Titel

Leben und Tod
Kurzgeschichtensammlung

Leseprobe

Urheber
Stefan Lamboury

Verlag
BoD Norderstedt
Bindung
Paperback
Seitenzahl
92
Sprache
Deutsch
Format
k.A.
ISBN
978-3-8370-0974-3
Preis
€ 8,- (je nach Anbieter zzgl. Porto)

Internet
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Karin erhält ein anonymes Paket, kurz darauf wird sie von einem Unbekannten terrorisiert. 

Sally ist schwer krank, ihr Mann tut alles in seiner Macht stehende um sie zu unterstützen, doch dann kommt es zu einem unerwartetem Schicksalsschlag. 

Hanna ist wegen Verbrechen während des Nationalsozialismus zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden, als sie unerwartet wegen guter Führung vorzeitig entlassen werden soll, fasst sie einen folgenschweren Entschluss. 

Als Mike von seiner Firma entlassen wird, sinnt er auf Rache und begeht in seiner Wut einen folgenschweren Fehler. 

Als Nadine an einem kalten Novemberabend von einer Freundin zurück nach Hause fährt, wird sie von zwei Fremden angesprochen, die sie nach dem Weg fragen. Ihre Hilfsbereitschaft wird ihr Leben für immer verändern.

Leseprobe

Ende 

Hanna saß auf ihrem Bett in der Gefängniszelle. Sie hielt Michaels letzten Brief in der Hand und las ihn sich immer wieder durch. Er war inzwischen also verheiratet. Eine Träne lief sanft ihre Wange hinunter und befeuchtete das Papier. Wenn sie an ihre Vergangenheit zurückdachte, hatte sie absolut keinen Grund stolz auf sich zu sein. Tausende von Menschen wurden durch ihre Hilfe in den Tod geschickt, Juden, Zigeuner, Behinderte und politische Gefangene. Aber was änderte das jetzt noch. Sie konnte es nicht mehr rückgängig machen. Morgen würde man sie entlassen, aber wer wartete denn auf sie. Eine Familie hatte sie nicht und ihre große Liebe war inzwischen mit einer anderen Frau verheiratet. Niemand wartete auf sie. Sie liebte ihn immer noch, doch er war vergeben. Michael hatte eine andere Frau das wusste sie aus seinen Briefen. Michael war der Einzige, der ihr in den vergangen Jahren Halt gegeben hatte. Ihre Liebe zu ihm war der Grund, warum sie überhaupt noch am Leben war.
Ohne ihn hätte sie sich schon längst das Leben genommen. Sie hatte geträumt, dass er sie beide nach der Entlassung auswandern würden, irgendwo hin in ein anderes Land, wo keiner sie kannte und wo man ihr nicht dumme Fragen wegen ihrer Vergangenheit stellen würde. Doch ohne Michael hatte das jetzt alles keinen Sinn mehr. Es war keine Minute in diesem kalten Gemäuer vergangen, an denen sie nicht an ihm gedacht hatte. Doch jetzt war alles aus. Er war verheiratet, dass wusste sie schon lange. Sie konnte es nicht mehr verdrängen. Sie hatte sich eingeredet, Michael würde draußen auf sie warten. Erst jetzt wurde ihr klar dass dem nicht so war, er hatte eine Frau, niemand wartete auf sie. Keiner wollte wirklich was von ihr wissen. Alle sahen in ihr nur die dämliche Analphabetin, die während der NS Zeit Menschen auf grauenvolle Weise hingerichtet hat. Hanna war sich sicher, dass viele Menschen sie gerne tot sehen wollten. Welche Zukunft hatte sie denn? Verdammt noch mal warum musste ihre Vergangenheit sie ausgerechnet zu dem Zeitpunkt einholen, wo alles so gut am laufen war. Sie hatte endlich jemanden gefunden, jemanden der es ernst mit ihr meinte, der mit ihr glücklich werden wollte und dann das, ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt musste ihre Vergangenheit sie einholen.

Hanna holte einen Strick hervor, den sie unter ihrer Matratze versteckt hielt. Sie nahm das Seil in die Hand und lies es langsam immer wieder durch ihre Finger gleiten. Am Ende der Schnur befand sich eine Schlinge. Sie überlegte ob sie ihrem Leben ein Ende setzten sollte. Schon lange vorher war ihr der Gedanke gekommen, doch ihre Liebe zu Michael hatte sie am Leben gehalten. Doch jetzt wo er vergeben war spielte das alles keine Rolle mehr. Hanna stieg auf den Tisch in ihrer Zelle und öffnete das Gitterfenster, eine leichte Brise umwehte ihr Gesicht. Sie holte einmal tief Luft, schloss die Augen und genoss die dieses kleine Gefühl von Freiheit. Ja für Hanna war die frische Luft immer ein kleines Gefühl von Freiheit gewesen. Alles hatte man ihr genommen, ihre Liebe zu Michael, ihre Würde ihre Freiheit einfach alles. Aber den Tod konnten sie ihr nicht nehmen. Nur wenn sie Tod war, würde sie wirklich frei sein, absolut frei. Frei wie ein Vogel im Wind. Langsam befestigte Hanna das Ende des Seils an die Gitterstäbe, anschließend überprüfte sie ob es auch stabil genug war. Dann steckte sie ihren Kopf durch die Schlinge und zog sie fest zusammen. Ein letztes Mal ließ sie einen Blick durch den Raum gleiten. Michaels letzten Brief hielt Hanna während der ganzen Zeit in ihrer linken Hand. Jetzt ließ sie ihn fallen. Das Papier segelte langsam zu Boden. Hanna schloss die Augen, ein letztes Mal sog sie die Luft des Raumes ein. Sie machte einen Schritt nach vorne. 

 

 

Ein geheimnisvoller Unbekannter 

Es kam mit der Morgenpost: ein ganz normal aussehendes Paket in braunem Packpapier und verschnürt mit derber Doppelschnur. Es unterschied sich in nichts von den Tausenden anderer Pakete, wie sie die Postboten tagtäglich austragen. Mit diesem aber hatte es eine besondere Bewandtnis – eine ganz besondere. Das Paket erhielt keinen Absender, lediglich Karins Name und Adresse waren angeben.
Karin war anfangs ein wenig verdutz, sie konnte sich keinen Reim darauf machen, wer ihr ein Paket schicken könnte? Sie holte ein Messer aus der Schublade und begann langsam die Schnur zu zertrennen. Nachdem die Schnur zertrennt war, öffnete Karin aufgeregt das Frachtgut. Hastig klappte sie die Deckel zur Seite. Sie konnte vor Aufregung sogar ihren Herzschlag spüren. Im Inneren befand sich ein DINA4 Blatt, welches säuberlich zusammengefaltet war. Karin nahm den Zettel heraus, und faltete ihn auseinander. Auf dem Papier stand in roter Schrift: Überraschung! 

Sie legte den Zettel beiseite und sah hinein, doch was Karin erblickte versetzte sie in Entsetzen. In dem Paket befand sich eine tote Ratte. Karin hielt sich die Hand vor dem Mund, um einen Schrei zu unterdrücken, anschließend nahm sie das Paket wie auch den Zettel und warf alles in den Müll. Als Karin, wieder ins Haus ging, klingelte das Telefon. Nachdem sie den Hörer abnahm, meldete sich am anderen Ende eine Stimme, die sagte:
„Warum wirfst du mein Geschenk in den Müll?“
Karin war nach dieser Nachricht ein paar Sekunden wie gelähmt, dann antwortete sie:
„Wer sind Sie und was wollen Sie von mir? Ich werde die Polizei rufen.“
Karin hörte aber nur ein monotones Tuten am anderen Ende des Hörers. Sie legte auf und wählte ein paar Sekunden später die Nummer der Polizei

Kurz darauf meldete sich auf der andren Seite eine Stimme, die sagte:
„Polizei Notruf was kann ich für Sie tun?“
„Karin Bauer mein Name, ich werde belästigt.“
„In wie fern werden Sie belästigt?“
„Ich habe heute ein anonymes Paket erhalten. Da- da drin befand sich eine tote Ratte mit einem Zettel, auf dem Überraschung stand.“
„Hat Sie jemand angegriffen?“
„Nein aber nachdem ich das Päckchen wie auch die Ratte entsorgt hatte, bekam ich einen anonymen Anruf, irgendjemand beobachtet mich. Er hat mich gefragt warum ich sein Geschenk in den Müll geschmissen hätte?“
„Hat man Sie körperlich angegriffen?“
„Nein.“
„Dann können wir leider nichts unternehmen.“
„Bitte Sie müssen mir helfen, bitte schicken Sie mir ein paar Beamten vorbei.“
„Ohne eine konkrete Straftat können wir Ihnen niemanden schicken.“
„Draußen läuft ein Verrückter rum und Sie wollen mir erzählen Sie können nichts unternehmen?“
„Solange keine Straftat vorliegt nein.“
„Vielen Dank für Ihre Hilfe und dann heißt es immer die Polizei dein Freund und Helfer.“
Mit diesen Worten knallte Karin den Hörer auf.

Am nächsten Morgen erhielt sie erneut ein Paket ohne Absender. Wieder öffnete Karin langsam mit einem Messer das Paket, auch in diesem befand sich ein weißer Zettel. Auf diesem stand: Deine Zeit läuft ab. 

Die Nachricht ließ Karin das Blut in den Adern gefrieren. Unter dem Zettel befand sich eine Puppe, die aussah wie sie selbst. Man hatte der Puppe die Haare abgeschnitten und das Gesicht war anscheinend von einem Messer oder ähnliches völlig entstellt worden.

Ein Auge war ausgestochen worden. Karin nahm die Sachen und warf sie in den Müll. Einen Augenblick später klingelte erneut das Telefon. Als sie den Hörer abnahm, meldete sich eine Stimme die sagte:
„Warum wirfst du mein Geschenk in den Müll? Dafür wirst du bezahlen.“

Panik stieg in Karin auf, sie zitterte am ganzen Körper, fing an zu weinen und rief:
„Ich werde die Polizei rufen!“

Doch am anderen Ende war niemand mehr. Plötzlich hörte sie ein Klirren. Karin drehte sich um, jemand hatte das Wohnzimmerfester eingeschlagen. Scherben und Glassplitter lagen quer verteilt auf dem Fußboden. Ein großer Mann von kräftiger Statur stand in ihrem Wohnzimmer, er war schwarz gekleidet, sein Gesicht hatte er mit einer Skimaske verhüllt. In der rechten Hand hielt er ein Messer.

„Jetzt bist du dran du Schlampe.“ , sagte der Mann.

Für einen Moment war Karin wie gelähmt, ihr Gesicht wurde kreidebleich, doch dann rannte sie in Richtung Haustür. Ihr Herz raste in der Brust, sie schrie um Hilfe, während der Einbrecher ihr folgte. Karin schaffte es die Haustür zu erreichen, kalter Angstschweiß lief ihr von der Stirn. Ihr Verfolger erreichte sie, packte sie mit einer Hand an den Haaren und zog sie an sich heran. Karin stand Todesängste aus, ihre Kehle war wie zugeschnürt, ihr Herz schien für einen Moment auszusetzen. Er setzte ihr das Messer an den Hals. In Sekundenbruchteilen lief Karin ihr gesamtes Leben noch einmal wie in einem Film vor Augen ab. Irgendwie gelang es ihr dem Täter einen Tritt gegen das Schienbein zu verpassen. Der Mann ließ das Messer vor Schmerz fallen. Wie im Trance griff Karin nach der Waffe und jagte es ihm mit voller Wucht in die Brust. Er fing an zu taumeln, gab einen schmerzenden Laut von sich, bis er mit einem dumpfen Aufprall zu Boden fiel, wo er regungslos liegen blieb. 

 

 

Langsamer Tod 

„Warum? Warum gerade ich?“, solche Gedanken quälten Sally jeden Tag. Vor zwei Jahren im August hatte Sally die Diagnose erhalten. Sie war unheilbar krank. Die Ärzte hatten Leberkrebs bei ihr festgestellt. Anfangs hatten man versucht die Krankheit mit Chemotherapie zu bekämpfen. Eines Tages hatte Sally keinen Nerv mehr auf die immer wiederkehrenden Untersuchungen der Ärzte. Sie wollte nicht wie viele andere Patienten um jeden Preis am Leben erhalten werden. Viele Menschen hatte Sally gesehen, nicht zuletzt ihre Mutter, die am Krebs gestorben war. Zum Schluss lag Sie nur noch wie ein körperliches Wrack auf ihrem Krankenbett. Musste künstlich ernährt werden und bestand nur noch aus Haut und Knochen. 

So ein Schicksal wollte Sally nicht, sie wollte die Zeit die ihr noch blieb so intensiv wie möglich mit ihrem Mann erleben. Sie war ihrem Mann sehr dankbar, er hatte ihr in den vergangen Wochen und Monaten viel Kraft gegeben. Er war für sie da, hörte ihr zu und las ihr jeden Wunsch von den Lippen ab. An einigen Tagen war Sally gut drauf, an diesen Tagen merkte man Ihr die Krankheit nicht an. Sie sprühte vor Energie und man hatte den Eindruck, sie sei völlig gesund. Es gab aber auch Tage, an denen sie unter so starken Schmerzen litt, dass sie nicht einmal die Kraft hatte, alleine zu essen, geschweige den zur Toilette zu gehen. An solchen Tagen schämte Sally sich vor ihrem Mann, aber nicht nur vor ihm, auch vor sich selbst. Wenn sie dalag wie ein kleines hilfloses Kind, dass nichts selber erledigen konnte. Obwohl sie wusste, dass sie sich vor ihrem Mann nicht zu schämen brauchte. Sally hatte keine Angst, vor dem Tod. Aber sie hatte Angst, dass ihr Mann sie eines Tages verlassen würde, weil er nicht mehr konnte. Sie fürchtete, dass er mit einer anderen Frau durchbrennen könnte. Sex hatten sie seit dieser Krankheit keinen mehr gehabt. Sally hatte einfach keine Lust mehr auf Sex. Ihr Mann verstand das sehr wohl, er hatte sie auch nie bedrängt, oder ihr deswegen Vorwürfe gemacht. Trotzdem war die Angst da. Sie wusste es war verrückt sich darüber Sorgen zu machen, sie versuchte sich auch immer wieder einzureden, Mike würde so was nicht tun, aber dennoch war sie da. Die Angst. 

Die Angst vor dem allein sein, die Angst davor alleine sterben zu müssen, ohne jeden Beistand.

Sie wusste noch, wo sie ihn kennen gelernt hatte. Es war auf einer grünen Wiese im Sommer gewesen. Sie hatte ihr Blumenkleid an und trug blondes kurzes Haar mit Naturlocken. Sie war zur Wiese gefahren um dort für sich alleine ein Picknick zu machen. So was hatte sie früher oft gemacht. Plötzlich hatte ein großer schlanker Mann in einem weißen T-Shirt sie angesprochen. Er war ihr von Anfang an sympathisch. Er setzte sich zu ihr, sie haben sich unterhalten und viel gelacht. 

Und was war jetzt? Jetzt war sie nur noch ein dahin vegetierendes Etwas, ein vom Krebs zerfressener Körper, dessen Uhr langsam aufhörte zu ticken. 

Eines Tages rief Sally ihren Mann zu sich, der gerade dabei war das Mittagessen zu kochen. Mike eilte zu ihr. Das Schlafzimmer bestand aus einem großen Ehebett und zwei kleinen Nachtischen aus Kiefernholz. Die Wände, wie auch die Decke waren weiß und kahl. Die Fenster weit geöffnet.

„Ist alles in Ordnung?“ fragte Mike.

„Gib mir meine Tabletten!“ stotterte sie.

Seine Frau sah aus wie eine lebende Tote. Sie war schweißgebadet, ihr Nachthemd klebte gerade zu an ihrem Körper. Mike reichte ihr eine Tablette und sagte:

„Hier nimm, danach geht es dir wieder besser.“

Sally nahm sie zitternd ein und spülte sie mit einem Glas Wasser, welches Mike ihr einflößte hinunter, anschließend sagte sie: „Es geht zu- zu En- Ende.“

„Nein, du darfst nicht sterben, du musst bei mir bleiben bitte.“

Mike konnte sich nicht mehr zurückhalten, er begann zu weinen, heiße Tränen liefen seine Wangen herunter. Er nahm seine Frau in den Arm. Ein letztes Mal drückte sie ihren Mann und gab ihm einen Kuss.

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