Titel

Labyrinth
Reise in ein inneres Land


Leseprobe

Urheber
Rita Hausen

Verlag
Epla-Verlag
Bindung
Paperback
Seitenzahl
68
Sprache
Deutsch
Format
12 x 19 cm
ISBN
978-3-9255-8066-6
Preis
€ 6,80 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

Internet
www.tasen52.wordpress.com

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Eine Wüstenwanderung, Bergbesteigung, Irren im Labyrinth
ein Abenteuerroman besonderer Art.
Es sind Abenteuer der Seele, die hier bestanden werden.
Der Lebensweg der Heldin wird in symbolischen Landschaften gezeigt, Ziel ist die eigene Mitte.


Leseprobe

Die Wüste

Jemand wird geboren, bedeutet, er oder sie muss eine Wüste durchqueren, denn das Ziel der Wünsche liegt auf der anderen Seite der Wüste. 
Warum jemand geboren wird, entzieht sich meiner Kenntnis, aber dass das Ziel hinter der Wüste liegt, weiß ich.

Man denkt: Wenn ich diese Wüste hinter mir habe, dann habe ich es geschafft. 
Wenn ich erst die Schulzeit hinter mir habe und das Abi in der Tasche. 
Wenn ich erst das Studium oder die Lehre hinter mir habe, wenn ich erst diese Stelle habe, 
wenn ich erst pensioniert bin... 

Die Wüste hat die unangenehme Eigenschaft, sich endlos auszudehnen. Manchmal denkt man, man habe die Wüste hinter sich, ist aber nur in einer Oase gelandet. 
Gut, nehmen wir einmal an, die Wüste ist nicht endlos, was nach naturwissenschaftlichem Ermessen wahrscheinlich ist. 
Nehmen wir weiter an, eine Wüste habe eine Ausdehnung von 10 000 Kilometern von Westen nach Osten und 8000 Kilometer von Norden nach Süden. 

Unsere Heldin, gerade geboren, befindet sich im Westen, das Ziel ihrer Sehnsucht jenseits der Wüste im Osten. 
10000 Kilometer Wüste sind zu durchqueren. Wie bereitet sie sich vor? Welche Route soll sie einschlagen? 
Ja richtig, ich habe von Oasen gesprochen. Sagen wir, es gibt in der gesamten Wüste schön gleichmäßig verteilt - zehn Oasen. 
Nimmt man allerdings den direkten Weg, sozusagen die Luftlinie, so kommt man durch keine dieser Oasen. Um die Oasen zu erreichen, muss man einen Umweg gehen. 
Genauer gesagt, kann man eine Route wählen, die durch fünf dieser Oasen führt. Die Oasen teilen dann die Gesamtstrecke in sechs Etappen ein. 
Der Weg allerdings verlängert sich auf 14 000 Kilometer. 

Man kann die Wüste auch umgehen, dann verdoppelt sich der Weg nahezu. 
Unsere Heldin würde am liebsten schnurstracks durch die Wüste rennen, ohne nach links und rechts zu schauen. Sie glaubt, keine Zeit zu haben, in Wirklichkeit hat sie keine Geduld. 
Sie möchte so gerne schon am Ziel ihrer Wünsche sein, befindet sich aber, ehe sie sich versieht, in der Wüste. Ihre Lebensreise hat begonnen. 
Ihre erste Wüstenerfahrung ist so abschreckend, dass sie sich schnell dazu entschließt, die Oasenroute zu wählen. 

Dazu haben ihr auch einige wohlmeinende Menschen geraten. Die Wüste zu umgehen, liegt irgendwie nicht in ihrem Naturell, einmal wegen ihrer großen Ungeduld, dann auch, weil sie argwöhnt, dass dieser Weg andere Unannehmlichkeiten bereithält, ganz abgesehen davon, dass er zu lang ist. 
Dabei ist der Weg um die Wüste herum der sicherste, er dauert nur länger. Eigentlich wäre das ja egal, wenn man kein Zeitlimit hat. Das einzige Manko ist, dass man weder die Erfahrung der Wüste noch die Erfahrung der Oase macht. 
Dafür muss man sich keiner Gefahr aussetzen, erlebt kaum Hochs und Tiefs und meist reicht die zugedachte Lebenszeit, auf diesem längeren Weg sein Ziel zu erreichen. 

Aber wie gesagt, lag es nicht im Naturell unserer Heldin, diesen Weg zu wählen. Am liebsten wäre sie vorwärtsgestürmt auf dem direkten Wege, merkte aber noch rechtzeitig, dass sie das umgebracht hätte. 

Ihre Sehnsucht nach dem Ziel war sehr stark, obwohl sie noch gar keine richtige Vorstellung davon hatte, was es genau war.

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