückzuführen, dessen
Ursache im Verlauf des Zweiten Weltkrieges zu suchen
ist. Der Dialog war sehr bereichernd.
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An dieser Stelle möchte ich noch etwas über andere Pilger
erwähnen, die ich auf der Route des ersten Tages traf.
Die erste Pilgerin war eine Frau aus dem Europarat, mit
der ich unter anderem das Thema der "homosexuellen
Ehen" und deren Möglichkeit zur Adoption von Kindern,
besprach. Ihrer Meinung nach sei dies selbstverständlich
und in Ordnung. Klare Sache, dass ich meine ganz andere
Meinung präsentierte und vertrat.
Ich kann hier ein Treffen und Gespräch mit einem ehemaligen
Bürgermeister einer großen Stadt in den USA und
seinem Mitarbeiter nicht unerwähnt lassen. Sie waren
sogenannte "Nobelpilger", was bedeutet, dass sie die
Übernachtungen in Luxushotels reserviert hatten; auch
der Gepäcktransport war für sie organisiert.. Alles war
hervorragend geregelt. Ein Minus offenbarte sich für die
Nobelpilger aber sehr bald, als sie nämlich jeden Tag eine
vorbestimmte Route gehen und auch die Zeit einhalten
mussten. Einer dieser Gruppe äußerte auch seine Unzufriedenheit
darüber, dass er kein typischer Pilger sei.
Unbedingt möchte ich noch etwas über das Treffen mit
einem jungen Mann aus Deutschland erzählen, der seine
Pilgerreise im Juni von zu Hause aus angetreten hatte.
Nach einem Fußmarsch von ungefähr 1800 Kilometern
waren seine Schuhe zerfallen, was auch der Grund unserer
Begegnung war. Er bemerkte mich erst, als ich ihm
helfen wollte. Daraufhin begann unser Gespräch. Das
Motiv seiner Pilgerreise war der Wille, sich selbst wiederzufinden,
wie auch sich mit der Vergangenheit und anderen
Leuten auszusöhnen. Er suchte den Frieden mit sich
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selbst, mit den Anderen und der Vergangenheit. Dabei
sagte er ganz offen, dass er von vielen Leuten verletzt
worden war - unter anderem von Lehrern. Er möchte auf
diesem Weg (dem Camino) allen verzeihen und ein neues
Leben beginnen. Bis dahin wurden die Misserfolge
dahingehend gerechtfertigt, indem man sich zum Opfer
machte, dem das Los übel mitgespielt hatte. Oft fehlte es
an Fleiß, und andere wurden für seine Lebensschlappen
verantwortlich gemacht.

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