Titel

Operation Westwind

Leseprobe

Urheber
Sebastian Stammsen

Verlag
Shaker Media
Bindung
Paperback
Seitenzahl
378
Sprache
Deutsch
Format
Din A5
ISBN
978-3-8685-8254-3
Preis
€ 17,90 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

Internet
www.sebastian-stammsen.de

Kaufen
Buchhandel
Internetshops

www.shaker-media.de
www.amazon.de

"Ich spreche hier von der Auslöschung der gesamten Bevölkerung der Sowjetunion. Mit einem einzigen Knopfdruck."  

Juni 1963. Chris Steele und seine Familie werden mitten in der Nacht von einem Kommando brutaler Kämpfer überfallen. Als Chris der Spur der Attentäter folgt, stößt er auf einen Mann, mit dem ihn seit den letzten Kriegsmonaten eine erbitterte Feindschaft verbindet. Doch dieser Mann verfolgt einen Plan, der weit über die Rache an Chris hinausgeht.  

Was steckt hinter dem deutschen Impfprogramm in der Sowjetunion? Wer entführt John F. Kennedy? Eine Untergrundbewegung greift nach der Macht und steht kurz davor, eine furchterregende Waffe zum Einsatz zu bringen

Leseprobe

England 

Das Heulen der Sirene riss sie beide aus dem Schlaf. Chris schüttelte den Kopf, alle Benommenheit war augenblicklich von ihm abgefallen. Angst kroch seinen Hals hinunter und griff mit kalter Hand nach seinem Herzen. Er starrte auf die Lampen der Alarmanlage, doch sie blinkten unverändert. 

Es konnte kein Albtraum sein, denn der Pyjama, der durchnässt von kaltem Schweiß an seinem Rücken klebte, fühlte sich real an und die Gänsehaut, die über seinen Körper kroch, hatte nichts mit der Kälte der Nacht zu tun. 

Die Technik der Alarmanlage funktionierte perfekt und ließ keinen Raum für einen Fehlalarm. Eine dritte Möglichkeit drängte sich in sein Bewusstsein und sein Instinkt machte sie zur Gewissheit. Sie wurden angegriffen. 

Der letzte Angriff lag über dreizehn Jahre zurück. Chris schaute zu seiner Frau Monica, die neben ihm kerzengerade im Bett saß. Er erkannte in ihren Augen dieselben Gedanken. Die Angst schloss ihren Griff eisenhart und eiskalt um sein Herz. Chris entwandt sich gerade rechtzeitig, bevor Angst ihn fesseln oder Panik ihn fortreißen konnte. 

Sie sprangen gleichzeitig aus dem Bett. Seit zwölf Jahren hatten sie nicht mehr darüber gesprochen. Sie hatten meistens erfolgreich versucht, nicht mehr daran zu denken. Sie hatten keinen Plan für den Fall ausgearbeitet, dass sie noch einmal überfallen wurden. 

Aber die Reflexe, die einem durch eine militärische Ausbildung eingepflanzt werden, die Reaktionen, die man entwickelt, das taktische Denken, das einem beigebracht wird, all das konnte man genauso wenig verlernen, als wäre es Teil des genetischen Codes. 

Trotz allen Verdrängens und Vergessens befanden sich ihre Waffen griffbereit im Schrank neben dem Bett. Über die Jahre gut gepflegt, frisch geölt und mit scharfer Munition geladen. Monica hob ihre britische Offizierspistole. Chris schulterte seine deutsche MP40. Man blieb bei dem, was man gelernt hatte. 

„Einen Moment noch“, sagte Chris leise. Die Alarmanlage blinkte nun stumm, hektisch und beunruhigend. Drängend. 

Es war unmöglich, dass ein weiterer Angriff bevorstand. Und doch war es gewiss. Es würde nicht ein Angreifer kommen. Es würden acht sein, vielleicht auch zwölf. Zu viele, als dass sie es wagen konnten, sich ihnen alleine entgegenzustellen. Sie brauchten Hilfe. 

Chris griff nach dem Telefonhörer, aber es wunderte ihn nicht, dass die Leitung tot war. Die Nachttischlampe funktionierte nicht. Das kleine Funkgerät, das sie für den Notfall in der Kommode direkt neben dem Bett aufbewahrten, gab nur statisches Rauschen von sich, als Chris sich im Halbdunkel durch die Frequenzen tastete. Der Strom war unterbrochen, die Telefonleitungen gekappt und der Funkverkehr gestört. 

Es handelte sich eindeutig nicht um einen Einbrecher, der es auf das Tafelsilber abgesehen hatte. Keine Kinder, die ihnen einen Streich spielten. Keine streunende Katze. 

Chris wühlte noch einmal in seinem Nachttisch. Es ist schon erstaunlich, dachte er seltsam distanziert, wie gut wir nach all den Jahren noch funktionieren. Angst sollte uns lähmen, Wut sollte uns blind machen. Doch hier stehe ich, stellte er fest, und suche nach unseren Notfallsendern. 

Er fand sie. Vier kleine Kästchen, die man an einer Nylonschnur um den Hals trug. Ein großer roter Knopf auf der Vorderseite. „Ganz einfach zu bedienen“, hatte General Parker gesagt. „Wenn Du in Not gerätst, drückst Du den Knopf und wir kommen.“ 

Chris hatte nur mit halbem Ohr hingehört, als Parker ihnen vor einer Woche die Notfallsender gegeben hatte. Wer brauchte schon so etwas? Die Königin, ja. Der Premierminister, natürlich. Aber doch nicht Christian Steele und seine Familie. 

Und dennoch hatte er sie bekommen. Vier Stück. Einen für Monica. Zwei für die Kinder. Einen für sich selbst. „Und die Hunde bekommen keinen?“ hatte Tim noch vorwitzig gefragt. 

Sie aktivierten die Sender ohne sichtbaren Effekt. Die Stille, die sich über das Haus gesenkt hatte, war vollkommen. Der tödliche Schatten, der um das Haus herum Gestalt annahm, schirmte sie von der Außenwelt ab. Er würde keine Einmischung dulden, wenn er die letzte Barriere überwand. 

Auf dem Weg zur Tür fasste Chris seine Frau an den Schultern. Er schaute zu ihr hinunter, sie schaute zu ihm hinauf. Blaue Augen und braune Augen, in denen Angst und Entschlossenheit standen. Für einen Moment, der eine Ewigkeit hätte sein können, trafen sich ihre Blicke und sprachen eine stumme Bitte aus. Pass auf die Kinder auf. Pass auf Dich auf. Überlebe. 

Sie umarmten sich. Sekundenbruchteile, in denen sie wortlos das Versprechen austauschten, den Morgen gemeinsam zu erleben. Sie hatten nie gemeinsam gekämpft. Nie in derselben Armee gedient. Und doch verstanden sie sich fast wortlos. 

„Du nimmst die Kinder“, flüsterte Monica tonlos. Der ranghöhere Offizier übernahm das Kommando. Chris nickte. 

Dann trennten sie sich.

zurück