Titel

Tu felix Austria
Die andere Seite der Alpenrepublik


Leseprobe

Urheber
Robert Brettschneider

Verlag
BoD Norderstedt
Bindung
Paperback
Seitenzahl
148
Sprache
Deutsch
Format
Din A5
ISBN
978-3-8391-0512-2
Preis
€ 12,90 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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Der Autor möchte mit diesem Buch zeigen, dass Österreich abseits der Klischees von Walzerseeligkeit, Gemütlichkeit und den Wiener Sängerknaben auch eine andere Seite hat.

Es wird untersucht, ob die Ursache für die Mittelmässigkeit und die oft doch eher durchschnittlichen Resultate Österreichs auf wirtschaftlichen und anderen Gebieten wirklich nur darin zu erblicken sind, dass es sich um ein „kleines Land“ handelt – oder ob diese Mittelmässigkeit vielleicht sogar erwünscht ist, da sie besser zu dem „subventions-orientierten Sozial-System“ des Landes passt. All dies wird auch im Kontext der historischen Entwicklung – von Fürst Metternichs Zeiten bis heute – beleuchtet.

Daneben kommt natürlich auch der Humor nicht zu kurz, wenn beispielsweise geschildert wird, wie es in einem Wiener Finanzamt so zugeht und wie ein Wiener „Ober“ mit seinem „Schmäh“ eine EU-Verfassung auf die Beine bringt.

Auch praktische Tipps fehlen nicht, etwa, welche Voraussetzungen zur Erlangung des Ingenieurtitels nötig sind und was man bei Dienstzeugnissen in Österreich beachten sollte.

Das Buch will auf humorvolle Weise zum Nachdenken anregen.

Leseprobe

Tatsache ist jedenfalls, dass es die Österreicher bis heute nicht verkraftet haben, ein Imperium besessen und wieder verloren zu haben und nun keine Großmacht mehr zu sein.

Man wird ja auch – besonders in Wien – auf Schritt und Tritt an die ehemals glanzvolle Zeit erinnert.

Die Prachtbauten und Paläste der Wiener Ringstraße spiegeln die versunkene Macht vergangener Tage wieder, gleiches gilt für das Schloss Schönbrunn und andere Prestigebauten, die mit der jetzigen Dimension des »Zwergstaates Österreich« so gar nicht zusammenpassen wollen.

Andererseits kann man von diesem historischen Erbe ganz gut leben, die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr sichern ein aus­kömmliches und bequemes Dasein.

Diese »Denkmalpflege« hat allerdings auch zur Folge, dass es in Österreich wenig Modernes gibt.

In der Architektur merkt man dies sehr deutlich.

Man hat jeden erdenklichen Ehrgeiz daran gesetzt, alles wie zu Maria-Theresias Zeiten zu restaurieren und zwar so originalgetreu wie möglich.

Wien wurde somit zu einem gigantischen Museum.

Dies bringt natürlich auch den Vorteil, dass man sich solcherart gewissermaßen in einem »denkmalgeschützten Bereich« bewegt, in Erinnerungen schwelgen kann und sich somit nicht den Anforderungen der Realität stellen muss.

Allerdings bewirkt die moderne Mediengesellschaft zwangsläufig eine Auseinandersetzung mit dem aktuellen Geschehen.

Wie reagiert der Österreicher nun darauf?

Er flüchtet.

Er flüchtet in eine Welt, die er sich selbst zurecht gezimmert hat.

Dies äußert sich unter anderem dadurch, dass Österreicher mit einer Art beleidigter Arroganz zu reagieren pflegen, wenn sie auf ihre – doch eher bescheidene – Rolle innerhalb Europas angesprochen werden.

Ganz besonders leiden jedoch die Beamten darunter, dass Ihre Macht so krass beschnitten wurde.

Ja, unter Metternich, da waren sie noch jemand.

Metternich, wer war denn das eigentlich?

Wir schlagen im Lexikon nach:

»Klemens Wenzel Nepomuk Lothar Graf von Metternich-Winneburg (1773-1859) war ein Staatsmann im Kaisertum Österreich.«

Und was bitte, ist so Besonderes an diesem Metternich, einmal abgesehen von der Tatsache, dass er Vorsitzender des Wiener Kongresses und österreichischer Staatskanzler – eine Art »Bun­deskanzler mit Sonderbefugnissen« – war?

Und was hat dies alles mit der österreichischen Beamtenseele und den heutigen Zuständen in diesem Land zu tun?

Nun, besagter Metternich war erwiesenermaßen kein Freund von Demokratie und freier Meinungsäußerung.

Nicht nur, dass unter ihm diktaturähnliche Zustände herrschten (strenge Zensur, Versammlungsverbot etc...), hatte er auch eine Art »Zwei-Klassensystem« errichtet, dessen Auswirkungen wir in verfeinerter, subtiler Weise bis in die heutige Zeit zu spüren bekommen.

Die eine Klasse, das war die so genannte »Obrigkeit« und damit sind im Prinzip die Behörden gemeint.

Deren Macht war praktisch unbeschränkt, dem »Geheiß« eines Beamten war unbedingt Folge zu leisten.

Die andere Klasse, das waren die Untertanen, also die Bürger, welche seitens der Obrigkeit auch gerne als »Subjekte« (englisch: subjects = Diener, Untertanen) oder noch schlimmer, als »Bitt­steller« bezeichnet wurden.

Diese Zweiteilung hat sich in etwas abgeschwächter Form bis heute erhalten und als direkter »Rechtsnachfolger« der ehemals kaiserlichen Residenzstadt Wien ist der ostösterreichische Bereich diesbezüglich besonders »kontaminiert.«

Meinem Vater wurde beispielsweise anlässlich seines Widerspruchs gegen einen Zahlungsbefehl folgendes mitgeteilt:

»Passen Sie auf, wenn Ihnen eine Österreichische Behörde einen Strafbetrag vorschreibt, dann haben Sie diesen zu bezahlen, egal ob Sie meinen, das Delikt begangen zu haben oder nicht. Mit solchen Schpompanadln* wie Widerspruch und so weiter fangen wir gar nicht erst an.«

*Aus dem Wienerischen: »Schpompanadln« = Extratour, Sonderbehandlung, widerborstiges Verhalten.

Auch wenn sich der geschilderte Vorfall in den 1960-er Jahren zugetragen hat und sich seither – so hoffe ich – einiges geändert hat, ein beklemmendes Gefühl beschleicht einen doch.

Ein Beamter hat als Vertreter der »Obrigkeit« einfach immer Recht und er weiß diese Macht auch durchzusetzen.

Wobei dieser Begriff sogar noch erweitert wurde, denn heute werden nicht nur Beamte, sondern auch Ärzte, Anwälte und sogar Funktionäre als »Obrigkeit« wahrgenommen, was deren faktische Unantastbarkeit bedeutet.

»Aber wieso?«, werden Sie jetzt fragen, es gibt doch sicher auch in Österreich Gesetze, an die sich jeder halten muss und im Notfall kann man doch einfach zu Gericht gehen und klagen oder etwa nicht?

Ja sicher, theoretisch ist das schon richtig, theoretisch ist da was dran.

Wie gesagt: theoretisch.

In der Praxis hat ein Amtsorgan zahlreiche Möglichkeiten dem Bürger, also dem »Bittsteller«, seine Überlegenheit zu demonstrieren.

Ein beliebtes Mittel (geht übrigens ebenfalls auf Metternich zurück) ist in so einer Situation das Heben der Stimme seitens des Beamten.

Dies funktioniert wie folgt:

Beim Eintreten des Bittstellers füllt der Beamte sein »Amtsorgan« bis zum Maximalvolumen mit Luft und brüllt los, was das Zeug hält.

Was er (der Bittsteller) hier zu suchen hätte und wie er (der Beamte) dazu käme, »wegen so einem Sch...« seine kostbare Zeit zu verschwenden, wo er doch so viel Wichtigeres zu tun hätte und so weiter.

Hierbei kommt ein simpler psychologischer Trick zur Anwendung, demzufolge jemand der wütend ist oder die Wut überzeugend spielen kann, einem Gegner von vornherein überlegen ist.

Und rechtlich kann man dem Beamten nichts anhaben, denn Schreien ist nach österreichischem Recht nicht verboten.

Diese Demonstration der Macht wird durch die Inneneinrichtung der Amtsstube noch verstärkt.

Der Beamte sitzt auf einem beamteten Stuhl vor einem prunkvollen Schreibtisch aus Mahagoni, hinter ihm das Bild des österreichischen Bundespräsidenten.

Dem Bittsteller wird ein alter, klappriger Stuhl zugewiesen, auf dem er sich noch kleiner vorkommt, als er ohnehin schon ist.

Sollte nun dieses offen zur Schau getragene Machtgefälle wider Erwarten noch immer nichts nützen und es der Bittsteller am Ende gar wagen sich bei der Amtsleitung zu beschweren, so wird man seine Beschwerde höflich lächelnd entgegennehmen, nützen wird es absolut nichts.

Und das Ersuchen des Bürgers, weswegen er am Amt erschienen ist, wird mit Sicherheit abgelehnt.

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