Titel

Im Namen der Rose

Leseprobe

Urheber
Sabine Buxbaum

Verlag
Novum
Bindung
Paperback
Seitenzahl
194
Sprache
Deutsch
Format
13,5 x 21,5 cm
ISBN
978-3-8502-2571-7
Preis
€ 16,40 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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Die Rosenkriege in England nehmen ihr Ende, doch für die junge Kathrine geht der Kampf weiter.
Verbittert über den Tod ihres Mannes und ihres Sohnes, schwört sie Rache an König Heinrich VII.

Alleine beschließt sie eine Armee aufzustellen. Im Earl of Lincoln, einen Thronanwärter, findet sie Beistand.
Plötzlich taucht ein fremder Mann in Kathrines Gruppe auf. Unklar, ob Freund oder Feind, muss sie ihm vertrauen, denn sie braucht Verbündete, ganz besonders, als ihr Vater in die Gefangenschaft des Königs gerät.

Kathrines gefährliche Mission droht jedoch zu scheitern, als der Fremde seine wahre Identität preisgibt ...

Leseprobe

1485 – Bosworth Field 

Die Wolken am Himmel verdichteten sich zunehmend und die letzten Sonnenstrahlen versuchten verzweifelt diese Formation zu durchbrechen, so verzweifelt, wie Edgar Laughlin versuchte, die feindlichen Linien zu durchqueren.

Das Getrampel der Pferde hatte bereits so viel Staub aufgewirbelt, dass er den Sichtkontakt zu seinem König Richard III verlor.

Sein Blick wurde noch mehr getrübt, als ein feindlicher Schwertschlag seine Stirn traf und Blutströme seine übermüdeten Augen verklebten.

Edgar gab die Mühe nicht auf, seinen König zu finden und schlug sich mit seinem Schwert durch die Menge, obgleich es ihm kaum noch möglich war, Freund und Feind zu unterscheiden.

Dann plötzlich, im selben Moment, als ein Schwert sich zwischen seine Schulterblätter bohrte, sah er ihn, den König.

Nackt und ohne einen Hauch von Leben wurde er auf einem schwarzen Pferd liegend davongetragen.

So wie des Königs Leben ein Ende nahm, verwelkte auch zunehmend das glänzende Licht in den Augen von Edgar, der noch einmal den Namen seiner Frau rufen wollte, aus dessen Mund jedoch nur Blut quoll, ehe sein Lebensfunke für immer erlosch.

Der Himmel hatte sich nun endgültig verdunkelt und es begann zu regnen und der Boden wurde bedeckt von einer roten Blutlacke.

Die weiße Rose der Yorks begann zu welken und eine ganz neue Blume schien dem Boden zu entwachsen. Heinrich Tudor hatte es geschafft. Er war der neue König von England. Sein Feind war besiegt. 

 

Im Angesicht des Todes 

Man hörte ein lautes Klopfen an einer knorrigen, alten Holztür, die in Eisen eingefasst war. Als niemand die Türe öffnete, wurde das Klopfen lauter.

Kathrine fuhr zusammen, als sie den Lärm hörte. Sie war eingeschlafen und das Kaminfeuer loderte nur noch langsam und flau vor sich hin.

Noch einmal erhallte das laute Hämmern. Kathrine wollte sich noch immer nicht erheben.

Es waren nun zwei Monate vergangen, als man ihr fast zu derselben Tageszeit die Nachricht über den Tod ihres Mannes überbrachte. Es war fast dasselbe Klopfen, das ihr die Schreckensnachricht vorankündigte.

Kathrine war noch sehr jung, doch nach dem Tod ihres Mannes fühlte sie sich um zwanzig Jahre gealtert. Ihr Körper fühlte sich schwer und träge an und jeder Schritt war mühsam. Sie dachte auch an ihren Vater, der vor vierzehn Jahren im Kampf fiel. Ihre Mutter starb ein paar Jahre später an einer Erkrankung, die von den Ärzten nie herausgefunden wurde. Sie wollte Kathrine am Sterbebett noch etwas Wichtiges sagen, aber sie schaffte es nicht mehr und nahm ihr Geheimnis mit in den Tod.

Sie blickte zu dem Bett, das sie vor dem Ofen aufgestellt hatte. Langsam erhob sie sich und ging darauf zu. David schlief friedlich vor sich hin. Er war erst zwei Jahre alt und schon hatte er seinen Vater verloren. Er suchte nach ihm und fragte nach ihm. Kathrine erzählte ihm nichts von seinem Tod, er war noch zu klein, um es zu verstehen.

David gab Kathrine Kraft, sich auf den Füßen zu halten. Als sie von Edgars Tod erfuhr, erschien ihr das Leben im ersten Moment sinnlos. Wäre ihr Sohn nicht gewesen, hätte es gut sein können, dass sie ihrem Leben ein Ende gesetzt hätte. Sie liebte ihn, genauso, wie sie ihren Mann geliebt hatte.

Kathrine war gerade dabei, Davids Decke etwas zu richten, als sie hörte, dass ihre Haustür gewaltsam aufgebrochen wurde.

Sie wollte David aus dem Bett reißen, aber als sie die Garde des Königs erblickte, erstarrte sie vor Furcht und konnte sich nicht bewegen.

Einer der Männer kam auf sie zu und zog sein Schwert. Doch es war nicht ihr Herz, das er durchbohrte, sondern es war Davids Herz.

Kathrine schrie auf und flehte: „Hört auf! Bitte, hört auf!“

Sie riss David aus dem Bett, der blutüberströmt und leblos in ihren Armen lag. Kathrine war fassungslos. Sie ging in die Knie, denn sie hatte keine Kraft mehr sich aufrecht zu halten.

„Warum?“ schrie sie verzweifelt und mit Tränen in den Augen, „warum habt Ihr meinen Sohn getötet? Er ist doch noch ein Kind.“

Sie blickte den Feind in die Augen und einen Moment lang kam es ihr so vor, als ob sie darin ein Mitleid erkennen konnte.

„Wir handeln auf Befehl des Königs“, antwortete ein Gardist knapp.

Kathrine sah ihn mit einem verständnislosen Ausdruck an. „Was hat der König mit meinem Sohn zu tun? Dieser Dieb! Genügt es ihm nicht, dass er sich dieses Land gewaltsam genommen hat?“

„Ihr solltet Vorsicht walten lassen bei der Wahl Eurer Worte, Weib!“ mahnte der Mann von der Garde, „König Heinrich hat das Recht den Thron Englands für sich zu behaupten.“

„Ihr habt meine Frage nicht beantwortet!“ schrie Kathrine erbost, „was hat mein Sohn damit zu tun?“

„Euer Ehemann war ein Cousin von König Richard. Der König möchte keine Verwandten dieses Mannes mehr am Leben lassen, das schließt Euren Sohn mit ein.“

Nun mischte sich ein anderer Mann der Garde ein: „Was erzählt Ihr diesem Weib diese Geschichte? Tötet sie und lasst uns endlich hier verschwinden!“

„Der Befehl lautete nicht die Frau zu töten. Wir haben hier schon genug Blutvergießen angerichtet. Lasst uns gehen!“

Die Männer zogen ab und ließen die völlig verstörte Kathrine mit ihrem toten Sohn zurück.

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