Titel

Pakt der Barbaren

Leseprobe

Urheber
Rainer W.Grimm

Verlag
BoD Norderstedt
Bindung
Paperback
Seitenzahl
368
Sprache
Deutsch
Format
14,8 x 21 cm
ISBN
978-3-8370-4434-8
Preis
€ 19,80 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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„Quinctili Vare, legiones redde!“ rief Augustus weinend. „Quinctilius Varus, gib mir meine Legionen wieder!“

Von den vereinten Stämmen der Germanen, unter der Führung des Fürsten Armin besiegt, lag im Jahre 9 n. Chr. der ganze Stolz Roms, die drei besten Legionen, geschlagen im Morast der germanischen Sümpfe und Wälder. Die Angst vor den Barbaren aus dem Norden wuchs in den Strassen Roms und der Ruf nach Rache wurde immer lauter. Doch es sollten einige Jahre vergehen, bis der römische Adler wieder seine Krallen in das Gebiet, nördlich des Rheins schlagen würde.

Im Jahre 15 n. Chr. kommt Aulus, der Adoptivsohn des Tribuns Claudius Marcinus, als Decurio der Reiterei, mit den römischen Legionen des Gajus Julius Germanicus, in die dichten Urwälder nördlich des großen Stromes. Als fünfjähriger Knabe von den Römern aus dem Land der Brukterer verschleppt und in den Lagern der Legionäre, als Bursche des Tribuns aufgewachsen, tritt Aulus mit dreizehn Jahren selbst in die Legion ein und gelangt so, fünf Jahre später, zu einem kräftigen jungen Mann gereift, zurück in das Land, das einmal seine Heimat war. Dort erfährt er von seiner wahren Herkunft und von dem Mann, der seine Eltern tötete.

Er wendet sich von den Römern ab und aus Aulus Marcinus, wird der Germane Gerowulf. Voller Hass und Enttäuschung, auf der Suche nach der Wahrheit, schließt er sich den Horden des Cheruskerfürsten Armin an, um die Römer endgültig aus Germanien zu vertreiben.


Leseprobe

Früh am Morgen, kurz nach Sonnenaufgang, waren die erste und die zweite Kohorte der VIII. Legion aus der Porta Prätoriana, dem Haupttor des Lagers, hinaus marschiert. Der lange Zug hatte das große Kastell an der Lipsia verlassen und marschierte nun Richtung Nordwesten. Unter dem Befehl des Tribunus cohortis Claudius Marcinus, zogen die Legionäre zu einer Strafexpedition aus. Immer wieder hatten es die Barbaren gewagt, die Nachschublieferungen der Römer zu überfallen und nun gab der Stadthalter am Rhein den Befehl aus, diesem Treiben ein Ende zu bereiten. Die Barbaren sollten von den Legionären bestraft werden, für die Missachtung des römischen Rechts.

Claudius Marcinus, Befehlshaber der zweiten Kohorte ritt mit den zwei Hauptmännern seines ersten Manipels an der Spitze des Zuges. Er saß auf seinem Schimmel, trug den goldglänzenden Brustpanzer, nicht den Ledernen, der für den Kampf bestimmt war und der rote Federbusch auf seinem Helm, wehte im Wind. Vor ihnen lag das dicht bewaldete Lippetal, in dem sich die Gehöfte und Wohnstätten der Brukterer befanden. Die Siedlungen der Germanen bestanden meist aus einzelnen Höfen und Dorfgemeinschaften, die sich weit über das Stammesgebiet verteilten. Die Exploratores, die Kundschafter der Römer, brauchten nicht lange um festzustellen, dass sie von den Germanen noch nicht entdeckt waren. Die Bewohner des Tales waren völlig Ahnungslos. Die römischen Legionäre, die sich ihrem Gebiet näherten waren unbemerkt geblieben.

 

Der Tribun ließ die Vorhut auf einer großen Lichtung halten und gab den Befehl aufzurücken. Sofort begaben sich die Zenturios zu ihren Abteilungen, um die Befehle ihre Vorgesetzten auszuführen. Die immer noch im Zug stehenden Zenturien , begannen sich auf einer Lichtung zu formieren.

Nun kamen die Hauptmänner herbei geritten. Ihnen voran der Tribun, gefolgt von zwanzig Mann Reiterei, zum Schutz des Offiziers. Mit seiner roten Helmzier war er schon von weitem für die Soldaten gut zu erkennen. Vor den Reihen der Legionäre zügelte er seinen Schimmel.

“ Männer! Legionäre! Rom ist unsere Mutter, die uns selbst hier in diesem rauen und wenig gastlichen Land an ihre fetten Brüste presst, um unseren Hunger zu stillen!“ rief der Befehlshaber der Kohorten. Das prächtige Pferd des Römers tänzelte nervös auf der Vorderhand. „Und nun wagen es diese Barbaren, sich an den Titten Roms zu laben!“ rief er laut und zog kampfeslustig sein Gladius aus dem Wehrgehäng. „Dieses soll nicht ungesühnt bleiben! Ihr meine tapferen Legionäre werdet dafür sorgen, das auch hier, weit entfernt von Rom, das kaiserliche Recht Geltung findet!“ Der Schimmel bäumte sich auf und der Tribun hatte Mühe das Tier zu beruhigen. „Ein jeder dieser Barbaren, der es wagt sich Rom zu widersetzen, wird von euch gerichtet werden!“

Der Jubel war groß und voller Begeisterung schlugen die Legionäre, mit ihren Schwertern gegen die Schilde.

 

Die erste Kohorte erhielt den Befehl die Höfe im Westen des Tales anzugreifen, um dann in breiter Front nach Osten zu marschieren. Sie sollte die Hauptstreitmacht der Germanen auf sich ziehen.

Die zweite Kohorte marschierte unter Claudius Marcinus zuerst nach Osten und dann in einem großen Bogen nach Norden, um in das Tal hinein zu stoßen und dort die Höfe und Dörfer der Germanen anzugreifen. So würden die beiden Armeen aufeinander zu marschieren und das Stammesgebiet der Brukterer einschließen.

Nun meldeten endlich die Späher der Stämme den langen Zug der Legionäre. Da schickten die Germanen den Kriegspfeil von Hof zu Hof. Alle wehrfähigen Männer sammelten sich nun eilig an einem heiligen Platz im Norden des Tales, an dem sie ihre Versammlungen abhielten und ihren obersten Gott Wodan Opfer darbrachten. Es dauerte nicht lange und das Heer der Brukterer, zog dem Feind nach Westen entgegen. Mit dem Mut der Verzweiflung griffen sie die erste Kohorte an.

 

Als nun aber die Späher den Zug der zweiten Kohorte im Osten meldeten, war es zur Umkehr zu spät. Die Gehöfte und Dörfer dort, waren dem Feind schutzlos ausgeliefert.

Im Westen stiegen bereits die ersten Rauchsäulen in den Himmel, als die zweite Kohorte in das Tal marschierte.

Das große Schlachten hatte begonnen. Die „Zweite“ überfiel jedes Dorf und jeden Hof, den sie finden konnten und die Soldaten vollbrachten ihr blutiges Handwerk, für das sie Jahre lang gedrillt worden waren.

Bisher war der Widerstand der Brukterer nur gering, doch dann wuchsen auch die Verluste unter den Legionären. Immer wieder griffen die germanischen Krieger den Zug der Römer aus dem Hinterhalt an, um dann wieder in den dichten Wäldern zu verschwinden.

Die Legionäre, die so unvorsichtig waren und den Germanen in die Wälder folgten, liefen geradewegs in die Schwerter und Lanzen des Feindes. So manch römischer Kopf wurde zur Abschreckung an einen Baum genagelt.

Erst als die erste Kohorte, die inzwischen schwere Verluste erlitten hatte, eine schmale Ebene erreichte, gelang es dem Feldherrn seine Legionäre in gewohnter Schlachtordnung aufmarschieren zu lassen. Und die germanischen Reiter griffen die Reihen der römischen Armee weiter an. Doch schnell mussten die Brukterer nun erkennen, dass sie auf freiem Felde der Kriegsmaschinerie Roms unterlegen waren.

Im Gegensatz zur „Ersten“, die mit dem Heer der Brukterer einen nicht zu unterschätzenden Gegner hatte, sah sich die zweite Kohorte im Osten des Tales, weit aus geringerem Widerstand gegenüber.

Die meisten wehrfähigen Männer waren dem Kriegsruf der Bruktererfürsten gefolgt und hatten sich dem Heer kampfeslustig angeschlossen. So waren nur noch wenige Krieger auf den Höfen. Meist stellten sich unerfahrene Jünglinge, Knechte oder alte Männer, Frauen und sogar Kinder den Legionären entgegen.

Aber allzu oft waren die Gehöfte und Dörfer bereits verlassen, denn die Bewohner hatten sich im Norden, dort wo die Sümpfe lagen, in Sicherheit gebracht. Und die Römer plünderten und setzten den roten Hahn auf die Dächer, bis sie endlich zur nächsten Siedlung weiterzogen.

 

 *

 

Im Laufschritt fielen die Legionäre der „Zweiten“ in die Wohnstätten der Brukterer ein. Jeder der es wagte sich den Römern entgegen zu stellen, wurde Erbarmungslos von ihren Schwertern und Speeren niedergestreckt.

Wem es nicht rechtzeitig gelang den Schutz des nahen Waldes zu erreichen, den erwartete ein Leben als Sklave oder der sichere Tod. Viel Volk, vor allem Frauen und Kinder, ereilte dieses Schicksal. Gefesselt wie Vieh, brachte man sie über den Rhein nach Vetera, um die Armen dann nach Rom zu schicken.

 

Auch der Hof des Geromer blieb von den Römern nicht verschont. Einige Knechte des Häuptlings leisteten erbittert Widerstand. Und sie bezahlten dafür mit ihrem Leben!

Andere versuchten gar nicht erst den südländischen Kriegern und ihren, meist aus ubieschen und gallischen Verbündeten bestehenden Hilfstruppen entgegenzutreten.

Sie verschwanden in den tiefen germanischen Urwäldern und überließen die Frauen und Kinder dem Feind.

Die Legionäre der Vorhut hatten nicht lange gebraucht, um den Hof des Geromer und die umliegenden Hütten einzunehmen, denn ihre zahlenmäßige Überlegenheit war erdrückend. Nun warteten sie auf den Zug der zweiten Kohorte, der in dieses Gebiet vorstieß.

Der Offizier, der als Vorhut ausgesandten Zenturie, hatte Wachen rund um das Gehöft eingeteilt und befohlen die Gebäude nach versteckten Überlebenden zu durchsuchen.

So trieben die gallischen Hilfstruppen jeden Germanen auf dem Hof zusammen, dem sie Habhaft wurden. Die Alten, die den Legionären zu schwach erschienen, wurden sofort mit dem Pilum niedergestochen und so manches junge Mädchen, bekam von den römischen Kriegern nun einen Vorgeschmack dessen, was sie als Sklavin in Rom zu erwarten hatte.

 

 *

 

„Es ist zum Kotzen“, meckerte der dicke Legionär und spuckte verächtlich auf den Boden. Die beiden Soldaten standen etwas abseits, da wo der Hof an den Wald grenzte.

„Immer wenn es darum geht Beute zu machen, muss ich Wache stehen! Der Zenturio kann mich nicht leiden, dieser Hurensohn!“

Gelangweilt stützte sich der andere Krieger auf seinen großen, rechteckigen Schild, der mit rotem Leder bespannt und mit einem Schildbuckel und Beschlägen versehen war. „Da geht es mir besser“, lachte er. Genüsslich popelte der Krieger, der die Uniform des römischen Imperiums trug, in seiner Nase. „Da hinten, dort wo die einzelnen Hütten stehen, hab ich es einer jungen Blonden besorgt!“

„Du hast ein Germanenweib gefickt?“ fragte der Dicke und zog erstaunt seine Augenbrauen hoch.

„Kannst mir glauben, das ist besser als immer nur marschieren. Obwohl sie stinken wie die Schafe“, er begann zu lachen und konnte seine Schadenfreude kaum verbergen. „Dann ist es für dich ja nichts Neues“, lästerte der rundliche Krieger neidisch. Gerade wollte er damit beginnen, seine Erlebnisse genauer zu schildern, doch seinem Mund entfuhr nur noch ein kehliges Gurgeln.

Der dicke Legionär sah seinen Kameraden entsetzt an. Blut quoll aus seinem Mund, denn ein Jagdpfeil hatte seinen Hals durchbohrt. Und noch ehe er Alarm schlagen konnte, traf auch ihn ein Pfeil mitten in sein Gesicht. Geromer und der junge Ata-ulf sprangen aus einem nahen Busch und ergriffen die Schwerter der beiden getöteten Soldaten. Sie selbst waren ja nur mit ihren Jagdbögen und ihren Messern bewaffnet.

Im Schutz von Sträuchern und Bäumen näherten sich die beiden Krieger dem Hof des blonden Häuptlings und dem Ata-ulf schlug vor Angst und Aufregung das Herz so laut, das er glaubte, er würde sich und seinen Herrn verraten.

Als Geromer nun sah, wie die Menschen in einem Pferch zusammen getrieben wurden, wie die Legionäre die Alten mit dem Pilum niederstachen, dachte er an sein Weib und seinen kleinen Sohn. Die Angst um seine Familie raubte ihm fast den Verstand, sie schnürte ihm den Hals zu und trieb ihm den Schweiß aus den Poren.

Die Schreie junger Mädchen und das Flehen der Alten, ließ den großen Körper des Häuptlings erbeben. Blind vor Wut, jede Vorsicht vergessend, sprang er aus seinem Versteck.

 

Mit Entsetzen sah der junge Ata-ulf wie Geromer, das Schwert des Römers über seinem Haupt kreisend, einer Gruppe von Legionären entgegen lief. Die römischen Soldaten in ihren ehernen Brustpanzern, erkannten nicht sofort die Gefahr. Und noch bevor sie begriffen was um sie geschah, lagen zwei der Männer bereits blutend im Staub. Nun entbrannte ein wilder Kampf.

Der germanische Häuptling war den Römern an Größe und Körperkraft weit überlegen. Um ganze zwei Kopfeslängen überragte der blonde Häuptling die Südländer. Doch für jeden Legionär der sterbend in die Knie sank, kamen zwei neue, die mit ihren Spießen nach dem großen Germanen stachen.

Der junge Ata-ulf saß starr vor Angst hinter dem dichten Buschwerk und sah wie Geromer, einem hungrigen Bären gleich, gegen eine Meute blutgieriger Jagdhunde in der Tunika des Kaisers Augustus kämpfte.

„Kommt her und sterbt, ihr Winzlinge!“ tönte der Germane mit dunkler, kehliger Stimme. Wie der Gott Donar selbst, der seinen Kriegshammer gegen die Feinde erhob, schlug er auf die fremden Krieger ein und die zahlreichen Wunden, die seinen Körper nun schon übersäten, bemerkte er kaum in seinem Zorn. Auch das Hornsignal, das über den Hof tönte, nahm er in seiner Wut nicht wahr.

Mit donnernden Hufen kam eine Gruppe Berittener auf das Gehöft. Der Mann der an ihrer Spitze ritt, trug den goldenen Helm des Tribunus cohortis.

Auf seinem Brustpanzer prangten drei Phalerae , die ihn als tapferen, erfahrenen Ritter auszeichneten und die Helmzier mit den roten Federn, wies den Legionär als hohen Dienstgrad aus. Eine Weile sah sich der Tribun den ungleichen Kampf aus der Ferne belustigt an, fast als wäre er bei den Gladiatorenkämpfen, die auf den Plätzen Roms stattfanden. Doch dann hob er die Hand und vier Reiter aus der Leibgarde des Offiziers ritten langsam vor. Ein kurzes Hornsignal erklang und die Legionäre, die gerade noch versuchten mit ihren Spießen, den wild kämpfenden Germanen zu bezwingen, zogen sich nun von ihrem Gegner zurück.

„Kämpft ihr feigen Hunde, kommt her und stellt euch!“ rief Geromer schäumend vor Wut, das Schwert über dem Kopf kreisend. Nun aber trieben die Reiter der Leibgarde ihre Pferde an und preschten vor, dass der Waldboden unter den Hufen der Tiere bebte.

 „Ich bin Häuptling Geromer! Kommt und kämpft!“

Wütend schlug der Häuptling mit dem Schwert um sich, doch die Legionäre schützten sich mit ihren Schilden.

Die vier Reiter kamen nun schnell näher. Sie ritten direkt auf den großen Germanen zu und als sie in Wurfnähe kamen, flogen ihre Speere durch die Luft.

Der erste Wurfspieß traf Geromer direkt in die Brust, sowie der Zweite auch und ließen den stämmigen Krieger zurück taumeln. Der dritte Speer traf die Schulter. Der Vierte verfehlte gänzlich sein Ziel. Bei jedem Wurf der Berittenen klatschten die Legionäre vor Begeisterung in die Hände oder buhten den Werfer aus, wenn der Spieß nicht in das Ziel traf.

Der Germanenhäuptling taumelte über den Platz, aber sein Kampfeswille war noch nicht gebrochen. Doch nun war für die Legionäre die Jagd eröffnet. Die Beute war Weidwund und von ihren Schilden geschützt, begannen sie ihre Wurfspieße nach dem verwundeten Germanen zu schleudern.

Blutüberströmt, von unzähligen Speeren getroffen, stürzte der Häuptling gegen ein Gatter. Das morsche Holz zerbrach unter dem Gewicht des großen Mannes und der schwere Körper, fiel leblos in den Schlamm der Schweinesuhle.

 

 *

 

Ata-ulf stand wie gelähmt hinter einigen hohen, mit langen Dornen bewehrten Büschen, als er den großen Bruktererhäuptling sterben sah. Weinend fiel er auf die Knie und rief nach seinen Göttern. „Wodan hilf!“

Er sah das Schwert, das er fest umklammert in seiner Faust hielt und er schämte sich seiner Feigheit. Er hatte Geromer in Stich gelassen, da seine Angst größer gewesen war, als sein Mut. Plötzlich holten ihn die Stimmen der Legionäre, die fremde Sprache, die er nicht verstand, aus seinen Gedanken in die Wirklichkeit zurück.

„Fort von hier“, schoss es dem jungen Brukterer durch den Kopf. „Nur fort von hier!“

Er war auf sich allein gestellt und Flucht war sein einziger Gedanke, doch gerade als der rothaarige Bursche im Schutz des dichten Buschwerks davon schleichen wollte, wurde er noch einmal auf das Johlen der Legionäre aufmerksam.

An den Beinen zogen zwei Soldaten lachend und feixend ein junges, blondes Weib aus einer der Hütten, ergriffen sie und schleppten sie auf den Platz.

In Todesangst schrie sie immer wieder auf und rief Hilfe suchend den Namen des hünenhaften Häuptlings, der mit starrem Blick und von römischen Wurfspießen durchbohrt, in der Schweinesuhle lag. Sie strampelte und wehrte sich verbissen, doch die sie konnte sich dem Griff der Soldaten nicht entwinden. Schnell wurden weitere Legionäre auf das Geschehen aufmerksam und wer nicht für Wachdienst oder andere Arbeiten eingeteilt war, kam nun näher, um zu sehen was da vor sich ging.

Die zwei Soldaten lachten und rissen dem Weib das wollene Kleid vom Leib. Der Anblick der wohlgeformten Brüste, ließ die umstehenden Legionäre jubeln. Sie warfen das junge Weib zu Boden und einige Männer kamen hinzu und hielten ihre Arme. Zwei weitere spreizten ihre Beine, so dass ihr blond gelockter Schoß für jeden sichtbar war. Die junge Frau strampelte und versuchte sich dem Griff der Soldaten zu entwinden. Doch es war Hoffnungslos. Mehrere schwere Schläge eines Legionärs, trafen sie in ihr schönes Gesicht und raubten ihr fast die Besinnung, während das Blut aus ihrer Nase rann.

Ein älterer Soldat begann hastig an seinen Beinkleidern zu zerren und drang in sie ein. Hatte sich das blonde Weib Anfangs noch heftig zur Wehr gesetzt, so lag sie nun regungslos am Boden. Mit starrem Blick sah sie, wie einzelne Wolken über den blauen Himmel zogen. Wie sich die weißen, weichen Gebilde zu Gesichtern ihrer Liebsten formten.

Die Geschehnisse um sie herum, die Schreie der jungen Mägde, die das Schicksal mit ihr teilten, waren plötzlich in weite Ferne gerückt.

Die umstehenden Soldaten lachten und klatschten vor Begeisterung. Einige stritten gar, wer als nächster das Vergnügen haben sollte. Drei oder vier Männer hatten sich in das junge Weib bereits entleert, als der Tribun Claudius Marcinus auf die Geschehnisse aufmerksam wurde.

„Was geht da vor sich, bei Juno?“ fragte er einen Optio , der nicht weit von ihm stand und belustigt die Geschehnisse beobachtete.

„Oh Herr, die Männer suchen Zerstreuung und holen sich ihre Beute“, lachte der Optio und machte dabei eine obszöne Geste. „Sie zeigen einer Germanenhure, dass ein Römer nicht nur ein guter Soldat ist!“

Streng sah der Tribun den Unteroffizier an, denn von dieser Art der Kriegführung, hielt der Mann im Range eines Obersten wenig. Die Vorstellung, dass sich seine Disziplin und Gehorsam gewohnten Legionäre wie Barbaren verhielten, war ihm zuwider.

Erbost trat er seinem Schimmel in die Flanke, so dass er den Optio zur Seite stieß und dieser unsanft zu Boden fiel.

 

Als die Legionäre ihren Befehlshaber im gestreckten Galopp auf sich zu reiten sahen, sprengten sie erschrocken auseinander. Claudius Marcinus riss an den Zügeln, so dass der Sand unter den Hufen spritzte und der Schimmel, vor den Männer laut wiehernd zu stehen kam. Nun sah der Tribunus cohortis was vor sich ging, er sah das junge Germanenweib, das nackt und regungslos im Staub des Hofes lag. „Macht Platz und lasst den Tribun an die Möse!“ rief ein Legionär frech und erhielt prompt einen Schlag mit der Gerte eines Zenturios, der neben ihm stand. „Fünfzig Peitschenhiebe für den Kerl!“ rief der Befehlshaber wütend.

Streng sah der Tribun die Männer an und ohne ein weiteres Wort zu verlieren, riss er einem Legionär den Pilum aus der Hand.

Totenstille herrschte auf dem Platz vor der Hütte des Häuptlings. Keiner der Legionäre wagte es, auch nur ein Wort zu verlieren. Langsam ritt der Oberst auf das junge Weib zu und wortlos bildeten die römischen Soldaten eine Gasse für ihren Befehlshaber. Nun stand der Schimmel direkt über der jungen Germanin und der Brustpanzer des Tribuns glänzte in der Sonne.

Der Führer der zweiten Kohorte sah auf sie hinab und ein Lächeln huschte über sein Gesicht. „Ich werde dein Leiden beenden“, sagte er in germanischer Sprache, die er im Laufe seiner langen Dienstzeit in diesem wilden Land, erlernt hatte. Dann holte er aus und mit einem kräftigen Stoß, rammte er der Germanin den Spieß in die Brust.

„Geromer“, hauchte sie mit ihrem letzten Atemzug. Dann war auch ihr Leben beendet.

 

Mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen, hatte der junge Germane im Schutze eines mannshohen Busches gestanden. Tränen rannen ihm über die Wangen und er konnte das Gesehene kaum fassen. Die Wut in ihm war groß! Er wollte auf die Feinde losstürmen. Mit dem Gladius die Schädel dieser Männer spalten und sie ausnehmen, wie das Jagdwild noch vor wenigen Tagen. Furchtbar grausame Dinge wollte er ihnen antun! Den Tod des Geromer und seines Weibes Erla würde er rächen!

Doch er tat nichts von alle dem und stand wie angewurzelt da. War es Vorsicht oder Feigheit, die ihn das Schwert von sich werfen ließ? Die ihn laufen ließ, ohne sich noch einmal umzuschauen. Nach Norden wollte er, dort wo in den Sümpfen die Fluchtburgen der Brukterer lagen.

 

„He, seht was ich hier noch habe!“ Ein Legionär mit rundlichem Gesicht trat aus der Hütte, in der kurz zuvor seine Kameraden die junge, unglückselige Germanin gefunden hatten.

„Das kleine Wiesel hatte sich in einem Erdloch versteckt.“

Er riss einen etwa fünfjährigen Knaben, an dessen blonden Haaren ins Freie. „Ich kenne einen Patrizier in Vetera, der findet gefallen an blonden Knaben“, freute sich der Soldat. „Der Frischling ist jung, da hat er noch lange Spaß dran. Er wird sicher einige Goldstücke für ihn springen lassen.“

Doch der Legionär hatte sich zu früh gefreut.

Der Befehlshaber Marcinus ritt heran und brachte seinen Schimmel vor dem einfachen Soldaten zu stehen. Dieser schlug sich die Faust gegen die Brust und hob den Arm zum Gruß.

„Wie ist dein Name, Soldat?“ fragte der Tribun streng. „Legionär Tillo, mein Tribun!“ rief der Krieger in der roten Tunika.

Marcinus schwang sich aus dem Sattel und musterte den, nur mit einer wollenen Hose bekleideten Knaben.

„Wie heißt du, Junge?“ fragte er in germanischer Sprache und lächelte freundlich. Doch der kleine Germane reagierte nicht auf die Worte des Römers. Geistesabwesend starrte er auf den Leichnam der jungen Frau, die im Staub des Hofes lag und eine Träne rann über sein Gesicht.

Der Tribun beugte sich herunter und fasste den Knaben an den Schultern. Er öffnete ihm den Mund, besah sich die Zähne, so wie es die Käufer auf dem Sklavenmarkt taten. Betastete die Arme des Knaben und untersuchte ihn nach körperlichen gebrechen. Nur ein großes, kreisrundes Muttermal auf dem linken Oberarm, fiel dem Tribun ins Auge. Doch sonst konnte er an dem jungen Körper keine Makel entdecken.

„Wie ist dein Name?“ wiederholte er seine Frage mit ruhiger, freundlicher Stimme.

„Gerowulf“, gab der junge zögerlich zur Antwort.

Die Ähnlichkeit des Knaben, mit dem hünenhaften Krieger war dem Führer der zweiten Kohorte sofort aufgefallen. Sollte dies der Sohn des Häuptlings sein? Soweit es der Tribun beurteilen konnte, war der Bursche für sein Alter recht groß gewachsen.

„Legionär Tillo, du wirst mir auf den Knaben gut Acht geben!“ Der Befehl ließ den Soldaten endgültig alle Hoffnung auf seine Beute verlieren und ihn überkam ein Gefühl von Wut und gleichzeitigem Entsetzen, denn daran, das dem Tribun der Sinn nach Knaben stand, hätte er nicht geglaubt.

„Wenn wir wieder im Lager sind, bringst du ihn zu mir!“

Beleidigt packte der Mann den Jungen im Nacken und schob ihn unsanft vor sich her.

„Und Soldat Tillo!“ rief Claudius Marcinus. „Das mir dem Knaben kein Leid geschieht. Du haftest mit deinem Kopf dafür!“

Der Legionär mit dem runden Gesicht wurde bleich wie Kreide und nickte nur stumm.


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