Titel

Good morning, Siam!
"Das Schrägste aus meinem Urlaubsleben"


Leseprobe

Urheber
Walter Kellermann

Verlag
ReDiRoma Verlag
Bindung
Paperback
Seitenzahl
202
Sprache
Deutsch
Format
21 x 15 cm
ISBN
978-3-8687-0147-0
Preis
€ 9,95 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

Internet
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Was Sie schon immer wissen wollten, ...

aber nicht wussten, wen Sie denn fragen könnten? 

„Good morning, Siam! – Das Schrägste aus meinem Urlaubsleben“ gibt Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen des Lebens, die da wären: 

- Warum bohrt der kleine Thailänder so leidenschaftlich gerne in der Nase, und liegt der Wat-Po wirklich am Arsch der Welt?

- Weshalb hat das liebliche Kinderlied „Alle Vögel sind schon da“ in Thailand fast schon eine prophetische Bedeutung?

- Wie bekämpft der niederbayrische Bodybuilder im Land des Lächelns seine Herbstdepressionen, und besitzt auch der kleine Siamese seinen „hauseigenen Neger“?

- Wieso werden beim Timesharing-Rubbelspiel auch die im „Geiste armen“ um eine Erfahrung reicher?

- Warum brach über das stolze, siamesische Volk ein großes Unglück herein, als vor vielen Jahren ein Deutscher namens, „Hans im Glück“ ins Königreich Siam einwanderte?

- Wie kann man einem thailändischen Polizisten, der gerade sein Gesicht verloren hat, beim Finden einer neuen Visage behilflich sein? 

All diese Fragen werden in diesem Büchlein authentisch, aus erster Hand und somit fast wahrheitsgemäß beantwortet. Wer seit 25 Jahren Thailand bereist, der weiß wovon er spricht, äh worüber er schreibt.

„Alle Vögel sind schon da“, die da wären:

- der Fonse, ein hochdepressiver niederbayrischer Bodybuilder, der sich im Rahmen einer Familienaufstellung regelmäßig bei seinen verstorbenen Verwandten entschuldigt,

- der Franze, ein leicht verwirrter, deutscher Polizeibeamter, der praktisch immer und überall im Dienst ist,

- die Chantal und ihr Mann, der Wolf-Rüdiger aus Pirmasens und ...! 

Darüber hinaus schreibe ich noch über McDonald’s-Servicekräfte, indische Schneider, LTU-Flugbegleiter, den gemeinen Sextouristen, den anspruchsvollen Pauschaltouristen, die roten Krebse (Briten, die zu lange in der Sonne lagen), siamesische Polizisten, meinen Bruder, Niederbayern und Schwaben und Frauen im Allgemeinen.

Nachdem ich die zartbitteren Geschichten in Buchform veröffentlicht habe, gehen mir die Freundinnen meiner Frau aus dem Weg, der Kontakt zu meinem Bruder ist gänzlich abgerissen und die niederbayrischen Bodybuilder sind auch nicht mehr gut auf mich zu sprechen (ich habe ihre Namen nicht gerade mit dem „Da Vinci Code“ verschlüsselt).

Roberto, ein nach Koh Samui emigrierter, italienischer Restaurantbesitzer pflegt gelegentlich zu sagen: "Valta! Wie iste das nur mogelich? Uberalle wo du biste, sinte de Varuckte und de Kranke!"

Da ist unter Umständen was dran. Meine Frau meint dazu lediglich:

"Ich weiß auch genau, warum das so ist!"

Papperlapapp! 

Na denn, good night, Siam!

Leseprobe

21. Koh Phangan, wir kommen! („Alle Vögel sind schon da ...!“)

 Koh Phangan ist die wunderschöne Schwesterninsel von Koh Samui. Sie ist flächenmäßig etwas kleiner und die Elektropower wird nicht aus dem Kohlekraftwerk, sondern in den meisten Anlagen noch vom hauseigenen Dieselgenerator geliefert. Wenn man ein scheinbar ganz besonderes Schnäppchen in der Ferienanlage macht, was den Preis der Hütte betrifft, dann steht dieser Schuppen wahrscheinlich genau zwei Meter Luftlinie neben dem Dieselmotor! Was nicht unbedingt jeder schlecht findet. Wir haben vor ein paar Jahren einen völlig durchgeknallten Schalke-Fan kennengelernt, der seine Hütte genau neben dem Dieselmotor stehen hatte. Gleichzeitig mit dem Start des Motors um 18.00 Uhr hörte man aus der Hütte des Gelsenkircheners einen wahren Jubelgesang. „Jetzt geht’s los, jetzt geht’s los!“ Der Bursche war irgendwie anders als andere. Ja, das war er!

Oh, geliebtes Koh Phangan! Allein schon die Erwähnung dieses verzauberten Namens lässt farbenfrohe Bilder in der Fantasie des Reisenden entstehen. Der Neckermann Pauschaltourist denkt an schöne Sandstrände, herrliche Sonnenuntergänge, einsame Buchten, also an die Insel seiner Träume. Doch die Träume der Reisenden haben sich im Laufe der Jahre etwas verändert. Für die Liebhaber der Opiumpflanze und den Genießern des Schlafmohns ist Koh Phangan nur noch das verlorengegangene Paradies. Sie wurden von reichen Baulöwen aus dem Paradies vertrieben und befinden sich jetzt, „jenseits von Eden“.

Ich erkläre meiner Tochter, dass hier in den 70er- und 80er-Jahren die Opiumpfeife zur Standardausrüstung in jede Strandhütte gehörte. Am Strand musste man abends regelmäßig Turnschuhe anziehen, da durchaus die Gefahr bestand, in eine gebrauchte Kanüle reinzutreten. Zumindest am Hat Rin Beach war das seinerzeit so. Auch die Musik war damals ein bisschen farbenfroher: Bob Marley, Pink Floyd, Deep Purple, Tangerine Dream und all die anderen Freunde des Cannabisblattes, die seinerzeit die Strände Koh Phangans mit ihrer Musik beschallten. Vom Musikalischen wie auch vom Publikum her, war alles irgendwie etwas „bunter und breiter“.

Zu dieser Zeit konnte man sie noch massenweise beobachten. Die Verwandlung der Tänzer in eine Fledermaus, einen Seeadler oder in eine Blindschleiche. Diese Zustände dauerten oft wochenlang an. Noch heute sitzen einige Aussteiger von damals vor ihren Hütten, bei denen dieser Zustand des psychedelischen Dornröschenschlafes immer noch andauert. Wie es scheint, weigern sich alle Frösche, die auf Koh Phangan beheimatet sind, mit Händen und Füßen dagegen, diese Typen zu küssen. Was mich allerdings nicht im Geringsten wundert! Diese Freaks behaupten, dass sie meditieren, aber im eigentlichen Sinne befinden sie sich noch am „Full Moon Abend“ anno 1973 und hören gerade im Unterbewusstsein die Stimme von Janis Joplin nach einem Mercedes Benz und einer Flasche Johnny Walker schreien. Koh Phangan sah in diesen Jahren vom Wasser aus betrachtet wie London im Nebel aus.

"Aber heute";, so sage ich zu meiner Tochter, ";hüpft an Full-Moon-Nächten nur noch der Vorschulkindergarten an den Stränden Phangans rum und lutscht an irgendwelchen Extasy Pillen. Na ja! The times are changing!"

Daraufhin meint meine Tochter zu mir: "Dafür dass du seit Jahren immer pünktlich mit den Japanern zu Bett gehst, weißt du ja erstaunlich gut Bescheid. Ich wusste gar nicht, dass auf Phangan die Post schon vor 22.00 Uhr abging. Oder gab’s damals auf der Insel sonntags auch schon einen Kindernachmittag in der Disco? Lass mich mal raten! Hab ich da nicht ein paar Originalszenen aus „The Beach“ mit Leonardo DiCaprio rausgehört? Roberto würde wohl sagen: "Hatte de Bradewuast, de Film mit de bleede De Cabrio gesehe?"  Manchmal könnte ich sie ...!

Als mein Vater mir seinerzeit eine links und eine rechts auf die Backe gegeben hat, waren das Gesetz, das Volk und auch meine Mutter voll und ganz auf seiner Seite. Doch kaum sind ein paar Jahrzehnte vergangen, sind weder das Volk noch das Gesetz und schon gar nicht meine Frau auf meiner Seite, wenn ich meiner Tochter mal eine scheuern möchte. Oh, ich könnte sie manchmal wirklich ... mit einer Stange Hartwurst windelweich prügeln! Was ich aber besser nicht tue, da meine Frau noch in unmittelbarer Nähe ist.

"Natürlich kennt sie den Film, du Depp!" höre ich eine innere Stimme zu mir sagen. "Du hast ihn dir doch schon mindestens fünfmal aus der Videothek ausgeliehen und jeden in der Familie mit deinem Geschrei "da waren wir schon mal, und da, und da auch" genervt!" Da jetzt nicht der geeignete Zeitpunkt dafür ist, um mit meiner Tochter Spitzfindigkeiten auszutauschen, beende ich das Gespräch. Aber es ist genau so, wie ich es sage. Das Ziel der pickelgesichtigen Teenager ist der Hat Rin Beach. Wie jeder Traveller genauestens weiß, geht dort der Rave ab – hab ich zumindest mal gehört.

Heinz und Inge, ein nettes, aber durchaus nicht mit überdurchschnittlicher Intelligenz gesegnetes Pärchen aus Wuppertal, wollen abends auch dort hin. Mir sind die Netten und die Harmlosen um einiges angenehmer als die vermeintlich Intelligenten und die Intellektuellen. Denn welcher einigermaßen normale Mensch möchte sich schon den ganzen Tag das Geschwätz über „salzlose Kost nach dem georgischen Eremiten Gregoris“ oder ähnlichen Schwachsinn anhören? Erst neulich erzählte Chantal aus Pirmasens meiner Frau, sie müsse ihren Mann immer wieder therapieren. Es steht, wie sie selbst behauptete, äußerst schlecht um ihren Wolf-Rüdiger. (Es handelt sich hier nicht um einen zugelaufenen Strandhund. Ihr Mann heißt in der Tat Wolf-Rüdiger! Was haben sich dem Wolf seine Eltern bei der Wahl dieses Vornamens bloß gedacht – gleich „zerreißt`s“ mich). Der Wolf hat auf alle Fälle ein Riesenproblem.

Eigentlich lag ich völlig entspannt, ein Handtuch weiter, neben meiner Frau. Aber diese Thematik ließ mich hellhörig werden. Wolf-Rüdiger, Riesenproblem, Therapiegespräch? Was mir jetzt seelisch gerade noch fehlte, war eine menschliche Katastrophe, gewissermaßen ein Handtuch weiter, neben mir! Augenblicklich schoss mir die quälende Frage in den Sinn: "Was hat der arme Hund, äh der arme Wolf, bloß angestellt?", fragte ich mich. "Seine Frau geschlagen, die Kinder unter Drogen gesetzt, seinen Chef ermordet?"

Gleich darauf erzählte Chantal meiner Frau: "Weißt du, der Wolf hat praktisch den totalen Filmriss, den absoluten Blackout! Stell dir vor, er kann sich überhaupt nicht mehr an die ersten sechs Monate seines Lebens erinnern! Dieser Teil seines Lebens ist praktisch nicht mehr vorhanden! Weg, einfach so! Für immer verloren!"

Augenblicklich hörte ich meine innere Stimme, die sich wie das Sprechorgan von Roberto anhörte, zu mir sagen: "Valta! Wie iste das möglich? Überalle, wo du biste, sind de Verruckte und de Kranke!"

Ich weiß zwar nicht warum, aber da ist was dran. Ich ziehe die Verrückten und die Schwachsinnigen an wie der Honig die Bären, äh, wie der Nektar die Bienen. Meine Frau behauptet jeweils, sie wüsste auch warum! Ich drehte mich vorsichtshalber gleich auf die andere Seite und stöpselte augenblicklich meinen MP3-Player ein. Noch ein gekünsteltes Gähnen und spätestens jetzt müsste jedem klar sein, auch dem Allerdümmsten auf Gottes Erdboden: „Ich werde mich keinesfalls an diesem Gespräch beteiligen! Basta!“

Eines muss ich allerdings zugeben. Ich hätte ihn wirklich gern aus der Nähe gesehen, praktisch Auge in Auge, den Wolf-Rüdiger.

Ja, sie laufen hier massenhaft frei herum. Die Dichter und Denker, die Gehirnakrobaten, die vom Schwachsinn gerittenen und vom Wahnsinn getriebenen, die kein normaler Mensch je in seiner Firma einstellen würde. Als Probanden zum Testen neuer Medikamente sind einige von ihnen gerade noch zu gebrauchen, aber die meisten von ihnen sind nahezu lebensunfähig. Zum Glück gehören Heinz und Inge zu den „Netten“ und wir wohnen in derselben Anlage, weit weg vom Disco-Strand.

"Aber", so behauptet Heinz stolz, "heute wollen wir mal einen „losmachen“!", was immer das auch bedeuten mag. Die Situation schaut mir aber irgendwie gar nicht danach aus. Inge ist bereits komplett aufgestylt, mit diversen Farben und Düften veredelt und wartet auf ihren Mann an der Rezeption. Ich kenne diese Konstellation nur allzu gut, allerdings jeweils andersherum. Meine Frau und ich sitzen derweilen bei einem Glas Elefantenwasser an der Rezeption zusammen. Inge wartet jetzt schon eine halbe Stunde, nach meinem Zeitgefühl entspricht das zwei Gläser Chang-Bier, auf ihren Mann. Ich sage noch zu ihr: "Hey Inge! Dreht sich dein Mann für heute Abend noch eine Dauerwelle ins Haar?" Daraufhin kommt sie zu uns rüber und da sie schon etwas genervt ist, erzählt sie uns die ganze Wahrheit.

"Wisst ihr, der Heinz hat sich heute am Hafen für 800 Bath eine Tüte voll mit „Leckerlis“ gekauft, so ein Beutelchen mit Muntermachern. Der Name des Säckchens ist „Fly like a beagle“! Da wir zum Hat Rin fahren wollen, hat er sich vorsichtshalber gleich mal zwei von den „Gute-Laune-Machern“ eingeworfen. Allerdings", so fuhr sie fort, "stellte sich nach drei Minuten heraus, dass es sich bei den Pillen wohl eher um eine Art von Viagra handeln muss. In diesem Zustand traut er sich nicht runter! Unter einem fliegenden Beagle haben wir uns dann doch etwas anderes vorgestellt!", meint Inge noch völlig desillusioniert.

"Wir gehen an die Strandbar „chillen“!" rutscht es mir heraus. "Bei Heinz kann das ja doch noch ein bisschen dauern. Also wenn du Lust hast …?"

"Ich stehe ja nicht so auf diese scharfen Chilly-Sachen, aber man kann ja sicher auch etwas anderes bestellen" meint Inge.

"Logisch Inge", sage ich. "Es gibt auch Spaghetti und Pizza, also all die guten Sachen, von denen du dich zu Hause auch ernährst."

Inge ist übrigens blond und arbeitet in Wuppertal im Einwohnermeldeamt! Diesmal gingen wir nicht mit den Japanern ins Bett. Nein, es war die Zeit der Holländer! Der Heinz tauchte übrigens nicht mehr auf, da die Pillen ihre Energie gleichmäßig über die Nacht verteilten und das völlig rezeptfrei. Allerdings mit unabsehbaren Nebenwirkungen. Er klagte noch drei Tage über heftige Migräneanfälle! Na ja, „Viagra, Made in Bangladesch“!

Was macht der Tourist auf Koh Phangan den ganzen Tag, wenn er mal nicht im Massagesalon liegt oder sich am Strand die Haut verbrennen lässt? Er lässt sich Zöpfe flechten. Oder besser gesagt, sie lässt sich Zöpfe flechten. Nein, nicht zum Komplettpreis! Der listige Germane will den Einzelpreis! Der deutsche Tourist ist in der Regel in etwa genauso dämlich wie mein Bruder zu der Zeit, als wir noch Kinder waren. Ich erinnere mich noch gerne an die „gute, alte Zeit“ zurück. Es war die Epoche meiner größten Erfolge!

Es war einmal: mein Bruder und ich in der Küche beim Mittagessen. Es gab Grillhähnchen! Jeder hatte seine eigene Hälfte, bis ich das Tauschgeschäft eröffnete. Ich machte meinen Bruder auf eine nicht unwesentliche Tatsache aufmerksam: "Schau mal, in deinem Hühnerschenkel steckt eine blaue Ader. Die schaut genauso aus wie die Krampfader am Unterschenkel von der Oma!" Mein Bruder mit angewiderten Gesichtsausdruck: "Wirklich? Ist ja ätzend!" Ich behauptete mit fester Stimme: "Die Dinger sind bloß ein bisschen kleiner, aber ansonsten ist es das gleiche Blau! Aber Ader hin und Ader her, vergiss nicht – du kriegst einen Riesenärger mit der Mutter, wenn du den Teller nicht leer machst. Und das wollen wir doch beide nicht. Also gib das Teil rüber!"

Damit der Gerechtigkeit genüge getan wurde, bekam er jeweils meine Semmel im Tausch gegen den Schenkel. Das gleiche Tauschprinzip funktionierte auch bei Schnitzel, Ente, Schweinebraten, Pute ..., ich fand immer irgendwo eine versteckte Ader! Sogar in der Schwarzwälder Kirschtorte fand ich diverse Venen und Adern, die zwar ähnlich wie Kirschen aussahen, aber es waren mit Sicherheit geplatzte Blutgefäße! In ähnlicher Weise funktionierten auch die Tauschgeschäfte zwischen Cowboys und Indianern, Spaniern und Azteken, „Wise man and fool“ ...!

Mein Bruder aß regelmäßig, aber mit mäßigem Apetitt meine Semmel und ich seine mit Adern durchzogenen Fleisch- und Kuchenteile. Bis zum heutigen Tag ist er davon überzeugt, dass auch die Schwarzwälder Kirschtorte nicht wirklich genießbar ist. Irgendwie verfolgen ihn diese unvorteilhaften Tauschgeschäfte bis zum heutigen Tag. Bei einem unserer seltenen Familientreffen meinte er neulich zu mir: (Jetzt im Originalton)

 "Woast as no?"

Ich daraufhin wahrheitsgemäß: "Wos?"

Er: "De Sach mid de Adern?"

Ich: "Wos füa Adern? Liegst vielleicht auf oana? Elektromagnetisch gseng?"

Er: "Na, i moan de Adern in da Kirschtortn?"

Ich: "In wos füa oana Kirschtortn? Wos füa Adern?"

Er: "Du Depp! Deseibm wia in da Hendlhaxn, im Schnitzl und im Kaisaschmarrn!"

Ich: "Ah, deh moanst du. Des häd i scho fast vagessn!"

Er: "I hoff, du host as auf ewig vagessn!"

(Mit meinem Bruder spreche ich im ausgeprägten bayrischen Dialekt, damit er auch alle Feinheiten versteht!) Ich höre mich noch zu meinem Bruder sagen (jetzt wieder in bereinigtem hochdeutschen Text):

"Natürlich rede ich mit anderen nicht über die „gute, alte Zeit“. Mit völlig Fremden schon überhaupt nicht. Das würde mir sowieso kein Schwein glauben! Krampfadern in einer Schwarzwälder Kirschtorte. Hör auf, das ist doch Kinderkacke!" Jetzt, wo er es sagt, könnt ich laut Scheiße schreien! Abschließend sage ich im Charles-Bronson-Stil zu ihm:

"Vergiss es einfach! Die Dinge sterben, nur die Zeit läuft weiter!"

Ich habe allerdings nie gesagt, dass ich nicht darüber schreiben werde. Ich bin mir sicher, er wird mich dafür hassen! Leider hat er nicht nur die Figur, sondern auch das Gedächtnis eines Elefanten. In unseren gemeinsamen Tauschgeschäften liegt freilich auch die Ursache, dass ich meinem Bruder nicht nur verstandesmäßig, sondern auch gewichtsmäßig um ca. drei Kilo voraus bin. Aber damit kann ich gut leben. Zwar nicht mehr allzu lange, wie mein Hausarzt immer scherzhaft zu sagen pflegt, dafür aber gut gelaunt.

Wie dem auch sei, der deutsche Tourist ähnelt meinem Bruder in seinem damaligen Geisteszustand in verblüffender Weise. Zumindest wenn es darum geht, sich von ein paar Küchenangestellten, die gerade Pause haben, ein paar Zöpfchen ins Haar flechten zu lassen. Lauter Vollblutgeschäftsleute, in Bargeschäften genauso wie im Tauschhandel! Also, bei genauem Nachzählen sind es dann doch ziemlich genau 120 kleine Zöpfchen geworden, die Inge inzwischen auf ihrer Kopfhaut trägt. Meine Generation erinnert sich noch gern an Bo Derek, die hübsche Blondine mit den goldigen Zöpfchen. Der steile Zahn von damals ist heute bestimmt schon mehrfache Großmutter oder in der Zwischenzeit verstorben. Na ja, alles fließt ..., leider auch den Bach runter!

Zurück zu den Eisenflechtern, äh, zu den Zopfflechtern. Der deutsche Urlauber möchte den Preis pro Zopf aushandeln. Logisch! Das macht die Sache gleich viel übersichtlicher. Diese Experten sind übrigens auch jene Touristen, die sich selbst zu den Intelligenten zählen. Also, so höre ich gerade, pro Zopf sind 30 Bath fällig! Bei 120 Zöpfen brauchen die siamesischen Frühlingsrollendreherinnen etwa einen Monat nicht mehr arbeiten, dank der „Brainpower, Made in Wuppertal“. Für in etwa das gleiche Geld, bekommt man in einem Bangkoker Hotelzimmer eine Niere oder eine Leber implantiert. Einem Österreicher hatte man vor ein paar Monaten für dieselbe Summe sogar eine Gehirntransplantation angeboten. (Der „Hirnspezialist“ sagte ihm, es wäre in seinem Fall ein reiner Routineeingriff.) Doch eines sei an dieser Stelle noch angemerkt:

Sowohl bei der Zopfflechterei als auch bei der Organverpflanzung, gibt es Gemeinsamkeiten. Unglaublich, aber doch wahr! Dem einen fallen danach die Haare aus und der andere verträgt die Niere des Schimpansen nicht, die er scheinbar wirklich günstig erstanden hat.

Doch nun wieder zurück zur Insel der Träume. Auf Koh Phangan sind die üblichen Verdächtigen wieder alle versammelt. Gestern trafen wir im „Seven Eleven“ den Franze. Er erwähnte so ganz nebenbei, dass es der Waste beim letzten Tauchgang tatsächlich geschafft hat. Er hat die Sauerstoffflasche bis auf den letzten Gaspartikel leergesaugt und daraufhin Pink Floyd und Nirwana gleichzeitig in „Stereo Dolby-Surround-Sound“ gehört. Gleich nachdem ihn der wie immer leicht angekiffte holländische Tauchlehrer aus dem Wasser gezogen hatte, stellte man bei ihm alle Anzeichen auf einen plötzlichen Gehirntod fest! Das traf mich voll! Der Waste, unser Urviech, gehirntot? Was mich fast noch mehr als dem Waste sein vorpünktliches Dahinscheiden niederwarf, waren die Worte meiner Frau. "Die Diagnose plötzlicher Gehirntod hat bei einem Niederbayern nicht viel zu sagen. Das kann alles und gar nichts bedeuten!"

Ich schaute sie nur mit großen Augen an. Sie meinte weiter ganz lapidar zu mir: "Jetzt stell dir vor, du bist im Internet. Im Ebay voll dabei, das erste Gebot, noch mal drauf und noch mal und plötzlich hängt das Ding!"

Meine Frau schaute mich an, als ob ich vollkommen verblödet wäre und sagt dann zu mir: "Was machst du dann? Du rutscht mit der Maus hin und her, aber das Ding rührt sich einfach nicht mehr? Was machst du dann?"

Ich hasse es, wenn meine Frau mit mir spricht, als ob ich ein Politiker wäre. Aber in Anbetracht der dramatischen Lage sagte ich: "Ich lasse ihn komplett abstürzen, Strom weg, Reset, Neustart!"

"So ist es", fuhr sie weiter fort, "auch bei einem Niederbayern, wenn er einen Gehirntod erleidet! Es ist in Wirklichkeit nur ein Absturz, der normalerweise leicht zu „resetten“ ist. Der Neustart ist relativ unkompliziert und er führt meistens sogar zu Verbesserungen im System!"

„Was für eine kalte Hundeschnauze!“, dachte ich bei mir. Sind das die dunklen Seiten meiner Frau, die ich bis zum heutigen Zeitpunkt noch gar nicht gesehen habe? Und ich Volldepp habe alle meine Lebensversicherungen auf ihren Namen laufen, meine Rente und den Bausparer! "Was bist du nur für eine kalte Hundeschnauze?", sagte ich ganz fassungslos zu ihr.

Sie daraufhin völlig leidenschaftslos zu mir: "Apropos Hund. Als ich vorhin mit deiner Tochter das Hundefutter für unsere Freunde am Strand eingekauft habe, ist uns übrigens der Waste direkt in die Arme gelaufen. Da er für seine Verhältnisse relativ gut sprechen und aufrecht gehen konnte, gehe ich mal davon aus, dass auch sein Gehirn noch einigermaßen intakt war!"

Der Franze meinte dazu nur noch: "Man weiß nicht, in welche Richtung sich diese Sache noch entwickeln wird."

Daraufhin meine Frau: "Das weiß man bei einem Niederbayern nie!"

Diese Begebenheit bzw. die Nachwehen dieses Ereignisses, brachten mich übrigens in eine sehr peinliche Situation. In unserer Nachbarschaft verstarb neulich ein wirklich sehr netter Zeitgenosse. Der Nachbar von nebenan erzählte es mir aus erster Hand. "Der Neumaier Schorsch ist gestern gestorben!"

Ich daraufhin zu ihm: "Das gibt’s doch gar nicht! Der Schorsch war doch erst 45 Jahre alt. An was ist er denn gestorben?" Er zu mir: "Plötzlicher Gehirntod!" Und ich Depp zu ihm: "Na ja! Bei einem Niederbayern genügen in der Regel ein Reset und ein Neustart. So ein Gehirntod mit anschließendem Reset und Neustart ist für einen Niederbayern doch das reinste Gehirntuning!"

Das war wirklich peinlich. Schuld daran war nur meine Frau und dem Waste sein undurchsichtiger, niederbayrischer Gehirntod. Mein Nachbar schaut mich heute noch komisch an – wie übrigens alle anderen in der Nachbarschaft auch! 

Na denn,

Good night, Siam!   

 

 

 22. Die Helden der spitzen Feder 

Man kann hier in Thailand die verrücktesten Dinge anstellen, angefangen vom Dschungeltrekking bis hin zum Bungee-Jumping. Die ganz Verwegenen schwingen sich an Seilen durch den Dschungel und essen anschließend noch ein Omelett mit Magic Mushrooms. (Das sind ganz spezielle Pilze, die auf Büffelscheiße wachsen und der Welt noch etwas mehr Farbe geben. Der Waste verzehrt die psychedelische Eierspeise hier regelmäßig zum Frühstück, weil diese heimische Spezialität seine Verdauung so richtig in Schwung bringt.) Wenn’s nach mir ginge, wäre ich auch überall dabei. Da es aber wieder mal nicht nach mir geht, schließe ich mich der Argumentation meiner Frau an, die da lautet: "Für das Bungee-Jumping bist du viel zu schwer und vom Omelett bekommst du mit ziemlicher Sicherheit einen Darmverschluss!"

Da sich die schlagkräftigeren Argumente leider wieder mal alle auf der Seite meiner Frau versammelt haben, lege ich mich in den Schatten und lese ein Buch. Natürlich mache ich nicht allzu lange auf „beleidigte Leberwurst“, denn ich liebe meine Helden, die Meister des geschriebenen Wortes und der geschmeidigen Feder. Nur allzu gerne lasse ich mich durch ihre Geschichten verzaubern, die in kürzester Zeit meine Fantasie anregen und Bilder wie im Kino vor meinem geistigen Auge ablaufen lassen.

Eines ist mir allerdings schleierhaft: Wie kann ein Schreiberling auf die dämliche Idee kommen, sich selbst und seine Familie via Foto auf dem Umschlag seines Buches zu präsentieren? Das kann leicht ins Auge gehen, wenn man beispielsweise wie Axel Hacke über „Das Beste aus meinem Leben“ schreibt. In diesem speziellen Fall ist ein Männlein auf dem Umschlag abgelichtet, das in etwa so aussieht, als wäre es der Zwillingsbruder von Woody Allen. (Hab ich schon mal erwähnt, aber bei jedem Hinschauen wird die Ähnlichkeit verblüffender!) War das etwa ein braunes Cordsakko?

"D Mamma hod gsogt, des graislige Kanapäh schmaiß ma auf’m Misthaufa, aba d’ Oma hod aus’m Bezug dann doch noh a Jackn gnaht", würde der Waste in diesem speziellen Fall wohl sagen. Ich mach mir gleich in die Hose!

Dieses Bild passt perfekt zu einigen seiner Abenteuer, die sich im Dschungel des Lebens abspielten. Er schreibt beispielsweise in einer seiner Geschichten, dass ihn eines schönen Tages beinahe ein Radfahrer über den Haufen gefahren hätte, was ja an sich noch nicht wirklich aufregend ist. So weit so gut, aber jetzt steigert sich die Geschichte ins Grande Finale. „El Furioso!“ Er berichtet folgendermaßen: "Wie laut muss ich denn noch klingeln?", droht der Radfahrer, während ich mir (also der Axel) die Watte aus den Ohren ziehe.

"Haben Sie was an den Ohren?"

"Ich nicht," sage ich (also der Axel) und schnippe mit den Fingern einen Zwiebelwattebausch in sein verständnisloses Gesicht.

„Hört, hört, hört!“ Das Ganze grenzt ja fast schon an die Verletzung der Menschenwürde des armen Radfahrers! Eine meiner inneren Stimmen meint ganz empört, dass es sich hierbei um einen Fall für Amnesty International handeln würde. Nachdem ich diesen Satz wiederholt gelesen habe und von seiner gesamten Wucht getroffen werde, schaue ich mir das Männlein auf dem Foto noch einmal genauer an. Geschlecht: männlich, Lebendgewicht: ca. 52 Kilo, besondere Merkmale: keine, äh ein braunes Cordsakko.

Ich bin ja wahrlich kein Zyniker, aber der Radfahrer, der von Axel auf die übelste Weise beleidigt wurde, hatte mit Sicherheit zwei Fahrstützen am Hinterrad montiert und war in etwa fünf Jahre alt. Wäre er fünf Jahre älter gewesen, hätte er dem kleinen Axel wahrscheinlich seine gebrauchten, in Zwiebel getunkten Ohrenwattestöpsel verspeisen lassen. Diese Geschichte, die ihren speziellen, tiefgründigen Witz eigentlich erst vollständig entfaltet, wenn man sich das Bild des Autoren dazu noch mal genau anschaut, hat mich Folgendes gelehrt: Sollte mich das Leben einmal zutiefst langweilen und ich den Entschluss fassen, andere ebenfalls abgrundtief zu langweilen, indem ich „Das Schrägste aus meinem Leben“ zu Papier bringe, dann werde ich niemals ein Bild von mir auf den Buchumschlag kleben. (Obwohl meine Frau noch ein sehr interessantes Urlaubsfoto in der Hinterhand hätte!) Wer entscheidet sich schon für die grausame Wahrheit, wenn er doch auch die Poesie haben kann?

Verzeih mir, Axel! Du kannst dich aber damit trösten, dass der Rest deiner Familie optisch wirklich sehr passabel rüberkommt. (Oder war es doch nicht Woody Allen, sondern Alfred E. Neumann aus dem „MAD-Heftchen“, an den mich der Axel so stark erinnert?) Noch ein Gedanke verfolgt mich, seitdem ich diese Geschichte in Verbindung mit seinem Foto gelesen habe. Wer war er wirklich? Ich meine natürlich den Radfahrer! 

„No more heroes“

 (The Stranglers)

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