Titel

trazoM

Leseprobe

Urheber
Rita Hausen

Verlag
ViaTerra-Verlag
Bindung
Paperback
Seitenzahl
160
Sprache
Deutsch
Format
21 x 15 cm
ISBN
978-3-9419-7000-7
Preis
€ 12,95 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

Internet
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Ein Krimi um den mysteriösen Tod Mozarts und das geheime Wirken der Illuminaten.

Dezember 1791. Eine seltsame Häufung erschreckender Ereignisse erschüttert Wien.
Mozart stirbt einen unerklärlichen Tod und seine Leiche verschwindet spurlos, doch sein Geist lebt in der Zauberflöte weiter, die mit ihrer geheimen Botschaft gegen
Kirche und Politik rebelliert.

Machte Mozarts Mitgliedschaft bei den Geheimnis umwobenen Illuminaten ihn zum Opfer kirchlicher und staatlicher Spitzelsysteme, die selbst vor Mord nicht zurückschreckten?

Leseprobe

7. Aqua tofana

Pater Fastner war ein beleibter Mann, dennoch konnte er sehr agil und wendig sein, wenn es galt, Kritiker der Kirche in ihre Schranken zu weisen. Er hatte eine kleine Nase und ebenso kleine Äuglein, die fast ständig vor Eifer glänzten. Sein Mund dagegen war sehr breit, er benutzte ihn auch gern, um über die Gottlosigkeit im Land zu wettern. Er war ein erbitterter Gegner der Freimaurerei und Freigeisterei. Beides setzte er gleich mit Rebellion gegen die ehrwürdigen Lehren der Kirche. Die Ereignisse in Paris hatten bestätigt, dass diese Leute auch vor Gewalt nicht zurückschreckten. Er steckte dieses Pack alle in einen Topf, es interessierte ihn überhaupt nicht, dass die Erklärung der Menschenrechte im Wesentlichen auf die Ideen der Großloge von Paris zurückging und dass sie sich ausdrücklich gegen Gewalt ausgesprochen hatten. Er hatte schon oft in seinen Kanzelreden gefordert, dass diese Leute allesamt exkommuniziert werden sollten. Aber dafür hatte er heftige Gegenwehr der Aufklärer aushalten müssen, die ihrerseits nicht zimperlich waren, ihn und seine Ansichten zu verhöhnen. Befreiung des Menschen von Unmündigkeit propagierten diese Leute! Ha, die hatten keine Ahnung, wie bedürftig die Menschen waren, sie brauchten Anleitung und Vorschriften, sonst gerieten sie in das Netz des Bösen. Dafür war die Kirche ja schließlich da, um dem Menschen den Weg zu weisen.  

Pater Fastner hatte um Audienz bei Kardinal Gramitzki gebeten, die ihm umgehend gewährt wurde, weil er in seinem Billett die Dringlichkeit des Treffens überzeugend zum Ausdruck gebracht hatte.

„Nun lieber Faster“, der Kardinal beliebte ihn mit diesem Namen anzureden, da er es außerordentlich witzig fand, „was gibt es denn so Dringendes?“

Der Pater beugte sich ehrfurchtsvoll über den dargereichten Ring.

„Euer Eminenz, kaum kann ich meine Empörung zurückhalten, stellt Euch vor: dieser Mozart, Adjunkt des Kapellmeisters am Stefansdom, dieser Heuchler! Schreibt dem guten Hofmann ein wundervolles ,Ave verum' und was macht er nun? Er verunglimpft die Kirche auf übelste Weise.“

Der Kardinal stützte sein Kinn in die Hand. Ihm gingen die Pamphlete Borns, Gemmingens und Blumauers durch den Kopf, was hatten sie ihn Nerven gekostet! Und Kaiser Joseph II. hatte noch schützend die Hand über diese Brüder gehalten. Dieses Aufklärerpack! Inzwischen sah man ja, wohin das führte. Der neue Kaiser schlug einen ganz anderen Ton an. Gott sei Dank! Er atmete tief ein. Mozart war ihm auch schon lange ein Dorn im Auge, aber der hatte mächtige Freunde, was sollte man da machen?

Pater Fastner hüstelte diskret: „Euer Eminenz?“

„Ach, entschuldige, lieber Faster, mir gingen so einige Dinge durch den Kopf. Hat Mozart nichts anderes zu tun, als Pamphlete zu verfassen? Soviel ich weiß, soll er doch die Krönungsoper schreiben.“

„Das schon, und er schreibt auch keine Pamphlete, er schreibt gleichzeitig an einer zweiten Oper. Und in der bringt er eine Allegorie der Kirche auf die Bühne, die nicht sehr schmeichelhaft ist, gelinde gesagt.“

„Ach, das wird er nicht wagen.“

„Er wird.“

„Woher haben Sie Ihre Informationen?“

„Von Saron.“

„Und warum unternimmt die Polizei nichts, wenn sie solche Erkenntnisse hat?“

„Na ja, Saron meint, er würde sich rausreden.“

„Rausreden? Dann ist es nicht erwiesen?“

„Doch, so gut wie.“

„Ja, was denn nun?“

„Also, lassen Sie mich erklären: Er schreibt ein Singspiel, 'Zauberflöte' genannt, ein Märchen, aber das Ganze ist eine Camouflage. Am Anfang wird ein Prinz vor einer Schlange gerettet. Später tritt die Königin der Nacht auf, die ganz so aussieht wie die Darstellungen unserer Muttergottes. Ist das nicht deutlich genug? Saron meint allerdings, dass er sich rausreden wird, er wird sagen, er habe nur ein Märchen geschrieben und die Ähnlichkeiten seien gar nicht beabsichtigt gewesen und so weiter.“

„Haben Sie das Libretto gelesen?“

„Nein, Euer Eminenz, aber Saron hatte einen Spitzel im Theater, der hat berichtet, dass die Königin der Nacht eine so genannte Rachearie singt.“

Der Erzbischof wedelte hilflos mit den Händen durch die Luft: „Ja, und wie kriegt man das jetzt zusammen mit der Darstellung der Muttergottes? Womöglich ist das doch etwas weit hergeholt.“

„Im ersten Akt erscheint die Königin wie die Himmelskönigin aus den Wolken, von Sternen umgeben, erst später singt sie die Rachearie.“

„Du lieber Gott, das scheint mir doch ein wenig dünn. Wenn da dem Saron nicht die Phantasie durchgegangen ist! Ich weiß Ihren Eifer zu schätzen, aber wenn wir beim Kaiser intervenieren wollen, müssen wir schon etwas Eindeutiges vorweisen können.“

„Wer sagt, dass wir beim Kaiser intervenieren wollen? Wir exkommunizieren Mozart ganz einfach. Schon seine hartnäckige Mitgliedschaft bei den Freimaurern könnte uns das nahe legen. Immerhin haben zwei päpstliche Bullen eine solche Vorgehensweise nicht nur legitimiert, sondern gefordert. Nur dass sich niemand daran gebunden fühlt.“

„Da müssten wir aber noch mehr Leute exkommunizieren. Und Sie vergessen, lieber Faster, dass Mozart international bekannt ist und die Protektion hoher Persönlichkeiten genießt. Wir können es uns in diesen Zeiten nicht leisten, uns einen Fehler nachweisen zu lassen. Wir sind noch immer angreifbar. Schauen Sie doch nach Frankreich! Nein, nein, da müssen Sie mir schon mehr bringen.“

„Und wenn wir ihn klammheimlich beseitigen lassen?“, Pater Fastner flüsterte beinahe.

„Sie gehen in Ihrem Eifer womöglich zu weit, das habe ich jetzt nicht gehört. Ich werde allerdings auf der Hut sein und meinerseits ein paar Spitzel ansetzen. Ich hoffe, das beruhigt Sie fürs Erste.“

Er reichte dem Pater die Hand zum Kusse und entließ ihn.  

Pater Fastner ärgerte sich über den Ausgang des Gesprächs. Er schlug sich mit der rechten Faust in die linke Handfläche. „Ich werde die Sache am besten selbst in die Hand nehmen“, murmelte er vor sich hin. Er ärgerte sich schon seit Jahren, dass diese Leute ungeschoren davonkamen. Der Kardinal war viel zu gutmütig und ließ sich von den Kirchenkritikern auf der Nase herumtanzen. Jetzt musste endlich mal ein Exempel statuiert werden. Leider konnte er nicht offen gegen Ketzerei vorgehen, die Kirche hatte da keine Handhabe mehr. Sie hatte viel an Macht eingebüßt. Je schwerer er die Aufklärer in die Schranken weisen konnte, um so mehr steigerte sich seine Wut. Jetzt mussten Mozart und Schikaneder dran glauben. Mozart, der alle mit seiner Musik verzauberte, aber einen unmoralischen Lebenswandel führte, ketzerischen Ideen anhing und trotzdem in höchsten Kreisen verkehrte. Und Schikaneder erst! Ein herumtingelnder Schauspieler, der keinen Weiberrock ausließ und nun ein Vorstadttheater leitete. 

Nur Gesocks, Abschaum. Die Vorstellung, dass van Swieten als oberster Leiter der Zensurbehörde persönlich die Hand über diese Leute hielt, machte ihn rasend. Diese Brüder hielten zusammen wie Pech und Schwefel. Nein, auf legalem Weg kamen sie nicht an Mozart und Schikaneder heran, also blieb nur eins: eine heimliche Vorgehensweise.  

Er kannte jemanden, der sich der Alchemie verschrieben hatte, aber eigentlich nichts anderes war als ein Giftmischer. Zu ihm begab er sich unverzüglich. Der Mann hieß Adalbert Fromm und wohnte im Rabensteig, wo er im Keller ein Laboratorium eingerichtet hatte. Trotz der guten Dienste, die er ihm schon geleistet hatte, fand der Pater, dass sein Name nicht ganz passend war. Er drückte sich in den Türeingang und betätigte den ringförmigen Türklopfer, den ein Löwe im Maul trug. Adalbert Fromm ächzte die Stufen hinauf und öffnete. „Ach, der Herr Pater!“, rief er aus.

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