Titel

Makellose Morde to go
Erlesene Verbrechen und herzerfrischende Gemeinheiten

Leseprobe

Urheber
Susanne Henke

Verlag
Edition BoD 
Bindung
Paperback
Seitenzahl
128
Sprache
Deutsch
Format
21,9 x 13,6 cm
ISBN
978-3-8391-9252-8
Preis
€ 9,90 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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Es muss nicht immer Coffein sein. Auch Literatur belebt. Vor allem, wenn es um (unfreiwilliges) Ableben geht.
Und darin ist die Hamburger Autorin, deren Geschichten Vito von Eichborn für den aktuellen Titel seiner Reihe für herausragende Neuerscheinungen ausgewählt hat, Expertin.
Gut und Böse sind wunderbar gemischt in dieser Sammlung erlesener Verbrechen und herzerfrischender Gemeinheiten. Oft in ein und derselben Person.  

„Mit ihren weißen Fluffhaaren sehen sie aus wie ein Löwenzahnstrauß. Einmal pusten, und sie lösen sich in Luft auf. Wenn es doch nur so einfach wäre.“

Aufgeben? Niemals. Henkes Helden sind der Traum eines jeden Arbeitgebers: engagiert, flexibel und lösungsorientiert. Kein Einsatz ist ihnen zu hoch für Quote oder Kundenglück, den Platz in der ersten Reihe, das Lächeln der Liebsten oder die ungestörte Ruhe ihres Refugiums. Menschen wie du und ich, scharfzüngig seziert und pointiert in den Abgrund gestoßen. Ein giftig-guter Cocktail garstiger Geschichten, der (schaden-) freudigen Genuss verspricht. 

 “Wer Geschichten à la Roald Dahl mag, wird dieses Büchlein lieben”

Hamburger Morgenpost 

“Minimalistisch, makaber, menschlich”

Literaturkritik.de

Leseprobe

Ewige Frische

Deine Frischzellenkur. Du brauchst das einfach. Spüren, wie die Kälte in deine Haut beißt, die heizungsluftverweichlichten Lungenflügel erst schmerzhaft zusammenzucken, und sich dann an der eisigen Höhenluft laben. Die Augen, verborgen hinter der verspiegelten Brille, auf die unendliche Weiße gerichtet. Dieses Nichts, das dich versöhnt mit dem Multitasking deines Managerdaseins. Das Prickeln jeder Pore, wenn du nach einer Schussfahrt in die Hütte kommst. Der Hütte, zu der außer dir und mir nur dein Busenfreund Klaus mit seiner reizenden Rebecca Zutritt haben. Sie sind draußen mit dir auf dem Gletscher, während ich für den nötigen Hüttenzauber sorge. Energienachschub für die erfrischten Zellen. Ein Tag auf der Piste macht hungrig. Und mit zunehmendem Alter brauchen die Zellen nicht nur mehr als eine Frischzellenkur im Jahr, auch der Gaumen wird verwöhnter. In der Gefriertruhe mit außentemperaturgesteuertem Generator lagern die per Helikopter eingeflogenen Zutaten für die Haute Cuisine. In die Kunst der gourmetgerechten Zubereitung von Wild und anderem Getier hast du mich eigens von dem angesagtesten Sternekoch der Stadt einweisen lassen. Er war damit erfolgreicher, als du bei deinem Versuch, mein Skitalent zu wecken.

“Die Bindung ist das Wichtigste,” hast du gesagt, “wenn die Bindung sich löst, ist alles vorbei.”

Ein halbes Jahr habe ich gebraucht, bis ich wieder laufen konnte. Dafür kann ich jetzt meinen rechten Unterschenkel allein auf die Abfahrt schicken. Mit der richtigen Bindung, versteht sich. Auf die achtet auch der Küchenchef. Kein Erbarmen dem, der wahllos Ingredienzen in sein Süppchen schüttet, nur perfektes Zusammenspiel von Zutaten, Temperatur und geduldigem Hineinrühren schafft Verbindungen, die den Gaumen entzücken. Sinkt der Zucker nicht ab und löst sich auf, stimmt etwas mit dem Kaffee nicht. Oder mit dem Zucker. Trotzdem nett, dass du mir einen Becher ans Bett gebracht hast. Vielleicht ist es die Höhenluft, die dich verwirrt. So sehr verwirrt, dass du nicht nur dein, sondern auch mein Handy eingesteckt hast. Dazu die Eile, mit der jede Faser deines Körpers danach drängte, hinaus auf den Berg zu gelangen. Die in Konflikt geriet mit deiner Fürsorglichkeit, mir einen beschwerlichen Gang zu ersparen. Die dich die Holzscheite lose vor dem Körper balancieren ließ. Die dir so viel Schwung verlieh, dass der Stapel schwankte, die Scheite rutschten, stürzten und dem Funkgerät den Garaus machten.

Er kann es reparieren, sagt der nette junge Mann von der Bergwacht. Seine Hand zittert noch ein wenig, als er die Gabel zum Mund führt, doch langsam kehrt die Farbe zurück auf seine Wangen. Auch er war auf dem Gletscher, hat die Kälte gespürt, das unendliche Weiß abgesucht. Ich habe die Warnung im Radio gehört, kurz nach eurem Aufbruch. Eine Stunde später ging die Lawine ab.

Klaus und Rebecca haben die Suchmannschaften gefunden. Unerreichbar für jeden Retter liegt dein kühles Grab in einer tiefen Gletscherspalte, konserviert dich in ewiger Frische. 

Copyright © Susanne Henke

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