Titel

Im Alleingang

Leseprobe

Urheber
Brigitte Foerster

Verlag
Zwiebelzwerg-Verlag
Bindung
Paperback
Seitenzahl
322
Sprache
Deutsch
Format
Din A5
ISBN
3-8680-6049-9
Preis
€ 19,- (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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Anne Gartner könnte mit ihrem Leben zufrieden sein, wäre da nicht Paul, der sie tyrannisiert.

Die Liebe zu ihm ist der Gleichgültigkeit gewichen, die in Haß umzuschlagen droht. Anne beschließt, sich von ihrem Mann zu trennen und mit Nora, ihrer vierjährigen Tochter, ein neues Leben zu beginnen.

Bevor die junge Frau jedoch handeln kann, verschwindet Paul scheinbar spurlos, er kehrt von einer Angeltour nicht mehr nach Hause zurück.

Kurz darauf erhält Anne den ersten Anruf einer Serie, der ihr Blut in den Adern gefrieren läßt.

Der Mann am anderen Ende redet nicht. Er atmet...!

Sie beginnt, auf eigene Faust zu recherchieren und findet an der Stelle, an der ihr Mann zuletzt gesehen wurde, ein Amulett. Dieses führt sie in ein Labyrinth des Schreckens, die Angst ist ihr ständiger Begleiter.

Doch verbissen kämpft die junge Frau, um Gewißheit zu erlangen und entrinnt nur knapp einem grausamen Tod.

Leseprobe

Anne saß auf der weiß gestrichenen Parkbank und sah ihrer Tochter zu, die auf einem Klettergerüst turnte. Das Mädchen war gewandt und kein bißchen ängstlich. Anne mußte ständig darauf achten, daß Nora auf dem würfelförmig, etwa zwei Meter hohen Gerüst nicht zu hoch hinaus kam und hatte ihre Augen deshalb stets auf ihr Kind gerichtet. Sie verlor sich in eine längst vergessene Zeit, sah den Pulk von Kindern, die sie alle ihre Freunde nannte. Einige von ihnen kletterten mit Vorliebe auf den Gerüsten herum, andere schworen auf die Schaukeln und wieder andere fanden ihren Frieden im Sandkasten, wenn sie mit ihren Eimern und Förmchen Kuchen backen konnten. Aus weiter Ferne drangen Stimmen an ihr Ohr. „He Anne, das ist mein Eimer! Gib ihn wieder her!“ Anne erinnerte sich, dass der Eimer, er war blau, mit roten Tupfen versehen, zum Streitobjekt geworden war, an dem die beiden Mädchen zerrten, weil keine ihn hergeben wollte. Zu guter letzt siegte Anne und schlug ihn dem anderen

 Mädchen an den Kopf. Eine Beule war das Ergebnis und das Geschrei war groß. Annes Mutter, inzwischen aufmerksam geworden, nahm ihre Tochter unsanft beim Handgelenk und zog sie hinter sich her, enttäuscht und entrüstet. Einige Tage lang durfte sich Anne in ihrem Zimmer amüsieren, sie hatte Hausarrest.

Nora holt ihre Mutter in die Wirklichkeit zurück.

„Mami, darf ich schaukeln?“, rief sie. Die Augen des Mädchens leuchteten, seine Wangen waren gerötet.

„Na dann komm, gehen wir da rüber“. Anne zeigte in die Richtung, in der sich eine Reihe von Schaukeln befanden, auch eine Wippe war da. Sie kannte den Park, in dem man einen Spielplatz geschickt zwischen Sträuchern und Bäumen integriert hatte, aus ihrer Kindheit. Es hatte sich kaum etwas verändert. Freilich waren die Bäume inzwischen höher, das Buschwerk ausladender geworden. Die Spielgeräte waren bunter gestaltet, als das zu Annes Zeit der Fall gewesen war und der Sandkasten kam ihr heut viel kleiner vor, als damals. Trotzdem war es ihr, als hätte sie den Spielplatz erst gestern verlassen, um heute wiederzukommen. Anne war erstaunt und gleichzeitig etwas beunruhigt darüber, wie sehr sie sich in letzter Zeit ihre Kindheit zurück wünschte. Sie wußte sehr wohl, daß Resignation und Aussichtslosigkeit dahinter steckte.

Sie setzte ihre Tochter auf eine der Schaukeln und stieß sie ab. Nora war begeistert, ihre Haare flatterten im Wind. Allmählich wurde es kühl, die Oktobersonne hatte den Tag ein klein wenig angenehmer gestaltet, im Vergleich zu den vergangenen Tagen, die mit Regen und Wind einher gegangen waren. Doch nun verschwand sie am Horizont. Anne hielt die Schaukel an. „Komm Kleines, wir sollten langsam nach Hause gehen, es wird bald dunkel“.

Nora maulte. „Och Mama, nur noch eine kleine Weile, ja?“

Anne blieb eisern, sie wollte sich auf dem Weg zurück Zeit nehmen um mit ihrer Tochter zu reden. Wie würde das Mädchen diese Geschichte verarbeiten? Würde sie sich völlig in sich zurückziehen, gar bleibende Schäden davontragen? So eine Kinderseele war verletzlich, schnell war sie durch Unachtsamkeit zerstört. Anne war sich dessen vollkommen bewußt und wieder packte sie die Wut. Warum mußte das so sein! Warum mußte gerade ihr so etwas passieren! Sie war verzweifelt.

Nora lehnte die Hilfe ihrer Mutter ab, sie von der Schaukel zu heben und rutschte statt dessen ganz nach vorn auf den Rand, bis ihre Zehenspitzen den Boden berührten und sie fest auf ihm stand. Sie nahm, trotz der Enttäuschung die Hand ihrer Mutter, als diese sich zum Gehen anschickte.

Anne ordnete, während die beiden langsam über den Spielplatz schlenderten, ihre Gedanken. Jedes Wort sollte, bevor es ausgesprochen wurde, gut überlegt sein denn keines davon konnte man je wieder zurücknehmen.

Ihre Gedanken schweiften, während sich etwas in ihr Unterbewußtsein schlich, das ihr äußerst vertraut war, das sie hörte und nicht wirklich faßte, nicht fassen konnte und wollte. Jeder Nerv ihres Körpers begann, sich auf dieses Geräusch auszurichten. Ihr war nicht bewußt, daß sie die kleine Hand ihrer Tochter fest umschloß, sie fast zerquetschte.

„Aua!“ schrie Nora dann auch. „Mami, du tust mir weh!“

Das Mädchen zog ihre Hand aus der ihrer Mutter und rieb sie mit ungläubigem Blick. „Was ist, Mami, was hast du denn!“

Anne nahm die Stimme ihres Kindes wie aus der Ferne wahr. Sie hatte das Gefühl, von Nora durch einen langen, schmalen Tunnel getrennt zu sein. Da! Da war es! Ein heiseres, röchelndes Geräusch, das rasselnd Annes Ohr traf. Wie ein gewaltiger Blitz schoß es der jungen Frau durch den Kopf. Das Atmen! Aber wieso hier, wieso jetzt? Nein, das war nicht möglich, das konnte ja gar nicht sein, wehrte Anne sich innerlich. Sie stand wie gelähmt noch immer auf demselben Fleck, nicht fähig, einen Schritt zu tun. Nora ergriff nun wieder die Hand ihrer Mutter um sie wegzuziehen doch genauso gut hätte das Mädchen versuchen können, ein Felsblock in Bewegung zu setzen.

Das Rasseln erhob sich in Annes Kopf, spiralförmig, zu unerträglicher Lautstärke. Noch immer war sie nicht bereit, es zu realisieren, noch immer assoziierte sie dieses Geräusch mit einem Telefon. Sie war geschockt. Ihr Körper fühlte sich kalt an und dennoch pulsierte siedende Hitze durch ihre Adern. Anne glaubte, den Verstand zu verlieren. Nun reduzierte sich dieses schreckliche Geräusch zu normaler Lautstärke. Instinktiv peilte Anne die Richtung, aus der es kam. Ihr Kopf flog herum.

Da! Eine Gestalt! Sie war zum größten Teil von Sträuchern bedeckt. Ein Mann! Anne nahm in Bruchteilen von Sekunden die Statur dieses Mannes in sich auf. Groß, sehr groß sogar, breitschultrig, dunkle Hose, speckige Jacke, soweit sie es von hier erkennen konnte. Das dunkle Haar kurzgeschnitten. Dichte Borsten bedeckten den Schädel.

Durch die junge Frau ging ein Ruck. Ihre Tochter fest an ihrer Hand raste sie auf den Mann zu, um ihn anzusehen, ihm in’s Gesicht zu schreien: „Wer bist du! Was willst du von mir! Was habe ich dir getan? Warum tust du mir das an! Warum nur! „Warum, warum, warum...“!

Anne schrie diese Worte, während sie rannte, so schnell sie konnte. Sie hörte die Schreie ihrer Tochter, die jetzt mehr hinterher geschleift wurde, als sie lief, nicht. Auch ihre eigenen Schreie nahm sie nicht wahr. Wie besessen steuerte sie nur auf ein Ziel zu. Anne passierte den Sandkasten und raste mitten durch ihn hindurch.

Die Gestalt, die jetzt etwa nur noch zehn Meter von ihr entfernt war, bewegte sich nun langsam rückwärts. Anne ließ Noras Hand los. Das Mädchen landete auf dem Hosenboden im Sand. Nora blieb erschrocken sitzen, rief ihrer Mutter hinterher. Tränen liefen an den Wangen des Mädchens herunter.

Das alles nahm Anne nicht wahr. Sie wurde von dem Willen beherrscht, ihm gegenüber zu stehen, in seinem Gesicht zu lesen. Sie ließ die Gestalt nicht aus den Augen, ihre Blicke hatten sich an ihr festgesaugt, wie ein Blutegel. Fast hatte Anne den Mann erreicht, als dieser sich blitzschnell umdrehte und davon rannte, in Richtung Parkplatz, der die Anlage säumte. Anne schrie verzweifelt auf. Das durfte nicht sein, er durfte nicht entkommen. Schneller jetzt, raste sie auf ihn zu. Ihre Lungen schrien nach Luft. Aber der Mann war schneller. Sie hörte seinen Atem, mühevoll jetzt und beschleunigt. Fast hätte Anne ihn aus den Augen verloren, dichtes Gesträuch verdeckte die Sicht. Aber das heisere, Geräusch seines Atems wies ihr die Richtung. Die Gestalt hatte den Parkplatz erreicht. Anne konnte nur noch zusehen, wie der Unbekannte mit fliegenden Händen die Fahrertür eines blauen, von Rost zerfressenen Ford älteren Baujahrs öffnete um in der nächsten Sekunde mit quietschenden Reifen davon zu

 rasen.

“Natürlich hat dieser Scheißkerl die Fahrertür nicht abgeschlossen“, schoß es Anne durch den Kopf. Das sparte Zeit, kostbare Zeit, die ihr verloren ging. Verzweifelt reckte Anne den Kopf um das Nummernschild zu erkennen, sie schaffte es nicht mehr.

„Verdammte Scheiße!“, schrie sie dem davon rasenden Auto hinterher und warf, außer sich vor Enttäuschung, Blätter und Zweige, die sie bei ihrer Verfolgungsjagd abgerissen hatte, auf den Boden. Ein älteres Ehepaar, das offensichtlich einen Abendspaziergang machte, sah sie entsetzt an und schlug eine andere Richtung ein.

Anne besann sich auf ihre Tochter. Von Sorgen getrieben rannte sie zurück und fand Nora mitten im Sandkasten stehend und völlig verängstigt vor. Das Mädchen weinte still vor sich hin. Noras Gesicht war verschmiert von Tränen und Sand. Anne hockte sich vor ihre Tochter und nahm sie fest in ihre Arme. Sie spürte das Zittern des kleinen Körpers. Anne zog ein Tuch aus ihrer Manteltasche und reinigte zärtlich das Gesicht der Kleinen.

„Ich wollte dir keine Angst machen, Liebes“, sprach sie sanft auf Nora ein. Anne schloß für eine Sekunde die Augen und atmete tief ein. In ihrem Kopf drehte sich ein Karussell, ihr Herz wurde von eiserner Faust umschlossen. Hätte sie in diesem Moment ihre Gefühlslage beschreiben müssen, wäre sie nicht imstande dazu gewesen. Traurigkeit, Wut, Machtlosigkeit, Unverständnis und Angst, alles beherrschende Angst, bildeten eine dicke, zähflüssige Masse hinter ihrer Stirn und drohte, sie in den Abgrund zu ziehen.

„Dort hinten, bei den Sträuchern stand ein Mann, von dem ich glaubte, ihn zu kennen. Ich bin deshalb so schnell losgerannt, weil ich ihn dringend etwas fragen mußte. Dabei habe ich doch glatt vergessen, daß ich dich an meiner Hand hatte! So was Dummes, nicht?“ Anne lachte ihrer Tochter verhalten zu und, Gott sei Dank, Nora lächelte zurück. In ihren Augen sah Anne jedoch Zweifel. Der Blick Noras schien merkwürdig erwachsen und Anne wurde es unbehaglich.

„Was wolltest du den Mann denn fragen?“

Schon wieder eine Lüge! Lügen, lügen und nochmals lügen! Anne haßte sich dafür, haßte ihre Machtlosigkeit. Auf keinen Fall konnte Anne jetzt ihre Tochter mit der- „das-verstehst-du-nicht-dafür-bist-du-noch-zu-klein“- Phrase abspeisen und so entschloß sie sich innerlich zu einem Kompromiß.

„Ich dachte, der Mann ist ein Freund von Papa und ich wollte ihn fragen ob er weiß, wann Papa wieder nach Hause kommt“. Anne war sich der Fadenscheinigkeit dieser Antwort bewußt. Sie schüttelte innerlich heftig den Kopf.

„Mein Gott, was für ein entwürdigendes, saudummes Spiel“, schrie es in ihr.

Die Antwort Noras riß Anne fast von den Füßen.

„Mami, muß der Papa denn wieder nach Hause kommen? Er kann doch in seiner neuen Wohnung bleiben! Oder, er kommt wieder zu uns, wenn er nicht mehr böse zu dir ist!“.

Offensichtlich froh, diesen Gewissenskonflikt gerecht gelöst zu haben, sah Nora ihre Mutter fragend an.

„Das ist eine tolle Idee, mein kleines, kluges Mädchen“. Erleichtert drückte Anne ihr Kind noch einmal an sich, dann richtete sie sich auf.

Der Heimweg gestaltete sich ruhig. Nora war erschöpft und müde. In Annes Kopf wirbelten die Gedanken wie Schneeflocken in einem Sturm. Kaum war sie in der Lage, ihre Enttäuschung zu beherrschen, ihren Zorn über sich selbst im Zaum zu halten.

Sie hatte es vermasselt. Gründlich vermasselt! Das wahrscheinlich einzige Bindeglied zu Paul hatte sie mit ihrem unbeherrschten Handeln in die Flucht gejagt. Oder war es gar Paul selbst gewesen, der dort gestanden hatte? Sie hatte ja das Gesicht nicht erkennen können. Paul war hochgewachsen aber nicht so breit in den Schultern, wie der, den Anne gesehen hatte. Und dann die Haare. Der Unbekannte trug einen Borstenschnitt und war dunkel. „Wo ist das Problem?“, widersprach Anne sich selbst. Haare ließen sich färben und auf ein Minimum reduzieren! Auch die Schultern ließen sich, mit ein wenig Einfallsreichtum, verbreitern.

Wenn es also Paul war, führte sie ihren Gedankengang weiter, der sie da mit ihrer Tochter beobachtet hatte, dann tat sich wieder die leidige Frage auf:

„Wozu? Was sollte das bedeuten?“ Diese Frage war aber auch genauso relevant, wenn es ein Fremder war und in dem Fall eigentlich noch um vieles mysteriöser. Fakt war jedenfalls, daß der, der da eben gestanden hatte, identisch mit dem Mann am Telefon war. Stark anzunehmen war auch, daß er sie verfolgte, wahrscheinlich ständig wußte, wo sie sich aufhielt. Daß er hier, auf dem Spielplatz, hinter Büschen versteckt, sie und ihre Tochter beobachtet hatte, war mit Sicherheit kein Zufall. Am meisten jedoch, beunruhigte Anne, daß der Kerl jetzt auch Nora ganz nach Belieben kontaktieren konnte. Dieser Gedanke machte sie krank. Sie betete zu Gott, daß er diesen Schritt nicht tun würde. Anne versuchte den Wust ihrer Gedanken zu ordnen: Zuerst war Paul abhanden gekommen. Anne verzog spöttisch den Mund über diese Bezeichnung. Sie ertappte sich dabei, daß das Wort „abhanden“ ihre Situation weniger tragisch erscheinen ließ.

Unmittelbar danach begannen diese schrecklichen Anrufe, die sie, das war ihr inzwischen klar geworden, mürbe machen sollten, sie einzuschüchtern versuchten. Zu welchem Zweck allerdings, stand in den Sternen. Der Fremde?... Paul?... hatte sich Eintritt in ihr Haus verschaffen wollen. Aber war das wirklich der Fall? Von „wollen“ konnte ja wohl nicht die Rede sein! Offensichtlich spazierte während ihrer Abwesenheit jemand darin herum oder womöglich während sie schlief! Über ihren Rücken liefen eiskalte Schauer.

„Er hat einen Schlüssel!“

Anne hörte nun wieder deutlich die eindringlichen Worte Therris. Mag da einen Schlüssel haben, wer wollte! Ihn zu benutzen, würde sich künftig als unmöglich erweisen! Warum war sie nicht eher auf die Idee gekommen, das Schloß auszuwechseln, es wäre ihr einiges erspart geblieben. Oder doch nicht? Wie weit konnte ein Mensch gehen, der sich am Teddybär eines kleinen, ahnungslosen Mädchens so schändlich zu schaffen machte, der nicht einmal davor zurückschreckte, zwei Vögel zu töten, die friedlich in ihrem Käfig vor sich hin zwitscherten. Wieso fehlte das Foto auf Noras Schrank, welches Paul und sie in bester Eintracht zeigte! Konnte dies tatsächlich nur jemand zu Wege gebracht haben, der einen Schlüssel für die Eingangstür besaß oder war das auch einem Fremden möglich...? Und wenn ja, dann bitteschön, wie!

Anne rekonstruierte den täglichen Ablauf in ihrem Hause und mußte sich eingestehen, daß es sehr wohl für jemanden, der unbedingt hinein wollte möglich war, dies auch zu tun! Wie oft ging sie durch die Hintertür in den Garten oder zu Benni an den Zwinger, ohne daß sie diese verschloß. Oh, dieser Leichtsinn! schalt Anne sich, die Quittung dafür hatte sie bekommen!

Wenn es tatsächlich Paul war, spann sie den Faden weiter, der so bösartig anonym versuchte, ihr Leben zu zerstören, erhob sich die Frage, wieso er nicht einfach vor sie hingetreten war und einen Schlußstrich gezogen hatte. Wollte er sich rächen? War seine Lage so verzweifelt aussichtslos gewesen, daß er zu derartigen Mitteln greifen mußte? Wie auch Anne hatte Paul gewußt, daß ihre Ehe sich fest gefahren hatte. Was Anne betraf, war es nur noch ein kleiner Schritt von Gleichgültigkeit zu Haß, ihrem Mann gegenüber gewesen. Wie hatte Paul gefühlt? Anne wußte es nicht doch sein Verhalten ihr gegenüber ließ wenig Zweifel offen. Er mußte sie verabscheut haben. Was war mit ihnen geschehen und wann hatte diese Tragödie ihren Anfang genommen? Sie hatten es beide verdrängt, darin waren sie die reinsten Künstler.  

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