Titel

Ragazza motorizzata - Auf einer halben Vespa um ganz Italien

Leseprobe

Urheber
Nati Rasch

Printbook / Ebook

Verlag
traveldiary / traveldiary
Bindung
Paperback
Seitenzahl / Dateigröße
200 / 3484 KB
Sprache 
Deutsch
Format
14,4 x 20,1 cm / Alle
ISBN / ASIN
394-4-3656-82 / 978-3-9443-6568-8
Preis
€ 14,80 (je nach Anbieter zzgl. Porto) / € 9,99

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Als Nati Rasch in einer hundekalten Herbstnacht zitternd auf ihrem italienischen Motorroller sitzt, kommt ihr der sehnsuchtsvolle Gedanke: "Damit müsste man einmal rund um Italien fahren!" Von da an nimmt das Abenteuer seinen Lauf ... Aus dem Inhalt: Mit einem Minimum an Gepäck und technischem Know-how, dafür aber einer maximalen Portion Lebenshunger bricht die Musikerin Nati Rasch zu einer ungewöhnlichen Reise auf. Auf ihrem feuerroten Moped, dem kleinsten was der italienische Vespa-Erfinder Piaggio sich hat einfallen lassen, umrundet sie Italien. Mit 50 Kubikzentimetern sind Nati und ihr Roller "Mimi" unterwegs - auf 8.800 km Wegstrecke, immer am Meer entlang. Während ihrer vierzehnwöchigen Reise erlernt sie das "dolce fare niente" - das süße Nichtstun - begegnet Nonnen, Hippies, Steuerfachangestellten, Pilgern, Couchsurfern, Aussteigern, schrägen Vögeln und Casanovas - vor allem aber sich selbst! "Ragazza motorizzata" - das motorisierte Mädchen - ist ein freches Roadmovie voller urkomischer Situationen, ganz viel Herz und italienischem Lebensgefühl!

Leseprobe

Prolog

"Was machen Sie? Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen." Rahel Antonie Friederike Varnhagen von Ense

Mein erstes Moped hieß Lotte. Als ich es von meinem Vater geschenkt bekam, war ich zehn Jahre alt. Das mag ungewöhnlich klingen, zumindest für Stadtmenschen, aber ein wahres Landei fährt früh - besonders wenn es mitten im Wald als Försters Tochter aufwächst und achtzig entlaufene Schafe einfangen muss!
Vater durfte ab Waldbrandstufe drei sein Dienstzimmer nicht verlassen, Mutter hatte seit ihrer verpatzten Motorradprüfung eine massive Zweiradphobie, und meine großen Schwestern studierten schon an der Uni. Übrig blieben eine "Schwalbe" fahrende Rotzgöre, eine verschwundene Schafherde und ein kaputter Zaun. Das war im Jahre 1989, in einem Land namens DDR, fernab des politischen Aufruhrs, unweit von Stralsund in der tiefsten pommerschen Provinz.
So oft es ging traf ich mich mit den Jungs aus meiner Klasse zum "Crossen". So nannten wir es damals und fanden es saustark. Geräuschvoll bretterten wir durch Vaters matschiges Revier, fanden die desorientierten Tiere und trieben sie auf ihre Koppel zurück.
So gingen meine glücklichen Kindheitsjahre dahin, bis ich in der Pubertät das Interesse an Lotte verlor, und aus dem wilden Mädchen eine Gameboy spielende Plage mit schlechten Noten wurde. Als erzieherische Maßnahme schickte mich Mutti zur Kreismusikschule, wo ich etwas sinnvolles tun und das Horn-Spiel erlernen sollte - wie es sich für ein Försterskind gehört. Mein neues Hobby gefiel mir so gut, dass ich es sogar zum Beruf machte und mir eine Festanstellung an einem mitteldeutschen Theater erspielte. Im Orchesteralltag hatte ich das Mopedfahren komplett vergessen - bis eine Kollegin ihren Roller zum Verkauf anbot. Es handelte sich um ein chinesisches Baumarkt-Modell namens "Capriolo", und nach einer kurzen Probefahrt war es wieder da - dieses vertraut-verrückte, irre, phantastische Gefühl - das Gefühl von Freiheit!
Das Maschinchen gab zwar recht bald den Geist auf, doch ohne Zweirad mochte ich inzwischen nicht mehr sein. Also kaufte ich mir eine Vespa - oder besser gesagt eine feuerrote fünfziger Piaggio ZIP, die ich stolz auf den Namen Mimi taufte. Als ich in einer hundekalten Herbstnacht von einer Vorstellung nach Hause knatterte, hatte ich plötzlich einen Geistesblitz: Ich muss Mimi nach Hause, in den Süden, bringen. Gemeinsam werden wir Italien umrunden und ein richtig großes Abenteuer erleben. Und hier beginnt die Reise!
 Kapitel 1
Wie leicht reist es sich in Gedanken, kennen doch Tagträume die Formalien nicht. Sabbatjahr beantragen, Auto verkaufen, unnütze Versicherungen kündigen, Vollmachten erteilen, Auslandskrankenversicherung abschließen, Mimi zum Service bringen, Autozugticket buchen... bis er irgendwann gekommen ist, der 17.7.2012 - der Tag des Aufbruchs: Draußen regnet es in Strömen, und ich stehe kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Die zierliche Gepäckbox am hinteren Ende des Maschinchens, auf Neudeutsch auch Topcase genannt, will sich partout nicht schließen lassen. Einen übervollen Koffer kann man wenigstens durch den Einsatz des Körpergewichts, und sei es auch mit Hilfe eines kräftigen Gesäßes, bändigen. Doch auf mein Topcase kann ich mich schlecht setzen. Schweren Herzens entpacke ich die Sporttasche. Taucherbrille, Roman, drei Sommerblusen, eine Übergangsjacke und die braunen Sandalen fliegen raus, und es verbleiben nur ein Rock, eine Shorts, eine Stoffhose, zwei Poloshirts und eine Bluse. Das Leben kann so grausam sein! Gewaltsam stopfe ich noch zwei Paar Schuhe für unterschiedliche Lebenslagen in das Innere der Sitzbank, wofür aber das Werkzeug, das der Hersteller fürsorglich beigelegt hatte, zu Hause bleiben muss. Bei meinem technischen Geschick, das ungefähr dem einer Amöbe gleicht, werde ich es sowieso nicht benutzen können, denke ich mir und entscheide mich leichthin für die Schuhe. Außerdem ist meine Piaggio in Italien, dem Mutterland des Leichtkraftzweirades gebaut worden. Wäre doch gelacht, wenn sich dort keine passende Werkstatt finden ließe - und was Schuhe angeht, waren meine Prioritäten schon immer klar gewesen...

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