Titel

Süße Verführerin

Leseprobe

Urheber
Ester D.Jones

Verlag
tredition
Bindung
Paperback
Seitenzahl
244
Sprache
Deutsch
Format
Din A5
ISBN
978-3-8685-0147-6
Preis
€ 14,49 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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Amerika / 1866 Als Jaqueline „Jacky“ Mornington mit David Deroware auf der Plantage seines Bruders und berüchtigten Frauenhelden Clive eintrifft, ist dieser sofort von ihr fasziniert, obwohl er Jacky zuerst für Davids Verlobte hält. Doch Jacky ist auf der Suche nach der wahren Liebe und weigert sich, Davids Frau zu werden. Das ist eine schwerwiegende Entscheidung, da die Verantwortung für ihre Schwester auf ihren Schultern lastet. Während sie für Clive arbeitet, muss sie allerdings feststellen, dass es unmöglich scheint, sich dem Charme dieses Mannes zu entziehen. Doch erst eine schreckliche Erfahrung lässt sie erkennen, was sie wirklich will, denn Clive hat seine Chance nur zu gründlich genutzt, um ihr den Kopf zu verdrehen. Kann sie trotzdem ihr Glück finden?

Leseprobe

Clive starrte die Frau am anderen Ende des Raumes an. Er hatte schon längere kein Interesse mehr an einer Frau gezeigt. Doch diese war etwas ganz Besonderes. Das konnte er von seinem Platz aus sehen. Das beige Kleid, das sie trug, war einfach, aber es betonte auch ihre zarte Haut und ihre unbeschreiblich faszinierenden Augen. Obwohl er sich mit diversen Frauen im Raum unterhielt, wanderten seine Blicke wie von selbst immer wieder zu ihrer schlanken Gestalt.

Wer war sie bloß? Er hatte sie noch nie hier gesehen. Ihr Gesicht hätte er sich sicher gemerkt. Hatte David sie eingeladen? Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Das war vermutlich Davids Braut! Enttäuschung machte sich bemerkbar. Deshalb hatte er sie im Gästehaus versteckt – vor ihm. Doch sollte solch ein Juwel an seinen Bruder verschwendet werden?

Schnell schalt er sich selbst für diesen Gedanken. David war ein herzensguter Mensch. Er half ihm auf der Plantage, wo er nur konnte. Meist war er zu schüchtern, um Frauen anzusprechen. Er war wahnsinnig sensibel und verständnisvoll. Eigentlich ein Traum von einem Ehemann für jede Frau. Der Reichtum seiner Familie machte ihn zu einem begehrten Junggesellen.

Allerdings war er auch ein Träumer, ein Phantast, der den Tag gedankenverloren auf einem Feld in der Sonne liegend verbringen konnte. Und die Frau dort drüben machte einen sehr bodenständigen Eindruck. Aber was ging es ihn an, was sie an David fand? Vielleicht war sie einem kurzen Flirt mit ihm nicht abgeneigt. Man würde sehen.

Wieder schalt er sich. War er verrückt? Warum sollte er für eine Frau seine Freundschaft zu seinem Bruder aufs Spiel setzen?

Er versuchte sich auf die Dame neben ihm zu konzentrieren. Sie war ja überhaupt nicht sein Fall. Ihr Gesicht war nichts sagend, ihre Figur ähnelte einem Grizzlybären, ihre Frisur und ihr Kleid waren völlig aus der Mode und ihre Stimme klang wie ein knirschendes Wagenrad - alles in allem der pure Schrecken. Außerdem verursachte ihm ihr Geplapper Kopfschmerzen. Sein Blick wanderte wieder zu der Unbekannten. Wie hieß sie bloß? David hatte ihren Namen in seinen Briefen erwähnt. Irgendetwas mit J. Ach, ja. Jaqueline Mornington. Die Nichte seines Nachbars. Jacky. Wäre es sehr verwegen, sie ohne die Vorstellung seines Bruders anzusprechen?

Jacky unterhielt sich mit Millie. Sie fand die junge Frau immer netter. Da sie außer David noch niemanden kannte, war sie froh, dass sich Millie um sie kümmerte. Sie erzählte ihr, wie sie vor Jahren auf diese Farm gekommen war und James kennen gelernt hatte. Es war eindeutig, dass die beiden wie füreinander bestimmt waren.

Aber irgendetwas beunruhigte sie. Jacky spürte einen Blick auf sich ruhen. Suchend sah sie sich im Saal um. Am anderen Ende wurde sie plötzlich eisgrauer Augen gewahr, die sie förmlich entkleideten. Schauer rannen ihren Rücken hinab. Irgendetwas an diesem Gesicht in der Menge faszinierte sie sofort. Fast konnte sie seine Blicke auf ihrer Haut spüren.

Es standen zu viele Menschen zwischen ihnen, als dass sie ihn richtig erkennen konnte. Allerdings bemerkte sie, dass er einen edlen schwarzen Anzug mit Hemd und Krawatte trug. Er war groß und kräftig gebaut. An den Schläfen war sein schwarzes Haar ergraut, was ihn sehr anziehend machte. Das, was sie von ihm erblickte, gefiel ihr sehr gut.

Verunsichert wandte sie sich wieder an Millie. Doch sie konnte sich nicht richtig auf deren Worte konzentrieren. Immer wieder wanderte ihr Blick zu dem Unbekannten. Auch er sah in ihre Richtung, und sobald sich ihre Blicke trafen, hatte sie das Gefühl, als durchzucke sie ein Blitz.

David stand in Jackys Nähe mit ein paar Bekannten in ein Gespräch vertieft. Als er sich Jacky wieder zuwandte, bemerkte er, dass sie und Clive sich Blicke zuwarfen, in denen lebhaftes Interesse lag. Sofort wusste er, was zwischen den beiden vorging. Das durfte nicht passieren! Clive hatte schon zu viele Frauen unglücklich gemacht.

Mit ein paar Schritten war er bei Jacky und sprach sie an. „Du musst doch schrecklich müde sein von der langen Reise. Möchtest du dich nicht vielleicht zurückziehen?“

Sie sah ihn entgeistert an. „Mir geht es sehr gut. Ich bin überhaupt nicht müde.“ Wieder wanderte ihr Blick zu Clive.

David nahm ihren Arm in seinen festen Griff. „Komm, Jacky. Wenn du noch nicht schlafen gehen willst, dann machen wir einen Spaziergang im Garten.“

„In Ordnung, David. Obwohl ich überhaupt nicht verstehe, was das soll. Zuerst sag mir aber noch eins. Wer ist der Mann dort drüben, der uns die ganze Zeit beobachtet?“

Einen Moment sah sie Panik in Davids Augen aufblitzen. Doch seine Antwort verwirrte sie noch mehr. „Das ist mein Bruder Clive.“

Sein Bruder? Man konnte wirklich nicht behaupten, dass man ihnen die Verwandtschaft auf den ersten Blick ansah. Jacky starrte David verwirrt an. Was war nur mit ihm los? Er zerrte wieder an ihrem Arm. „David, was soll das? Warum hast du es auf einmal so eilig? Ist etwas passiert?“

„Nein, es ist alles in Ordnung. Ich finde es hier drinnen nur unheimlich heiß und brauche frische Luft“, presste er hervor.

Irgendetwas machte ihm Angst, das konnte sie erkennen. Trotz seiner makellosen Kleidung wirkte er unsicher. Um ihn nicht noch mehr aufzuregen, ließ sie sich von ihm nach draußen führen. Leider war es zu dunkel, um genaueres erkennen zu können, doch was Jacky von dem Garten sah, gefiel ihr. Überall blühten Rosen in den verschiedensten Farben und Formen und es roch betörend. Sie blieb ein paar Schritte vom Geländer der Terrasse entfernt stehen und sah David an. „Wie schön.“

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