Titel

Gedanken eines Selbstmörders

Leseprobe

Urheber
Erika Lersch

Verlag
BoD Norderstedt
Bindung
Paperback
Seitenzahl
140
Sprache
Deutsch
Format
12 x 19 cm
ISBN
978-3-8391-9174-3
Preis
€ 8,95 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

Internet
www.gedanken-eines-selbstmoerders.de

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Wenn das Leben zur Qual wird …

Sie haben vielleicht schon einmal ein Familienmitglied, einen Freund oder Bekannten durch Suizid verloren und konnten nicht verstehen, wie ein Mensch so etwas tun kann?

Um dies zu verstehen, hilft ihnen vielleicht Erikas Bericht aus der Sicht einer depressiv Erkrankten mit Suizidgedanken.

Was treibt einen Menschen dazu, an Suizid zu denken? Welche Lebensumstände kommen zusammen und treiben einen Menschen dazu, diesen Schritt zu gehen?

Erika beschreibt den Beginn ihrer Depression, den Versuch der Heilung durch einen mehrwöchigen Klinikaufenthalt, ihre persönliche Ursachenforschung sowie ihre Suche nach Bewältigungsstrategien. Breiten Raum nehmen auch die Schilderungen der Reaktionen ihrer Mitmenschen, Freunde und Kollegen ein.

Welche Ursachen genau bei Erika zur Depression geführt haben, wurde nie komplett geklärt. Nur Vermutungen wurden aufgestellt bzw. ein Zusammenspiel von mehreren depressionsfördernden Faktoren angenommen. Diese werden im Einzelnen erläutert.

Leseprobe

Eigentlich hatte ich nie vor, ein Buch zu schreiben. Wer interessiert sich denn schon für die Lebensgeschichte eines 08/15-Mitbürgers, der kein Promi oder sonst wie berühmt ist? Irgendwie tat es aber gut, den ganzen Seelenmüll niederzuschreiben, und dann las ich die Lebensgeschichte einer drogenabhängigen Prostituierten. Auch anonym geschrieben, nur ein kleines, dünnes Buch. Aber trotzdem war es interessant, einmal hinter die Kulissen des Milieus zu blicken und zu erfahren, wie sich wohl so jemand fühlt, der darin lebt.

 

Vielleicht erkennt sich auch in meiner Geschichte der ein oder andere Leser in bestimmten Situationen wieder und hat vielleicht schon einmal ähnliche Erfahrungen gemacht. Dann ist es doch schön zu wissen, dass man damit nicht alleine steht und es Leidensgenossen gibt.

 

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Im Laufe des Lebens denkt jeder Mensch wohl mindestens einmal über Selbstmord nach. Obwohl Selbstmord so ein hartes Wort ist, ich mag es nicht. Kann man sich selbst ermorden? Einen Mord macht doch das Opfer nicht freiwillig mit. Doch in diesem Fall sind Mörder und Opfer die gleiche Person und das Opfer macht freiwillig mit. Selbsttötung oder Suizid hört sich da treffender an.

 

Doch ich schweife ab, fangen wir nochmal an: Haben Sie nicht auch schon einmal darüber nachgedacht, wie es wohl wäre zu sterben? Auf einen Schlag keine Probleme mehr, keine Verpflichtungen mehr? Noch einmal alles essen, was einem schmeckt, aber total ungesund ist und fett macht, ohne Reue, weil es plötzlich total unrelevant ist? Okay, es hängt wohl sehr von der Glaubensrichtung ab, je nach Religion hängt man wohl mehr oder weniger am Leben. Aber einmal abgesehen davon, dass in den meisten Religionen (oder sogar allen? – ich weiß es nicht) Suizid als Sünde angesehen wird, wäre es nicht ein verführerischer Gedanke, jetzt einfach, kurz und schmerzlos, zu sterben? Vielleicht ein Herzinfarkt, nur ein kurzes Stechen in der Brust und schon ist alles vorbei?

 

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Den Begriff Burnout kennt wohl fast jeder. Jeder stöhnt und lamentiert über zu viel Arbeit und zu wenig Zeit. Jeder stöhnt, wie überarbeitet er ist und dass er zu viel Stress hat. Doch wie viel davon ist wahr? Wie viele Menschen lamentieren und wollen im Grunde nur bedauert werden? Ich weiß es nicht und will natürlich jetzt auch nicht alle über einen Kamm scheren. Das wäre genauso falsch, wie zu behaupten, dass alle Hartz-IV-Empfänger notorische Faulenzer sind, die sich nur auf Staatskosten ausruhen. Doch zum Begriff Burnout gibt es auch einen Gegenbegriff. Hierfür wurde der Begriff Boreout gewählt. Abgeleitet von »to bore«, sich langweilen. Dieser Begriff ist allerdings noch ziemlich unbekannt. Bislang war Boreout ein Tabuthema, denn niemand gibt gerne zu, sich an seinem Arbeitsplatz zu langweilen, nicht genug zu tun zu haben oder sich unterfordert zu fühlen. Das Stöhnen über zu viel Arbeit ist doch viel reizvoller und man wird auch noch bedauert. Außerdem kann man Fehler leichter

 vertuschen, denn man hatte ja so viel zu tun, da kann man glatt etwas vergessen, da muss es doch keinen wundern, dass einem Fehler passieren, bei der Hektik. Wie klänge stattdessen folgendes? »Sorry, Chef, mir war so langweilig, da habe ich glatt vergessen, das noch zu erledigen«, oder: »Ich hatte so viel Zeit, dass ich das nicht richtig machen konnte.« Derlei Fehlerbegründungen hören sich allzu dumm an und niemand würde sich die Blöße geben, sie zur Entschuldigung anzuführen. Deshalb werden Langeweile und Unterforderung totgeschwiegen und man mimt vor Kollegen und dem Chef lieber den überarbeiteten, stressgeplagten Mitarbeiter. Aber diese Fassade aufrechtzuerhalten ist auf die Dauer sehr schwierig und erfordert fast mehr Disziplin als geregelte Arbeit. Bewiesen ist längst, dass Unzufriedenheit und Unterforderung zu Stress führen. Der Stresspegel und die Symptome bei Boreout sind identisch mit denen des Burnout. Der Betroffene wird genauso krank, nur mit dem Unterschied, dass es

 gesellschaftsfähiger ist, überarbeitet zu sein, !

 als sich

 zu Tode zu langweilen.

 

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Wie stellen Sie sich die Patienten einer psychiatrischen Klinik vor? Sabbernde, schreiende, tobende Menschen in Zwangsjacken, die die Augen verdrehen und dummes Zeug lallen?? Na ja, Abteilungen mit solchen Patienten gibt es auch, aber das sind dann wirklich die schweren Fälle. Auf den meisten Stationen befinden sich ganz »normale« Menschen, die eben nur das kleine Problem haben, nicht mehr mit dem Leben zurechtzukommen. Da ist beispielsweise der Polizist, dessen Kollege im Dienst vor seinen Augen erschossen wurde, oder der Lokführer, dem sich ein Selbstmörder vor den Zug geworfen hat, oder die Jugendliche, die vom Vater vergewaltigt wurde. Traurig fand ich auch den Fall eines Mannes, welcher sich jedes Jahr von Weihnachten bis Neujahr aus freien Stücken einweisen ließ, aus Angst vor Suizidgedanken, wenn ihm zu Hause vor lauter Einsamkeit die Decke auf den Kopf fiel. Ja, in der Weihnachtszeit ist die Selbstmordrate besonders hoch. Menschen, die Angst vor dem Alleinsein haben, spüren

 dies an Weihnachten, dem großen Fest der Familie und Liebe, besonders krass, und die anderen wiederum wünschen sich oft nichts sehnlicher, als allein zu Hause zu sitzen und ihre Ruhe zu haben, statt sich auf stressigen Familienfeiern beinahe die Köpfe einzuschlagen. Welche Ironie des Schicksals!

 

Auch ich wurde kurz vor Weihnachten eingeliefert. Mir war alles egal, ich war innerlich völlig leer. Nach einem kurzen Gespräch mit einer Psychologin und einer körperlichen Untersuchung wurde mir mein Zimmer zugeteilt. Es war ein kleines Zweibettzimmer, welches ich mit einer jungen Frau teilte. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass sogar meine Sachen durchsucht werden würden, auf irgendwelche Gegenstände, Nagelscheren etwa, mit denen man sich umbringen könnte. Aber nichts dergleichen geschah.

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