Titel

Mütter sind wie Felsen in der Brandung

Leseprobe

Urheber
Ilsemarie Straub-Klein

Verlag
Shaker-Media
Bindung
Paperback
Seitenzahl
114
Sprache
Deutsch
Format
Din A5
ISBN
978-3-8685-8183-6
Preis
€ 9,90 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

Internet
www.ilsemarie.wg.am

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"Mutter werden ist schon schwer, Mutter sein, noch viel, viel mehr",
könnte man in Abänderung des Wilhelm-Busch-Textes sagen.
Es sind die zahlreichen kleinen Alltagsbegebenheiten, die den Müttern als Hürden in den Weg gelegt werden.
Wie viele von ihnen aber alle Klippen umschiffen und Spaß an und mit ihren Sprösslingen empfinden,
schildert die gestandene Mutter und Journalistin in ihrer Kurzgeschichten-Sammlung

Leseprobe

Der Beginn eines neuen Anfangs

Wenn nur diese Ungewissheit nicht wäre! Rainer kann sich seit Tagen nicht mehr auf seine Arbeit konzentrieren.
Renates Ärztin hatte eine Gewebeprobe entnehmen lassen, und nun wartet sie auf das Resultat. Gutartig oder nicht?
Renates Mutter war mit knapp 50 Jahren an Krebs gestorben. Sollte seine Frau bald das gleiche Schicksal erleiden? 

Seit 24 Jahren sind Rainer und Renate miteinander verheiratet. Sie haben zwei erwachsene Kinder.
Hätte er doch nur im Sommer auf die Fahrt mit dem Modelleisenbahnclub verzichtet und statt dessen mit Renate an einem
romantischen Ort ihres Hochzeitstages gedacht.
Überhaupt hatte er sie in den vergangenen Jahren vernachlässigt, geht es ihm durch den Kopf.
Sie war die Selbstverständlichkeit an seiner Seite, die er nur registrierte, wenn sie nicht da war.
Sie war sein Fels in der Brandung. „O Gott, ich will alles besser machen“, gelobt er nun in den Stunden im Büro,
in denen er auf die Formulare starrt, ohne die Vorgänge zu erfassen.     

Zartes Buttergemüse wird in der Kantine nicht häufig serviert. Rainer nimmt sonst immer noch einen Nachschlag.
Doch heute stochert er zum Erstaunen seiner Kollegen auf dem Teller herum und verlässt den Raum noch vor dem Ende der Mittagspause.
Vor seiner Bürozimmertür kommt ihm die neue Auszubildende entgegen. „Ihre Frau hat gerade angerufen. Ich soll ausrichten, das Ergebnis läge vor.
Es sei alles okay.“ 

Rainer geht in sein Büro und öffnet das Fenster. Eine Amsel sitzt auf dem höchsten Ast der Birke und tiriliert ihr eintöniges Lied.
„Es wird nun alles gut“, sagt der Sachbearbeiter laut, und er merkt, wie ihm heiß vor Glück wird. Dann wählt er seine Privatnummer.
„Renate, ich bin ja so glücklich“, verkündet er der vertrauten Stimme. Und er spricht auch aus, was er fühlt, aber lange nicht mehr gesagt hat: „Ich liebe dich!“ 

Dann holt er die Auszubildende und geht mit ihr leichten Schrittes in die Kantine, wo die Kollegen noch immer beieinander sitzen,
obwohl die Pausenzeit längst vorbei ist. Er balanciert eine Karaffe Saft und Gläser zu ihrem Tisch. Eigentlich würde er Champagner ordern,
aber Alkohol ist im Betrieb nicht erlaubt. „Ich bin unendlich glücklich“, erklärt Rainer der fragenden Runde. „Ich denke, du bist verheiratet“,
macht einer den uralten Witz. „Gerade deshalb“, pariert Rainer und fühlt sich so lebensfroh wie schon seit Jahren nicht mehr.

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