Titel

Schüsse an der Heimatfront

Leseprobe

Urheber
Henry Gerhard

Verlag
BoD Norderstedt
Bindung
Paperback
Seitenzahl
200
Sprache
Deutsch
Format
12 x 19 cm
ISBN
978-3-8370-4413-3
Preis
€11,95 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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Vorbei am Grundgesetz hat der deutsche Außenminister Gerald Wenger die Gesellschaft für technische Unterstützung zu einer schlagkräftigen Spezialeinheit für Sonderaufträge des Auswärtigen Amtes gemacht. 
Als sich nach der Bundestagswahl 2005 die politischen Machtverhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland dramatisch ändern, wird „Charly“, der interne Killer der Gesellschaft, losgeschickt, um gefährliche Mitwisser zu beseitigen.
 Harry Bornstedt und sein Freund und Kollege Pete Harder müssen höllisch auf der Hut sein, um dieser Säuberungswelle nicht zum Opfer zu fallen. 
Spätestens seit dem „Unfall“ ihres Chefs, Oberregierungsrat Michael Thanner, wissen beide, dass es „Charly“ ernst meint. 
Das muss auch Bernd Salzmann erkennen, als sein Körper auf den Triebkopf eines heranrasenden ICE auftrifft.

Leseprobe

37. Allgäu (2005)

 

Mit Winterreifen lief der M3 nicht ganz so rund. Aber man musste ja im Dezember nicht mehr mit 250 Sachen über die Autobahn fegen, 210 Sachen reichten auch.

 Am 15.Dezember würde ein Teil der Gesellschaft mit dem neuen Außenminister nach Afghanistan fliegen. Dem designierten Nachfolger von Außenminister Wenger war es sehr wichtig, sofort nach Amtsübernahme zu zeigen, wohin der zukünftige Kurs der deutschen Außenpolitik gehen würde. Ob er jedoch dem afghanischen Präsidenten sagen würde, das deutsche Engagement würde heruntergefahren werden, wagte heute noch niemand zu sagen.
Es blieben also noch wenige Tage, um ein paar persönliche Angelegenheiten zu regeln. Ich verließ Potsdam gegen 04.30 Uhr, um am späten Nachmittag im Allgäu zu sein.

Sobeck hatte zusammen mit seiner Frau ein abgelegenes Chalet, die ehemalige Bärenalpe, gemietet, um vor der Afghanistanreise noch ein paar Tage Urlaub zu nehmen. Ich mietete mich in Bad Oberdorf ein und fuhr als erstes meinen M3 in die Tiefgarage der  Hotelanlage. Doch statt mein Zimmer zu benutzen, stieg ich sofort zur Bärenalpe auf. Der frühe Wintereinbruch hatte nur kurz gehalten. Nur Schneereste behinderten zum Teil meine Wanderung.
Nach vier Stunden ohne Unterbrechung erreichte ich das Umfeld der Bärenalpe. In einer etwa zweihundert Meter entfernten Hütte legte ich mich auf die Lauer. In der Bärenalpe brannte noch das Gaslicht. Das Ehepaar Sobeck war anscheinend noch wach. Ich ließ den Großteil meiner Ausrüstung in der Hütte zurück.
Sobeck und seine Frau saßen auf der Ofenbank im zentralen Raum des Erdgeschosses. Beide genossen augenscheinlich die wohlige Wärme des Kachelofens. Mit einem kräftigen Tritt öffnete ich die Tür.
Bevor Sobeck reagieren konnte, hatte ihn der Pfeil aus der Betäubungspistole bereits in den Bauch getroffen. Um auf Nummer Sicher zu gehen, hatte ich das Mittel etwas stärker dosiert, als es für Sobecks Gewicht angezeigt gewesen wäre. Sobecks Frau konnte noch nicht einmal schreien, als sie mich sah. Da beide die Bärenalpe nicht mehr lebend verlassen würden, hatte ich auf eine Maskierung verzichten können. Ich warf Frau Sobeck zu Boden, fesselte ihre Hände auf den Rücken und knebelte sie mit einem mitgebrachten Socken, den ich ihr in den Mund steckte und mit Leukoplast fixierte.

Ich band sie mit einem Seil im angrenzenden, ehemaligen Kuhstall der Bärenalpe an der Tränke fest. Sobeck schleppte ich ebenfalls in den Kuhstall, fesselte ihn mit einem Seil und band ihn so an der Decke fest, dass seine Beine gerade noch den Boden berühren konnten.
Das Gegenmittel wirkte nur langsam. Vielleicht hatte ich ihm doch zuviel Betäubungsmittel verpasst. Frau Sobeck verfolgte das Geschehen mit ängstlichem Blick. Wenn sie jetzt schon geahnt hätte, warum ich auf eine Maske verzichten konnte, hätte sie sicher noch ängstlicher geschaut.

„Harder, was haben Sie vor?“, war seine erste Frage, als er aus seinem künstlichen Schlaf erwachte. „Herr Sobeck, wir müssen in Ruhe ein paar Dinge besprechen. Den Platz dazu haben Sie gut gewählt. Sie müssen mir ein paar Dinge erklären, die ich nicht verstehe.“
Mit dem verknoteten Ende eines Strickes schlug ich Frau Sobeck ins Gesicht, sodass ihre rechte Wange aufgerissen wurde und ihre Lippe blutete. Wegen des Knebels im Mund konnte sie nur leise wimmern.
Entsetzt blickte mich Sobeck an. „Sie müssen mir ein paar Fragen beantworten, Herr Sobeck. Warum musste Sarah Cerny sterben?“
„Ich weiß es nicht. Ich habe damit nichts zu tun. Glauben Sie mir, Harder.“
Wieder schlug ich zu. Diesmal platzte die Haut auf ihrer Stirn. Blut rann in ihr Auge. Sie krümmte sich vor Schmerzen. „Warum Sarah, wenn Sie mich erledigen wollten?“

„Lassen Sie meine Frau da raus. Sie hat nichts damit zu tun.“ Der nächste Schlag ging haarscharf an ihrem linken Ohr vorbei. Sobeck zuckte erleichtert. „Wer war Bernd Salzmann? War er ihr Charly?“ „Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen.“ Der nächste Schlag saß Mitten im Gesicht. Ihr linkes Auge schwoll sogleich zu. „So hören Sie doch, Harder. Ich weiß davon nichts.“

Mit einem einzigen Schnitt durchtrennte ich ihren Pullover von unten nach oben. Darunter trug Frau Sobeck nur ihren Büstenhalter. Nach dem nächsten Schnitt baumelten ihre schlaffen Brüste frei herunter. „Sobeck, Sie verstehen mich nicht. Wer war Bernd Salzmann? Welchen Auftrag hatte er?“ Mit einem Ruck riss ich ihr den Rest des Pullovers soweit nach hinten, als es die gefesselten Hände zuließen. „Harder, so hören Sie doch auf! Meine Frau hat nichts damit zu tun!“
 „Sobeck, Sarah hatte auch nichts damit zu tun!“ Ich löste den Strick, mit dem Frau Sobeck an die Tränke gebunden war und zerrte sie nach draußen. Ihr Kopf zerschlug die dünne Eisschicht, die sich aufgrund der Kälte bereits auf dem Wasser in dem Trog vor der Hütte gebildet hatte. Ich zählte innerlich bis zehn und zog ihren Kopf und Oberkörper wieder aus dem Trog. Ihre Nippel richteten sich vor Kälte steil und hart auf, doch das war heute Nacht nicht das Thema für mich. Zitternd lag sie nun vor Sobeck. „Sobeck, ich höre. Wer ist ihr Charly?“ „Das kann ich Ihnen nicht sagen.“ Ich machte einen zweiten Tauchgang. Sobeck war ja eine ganz abgebrühte Marke. Selbst jetzt wurde er noch nicht kooperativ. „Sobeck, was wissen Sie über Kolumbien?“ Dabei schlug ich Frau Sobeck mit dem Strick auf die Brust. „Also gut, Harder. Ich sage Ihnen ja alles.“
„Warum nicht gleich so?“, sagte ich, als ich vom dritten Tauchgang zurückkam und Frau Sobeck wieder festband. Sie schlotterte vor Angst und Kälte. Ich konnte mich nun auf Sobeck konzentrieren. „Ich bin ganz Ohr.“ „Harder, Sie müssen mir glauben. Salzmann ist nicht mein Charly gewesen. Ich habe immer schon vermutet, dass Außenminister Wenger doch noch einen Charly hat. Ich glaube, Bernd war Wengers Charly. Mein Charly ist Ihr Freund Bornstedt. Ich habe ihn auf Förster angesetzt. Der hat uns verkauft. Weil er sich nicht für uns eingesetzt hat, soll die Gesellschaft aufgelöst werden. Ob Sie auf Försters Abschussliste stehen, weiß ich nicht. Ich kenne auch Försters Charly nicht. Das müssen Sie mir glauben, Harder.“

Mit einem Schnitt öffnete ich ihre Halsschlagader. Sobeck konnte beobachten,  wie sie mit jedem Pulsschlag mehr ihr Leben in den Kuhstall spritzte. So wie ich sie festgebunden hatte, konnte sie sich nur machtlos in ihr Schicksal ergeben. Langsam erschlaffte ihr Körper. Ihr Blick wurde leer. Sobeck fing an zu weinen. „Jetzt sind wir erst einmal quitt, Herr Sobeck. Und nun zu Ihnen.“ „Ich habe die Wahrheit gesagt. Mehr weiß ich nicht. Glauben Sie mir doch.“ Ich schleppte Frau Sobeck hinüber in den Schlafraum und legte sie ins Bett. „Sobeck, soll ich diese Geschichte wirklich glauben? Harry ist also Ihr Charly. Förster hat uns also verraten. Sie wissen also nicht, wer Försters Charly ist.“ „Ja, das stimmt alles.“ „Dann ist es ja gut, Herr Sobeck.“ Knapp unter dem Brustbein traf ich mit meinem Messer sein Herz. Nach zwei Minuten war Sobeck tot. Ich legte ihn ebenfalls in das Bett zu seiner toten Frau. Durch das geöffnete Türchen des Kachelofens flogen Funken in Richtung der Holzspäne, die zum Entfachen eines neuen Feuers neben dem Ofen bereit lagen. Im Nu stand die Bärenalpe lichterloh in Brand. Die Brandermittler würden von leichtsinnigem Gebrauch des Kachelofens als Brandursache ausgehen. Das Blut im Kuhstall würde restlos verbrennen. Nach zwei Stunden Fußmarsch konnte ich am Berg noch die brennende Bärenalpe sehen. Für Löschversuche kam aber jede Hilfe zu spät. Noch waren nur die privaten Dinge geregelt.

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