Titel

Leben mit Borderline
Wenn die Seele Schmerz und Ruhe sucht


Leseprobe

Urheber
Susanne Küppers

Verlag
Acabus
Bindung
Paperback
Seitenzahl
120
Sprache
Deutsch
Format
12 x 19 cm
ISBN
978-3-9414-0436-6
Preis
€ 16,90 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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Perfektes Funktionieren wird von Susanne Küppers erwartet, doch je mehr sie sich darum bemüht, desto öfter erntet sie Hohn und Gewalt. Der Vater verlässt die Familie, die Mutter ist den Zeugen Jehovas hörig, die Mitschüler hänseln und drangsalieren das Mädchen. Für jeden vermeintlichen Ungehorsam wird sie grausam bestraft. Schließlich erlebt sie sogar sexuellen Missbrauch.

Als Erwachsene versucht sie, sich ihr eigenes Leben in Harmonie und Toleranz aufzubauen. Wieder funktioniert sie perfekt, bringt Beruf, Kinder, Ehe und Freundschaften unter einen Hut - und bricht plötzlich zusammen.

Eine langwierige, seelisch schmerzhafte Therapie fördert alte Wunden zutage und setzt vorsichtige Heilung in Gang. Der Rückfall in alte Muster kann dadurch aber nicht immer verhindert werden.

Nun hat Susanne Küppers die erschütternde Geschichte ihrer Hochs und Tiefs, ihrer Borderline-Erkrankung, aufgeschrieben. Trotz aller erlittenen Verletzungen wendet sie sich mit Zuversicht an ihre Leidensgenossen: Nur Mut! Es lohnt sich, zu kämpfen!

Leseprobe

Schon seit Monaten freue ich mich auf den Urlaub.

Wie jedes Jahr, seit sieben Jahren, geht es an Pfingsten in den Center Parc.

Zusammen mit meinen beiden Kindern Kevin, 13 und Cindy, elf Jahre alt. Kraft tanken.

Die Kinder können zusammen Abenteuer erleben und ich habe Zeit für mich. Mütterliche Animation ist hier nicht gefragt, dafür sorgt schon das Programm des Center Parcs. 

Es ist die einzige Zeit im Jahr, in der ich meine Seele für eine Woche baumeln lassen kann, und das habe ich jedes Jahr mehr als nötig.

Die übrige Zeit des Jahres arbeite ich an der Rezeption einer Zahnarztpraxis. Dort kann ich mich austoben, verwirklichen, das glaubte ich jedenfalls. 

Und dann kann ich mich in der einen Woche im Park wieder regenerieren. 

Schließlich klappte das ja seit 1997.

Doch dieses Jahr ist alles anders. 

Im Center Parc angekommen bekomme ich solches Asthma, dass ich frierend unter der Decke im Bett liege, während alle anderen kurzärmelig den Park durchqueren. 

Mein Gewissen quält sich durch den Tag, muss das schlimm sein für die Kinder, im Urlaub eine kranke Mutter zu haben. 

Und die Freunde, mit denen wir zusammen gefahren sind, die erwarteten doch von mir, dass ich wie jedes Jahr als Clown fungiere. 

Abendliches Zusammensitzen auf der Terrasse, mit anschließendem feuchtfröhlichem Beisammensein bis in die Puppen, um dann am Morgen schnell mit den Kindern ins

 Schwimmbad zu gehen, die Kinder planschend und wir den Kater im Liegestuhl pflegend.

Und dann am Mittag gemeinsam im Park Tretboot fahren, Fahrradtouren machen, abends in einem der drei gemieteten Bungalows kochen und dann die Wiederholung des

 Vorabends erleben: hoch die Gläser, Prost, die Vierte…

Was denken nur alle von mir? Wie gut, dass ich diesmal meinen Exmann eingeladen habe, wenigstens funktioniert er für die Kinder und sie sind nicht so allein bei den anderen.

 Mühselig kämpfe ich mich mit dem Fahrrad ins Bad, um wenigstens den Versuch zu starten, mich dort sehen zu lassen. 

Nach wenigen Minuten ist an ein weiteres Aushalten nicht mehr zu denken, ich muss gehen, ich friere, mir ist schwindelig, ich huste, mir wird schlecht…ich fahre zurück zum

 Bungalow und lasse die anderen zurück. Im Bungalow angekommen, kuschle ich mich wieder auf die Couch, mit meiner Feder- und einer Wolldecke, schaue fern und friere immer

noch. Ein warmer Tee hilft auch nicht wirklich weiter und ich versuche zu begreifen, warum diesmal alles so anders ist. 

Ich grüble und grüble. Das bin ich ja gewohnt, in meinen Gedanken versunken zu sein, überlegend, was da die letzten Wochen passiert ist.

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