Titel

Linie 7, unter Tage erlebste wat

Leseprobe

Urheber
Gottlieb von Mannda

Verlag
BoD Norderstedt
Bindung
Paperback
Seitenzahl
64
Sprache
Deutsch
Format
12 x 19 cm
ISBN
978-3-8448-0482-9
Preis
€ 5,90 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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"Unter Tage" kannste was erleben. Alle Kurzgeschichten habe ich selbst miterlebt! Die Linie 7 der berliner U-Bahn bietet viel Unglaubliches an Erlebnissen.

Leseprobe

Telefon aufgegessen

 

U-Bahnhof Adenauer Platz steige ich in Richtung Spandau in den Zug.

 

Wo ich heute sitze, ist mir eigentlich egal, denn meine Augen fallen schnell zu. Zu weit fahren kann ich auch nicht, der Zug endet ja am Rathaus Spandau. Also wäre gegen ein kleines Nickerchen nichts einzuwenden.

 

Gedacht - getan.

 

Da steigt eine Familie ein und setzt sich mir gegenüber. Zwei Jungs im Alter von etwa fünf Jahren sind dabei. Sie spielen mit einem Handy. Die Eltern sind mit sich beschäftigt und führen ein intensives Gespräch. „Na ja, was ganz Normales eben“, dachte ich gelangweilt.

 

Einer der Jungs schaute immer so komisch zu mir rüber. Vielleicht sah es lustig aus wie ich ständig eingenickt bin und mir der Kopf nach hinten kippte.

 

Da fiel mir ein - meine Bekannte schenkte mir heute ein Handy. Ein besonderes Stück, denn es war aus Schokolade. Sie weiß ja dass ich ein Süssmaul bin.

Und ich freute mich auch sehr darüber. Zuhause wollte ich mich diesem Handy widmen - in Form eines genussvollen Abendmahls.

 

Aber irgendwie juckte mich jetzt gerade der Schalk im Nacken. Ich zückte das Handy, wickelte es aus der Verpackung, und hielt mir das Ding ans Ohr.

 

„Hallo“, rief ich hinein. Dabei setzte ich diesen bekannt glasigen Blick auf, den die meisten beim Telefonieren ja haben.

 

Gelangweilt blickte mich einer der beiden Knaben an. War also noch alles im grünen Bereich.

 

„Hallo“, rief ich noch einmal. Er schaute mir weiter stumm zu.

 

Dann biss ich einfach in mein Handy hinein, und murmelte; „na wenn niemand antwortet, dann esse ich das eben auf.“

 

Dem Bengel entgleisten augenblicklich die Gesichtszüge! Seine Stielaugen erreichten fast meine Seite!

 

Er rief seinem Vater zu; „Papa, der Mann isst sein Telefon auf! Geht denn das?“ Fragend schaute er auf seinen Handy, als wollte er auch mal reinbeißen.

 

Bis Spandau ließ er mich nicht mehr aus den Augen. Mein Nickerchen hatte sich damit erledigt.

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