Titel

Lauf davon!!
Solange du noch kannst!!


Leseprobe

Urheber
Sandra Granzinger

Verlag
Hofmann-Buch
Bindung
Paperback
Seitenzahl
211
Sprache
Deutsch
Format
Din A5
ISBN
978-3-9327-3717-6
Preis
€ 9,95 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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Die Schriftstellerin Loreley kehrt zurück in ihr Haus am See. Sie verarbeitet die guten und schlechten Erinnerungen, die mit diesem Ort verbunden sind und lernt einen neuen Nachbarn kennen. Doch auch die großen Gefühle die sie für diesen Mann entwickelt und die gemeinsam gemachten Entdeckungen können sie nicht vor dem schützen, was da in und um den See lauert.

Leseprobe

Endlich angekommen! Loreley stellte den Motor ab und beschloss, den Wagen genau hier stehen zulassen. Mittendrin, das war ein guter Anfang. Einen Augenblick blieb sie noch sitzen und atmete einige Male tief durch. Sie warf einen Blick in den Rückspiegel: Trotzdem sie auch angespannt war, leuchteten ihre blauen Augen förmlich vor Vorfreude, als sie jetzt ihr dunkelblondes Haar noch einmal flüchtig richtete. Dann raffte sie sich auf, stieg aus und lief langsam um das Auto zum Kofferraum, um ihr Gepäck zu holen. Der ältere Herr, der neben ihr nun etwas schwerfällig und daher sehr viel langsamer seinen Wagen verließ, blickte ein wenig verwundert drein. Vermutlich fragte er sich gerade, ob sie ihren so stehen lassen wollte. Loreley lächelte ihn mit ihrem gewinnendsten Lächeln an, währenddessen sie einen Koffer aus dem Auto hievte. Wie so oft tat dies seine Wirkung. Er schüttelte den Kopf, schmunzelte jetzt aber auch, und es stand ihm förmlich ins Gesicht geschrieben was er dachte: „Schriftsteller!“ 

Als sie sich kennen gelernt hatten, hatte er das einige Male ausgestoßen, während er die Augen verrollte. Nun kannten sie sich bereits so lange, dass er es nicht mehr zu sagen brauchte. Sie war sich sicher, dass er sie für leicht sonderbar hielt. Aber sie schätzten einander, auch wenn sie nicht immer einer Meinung waren, und sie ahnte, dass auch er froh war, dass sie trotz allem wieder da war. Wenn er auch das nicht sagte. Nun half er ihr mit ihren Taschen und ging dann schwer bepackt voran. Loreley wusste was jetzt kam! Es war immer das Gleiche, wenn sie ankam. An der Haustür stellte Herr Meyer seine Last ab, kramte einen riesigen Schlüsselbund hervor und suchte nach dem Passenden. In wenigen Sekunden könnte sie ihren eigenen hervorziehen und aufschließen, ließ es aber bleiben. Einmal hatte sie das getan, irgendwie war sie an dem Tag in Eile gewesen, und es hatte das ganze Ritual gestört. Also, wartete sie. Loreley wusste, dass er etliche Häuser hier in der Gegend "beschützte", wie er es nannte, und dementsprechend dauerte es etwas, aber so sollte das eben sein, und es gab ihr die Gelegenheit, noch einmal kurz Kraft zu sammeln. 
Zwei Jahre waren jetzt vergangen, seit sie das letzte Mal hier gewesen war und etwas mulmig war ihr durchaus zumute. Wie würde es sich anfühlen, nach allem wieder hier zu sein? „Da ist ja das gute Stück!“, damit riss er sie aus ihren Gedanken. „Sesam, öffne dich!“, sagte er mit einem breiten Grinsen. Auch hier jedes Mal das Gleiche. Aber sie musste doch lächeln, als er jetzt die Tür aufstieß - zu ihrem Haus! Er ließ ihr, ganz Gentleman, den Vortritt. Als Loreley über die Türschwelle trat, war es grausam und wundervoll zugleich, aber letztendlich doch ein „nach Hause kommen“. 
„Meine Frau hat nach Ihrem Anruf alles sauber gemacht!“ „Wie immer.“, dachte sie und ging langsam, den Blick schweifen lassend, durch die Küche.
 „Ähm, sie hat gesagt, sie hat, was so rum lag, in einer Kiste ins Wohnzimmer gestellt.“
 „Danke!“, sie sah die bewusste Schachtel und beschloss sofort, sie erst sehr, sehr viel später zu öffnen. Loreley hatte das Haus, „Ihr Haus“, damals gekauft, als sie ihr erstes Buch verkauft hatte. 
Für sie war es eine ganz logische Konsequenz gewesen, eine romantische Spinnerei. Zu einer „echten“ Schriftstellerin gehörte, ihrer Meinung nach, ein „Haus am See“. Eigentlich hatte sie hier immer ihre Bücher schreiben wollen. Leider war es dann aber meist so, dass sie in der Stadt geschrieben hatte und danach hier raus gefahren war, um wieder zu sich zu kommen. „Bleiben Sie diesmal lange?“, wieder unterbrach er ihre Erinnerungen. „Nun, ich habe noch nicht darüber entschieden. Eine Weile sicher.“ Sie stellte eine Einkaufstüte mit den notwendigsten Lebensmitteln, die sie auf der Herfahrt besorgt hatte, auf die Küchenanrichte, dann öffnete sie die Tür in der Küche, die direkt zur Veranda und den von dort unmittelbar an den See reichenden Steg führte. Wie hatte sie diese Luft vermisst! Tief atmete sie den unverwechselbaren Geruch von Wald und  See, der mit nichts zu vergleichen war. Wie herrlich würde es erst morgen Früh sein, hier draußen zu sitzen, zu rauchen und den ersten Kaffee zu genießen. 
Loreley lächelte. Sie drehte sich um, und ihr nächster Blick ging durch die verglaste Front des angrenzenden Wohnzimmers in den Garten. Er zeigte ihr, dass Meyer den Rasen gemäht hatte, aber etwas Arbeit wartete dort offensichtlich noch auf sie. Garten war auch der falsche Ausdruck, vielmehr war es eine Lichtung. Der gesamte See war von Mischwald umgeben, der lediglich durch die drei oder vier Häuser direkt am See unterbrochen wurde. Auf dieser Seite des Sees waren es zwei. Bei einem ihrer Ausflüge hatte sie einmal, am gegenüberliegenden Ufer, ein weiteres Haus gesehen und vermutete dort auch zwei, aber sie wusste es nicht. So weit war sie nie am See entlang gelaufen, und es interessierte sie auch nicht wirklich. 

Bei ihrem Haus hatte man versucht, eine Art Garten anzulegen, aber der Wald schien sich sein Territorium immer wieder zurück erobern zu wollen. Loreley kämpfte ständig mit dem Wald: er wollte Bäume und Farne, sie ihre kleine Wiese. „Leider muss ich Ihnen noch etwas sagen, bevor ich gehe.“ Sie wendete ihm sofort den Blick zu. Nanu? Was gab es denn? „Nichts Schlimmes, nun schauen Sie doch nicht so erschrocken!“, er lachte kurz auf. „Ich dachte nur, Sie sollten wissen, dass das Haus nebenan zur Zeit vermietet ist.“ Nebenan war gut, Luftlinie quer über den See war der Steg des anderen Hauses sicher fünfhundert Meter entfernt und, um mal eben zum Nachbarn um den See zu laufen, brauchte man auf der Straße fünf Minuten, am Rand des Sees vielleicht nur drei. Trotzdem war sie nicht unbedingt begeistert, „Nachbarschaft“ zu haben. „Nur vermietet?“, fragte sie jetzt skeptisch. „Vorerst, ja. Er will es sich erst mal ansehen!“ „Er?“ „Japp, Geschäftsmann, Banker, oder so, möchte das Haus wohl als Wochenendhaus, sagt aber, er kann es nicht einfach so entscheiden und mietet es jetzt erst mal. Ich habe ihn noch gar nicht gesehen, bisher nur telefoniert. 
Er wollte eigentlich bereits letzte Woche kommen, dann kam ihm aber etwas dazwischen. Er hat sich seinen Schlüssel per Post schicken lassen und kommt jetzt, wenn er Zeit hat. Wann das dann ist, weiß ich auch nicht!“ Man merkte überdeutlich, dass es Meyer gar nicht passte, dass irgendwer ohne ein „Sesam öffne dich!“ ein Haus betreten würde. Loreley wunderte sich, dass er überhaupt darauf eingegangen war. Der „Neue“ hatte wohl einen eigenen Kopf und setzte diesen scheinbar auch durch.
 „Hm.“, brummte sie daher jetzt. „So, so, naja, erst mal abwarten, vielleicht ist er nicht so wie die letzten Exemplare, die wir hier hatten.“ Sie lächelte leicht zerknirscht bei dem Gedanken an die Nachbarschaft der Vergangenheit. Einmal hatte eine Familie mit vier Kindern drei Wochen Urlaub im Nachbarhaus gemacht, und es waren die lautesten und wohl auch die längsten drei Wochen hier oben gewesen, an die sie sich erinnerte. Und sie erinnerte sich nicht gern! Naja und der letzte Mieter, nun, der hatte ja dieses ganze Chaos hier verursacht. Schlimmer konnte es also kaum werden.

 Einen Augenblick hingen sie beide den Erinnerungen nach, dann sagte Meyer: „Gut, wir müssen uns wohl überraschen lassen. Nach allem was war sind wir froh, wenn es wenigsten ab und zu noch gemietet wird, wenn Sie verstehen. Falls Sie etwas brauchen, oder irgendetwas sein sollte, wissen Sie ja, wie Sie mich erreichen können. Dann lass ich Sie jetzt mal ankommen!“ „Natürlich! Und: Danke!“, sagte sie und begleitete ihn noch bis zur Tür. Leicht abwesend winkte sie ihm, als er von dem geschotterten Platz vor dem Haus in Richtung Dorf davon fuhr. Der letzte Mieter ging ihr wieder durch den Kopf und sie überlegte, ob sie doch gleich in die Box im Wohnzimmer schauen sollte. Nein! Dafür war noch lange genug Zeit, sie würde sich schon noch damit auseinander setzen, aber eben erst später. Jetzt war es Zeit für ihr eigenes „Ritual“. Gerade und vor allen Dingen, wenn demnächst ein neuer Nachbar kam. Loreley warf die Haustür heftig zu, nun hatte sie es eilig. Schnell war sie in der Küche und zog sich gleich hier aus. 
Ihre Kleider ließ sie einfach auf den Boden fallen. Splitternackt ging sie hinaus auf den Steg, atmete noch einmal tief die wundervolle Luft ein, und dann sprang sie ins Wasser. Gott, wie hatte sie das vermisst! Sie genoss es immer sehr, nackt im See zu baden, für sie ein absolut berauschendes Gefühl. Schon einzig dafür hasste sie alle Mieter im Nachbarhaus ein bisschen, weil sie deren Anwesenheit zwang, bei ihrem morgendlichen Bad einen Bikini zu tragen. Aber noch war sie ja allein und konnte es voll auskosten, und das tat sie jetzt auch. Loreley tauchte immer wieder so weit sie es schaffte, bis sie sich völlig erschöpft fühlte. 
Doch es war so wundervoll. Das kühle Wasser, ihre Muskeln, die sich aufgrund der Kälte anspannten und durch das Schwimmen zu brennen begannen. Ab und zu die Berührung einer Wasserpflanze, oder eines kleineren Fisches. All das zu fühlen und einfach einmal an nichts, aber auch gar nichts zu denken, was ihr sonst sehr schwer fiel, das genoss sie jetzt in vollen Zügen. 

Als sie völlig ausgepowert und doch energiegeladen wie seit langem nicht mehr war, beschloss sie, dass es vorerst genügte und wollte zum Steg zurück schwimmen. Und da war er! Groß, Jeans und T-Shirt, Haar, das langsam anfing grau zu werden, so stand er da, ganz lässig aufs Geländer gestützt und sah ihr zu. „Scheiße!“, ging es ihr durch den Kopf. „Wer ist das? Was will der hier? Wie lange steht er da schon? Weiß er, dass ich nichts anhabe? Oh, so ein Mist! Verdammt!“ Je näher Loreley dem Steg kam, um so klarer wurde ihr, dass er da zumindest schon ein Weilchen stand und sehr genau wusste, dass sie nackt war. Er hatte nämlich diesen typischen Männergesichtsausdruck, den sie haben, wenn ihnen eine Situation Vergnügen bereitet, und sie sich wie der Überlegenere fühlen. Ihr kreatives Köpfchen zeigte ihr in Sekundenschnelle seine Version der kommenden Ereignisse: Sie kommt am Steg an, fragt etwas verlegen, ob er sich umdrehen könne, weil sie nichts anhätte, worauf er breit und zufrieden grinst, dies aber galanterweise mit einem saudummen Spruch garniert, tut. 

Um ab da bei jeder Begegnung zu genießen, dass sie puterrot anläuft und dies gegebenenfalls mit einer anzüglichen Floskel noch verschlimmert. 
„Oh no, Mister! So nicht! Nicht mit mir!“, dachte sie, denn es schien sehr wahrscheinlich, dass dies der neue Nachbar war, und sie hatte nicht vor, gleich beim ersten Zusammentreffen die Rolle des schüchternen Mädchens zu bekommen. Also atmete sie noch einmal ganz tief ein und erwiderte seinen Blick.

Er hatte stahlblaue Augen, die sie erwartungsvoll, belustigt anschauten. Am Steg angekommen, stieg Loreley sofort und ohne zu zögern komplett aus dem Wasser. Nun war er überrascht, was ihm deutlich anzusehen war. Doch er fing sich sehr schnell wieder und nutzte die Gelegenheit, um sie eingehend von Kopf bis Fuß zu mustern. „Zieh deinen Bauch ein und wirke ganz locker! Lächeln!“, ermahnte sie sich selbst. Jetzt stand sie direkt vor ihm. „Gott, meine Brustwarzen müssen steinhart sein, von dem kalten Wasser.“, fiel ihr ein. 
Nur konnte sie im Augenblick schlecht nachsehen, ohne ihn darauf aufmerksam zu machen, falls es ihm noch nicht aufgefallen war. Aber je mehr sie daran dachte, um so härter fühlten sie sich an. „Vergiss das einfach! Sag was, Mensch!“, fuhr sie sich wieder an. Stimmte aber, wollte sie nun nicht doch wie ein verlegenes, kleines Mädchen wirken, musste sie wirklich den Mund aufbekommen. Also sagte sie schnell freundlich: „Hallo! Kann ich etwas für Sie tun?“ „Kann ich etwas für Sie tun?“, äffte sie sich selbst im Geiste nach. Ja, das sollte man unbedingt fragen, wenn man splitternackt vor einem Wildfremden stand. „Puh, reiß dich zusammen! Entweder bist du jetzt so cool, wie du hier gerne wirken willst, Süße, oder du gehst und ziehst dir was an!“ Das giftete diese böse Person in ihrem Kopf noch, und dann riss sie sich tatsächlich zusammen und war ganz hier. Nur sie und er und eine offene Frage, keine Gedanken, vorläufig. „Nun,“ sagte er gerade, „eigentlich wollte ich mich nur kurz vorstellen, ich miete das Haus dort drüben.“ Er zeigte auf das Nachbarhaus, was nicht notwendig gewesen wäre, es gab ja sonst keines weit und breit. „Es war auch nicht meine Absicht, Sie so zu überfallen, ich muss aber gestehen, der Anblick war zu verführerisch, als dass ich mich hätte losreißen können. Sehr kalt?“, fragte er und kratzte sich ein winziges bisschen verlegen im Nacken. Verrückterweise fühlte sie sich gar nicht mehr unwohl, nein, er war ihr auf Anhieb sympathisch. Daher lächelte sie jetzt ganz offen und streckte ihm ihre Hand hin: „Ja dann, Herzlich Willkommen!“, sie lachte auf. „Für gewöhnlich empfange ich neue Nachbarn nicht so!“ und deutete an sich hinab „aber kommen Sie doch erst mal mit rein.“ Loreley ging voran, Richtung Küche. Trotz aller Sympathie achtete sie darauf ihren Hintern anzuspannen, da sie förmlich fühlen konnte, dass er diesen jetzt begutachtete. Kein unangenehmes Gefühl, stellte sie fest, und tausend schmutzige Gedanken schossen ihr durch den Kopf, doch bevor sie dazu kam, einen zu fassen, zog etwas anderes ihre Aufmerksamkeit auf sich.

 „Oh verflucht!“ Direkt am Eingang lag geduldig der, vorhin so eilig dorthin geworfene, rote String in der Küche. Er durfte sie ja nackt sehen, sie jetzt noch anschauen, aber welche Unterwäsche sie trug, sollte er nicht wissen! Zumindest noch nicht. Loreley trat also in den Raum, und in Ihrer Verzweiflung verpasste sie dem Tanga einen raschen Tritt, so dass dieser schnurstracks unter der Küchenzeile, unterhalb des Spülbeckens, verschwand. „Sehr elegant!“, lobte sie sich selbst und drehte sich zu ihm um. „Ich habe noch gar nicht richtig ausgepackt, bin eigentlich auch erst angekommen. Aber der See war zu verlockend!“ Sie lächelte wieder. „Ich würde eben meine Haare abtrocknen und mir vielleicht doch besser mal etwas anziehen! Setzen Sie sich doch, dauert nur einen Augenblick!“ Damit ließ sie ihn stehen und ging mit angespannten Pobacken in den Korridor, hob dort, natürlich aus der Hocke, eine Tasche auf und stieg die Treppe hoch in den ersten Stock. Sobald sie das Ende der knarrenden Stufen erreicht hatte, fing sie an zu rennen.

Sie wollte ihn nicht zu lange warten lassen, aber auch hervorragend aussehen, wenn sie jetzt zurück kam. Loreley riss ein Höschen, Shorts und ein weißes Trägertop aus der Tasche. Sie war gerade erst mit einem Bein in dem Schlüpfer, als ihr einfiel, dass sie ihm nichts zu trinken angeboten hatte. Also öffnete sie die Badezimmertür, immer noch nur ein Bein in dem Panty, und rief nach unten, dass er sich ein Bier aus der Tüte nehmen solle und für sie auch gleich eines, weil sie sofort bei ihm wäre. „Wieso bist du jetzt so aufgeregt?“, fragte sie sich und zog sich eiligst fertig an. Die BHs steckten leider in einer anderen Tasche, aber das war eben nun nicht zu ändern. Ihr blondes, schulterlanges Haar knetete sie nur gerade so lange mit einem Handtuch, dass es nicht mehr tropfte. Noch ein Blick in den Spiegel, hier zupfen, da richten... Perfekt! So konnte sie ihm doch unter die Augen treten. Insgesamt gedauert hatte das jetzt keine zehn Minuten, doch als sie wieder ins Wohnzimmer kam, war er nicht da. Verwirrt sah sie sich um. Da stand ein offenes Bier auf dem Tisch, und dann entdeckte sie ihn draußen, hinter dem Haus. Loreley schnappte, im Vorbeigehen, die Flasche und trank vor lauter Nervosität einen viel zu großen Schluck, was ihr Schaum in die Nase steigen ließ und sie zum Husten brachte. Er drehte sich zu ihr um und kam herein. „Hübscher Garten, sollte ich mir für mich drüben auch überlegen, falls ich das Haus kaufe. Angezogen sehen Sie aber auch toll aus!“, er grinste. „Danke, finde ich auch! Also, äh, den Garten meine ich!“ Jetzt wurde sie doch tatsächlich rot. Er ignorierte das aber glücklicherweise und ging langsam wieder hinaus. „Doch, irgendwie sehr energiegeladen das Fleckchen.“, sagte er, trank von seinem Bier und ließ leicht abwesend den Blick schweifen. Nun war sie wirklich verblüfft und machte große Augen, jedes Mal, wenn sie auf ihrer Lichtung arbeitete, fühlte sie sich hinterher aufgeladen und bezeichnete sie für sich immer als ihre „Ladestation“, dass er das auch zu fühlen schien, überraschte und beeindruckte sie sehr. 

Loreley betrachtete ihn jetzt sehr genau, da es den Eindruck machte, als würde er es gerade nicht bemerken. Am faszinierendsten fand sie seinen Hals, sein geradezu unverschämt schönes Kinn und seine einladende Unterlippe. Sie ertappte sich dabei, wie sie sich vorstellte, ihn zu küssen, an seinen Lippen zu knabbern, über sein Kinn zu lecken, um ihn dann in diesen wundervollen Hals zu beißen. Und dann noch diese Hände! Gott, wie könnten diese Hände sie packen. Sie spürte, wie ihre Brustwarzen, auch ohne Kälte, auf diese Gedanken reagierten und wünschte sich jetzt sehnlichst einen BH aus der Tasche. Einmal, noch ein einziges Mal kurz wollte sie ihn ansehen und sich dann zusammenreißen. Und da passierte es, sie hatte plötzlich dieses Bild vor Augen, wie es wäre. Nein! Es war mehr als ein Bild, sie fühlte, schmeckte, roch ihn förmlich, und sie stöhnte, weil es sie so erregte. Oh Nein! Loreley hatte wirklich laut und eindeutig gestöhnt! Er drehte sich um und sah sie an, überhaupt nicht überrascht oder belustigt. Er machte noch einen Schritt auf sie zu, und dann packte er sie tatsächlich mit der freien Hand und küsste sie. Sie zögerte nicht einen Wimpernschlag und ließ sich augenblicklich auf diesen leidenschaftlichen Zungenkuss ein. Sie war so erregt, dass sie genau das tat, was sie sich noch Sekunden vorher vorgestellt hatte. Er atmete schwer und drückte ihren zierlichen Körper fest an seinen, aber als sie ihn, fester als erwartet, in den Hals biss, sagte er plötzlich und ließ sie dabei abrupt los: „Ich denke, ich sollte gehen. Ich, wir kennen uns doch gar nicht.“ Er eilte in die Küche, stellte das halb ausgetrunkene Bier auf die Anrichte und weg war er. Und sie stand völlig verwirrt noch einige Augenblicke im Garten, dann ließ sie sich auf einen der hölzernen Stühle fallen und leerte mit einem Zug ihre Flasche. „Was war jetzt das?“, wunderte sie sich. Sie hatte einen leicht blutigen Geschmack im Mund und fragte sich, ob es möglich war, dass sie ihn so fest gebissen hatte. 

Und ja, das war durc haus denkbar, sie war vollkommen außer Kontrolle gewesen. Da sie nicht begreifen und damit auch nicht entscheiden konnte, wie und ob sie reagieren sollte, entschied sie, erst einmal zu essen und später darüber nachzudenken. Aber zuerst würde sie noch ihre Tochter anrufen. Also, kramte sie aus einer Tasche das Handy hervor, Festnetz gab es hier oben nicht, und meldete ihrer gerade volljährig gewordenen „Kleinen“, dass sie gut angekommen war. Dann versicherte sie sich, dass bei ihnen auch alles okay war und versprach, sich wieder zu melden. Danach ging sie in die Küche und machte sich ein Sandwich, Loreley hatte plötzlich Riesenhunger. Mit ihrem Teller, einer Packung Zigaretten und einem weiteren Bier setzte sie sich draußen auf den Steg. Während sie aß und beobachtete, wie es jetzt anfing zu dämmern, grübelte sie nun doch. Was genau war passiert? Also, erst war sie nackt aus dem See gekommen, dann hatte sie ihn angestöhnt und zu guter Letzt vermutlich blutig gebissen. Sie musste grinsen.

Eigentlich wenig verwunderlich, dass er abgehauen war. „Gott, der Mann muss denken du bist eine Nymphomanin!“, dachte sie belustigt. Die Sache im Garten verwirrte sie dennoch noch immer, mit ihren 37 Jahren hatte sie noch nie auf einen Mann derart heftig reagiert, dass sie lediglich bei seinem Anblick eine lebhafte sexuelle Phantasie gehabt hätte. Ob und was für Folgen das Ganze haben würde, konnte sie sich gar nicht ausmalen. Ein Geräusch ließ sie aufschauen, und sie erkannte gerade noch, dass er drüben auf seinem Steg war, was genau er tat war aber in diesem Dämmerlicht nicht wirklich zu erkennen. Sah ganz so aus, als würde er noch schwimmen gehen. Loreley zündete sich einen Glimmstängel an und freute sich, dass sie ihn zumindest nicht vertrieben hatte. Sie dachte noch einmal intensiv an diesen wirklich atemberaubenden Kuss und seinen Geschmack. Als sie ausgeraucht hatte, drückte sie ihre Zigarette aus und hörte sehr viel näher wieder ein Geräusch. Nun sah sie auch, dass er tatsächlich schwamm und zwar hierher. Er kam beständig  immer weiter in ihre Richtung. Jetzt kamen sie also: die Folgen! Sehr gespannt blieb sie einfach im Schneidersitz auf dem Steg sitzen und blickte ihm entgegen. Dort angekommen legte er die Arme auf den Rand und sagte: „Guten Abend, schöne Frau!“ Sie lächelte: „Guten Abend, der Herr. So spät noch unterwegs?“ „Ja nun, ich gestehe, mir ging der Nachmittag noch einige Male durch den Kopf, und ich dachte, so bekäme ich ihn vielleicht wieder frei. Aber dann fiel mir auf, dass ich das eigentlich gar nicht möchte, ich finde es schön, Sie im Kopf zu haben. Nur...,“ er machte eine Pause, und sie wartete sehr aufmerksam, was jetzt kam. „... ich denke, damit es sich richtig anfühlt, sollte ich für Ausgeglichenheit sorgen.“ Loreley stutzte. Wie meinte er das? In diesem Moment drückte er sich ganz hoch aus dem Wasser, und er war tatsächlich nackt! Zuerst schaute sie ihn völlig verdattert mit offenem Mund an und dann fing sie an, schallend zu lachen:
 „Meine Güte! Das ist wirklich hervorragend. Jetzt haben Sie mich echt eiskalt erwischt. Aber das ist gut! Wir sind absolut quitt!“ Sie hörte auf zu kichern und musterte ihn nun so unauffällig, wie das in dieser Situation möglich war. Er sah in der Tat toll aus und traf genau ihren Geschmack: nicht dick, aber auch nicht mager, muskulös, aber nicht übertrainiert. Alles in allem einfach: WOW!! 
Da sie sich das aber nicht anmerken lassen wollte, fragte sie lieber erst mal: „Bier?“ „Gerne!“ Loreley tapste barfuss in die Küche und holte zwei neue Flaschen. Als sie zurück nach draußen kam, saß er jetzt doch etwas zurückhaltend auf dem Steg. Sie lächelte ihn an, reichte ihm seines und setzte sich ihm schräg gegenüber. Beinahe berührten sich ihre Knie, so dicht saß sie bei ihm, aber dieses merkwürdige Vertrautheitsgefühl war wieder da, und für ihn schien es auch okay zu sein. „Darf ich so unverschämt sein und Sie um eine Zigarette bitten? Ich hätte meine mitgebracht, war nur so jetzt etwas schwierig.“, er grinste und sah dabei unwahrscheinlich gut aus. „Sicher!“, sie warf ihm das Päckchen  zu, und nachdem er sich bedient hatte, saßen sie eine Weile einfach nur da, rauchten, tranken Bier und lauschten dem Wald. „Ich liebe das alles hier.“, unterbrach sie die Stille. Er sah sie gedankenversunken an. „Das verstehe ich. Ganz ehrlich, Sie passen hier her, man hat das Gefühl, als sei dies hier Ihr „Revier“, so blöd sich das jetzt anhört.“ „Gar nicht blöd! Danke! Nun, oft fühlt es sich genau so an, aber manchmal fühle ich mich auch nur geduldet...“, kurz wurde sie nachdenklich, jedoch ein Geistesblitz ließ sie einen Gedankensprung vollführen. „Ich lasse Sie nicht mehr nach Hause heute!“, sagte sie deshalb unvermittelt. „Bitte?“, er kam verständlicherweise nicht ganz mit. „Nun, zum Zurückschwimmen ist es zu dunkel, das erlaube ich nicht und wollen Sie so auf der Straße laufen? Ich könnte Ihnen allenfalls ein Badetuch leihen und, auch wenn hier höchst selten Autos vorbei fahren, so käme doch sicher eines, wenn Sie nur mit einem Handtuch bekleidet unterwegs wären! 

Und ich bin keine Expertin, aber ich glaube, die Leute aus dem Dorf haben wenig Verständnis für halbnackte Neulinge, die im Dunkeln durch den Wald stromern. Also würde ich Ihnen noch ein Bier und meine Couch anbieten.“ Diesmal lachte er. „Also gut, wenn Ihnen das wirklich nichts ausmacht, nehme ich das Angebot gerne an. Ihre Argumente sind überzeugend, und ich gebe zu, das habe ich vorher nicht bedacht. Aber eine Bedingung hätte ich!“ Sie sah ihn nur fragend an. „Lassen wir doch das Sie weg. Ich bin Nathan.“ „Loreley. Okay Nathan, dann gehen wir doch rein, langsam wird es doch etwas kühl.“ Sie nahm die ausgetrunkenen Flaschen und ging voran, auch wenn sie etwas bedauerte, so seinen Hintern nicht sehen zu können. In der Küche tauschte sie die leeren Flaschen gegen volle aus und stellte sie auf den Wohnzimmertisch, dann ging sie, eine Decke und ein Kissen für ihn oben aus dem Schlafzimmer holen. Dabei überlegte sie noch mal, wie leichtsinnig es war, ihn jetzt hier übernachten zu lassen, aber erstens war die ganze Situation eben anders und zweitens f ühlte es sich okay an. 
Als ihr einfiel, dass sie ihn auch fahren könnte, merkte sie, dass sie drittens nicht wollte, dass er ging. Zurück im Wohnzimmer fand sie ihn auf dem Sofa sitzend, in den Garten blickend vor. „Ich habe die Verglasung erst nachträglich einbauen lassen, weil ich den Ausblick so wundervoll finde.“ Loreley legte das Bettzeug auf das Sofa, nahm die Schachtel vom Tisch und brachte sie in die Küche. „Du musst noch warten, jetzt habe ich Besuch!“, dachte sie und freute sich insgeheim, noch nicht hineinsehen zu müssen. Nun setzte sie sich zu ihrem Gast, und während er noch den Garten begutachtete, betrachtete sie wieder so lange ihn. Er hatte wirklich einen tollen Körper und eine gut sichtbare Wunde am Hals. Sie hätte nicht geglaubt, dass sie jemanden so beißen könnte, dass es blutete, aber hier saß der lebende Beweis. Ganz plötzlich drehte er sich zu ihr um: „Ich denke, ich kaufe das Haus! Ich bin regelrecht neidisch auf dein kleines Reich hier. So etwas möchte ich auch. 

Am liebsten würde ich dieses Haus erwerben, mit allem, was dazugehört.“ Und dann ging alles ganz schnell, sie dachte noch darüber nach, was denn das „dazu gehört“ sein sollte, da beugte er sich zu ihr und küsste sie. „Oh wow!“, spuckte ihr Verstand noch aus, aber dann machte er eine Pause, nachdenken konnte sie später wieder. Viel zu sehr wollte sie diesen Mann, als dass sie sich jetzt von Gedanken hätte ablenken, oder gar aufhalten lassen. Er hatte sich bereits unter ihr Shirt gearbeitet und massierte fordernd ihre Brüste, sie zog es aus. Sofort fing er an, an ihren harten Knospen zu saugen, was ihr das Blut in den Ohren rauschen ließ. Sie bekam gar nicht mit, wie er ihr Shorts und Slip abstreifte, dafür aber um so intensiver, wie er hart und ohne zu zögern tief in sie eindrang. 
Tatsächlich packte er sie ziemlich hart an, aber ihr war das recht, und sie erwiderte seine Wildheit und fachte sie noch an, indem sie immer wieder ihre Fingernägel in ihn krallte und sich ihm entgegen streckte. So kamen sie beide schnell und sehr heftig zum Höhepunkt, gerade als sie das Gefühl hatte, es keine Sekunde länger ertragen zu können, kam sie und um nicht schreien zu müssen, biss sie ihn diesmal in die Schulter. 
Nathan schrie aber, und kam genau in diesem Moment. Es war einfach phantastisch. „Oh mein Gott!“, hauchte Loreley, als er sich erschöpft neben sie auf das Sofa fallen ließ. „Mein Gedanke!“, schnaufte er. „Machst du das immer so, wenn du beschließt ein Haus zu kaufen?“, sie grinste breit und ihre Augen leuchteten. „Machst du das immer so, wenn du erfährst, dass du einen neuen Nachbarn bekommst?“ Jetzt mussten sie beide lachen. „Zigarette?“ „Gern!“ Sie gingen, nackt wie sie waren, nach draußen auf die Veranda und rauchten. 
Obwohl es schon sehr abgekühlt hatte, fror sie kaum und so auf das Geländer gestützt überlegte sie doch, was mit ihr los war. Sie kannte ihn praktisch überhaupt nicht, hatte nur sehr wenig mit ihm gesprochen, und doch hatte sie gerade grandiosen Sex mit ihm gehabt. Loreley erschrak leicht, als er jetzt mit der freien Hand sanft über ihren Rücken streichelte, doch sie genoss diese zärtliche Berührung sehr. Wieder redeten sie beide nicht, aber das schien auch gar nicht notwendig. Als sie zu Ende geraucht hatten, gingen sie hinein. Nun war sie vollkommen ratlos, was sie tun sollte: Ihm eine Gute Nacht wünschen, sich bedanken und nach oben verschwinden? Hier bleiben? Nachfragen? Sie wollte das jetzt auf gar keinen Fall verderben, indem sie zu aufdringlich, oder zu abweisend war. Aber die „Goldene Mitte“ zu finden war nicht immer einfach. Zögerlich blieb sie stehen und knabberte ganz unbewusst an ihren Fingernägeln, eine Angewohnheit, die sie eigentlich schon vor Jahren abgelegt hatte. „Bleib hier.“, sagte Nathan leise und nahm ihr damit ganz unkompliziert die Entscheidung ab. 

Er legte sich auf die Couch, und sie legte sich in seinem Arm, den Kopf auf seine Brust. „Was war eigentlich mit dem letzten Mieter? Weißt du etwas darüber?“, wollte er gern wissen, während er über ihr Haar streichelte. „Was hast du denn gehört?“, fragte sie vorsichtig zurück. „Also, ich war ja nur kurz im Dorf bisher und habe trotzdem bereits drei Versionen vernommen. In allen dreien ist er tot, jeweils mehr oder weniger grausam, in zwei spielst du eine Rolle!“ Loreley atmete hörbar schwer ein und stützte sich auf seiner Brust auf, um ihm ins Gesicht sehen zu können: „Ich werde es dir sagen, versprochen, aber nicht mehr heute, ja? Morgen! Morgen nüchtern und angezogen werde ich dir meine Version erzählen.“ Er nickte nachdenklich. „Schreibst du gerade etwas?“ „Wer hat dir denn verraten, dass ich schreibe?“, sie grinste. „Ach, wenn ich eventuell ein Haus kaufen möchte und erfahre, dass meine zukünftige Nachbarin unter Umständen den Vormieter auf dem Gewissen hat, hole ich gern einige Informationen ein.“ Er zwickte sie in den Hintern. „Au! All zuviel Angst scheinst du ja nicht zu haben!“ Lächelnd schmiegte sie sich wieder an ihn. „Ich habe eine vage Idee für eine Geschichte, aber noch nichts „Reifes“. Vielleicht inspirierst du mich ja, wer weiß?“

 „Wenn ich dich inspiriere, was wird das dann für ein Buch?“, fragte er herausfordernd. „Noch hab ich doch beinahe keine Infos. Und nach dem eben wäre es wohl eher eine Kurzgeschichte!“ Loreley wollte sich zusammenreißen, wurde dann aber doch heftig durch ihr unterdrücktes Lachen durchgeschüttelt. „Du weißt, dass ich das jetzt so nicht auf mir sitzen lassen kann?“ Er zwickte sie wieder und diesmal sehr viel fester, dann zog er sie an sich, und sie liebten sich noch einmal, sehr ausgiebig und lange. Vollkommen verschwitzt und erschöpft schlief sie danach auf seiner Brust ein. Am nächsten Morgen erwachte sie absolut entspannt und vor ihm, also versuchte sie den morgendlichen Ablauf ein bisschen leise zu gestalten, um ihn nicht aufzuwecken. Zuerst schaltete sie Kaffee ein, dann holte sie ein Handtuch und etwas Frisches zum Anziehen. Im Kleiderschrank fand sie nach einigem Suchen noch eine alte Arbeitshose ihres Mannes, die sie trug, wenn sie im Winter einmal Holz hacken musste, oder ähnliches. Sie würde sie ihm zumindest anbieten,  für die Heimfahrt. 
Loreley nahm alles mit nach unten und legte es in die Küche, dann ging sie nach draußen und schwamm ein paar Minuten im eiskalten Wasser. So erfrischt hüllte sie sich in das Handtuch und setzte sich mit Kaffee und Zigarette auf die Veranda. Am Beginn des Tages sah der See so friedlich und einladend aus. Sie ließ dieses Bild entspannt auf sich wirken. „Guten Morgen!“ Nathan stand in der Tür und blinzelte noch leicht verschlafen. Sie lächelte, auch jetzt am Morgen danach sah er für sie noch phantastisch aus, das war gut. „Badezimmer: die Treppe hoch und geradeaus. Wachmacher ist fertig, und die Tassen sind im Schrank direkt über der Maschine. Bedien dich!“ Er verschwand wieder drinnen. „Ach und ich habe dir eine Hose hingelegt, die vielleicht passen könnte!“, rief sie ihm hinterher. „Danke!“ Einige Minuten später stand er mit einem Kaffee und der etwas zu kurzen Hose neben ihr und streichelte erneut ihr Haar, als sei dies ganz selbstverständlich, daher lehnte sie ihren Kopf an seine Hüfte und ließ sich eine Weile einfach kraulen. „Ich kann dich dann schnell rüber fahren.“, sagte sie, weil es ihr doch merkwürdig vorkam, dass sie so wenig miteinander sprachen. „Das wäre klasse.“ Vor seiner Haustür angekommen, ließ Loreley den Motor laufen und war wieder mal unsicher, wie sie sich verhalten sollte. Um ihn nicht ansehen zu müssen, fixierte sie einen unsichtbaren Punkt an einem Baum und starrte diesen angestrengt durch die Windschutzscheibe an. Er schien ihre Unsicherheit sofort zu spüren und legte ihr eine Hand auf ein Knie. „Wann erzählst du mir die Geschichte von dem Mieter?“ „Er hieß Tom. Heute Nachmittag, bei mir im Garten? 

Ich denke, das wäre perfekt, wenn es dir recht ist. Du müsstest allerdings etwas zu trinken und Zeit mitbringen.“, sagte sie, ohne ihn dabei anzusehen. „Okay! Ich bin schon sehr gespannt und kann es kaum erwarten, dich wieder zu sehen.“ Er drehte ihr Gesicht ganz sanft zu sich, gab ihr noch einen Kuss auf die Stirn, stieg aus und verschwand, ohne sich noch mal umzublicken, i m Haus.

Langsam fuhr sie zurück, sie hatte ein mulmiges Gefühl in der Magengegend, nicht seinetwegen, irgendetwas kam ihr merkwürdig vor und verdarb ihr die schöne Stimmung, aber sie konnte nicht sagen, was sie nun so beunruhigte. Noch nicht...

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