Titel

Lappalie

Leseprobe

Urheber
Kirsten Marohn

Verlag
BoD Norderstedt
Bindung
Hardcover mit Schutzumschlag
Seitenzahl
204
Sprache
Deutsch
Format
k.A.
ISBN
978-3-8337-6682-1
Preis
€ 19,95 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

Internet
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Jasmin ist zu beneiden. Sie liebt ihren Halbtagsjob als Regalauffüllerin im Superbiomarkt, ihre Chefin ist ihre beste Freundin, und privat ist sie mit Henrik, dem erfolgreichen Autor von Liebesgroschenromanen verheiratet. Doch der schöne Schein trügt.
Seit jener Silvesternacht, als Jasmin einen Moment nicht aufpasste und ihr Schwiegervater die Situation ausnutzte, ist Jasmins Liebesleben der reinste Spießrutenlauf. Wie gerne würde sie Henrik erzählen, was damals in der Küche seines Vaters geschah, doch während Jasmin noch über die richtigen Worte nachgrübelt, muss sie entdecken, dass ihr Ehemann den Studentinnen seines Schreibkurses längst mehr beibringt, als nur die korrekte Grammatik. 
Und dann ist da noch Sven, ihr Schwager, der seit der Hochzeit in sie verliebt ist, und in dessen Gesellschaft sie sich merkwürdig geborgen fühlt.
Als ihre Chefin Lisa ihr eines Tages zuträgt, dass ein Mädchen namens Isabell in Henriks Auto eingestiegen ist, und auch die Beziehung zu ihrem Schwager Sven in eine Krise gerät, steht Jasmins Welt plötzlich Kopf ...
Dass sich dein Henrik so gut mit den Studentinnen aus seinem Volkshochschulkurs versteht, sollte dir zu denken geben,  Jasmin.
Immer macht Lisa diese seltsamen Andeutungen, und Sven pflichtet ihr bei. Aber Sven zählt nicht. Sven - Gentleman der alten Schule, der es gewohnt ist, die Fäden in der Hand zu halten, aber völlig den Faden verliert, sobald Jasmin in der Nähe ist - ist schon seit der Hochzeit in sie verliebt. Besucht ihr Schwager sie deswegen jeden Morgen auf der Arbeit? Aber Untreue war nie ihr Ding, und auch wenn Henrik sein Ding jetzt woanders durchzieht - ist sie nicht stets Herr der Lage geblieben?
Und hätte Henrik nicht allen Grund, nach allem, was in ihrem Ehebett geschieht, oder sollte sie besser sagen, nicht mehr geschieht? 
Vielleicht hätte sie Henrik von der Sache mit seinem Vater erzählen sollen, jener Sache, die damals in der Küche geschah, als sie einen Moment nicht aufpasste und ihr Schwiegervater die Situation ausnutzte. Vielleicht würde Henrik dann verstehen, warum ihr Liebesleben seitdem der reinste Spießrutenlauf ist. Aber spielt das nach 12 Jahren noch eine Rolle?
Genau für diese Ungereimtheiten beginnen sich Sven und Lisa zu interessieren, aber auch Jasmin hält noch eine Überraschung bereit

Leseprobe

Vorsichtig stieg Jasmin über das Neglige hinweg und schob den transparenten Stoff mit der Hacke unter das Bett, wo er im staubigen Niemandsland von Sprungfedern, Lattenrost und Co. verschwand.
Wird aber auch Zeit. Henrik wollte den Arm um ihre Hüfte schlingen und schmollte, als Jasmin sich, statt auszuweichen, einfangen ließ wie ein zahmes Fohlen. Was erwartete er? Dass sie mit einem entzückten Aufschrei zur Seite sprang und die Hände vors Gesicht schlug? Ein mäuseähnliches Quieken ausstieß, ihm einen Hieb auf die Finger gab und Böser, böser Bube rief?
Gefällt dir hier alles nicht, was? Henrik legte Kopf in den Nacken und blinzelte zu ihr hinauf. Ungeduldig rieb er über ihren nackten Po, als könne er es gar nicht mehr erwarten. 
Ist schon in Ordnung.
Ist schon in Ordnung? Mann, überschlag dich bloß nicht vor Begeisterung.
Mir ist momentan einfach nicht danach.
Dir ist nie danach.
Sie wollte zu Protest ansetzen und sah Henriks hochgezogene Augenbraue. Wollte sie jetzt wirklich einen Streit vom Zaun brechen? Dann konnten sie wieder von Neuem beginnen, und sie würde sich die nächsten zwei Wochen anhören müssen, dass alles ihre Schuld war. Irgendwie war es immer ihre Schuld. 
Flocke pinkelte in die Küche. Jasmin war Schuld.
Henrik schaffte seine tausend Worte nicht. Jasmin war Schuld.
Henrik bekam keinen hoch. Jasmin war schuld.
Woran denkst du, Liebling?
Vielleicht sollte sie ihm die Wahrheit sagen. Dass ihr Ischias schmerzte. Dass morgen ein weiterer anstrengender Tag im Biosupermarkt bevorstand. Weihnachten war die Hölle los. Rund dreihundert Liter Milch wollten in die Regale eingelagert werden. Und das war nur die Milch. Du musst das alles nicht. Henriks Standardspruch die Beine hochgelegt, den Cognacschwenker in der Hand. Aus seinem Mund klang das wie: Bist ja selbst schuld, dass du das Geld von meinem Vater nicht annimmst. Sieh nur, wie schön es sich davon leben lässt!
Liebling, komm schon, was ist los mit dir? Henriks Augen glänzten fiebrig. Zwei steife Grogs stets zwei Finger breit Rum , und ihr Ehemann bewegte sich auf einem Sprachniveau, das sich auf Ich-Tarzan-Du-Jane beschränkte.
Jasmin hob die Hand und strich Henrik durchs Haar. Sie wickelte eine Locke um den Zeigefinger. Vielleicht kam sie mit ein paar Satzbrocken davon. Sachen wie Darf ich auf Daddys Schoß? So banal, dass sie im nüchternen Zustand nicht darüber nachdenken durfte. So banal, dass die Wirkung meist nicht lange auf sich warten ließ. Kommentar Henrik: Na, Jazz, verstehst du jetzt, warum wir's öfter machen müssen? Dann kann ich auch länger.
Na, klar, gebt dem Auto mehr Benzin, und es fährt schneller.
Sag's noch mal, Jazz. Sag's für mich.
Darf ich auf Daddys Schoß? leierte sie.
Henrik winkte mit dem Zeigefinger, und plötzlich war es wieder da dieses beklemmende Gefühl. Ein Zustand, der fast schon an Panik grenzte. Gab es nicht eine Hintertür, aus der sie elegant schlüpfen konnte? Würde Henrik es sich nicht vielleicht doch noch anders überlegen? Vielleicht aufspringen, in die Hände klatschen und ausrufen: Hey, woll'n doch mal sehen, was heute Abend in der Flimmerkiste läuft, was denkst du, Jazz?
Fußballbundesliga. Championsleague.
Weiß-der-Teufel-was.
Komm schon, 
Zögernd stützte Jasmin sich an Henriks Schultern ab und positionierte die Knie rechts und links von ihm auf der Bettkante. Schließlich setzte sie sich widerwillig auf seinen Schoß.
Gut so. Henrik schob eine Hand in seine Boxershorts. Und jetzt näher kommen. Er dirigierte mit der freien Hand, als wollte er einem Autofahrer Anweisung geben, seine Karre einzuparken. Was ist denn? Du sollst näher rutschen, los, Jazz, näher habe ich gesagt.
Henrik packte nach ihrem Po, doch Jasmin schob sich erschrocken zurück. Hatte er vergessen, dass ihr Diaphragma im Bad lag? Sie wollten nur etwas puzzeln. So nannte Henrik es immer: Hey, nur etwas puzzeln, ja, Jazz?
Wo hängt's denn?
Jasmin zog die Augenbrauen zusammen. Du weit doch, dass das nicht geht, flüsterte sie.
Sag mir jetzt nicht, dass das Ding im Bad liegt.
Ich konnte doch nicht wissen ...
Jazz, was hatten wir letztes Mal besprochen?
Henrik, bitte ...
Was hatten wir besprochen?
Wir wollten ...
Du wolltest dir das Ding rein tun.
Ich dachte, wir wollten nur ...
Was? Henrik hob die Augenbrauen. Fummeln? Gott, Jazz.
Bitte, fang jetzt nicht damit an.
Ich habe das so satt.
Jasmin machte Anstalten, sich von seinem Schoß zu erheben. Ich geh rasch ins Bad, dann ...
Henrik zog sie unsanft runter. Dann brauchst du wieder eine viertel Stunde.
Es braucht nun mal seine Zeit, bis das Ding sich richtig angesaugt hat.
Mein Vater hatte schon recht.
Was?
Lea Contrazeptivum taugt nichts.
Jasmin schob sich zurück. Du erzählst deinem Vater, wie ich verhüte?
Henrik breitete die Hände aus. Gott, wo ist das Problem? Er ist Gynäkologe.
Was hast du ihm erzählt?
Nichts.
Jasmins Augenbrauen zogen sich zu einem wütenden Strich zusammen. Hast du ihm von uns erzählt? Von unserem Problem?
Ich dachte, wir hätten kein Problem.
Hast du ihm ...
Versuch es doch mal mit einem Hormonimplantat. Soll ganz easy sein.
Jasmin setzte sich steif auf. Du hast ihm doch von uns erzählt!
Henrik kniff sie in die Taille, als wolle er testen, ob sie Winterspeck angesetzt habe. Jazz, es sind nur Stimmungsschwankungen. Mehr nicht. Ein paar Hormone, und es wird dir besser gehen.
Sag mir, dass du ihm nichts von uns erzählt hast!
Schau einfach nach den Feiertagen mal bei ihm vorbei. Henrik beugte sich vor und liebkoste sie am Hals. Du wirst sehen, dann sind wir in Nu wieder in Fahrt.
Henrik!
Henriks Kopf schoss in die Höhe. Mann, jetzt beruhig dich doch mal! Meinst du, mein Vater kennt solche Probleme nicht? Was meinst du, wie viele Frauen in den Wechseljahren zu ihm kommen und sich darüber beklagen, dass es da unten zu trocken ist?
Ich bin aber nicht in den Wechseljahren!
Ganz genau, Jazz. Henrik stieß ihr den Zeigefinger vor die Brust. Du bist dreiunddreiißg, dieses verdammte Leascheißding liegt im Bad, und du machst hier aus einer Mücke einen Elefanten. Und warum? Nur weil ich mich mal wieder um unsere Ehe bemühe. Von dir ist ja keinerlei Entgegenkommen zu erwarten.
Jasmin senkte den Kopf. Ein Zittern durchfuhr ihren Körper. Ihre Stimmung drohte, wie eine schwankende Holzbohle in die Tiefe zu stürzen.
Wie oft habe ich es dir schon gesagt, hm? Henrik neigte den Kopf und stupste ihr Kinn an. Geh zu einem Arzt, habe ich gesagt. Lass es untersuchen. Und was machst du? Du gehst einfach nicht hin. Denkst du, mir macht das Spaß?
Nein, ich weiß ...
Was weißt du?
Dass ... na, dass es dir so keinen Spaß macht.
Und warum gehst du dann nicht zu einem Arzt? Jasmin wollte sich erheben, doch Henrik nahm sie in die Arme und zog sie auf seinen Schoß zurück.             Jasmin, flüsterte er, lass dich doch bitte untersuchen. Es ist doch nichts schlimmes dabei. Ich meine, wovor hast du denn solche Angst? Dass sie etwas finden? Irgend'nen Tumor, ist es das?
Nein.
Was dann?
Sie zuckte die Schultern. W-weiß nicht.
Versprichst du mir, dass du dich darum kümmern wirst?
Ja.
Gleich morgen früh?
Morgen muss ich ...
Morgen früh. Als sie sich auf die Unterlippe biss, stupste Henrik ihr Kinn an. Morgen früh. Versprich's mir, okay?
O-okay.
Jetzt wieder alles gut?
;Ja.
Gut, dann demonstrier ich dir jetzt mal was. Pass gut auf.
Henrik schob den Kopf vor und ließ seine Zungenspitze über ihre Brust wandern. Als sich ihre Brustwarze aufrichtete, hob Henrik den Kopf und grinste sie an. Das machte ihr Angst. Er sollte sie ernst nehmen, das hier war kein Spaß.
Ich steck ihn nur kurz rein, okay?
Steck ihn rein, lass ihn drin, bis ich eingeschlafen bin. War er von allen guten Geistern verlassen? Im Leben würde sie sich nicht auf so einen Deal einlassen.
Nur ganz kurz, Jazz.
Jazz. Wenn Sven sie so nannte, war das okay. Ihr Schwager durfte das. Ihr Schwager nannte sie auch Törtchen. Prinzessin.Butterblume. Sonnenschein. Gott, ihr Schwager hatte viel zu viele Kosenamen für sie.
Henrik kitzelte mit dem Zeigefinger an ihrer Schambehaarung. He, roter Fuchs, begann er mit ihrer Muschi zu reden. Wir beide verstehen uns, hm? Du willst es. Ich will es. Nur deine Mami ...
Henrik, hör auf.
.. die sträubt sich noch, aber in Wirklichkeit will sie's auch.
Mit Unbehagen betrachtete Jasmin, wie sich Henriks Zeigefinger an ihr Schambein schob und dort Startposition einnahm. 
Henrik, ich warne dich.
Du warnst mich?
Ehe sie reagieren konnte, glitt Henriks Fingerkuppe in sie hinein und zog sich in Windeseile wieder zurück. Ihr Ehemann grinste sie an. Ich war drin, hast du's gemerkt?
Sie wollte ihm böse sein, sie wollte es wirklich, doch Henrik grinste noch breiter, und jetzt schien er wieder der Henrik zu sein, in den sie sich vor zwölf Jahren verliebt hatte. Charmant. Verschmitzt. Und genau wissend, was er da tat.
Henrik beugte sich vor, und sie merkte, wie sein Ding ihr gegen den Bauch stieß.";Frulein Bolger, ich habe gute Neuigkeiten für Sie". Seine Arme schlossen sich um sie wie eine eiserne Manschette. Sie können sich heute Nacht dumm und dämlich bumsen. Sie sind nämlich glitschig wie'n neugebor'nes Füllen.
Henrik! Jasmin wollte von seinem Schoß, doch Henrik hielt sie fest.
Mann, war doch nur Spaß! rief er.
Hör auf damit, lass mich sofort los! Jasmin kämpfte gegen seine Arme an und konnte nicht verhindern, dass Henrik sie ganz zu sich zog. Jetzt trennte sie nur noch der dünne Stoff seiner Boxershorts.
Henrik griff in ihren roten Haarschopf. Du machst mich ziemlich geil mit deinem Gestrampel, weißt du das?
Das war eine dämliche James Coburn Imitation. Henrik wusste das, sie wusste das, aber dennoch: Diese Stimme machte ihr Angst. Der Tonfall, das Timbre alles erinnerte sie an die Silvesternacht bei Bolgers vor zwölf Jahren. 

Die auf Hochglanz polierte Küchenzeile. Ihr Schwiegervater, der im Dunkeln vor ihr stand. Lichtermeer am Himmel. Die Familie draußen auf dem Balkon. Richard Bolgers Gürtelschnalle, die ihm lose an den Hüften baumelte. Die bei jedem Stoß gegen die Schranktür schepperte.
Jasmin kämpfte gegen die Tränen an. Hör auf damit. Bitte, Henrik, hör auf, es geht nicht.
Ich hab's gefühlt, Jazz. Henrik hielt seine Fingerkuppe hoch, als wäre das ein Beweisstück. Und wenn ich das sagen darf er zwinkerte ihr zu wie in einem dieser unerträglichen Benny-Hill-Filme, Fräulein Bolger, Sie waren noch nie so willig wie in diesem Moment. Ich habe den Beweis, und wieder wedelte er mit dem Finger, feucht und glitschig, wie's sein muss.
D-du verstehst das nicht. Jasmin spürte, wie sich alles in ihr zu drehen begann.
Klar, versteh ich's. Henrik ruckte mit dem Gesäß nach oben, und ihr Po sackte auf ihn. Er stieß ein zufriedenes Grunzen aus. Schätze, Sie sind gleich angedockt, Fräulein Bolger.
Jasmin kniff die Augen zusammen, um es zurückzuhalten, doch es half nicht: Als Henrik sie an sich zog, brach ihr ein heiseres Schluchzen über die Lippen. Im Nu schossen ihr die Tränen über die Wangen.
Jazz? Henrik zögerte, dann sackten seine Arme hinab. Von eben auf jetzt war er nüchtern. Wie erstarrt hockte Jasmin auf seinem Schoß, während ihr Körper von Krämpfen geschüttelt wurde. Henrik sah sich das eine Weile lang an, dann beugte er sich vor und stupste ihr Kinn in die Höhe.
Was habe ich jetzt wieder falsch gemacht, hm? Sag schon. Was war's jetzt wieder? Als Jasmin nur weinend die Hände vors Gesicht schlug, hob Henrik ihr Blüschen vom Boden auf, warf es ihr über die Schultern und zerrte den Saum vor ihren Brüsten zusammen. Na, großartig. Wirklich großartig,
Jazz. Weißt du, du schaffst es jedes Mal. Jedes scheißverdammte Mal.
Als Jasmin nicht reagierte, als sie einfach nur weiter schluchzend auf seinem Schoß hockte, stand Henrik schließlich auf. Jasmin rutschte wie eine Marionette von seinem Schoß. Auf Beinen, die sich nicht wie die ihren anfühlten, stakste sie ins Badezimmer.

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