Titel

Splitterseele

Leseprobe

Urheber
Dirk Bätjer

Verlag
BoD Norderstedt
Bindung
Paperback
Seitenzahl
148
Sprache
Deutsch
Format
21 x 14,6 cm
ISBN
978-3-8423-6355-7
Preis
€ 9,90 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

Internet
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Lyrik oder Gedicht, Bilder oder Worte… Man kann nicht sagen, was die Texte hier für jemanden bedeuten werden. Für den Autoren sind sie Bilder und Gefühle, die sich in Worte geformt haben. Meist waren es mehr oder minder schwere Geburten, teils mit Wehen, teils kamen sie so schnell, dass sich kaum Stift und Papier rechtzeitig fanden.

Jeder kann seine eigenen Bilder in diesen Texten sehen. Es soll nicht erklärt werden, welche Geschichte dahinter steckt. Es ist etwas, das jeder selber finden muss.

Leseprobe

Freies Fliegen

 

 

Den Berg hinauf, steinig der Pfad

Schleppt Sich ein jeder, Schmerzende Muskeln,

Schweiß auf der Stirn, Qualen aller Glieder,

Blind weiter stolpernd, dem Weg entlang,

Bis Muskeln reißen, doch Grenzen bereits überschritten.

 

Es endet der Pfad, ein Abgrund, so tief,

das jede Sicht auf den Grund verwehrt.

Wie oft schon ein jeder stand vor diesem Loch,

zu entscheiden, ob Qual durch einen Sprung endet.

Oder ob der Angst vorm Sprung die Qual des Wegs nicht enden soll.

 

Der Sprung nun folgt, der Fall die Kleidung im Winde bläht.

Das Gesicht verzerrt, der Boden naht.

Im letzten Moment der Verstand besiegt,

die einzige Rettung nicht zerschmettert zu werden,

eine Qual zerbrochener Glieder auf ewig.

 

Flügel sich entfalten, Federn den Sturz zum Gleiten wandeln,

und auch hier nur der Wille des Bodens Berührung noch stoppt.

Erst dann der freie Flug im ganzen möglich,

erst dann die Erinnerung zum Gewinn gewandelt,

erst dann die Wolken Dein Heim.

 

Wie oft einst jeder vor dem Abgrund steht, wie wenig als Engel

darauf den Himmel bewohnen.

 

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Leiden der Erde

 

 

Nebelschwaden, vom nassen Lande

ziehend hin zu den brachen Weiden,

die meine Pfoten betraten,

trugen Trauer in das Land,

verschluckend der Toten Stille

die lagen auf dem kahlen Stücke.

 

Banner, einst stolz gehalten

zerrissen und tropfend Nass

nicht nur von des Nebels Wasser

hingen schlaff herab, schwer,

auf der Blut getränkten Erde,

gebrochen die einst hohen Lanzen.

 

Voll Trauer mein Weg mich führt,

hindurch den zerschlagenen Leibern,

die alle vergessen des Stolzes Grund.

Tiefe Stille statt mutiger Lieder,

heulende Geister über leeren Körpern,

meine Seele zum Weinen bringt.

 

Schlachten, geschlagen aus Liebe Willen

nur Trauer ihnen folgt, nicht Freude.

Ach Menschen, welch Glück Euch gegeben

zu Lieben, zu Lernen, missbrauchen ihr tut

denn Tränen vieler Menschen fließen oft

wenn des einen Glück nicht wird erreicht.

 

So trauert um Euch der Wolf,

gibt Erlösen den verlorenen Seelen,

nimmt auf das Leid der Erde

um zu bereiten der Boden Früchte

zu erblühen wenn der Frühling naht.

Speere und Knochen der Blumen Rank.

 

Erhobenen Hauptes führt mein Weg

hinunter von diesem Stückchen Land,

einst schwarz mein Fell, grau ist es nun,

zurückkehren werde ich bald, zu sehen

der Blumen Pracht, der Rose Blüte.

Hinaus in die Welt, wie mein Herz befiehlt.

 

 

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Letzter Kampf

 

Trauer,

Ruhe,

Stille,

Verlust.

 

Die Sonne steht hoch über dem Feld,

Leiber Gefallener liegen, wie sie gestürzt.

Zerschmettert sind ihre Seelen dahin,

haben Freiheit erhalten, nun ohne Schmerzen.

 

Die Waffen der Gefallenen stecken

in blutgetränkter Erde, Mahnmale,

verrotten sie doch nicht so schnell

wie der, den sie trafen und erstachen.

 

Am Rande des Feldes sitzend,

betrachtete ich die Szenerie, verfolgte

wie die Raben sich gütlich taten,

sich grausig den Magen füllten.

 

Kreischend und zankend setzten sie fort,

was der Menschen Werk war zuvor.

Stritten sich ums Fressen

und zu vergolden Ihre Nester.

 

Und auf dem Feld am Rande

trieben der Menschen Herrscher

Händel ob des Grundes für den Kampf

ungedankt Eurer Leben.

 

Du, der Du hier liegst,

nur Raben Dir danken im Bauch,

Menschen Deiner vergessen,

wisse, ich erinnere mich an Dich.

 

 

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Zu schlafen bereit

 

Endlose Nacht bisher beherrschte den Himmel,

kaum noch Erinnerung an die Zeit davor.

Endlos trugen mich meine Pfoten auf diesem Weg

fast überraschend stieg am Horizont Licht empor.

 

Doch dunkel noch die Umgebung, gefährlich und drohend

messerscharfe Kanten, glänzendes Obsidian blitzend

aufgewühlte Erde, zerbrochene Felsen, versengt

von Feuer und Gewalten vergangener Kriege.

 

Hatte versucht mich nicht zu schneiden,

meinte, das Vorsicht und ein scharfer Blick

sowie die Hoffnung aufs Ende der Nacht

genug der Wachsamkeit sein.

 

Doch Blut tropfte von meinen Pfoten,

Narben den Narben hinzugefügt,

weit bevor das Licht mich erreichte.

 

Stolpere weiter, noch keine Zeit zu rasten.

Erst wenn weiches Moos meine Pfoten beruhigt,

erst Licht mein Fell wieder wärmt,

zu schlafen ich bereit.

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