Titel

Schogul, Rächer der Tiere

Leseprobe

Urheber
Birgit Laqua

Verlag
BoD Norderstedt
Bindung
Paperback
Seitenzahl
204
Sprache
Deutsch
Format
14,8 x 21 cm
ISBN
978-3-8423-6048-8
Preis
€ 12,90 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

Internet
www.schogul-raecher-der-tiere.jimdo.com

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Dass es nicht nur ihm so schlecht auf der Erde ergangen ist, erfährt der junge Kater Ringo erst, als er schon gestorben ist und in das Himmelsreich des Schoguls kommt. 

Obwohl Schogul seine Seele befreit, sorgt der neugierige Kater in seinem Reich für große Aufregung. 

Doch nicht nur im Himmel bringt er alles durcheinander, auch als er sich heimlich wieder auf die Erde begibt, bringt er sich und andere Tiere in große Gefahr.

Leseprobe

Auszug aus dem Kapitel "Gefangener der Erde":

 

Zitternd saß ich auf dem nackten Plastikboden des Käfigs. Erde, überall nur Erde. Vor mir, hinter mir, neben mir und unter mir. Als ich nach oben schaute, konnte ich durch ein paar Zweige und Blätter, die er nicht richtig über das Loch gelegt hatte, die Bäume und den blauen Himmel erkennen. Ansonsten war es dunkel.

Ich hatte furchtbare Angst. Er hatte mich hier allein gelassen. Gefangen im Käfig. Gefangen in der Erde, mitten im Wald. Wie verrückt fing ich an, an den Wänden meines Gefängnisses zu kratzen. Ich versuchte, mit meinen Krallen irgendwie den Käfig aufzubekommen, dabei kratzte ich an der einen Wand, drehte mich und versuchte es an der anderen Wand. Zwecklos. Nichts bewegte sich. Dann versuchte ich, mit meinen Pfoten zwischen die Schlitze zu kommen und mit meinen Krallen das Plastik auseinanderzuziehen. Doch der Käfig bestand aus Hartplastik und gab nicht nach. Voller Verzweiflung legte ich mich auf den Rücken und kratzte wie ein Wahnsinniger am Deckel des Käfigs. Doch die Schlitze am Deckel des Käfigs waren genauso dünn und scharf wie an den Seiten, und in meiner Panik merkte ich nicht, wie meine Pfoten anfingen, einzureißen. Wieder und immer wieder kratzte ich an den Wänden, bis das Blut an meinen Pfoten herunter lief. 

 

Auszug aus dem Kapitel "Quälende Neugier":

 

„Komm jetzt und folge mir“, schnurrte sie zufrieden.

„Wohin werden wir jetzt gehen?“, fragte ich sie neugierig.

„Ich werde dich jetzt zum Tor des Himmels begleiten“, antwortete sie und führte mich zu einem hellen, freundlichen Wald.

Ein kleiner Sandweg führte in diesen Wald und einige Vögel saßen in den Ästen der Bäume und sangen wunderschöne Lieder.

Seufzend drehte ich mich noch ein letztes Mal um und blieb abrupt stehen. Gar nicht so weit entfernt sah ich plötzlich Kühe. Junge Kälber, zu Dutzenden wurden sie in Schoguls Reich geführt.

Staunend beobachtete ich das Schauspiel und machte keine Anstalten mehr, Shia zu folgen.

„Ringo, nun komm schon“, rief sie ungeduldig und wedelte erregt mit ihrer Schwanzspitze.

„Nun schau dir das an“, rief ich ihr zu und reckte meinen Kopf, um die Tiere näher betrachten zu können. „So viele Kälber!“

„Ja“, nickte sie und kam zu mir, um mich zum Gehen zu bewegen. „Auch sie wurden von einem Menschen gequält.“

„Waas? Von einem Menschen? So viele auf einmal?“, fragte ich erschüttert.

„Ja. Und Schogul wird sie rächen. Deshalb sind sie ja hier. Und nun lass uns endlich zum Tor gehen. Ich habe schließlich den Auftrag bekommen, dich bis dorthin zu begleiten.“

„Ja, aber was wurde ihnen denn angetan?“

„Du musst nicht alles wissen“, sprach sie mürrisch und schritt ungeduldig in den Wald hinein.

Ich schaute den Tieren mit großen Augen nach. Es waren so junge Kälber. Und alle so … so traurig und so … ich konnte keine Bezeichnung für den Ausdruck finden, den ich in ihren Augen sah.

„Ringooo …!“, hörte ich die weiße Katze nach mir rufen, die schon ein ganzes Stück in den Wald vorausgelaufen war.

„Ich komme gleich“, rief ich, ließ sie verdattert im Wald stehen und rannte zu den Kälbern, denen ich neugierig folgte.

Geschickt sprang ich zwischen den Beinen der Tiere hindurch, bis ich zu dem ersten Kalb gelangte, das von einem mächtigen schwarzen Stier angeführt wurde.

„Wer bist du?“, fragte ich neugierig das Kalb, das mit hängendem Kopf daher schritt.

„Ich? Ich bin Fui“, antwortete es melancholisch.

„Aber, was macht ihr hier? Ich meine …“

„Was man uns angetan hat, meinst du?“

Ich nickte stumm.

„Wir wurden geboren, geboren um zu sterben.“

„Wie bitte?“

„Ja. Es waren die Menschen. Sie sind alle … wirklich alle Bestien.“

„Das stimmt nicht!“, protestierte ich und musste an mein Frauchen denken.

Wutentbrannt schnaubte das Kalb und trat mit seinem Huf auf, so dass ich zur Seite springen musste, um nicht von ihm getroffen zu werden.

„Das stimmt wohl, du … du kleine Katze. Ach, was weißt du denn schon“, sagte es nun traurig und ging einen Schritt schneller.

Schnell sprang ich hinter ihm her. „Nun gut, manche Menschen sind schlecht, aber doch nicht alle“, rief ich so laut, dass sich schon der große Stier, der die Herde anführte, kopfschüttelnd nach mir umdrehte.

„Ach, nicht alle? Hat der Mensch, den du magst, etwa kein Rindfleisch gegessen?“, schrie mich Fui wütend an.

Das hatte gesessen. Verdattert blieb ich stehen, bis mich die ganze Herde überholt hatte. Kein Kalb achtete mehr auf mich. Auf einen kleinen Kater, der die Menschen verteidigt hatte.

 

Auszug aus dem Kapitel "Der schwarze See":

 

Als ich unten ankam, sah ich Lobo an einem Flussufer sitzen. Er beobachtete einen Menschen mit starrem Blick, der einen kleinen braunen Welpen in einen Leinensack steckte.

Der Welpe fiepte und jaulte vor Angst.

Als der Mensch den Sack zuschnürte und einen dicken Stein daran befestigte, drehte Lobo seinen Kopf von dem Geschehen weg und dabei entdeckte er mich.

„Was will eine tote Katze hier auf der Erde“, knurrte der Wolf mich an. Doch ich sah nur schockiert den Menschen an, der jetzt mit dem strampelnden Sack zum Fluss ging.

„Was … was macht der da?“, fragte ich aufgeregt und mein kleiner Körper fing an zu zittern.

„Das hier geht dich gar nichts an“, fletschte der Wolf die Zähne und starrte mich böse an.

„Aber … aber … er wird ihn doch nicht umbringen wollen?“, fragte ich ihn erschüttert.

Stumm schaute mich der Wolf an.

„Hilf ihm, hörst du, du musst ihm helfen“, schrie ich ihn an. „Er ist doch noch so klein, er kann sich doch nicht wehren.“

„Ich kann ihm jetzt nicht helfen“, knurrte Lobo.

„Wenn du es nicht kannst, dann werde ich ihm eben helfen“, schrie ich ihn wütend an und ging auf den Menschen los, der den Sack in den Fluss werfen wollte.

„Ich werde dir dein Gesicht zerkratzen, du Ungeheuer …“, schrie ich aufgebracht und sprang dem Mann mit meinen spitzen Krallen mitten ins Gesicht.

Das Fiepen und Jaulen des Welpen wurde immer verzweifelter und vor lauter Wut merkte ich gar nicht, wie ich durch den Menschen hindurch sprang.

Ich drehte mich und wollte ihm nun mit aller Kraft in die Waden beißen, doch ich biss nur in Luft.

Lobo, der sich das alles teilnahmslos mit ansah, schüttelte nur seinen Kopf.

Das Wasser platschte und der Stein zog den Sack mit sich in die Tiefe.

„Hilf ihm“, schrie ich zu Lobo, „so hilf ihm doch!“ Wütend schlug ich mit meinen Krallen in die Beine des Menschen, doch ich berührte ihn nicht einmal.

Von dem Leinensack war nun nichts mehr zu sehen, außer ein paar Luftblasen, die an die Wasseroberfläche stiegen.

„So, das wäre erledigt“, murmelte der Mann zufrieden, strich sich seine Hände an der Hose ab, drehte sich um und ging pfeifend davon.

Und dieses Monster hatte nicht einen Kratzer abbekommen. Nein, er hatte mich noch nicht einmal bemerkt. Verblüfft und verbittert schaute ich hinter ihm her.

„Und so viel zu deiner Hilfe“, schnaufte Lobo und kam zu mir. „Du kannst hier auf der Erde nicht helfen, denn du und ich haben unseren Erdenkörper schon abgelegt.“

„Aber …“, stotterte ich und schaute erschüttert zum Fluss, wo die letzten Luftblasen nach oben kamen.

„Er hat es bald überstanden“, versuchte mich Lobo zu beruhigen.

Stumm saß ich da und sagte gar nichts mehr.

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