Titel

Tödliche Besessenheit
3.Buch in der Reihe Mystik Wings

Leseprobe

Urheber
Betty Kay

Verlag
tredition
Bindung
Paperback
Seitenzahl
158
Sprache
Deutsch
Format
Din A5
ISBN
978-3-8685-0263-3
Preis
€ 11,49 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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Die Reihe „Mystic Wings“ handelt von dem Ermittlerduo Jordan Hensen und Lieutenant Charles „Charly“ Baxter. Jordan arbeitet eigentlich als Journalistin, doch sie ist auch in der Lage, durch das Berühren von Gegenständen die Gedanken der Besitzer in Bildern vor sich zu sehen. So kann sie der Polizei mit wichtigen Hinweisen bei der Lösung von Fällen dienen. Die beiden machen die beiden Schritte aufeinander zu, denn sie empfinden mehr als Kollegialität oder Freundschaft füreinander. Doch können sie die Missverständnisse zwischen sich endlich aus dem Weg räumen?
Das dritte Buch der Reihe handelt von einer mysteriösen Mordreihe. Suzana Leigh hat vor vier Jahren ihren Verlobten bei einem Autounfall verloren. Nach zwei Jahren trifft sie sich endlich wieder mit Männern, geht allerdings mit keinem eine echte Beziehung ein. Trotzdem ist ihr bester Freund Marc McCallum eifersüchtig, weil er schon seit Jahren heimlich in sie verliebt ist.
Als Suzana in Zeitungen und im Fernsehen von Morden an Männern erfährt, die diverse Ähnlichkeiten mit ihren Männerbekanntschaften aufweisen, hält sie das für mehr als einen Zufall. Sie und Marc wenden sich an einen bekannten Polizisten, der den Fall an Jordan und Charly abgibt. Bei den Ermittlungen wird dem Ermittlerduo klar, dass eine gezielte Spur zu einem Verdächtigen gelegt wurde. Wird sich dieser Verdacht bestätigen?

Leseprobe

Stephen Reilly saß gerade Kaffee trinkend in seinem Büro und überlegte, wie er den heutigen Tag über die Runden bringen sollte, als ihm Besuch gemeldet wurde. Als er hörte, wer es war, blitzten seine Augen erfreut.

„Bringen Sie sie ins Besprechungszimmer“, wies er den Portier an.

Jetzt würde es spannend werden, dachte Stephen sich. Endlich würde er die wunderbare Suzana Leigh kennen lernen, die Marc dermaßen den Kopf verdrehte, dass er völlig den Bezug zur Realität verlor. Er grinste in sich hinein und machte sich auf den Weg zum Besprechungszimmer.

An der Tür blieb er kurz stehen. Die beiden Personen, die auf ihn warteten, drehten ihm halb den Rücken zu und waren so in ihr aufgeregtes Gespräch vertieft, dass sie in nicht sofort bemerkten. Das gab ihm die Zeit, um Suzana ausgiebig zu betrachten.

Sie war hübsch. Daran bestand kein Zweifel. Durch den flotten Pagenschnitt ihrer brünetten Haare wirkte sie jünger als sie war. Stephen wusste, dass sie vor bald ihren 30. Geburtstag feiern würde. Marc schwärmte außerdem ständig von ihren grünen Augen. Doch die konnte er im Moment nicht erkennen.

„Tut mir Leid, Marc, dass du anderer Meinung bist. Aber das ist meine Entscheidung.”

„Du reagierst total übertrieben. In der Zeitung steht was von Morden an Typen mit dem gleichen Vornamen, und du glaubst sofort, das hat etwas mit dir zu tun. Versteh das nicht falsch, aber das ist ziemlich egomanisch.”

Mit einem Schnauben wandte Suzana sich ab und entdeckte Stephen. „Oh.” Peinlich berührt errötete sie.

„Ich wollte nicht lauschen, aber es ließ sich nicht vermeiden. Tut mir leid, dass ich so hereinplatze”, meinte er und reichte ihr die Hand. „Ich bin Lieutenant Stephen Reilly.”

„Guten Tag. Mein Name ist Suzana Leigh. Ich glaube, wir haben vor langer Zeit miteinander telefoniert.”

„Das stimmt. Aber wie Sie bereits sagten, das ich lange her.” Er lächelte gewinnend. Besser er sprach dieses Thema nicht näher an. Immerhin wusste er ja, dass sie die Erinnerung an Barrys Tod immer noch verfolgte.

Suzana fand den Lieutenant sehr sympathisch. Sie verstand gar nicht, warum Marc sie einander noch nicht vorgestellt hatte. Immerhin unternahm er doch öfter etwas mit ihm.

Stephen begab sich auf die andere Seite des Tisches und setzte sich. „Hallo, Marc. Was kann ich für euch tun?”

Marc löste seinen Blick zögernd von Suzana. So wie die Stephen ansah, schienen sich seine schlimmsten Befürchtungen zu bewahrheiteten. „Danke, dass du dir Zeit für uns nimmst, Stephen. Suzana macht sich Sorgen wegen ein paar Morden, von denen sie in der Zeitung gelesen hat. Meiner Meinung nach ist die Sache harmlos.” Er steckte eine Hand unter den anderen Arm.

„Ich will das nicht einfach auf die leichte Schulter nehmen. Immerhin war das jetzt bereits vier Mal der Fall. Das ist schon mehr als Zufall. Finden Sie nicht auch?“ wandte sich Suzana an Stephen.

„Wenn Sie so wollen. Ich muss zugeben, dass diese Tatsache etwas seltsam ist. Aber können Sie mir mehr Informationen geben?“ bat er.

Suzana nickte. „Ich habe eine Liste mit den Namen der Männer erstellt, mit denen ich mich seit Barrys Tod vor vier Jahren getroffen habe. Die Liste ist nicht lang.“ Sie errötete, als sie das Blatt Papier an Stephen weiterreichte.

Stephen überflog die teils sehr unvollständigen Daten der fünf Männer.

Als Suzana sicher war, dass er mit dem Lesen fertig war, sprach sie weiter. „Ich habe von Morden an Männern mit dem Namen Ethon, Joaquim, Tyler und John gelesen oder gehört. Die Männer hatten auch einen ähnlichen Beruf oder einen Bezug du den Männern, die ich kennen gelernt habe.“ Man merkte ihr die Anspannung an.

Seine Augenbraue begann zu zucken. „Ich werde die Liste überprüfen lassen. Wartet hier einen Augenblick.“ Stephen verließ mit dem Papier das Besprechungszimmer. Auf dem Gang lief ihm Detective Mannings über den Weg. Die junge Frau arbeitete oft mit Lieutenant Baxter zusammen. Und das brachte ihn auf eine Idee.

„Detective Mannings, ich hätte eine Bitte. Könnten Sie mir rasch überprüfen, ob es im Jahr 2000 einen Mord an einem Mann mit dem Vornamen Ethon und einem ähnlichen Beruf wie dem Ethon auf der Liste gibt? Entsprechend benötige ich Anfragen von ermordeten Männern mit den Vornamen auf der Liste.“

Stacey Mannings wirkte über diesen Auftrag nicht sehr erfreut. Sie konnte Stephen nicht leiden, aber sie hatte auch keine anderen Dinge zu erledigen. Darum nickte sie langsam. „Natürlich, Sir. Wohin soll ich Ihnen die Daten anschließend bringen?“

„Ich schaue nur kurz bei Charly Baxter vorbei. Dann müssten Sie mich wieder im Besprechungsraum finden.“ Sogleich eilte er weiter. Wenn er es richtig anpackte, konnte er Charly zu dem Fall hinzuziehen. Mit dieser Geschichte wollte er nicht alleine dastehen. Immerhin klang sie ziemlich seltsam.

Bei Charlys Büro angelangt klopfte er kurz und trat dann ein. „Hallo, Charly. Störe ich?“

Überrascht blickte Charly hoch. Stephen hatte ihn gerade erwischt, wie er den Bericht des bereits abgeschlossenen Entführungsfalls vor einem Monat durchging und dabei pausenlos an Jordan dachte. Gott sei Dank konnte Stephen das nicht ahnen. Da sie selbst auf beruflicher Ebene wenig miteinander zu tun hatten, kannte er Jordans Verbindung mit dem Fall nicht genau. „Ähm, Stephen, nein, nein. Was kann ich für dich tun?“

„Mein bester Freund sitzt im Besprechungsraum mit seiner besten Freundin, die der Meinung ist, dass immer dann, wenn sie mit einem Mann ausgeht, ein Mann mit dem gleichen Vornamen umgebracht wird. Ich hätte gerne deine Meinung dazu gewusst.“

Einerseits sollte er wohl froh sein, wenn er etwas zu tun bekam. Andererseits hörte sich das Ganze nach blühender Phantasie an. Aber es konnte nicht schaden, sich mit der Frau zu unterhalten. „In Ordnung. Ich komme mit.“

Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum Besprechungsraum.

„Das ist Lieutenant Baxter. Ich habe ihn hinzu gebeten, um der Sache nachzugehen. Hoffentlich ist das in eurem Sinne.“

Marc und Suzana nickten.

„Charly, das ist Suzana Leigh und mein bester Freund Marc McCallum.“

Charly reichte ihnen die Hand und bat Suzana, ihm ihre Befürchtungen zu wiederholen. „In wie fern glauben Sie, dass die Morde mit Ihnen zusammenhängen?“ fragte er sie nach ihren Ausführungen.

„Ich habe keine Ahnung. Ich hatte mit keinem der Männer eine Beziehung, traf sie manchmal sogar nur ein Mal. Trotzdem scheint es mir zu auffällig für einen reinen Zufall. Ich suche nur nach Antworten, denn irgendeine Verbindung muss es doch geben. Meinen Sie nicht?“

„Um das zu beurteilen brauche ich mehr Informationen über die Morde.“ Er blickte zu Stephen.

„Ich habe Detective Mannings bereits gebeten, die Liste zu überprüfen. Vielleicht sollte ich nachsehen, wie weit sie ist.“

Da öffnete sich die Tür nach einem kurzen Klopfen, und wie auf ein Stichwort erschien Detective Mannings. „Guten Tag“, grüßte sie Marc und Suzana und reichte dann diverse Ausdrucke an Stephen weiter, bevor sie wieder verschwand.

Stephen überflog die Seiten und gab sie dann wortlos an Charly weiter.

Der erste Bericht war über einen scheinbar misslungenen Einbruch, bei dem Ethon Merode, 45, EDV-Berater, den Einbrecher auf frischer Tat ertappt hatte und mit einem Küchenmesser erstochen worden war. Das Ganze fand im Juni 2000 statt und war ungeklärt.

Als nächstes las er vom Mord an Joaquim Trindade, 35, Kaffeehausbesitzer, der im Oktober 2002 in einer Nebengasse seines Cafes erwürgt worden war. Nachforschungen in seinem Umfeld waren ergebnislos geblieben, sodass die Polizei von einem Raubmord ausgegangen war.

Tyler Burns, 50, Leiter der Entwicklungsabteilung bei G & S Sporting Goods, war vor zwei Wochen in seiner Wohnung niedergestochen worden.

Vor einer Woche war Paul Hudson, 60, Leiter eines Supermarktes, nach der Arbeit auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt erschlagen worden. Dieser Mord galt ebenfalls als ungeklärt.

Der letzte Bericht war über John Donahue, 49, dem Gitarristen einer wenig erfolgreichen Rockband, der vor drei Tagen ebenfalls in seiner Wohnung erstochen worden war.

Die Übereinstimmungen waren doch sehr groß. Als Stephen ihm die Geschichte in seinem Büro erzählt hatte, war er zunächst insgeheim von einem Scherz oder einem hysterischen Anfall einer einsamen Frau ausgegangen, die nach dem Grund für ihr Alleinsein suchte. Dann hatte er mit Miss Leigh gesprochen und den Eindruck gewonnen, dass sie ehrlich verwirrt, besorgt und ratlos war. Sie wirkte nicht wie eine Verrückte, die im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen wollte.

Als er jetzt die Berichte der fünf unaufgeklärten Morde durchlas, ergab sich für ihn ein Muster. Alle fünf Verbrechen waren als Raubmorde eingestuft worden, obwohl außer den Brieftaschen der Opfer nichts gestohlen worden war. Nicht gerade die übliche Vorgangsweise. Nach der Besprechung würde er Detective Mannings sicherheitshalber bitten, eine Suche aller Raube mit Todesfolge durchzuführen, in denen nur die Brieftasche verschwunden und die in den letzten zwei Jahren begangen worden waren.

„Bevor wir weiter sprechen, hätte ich noch eine Frage. Warum umfasst der Zeitraum gerade zwei Jahre? Vielleicht sollten wir auch die Männer davor in die Nachforschungen einbeziehen.“

Suzana errötete und öffnete den Mund, ohne ein Wort herauszubringen.

Sofort versuchte Marc ihr zu helfen, indem er Charly die Umstände erklärte, doch Suzana schüttelte den Kopf.

„Lass mal, ich schaff das schon“, meinte sie und wandte sich an Charly. „Seit dem Studium war ich mit Barry Deroware zusammen. Er ist vor vier Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen und danach brauchte ich lange, um über seinen Tod hinwegzukommen und mich wieder auf einen Mann einlassen zu können. Wenn einem ein Mensch so wichtig war, fällt es schwer, dass die Beziehung zu einem anderen Mann dem Vergleich standhält. Das konnten Sie natürlich nicht wissen. Es muss Ihnen seltsam vorkommen. Tut mir leid, dass ich das nicht sofort erwähnt habe.“

„Dafür musst du dich doch nicht entschuldigen“, widersprach Marc, und steckte seine rechte Hand wieder unter die linke Achsel. „Die Hauptsache ist doch, dass es jetzt geklärt ist.“

Charly fand es interessant, wie besorgt Mr. McCallum um seine beste Freundin war. Seiner Meinung nach war diese Besorgnis mehr als zwischen Freunden üblich. Stephen kannte die beiden und hatte Mr. McCallum sogar als seinen besten Freund vorgestellt. Ihn würde er anschließend fragen, wie das Verhältnis zwischen den beiden war.

„Schon okay. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht leicht ist, wenn man plötzlich einen geliebten Menschen verliert.“ Er wandte sich an Stephen. „Möchtest du fortfahren?“

„Nein, mach nur“, lautete die Antwort.

Natürlich wollte er den Fall auf ihn abwälzen. Soweit hatte Charly ihn bereits durchschaut. Aber eigentlich war er bereits fasziniert und wollte selbst die Wahrheit herausfinden. „In Ordnung. Also, Miss Leigh. Wir haben zu allen fünf Männern, mit denen Sie sich getroffen haben, Übereinstimmungen in der Verbrechensdatei gefunden. Ich würde sagen, das ist mehr als Zufall. Wir werden der Sache nachgehen. Dazu müssen wir auch mit den Männern sprechen, die auf Ihrer Liste stehen. Hoffentlich haben Sie damit kein Problem.“

Suzana zögerte. „Es lässt sich wohl nicht vermeiden. Sie sagen, dass es wirklich Parallelen zu allen fünf Männern gibt? Das ist ja schrecklich. Irgendwie habe ich immer noch auf einen Irrtum meinerseits gehofft. Es hätte ja auch sein können, dass ich mich bei den Namen der Ermordeten getäuscht habe.“

„Es kann sich immer noch um einen makaberen Zufall handeln“, versuchte Charly sie zu beruhigen. „Lassen Sie uns noch die Daten der Männer vervollständigen.“ Er ergänzte auf der Liste die Beschreibung der Männer. „Das wäre es schon fast. Wir bräuchten nur noch ein Foto von Ihnen.“

Marc kramte in seiner Tasche. „Ich habe eines dabei.“

„Danke“, wandte Charly sich an ihn. „Geben Sie uns etwas Zeit um zu recherchieren.“

„Natürlich.“ Suzana nickte. „Dann höre ich von Ihnen?“

Charly erhob sich und Stephen tat es ihm gleich. „Ich melde mich spätestens übermorgen, Mittwoch. In der Zwischenzeit machen Sie sich keine Sorgen.“ Er schüttelte Miss Leigh und Mr. McCallum die Hand und ließ sie dann mit Stephen allein.

„Er wird die Sache klären“, versicherte er den beiden. „Obwohl er noch recht jung ist, ist er einer der Besten.“

„Danke, Stephen.“ Marc wirkte erleichtert. „Ich hoffe, die Geschichte ist bald durchgestanden. Der Lieutenant wird sicher herausfinden, dass das alles nichts mit dir zu tun hat.“ Beschützend legte er einen Arm um Suzana, die Stephen anlächelte.

„Das wird er. Macht euch keine Sorgen.“

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