Titel

Fluffige und andere Zeiten

Leseprobe

Urheber
Grete C.Roth

Verlag
BoD Norderstedt
Bindung
Paperback
Seitenzahl
104
Sprache
Deutsch
Format
12 x 19 cm
ISBN
978-3-8370-5597-9
Preis
€ 9,80 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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Heitere, skurrile und besinnliche Kurzgeschichten, Fabeln und Gedichte
„Ich geh mal eben schnell den Antrag abgeben!" oder
„Herr Wichtig und der banale Rest der Welt" oder
„In unser Haus kommt kein Handwerker, mein Mann macht alles selber!”
Sie wissen, was das bedeutet?
Dann werden Sie kein Problem haben, durch dieses kurzweilige Buch zu schweben.
Trainieren Sie Ihre Schmunzel- und Lachmuskeln, lassen Sie sich einfangen, von skurrilen
Geschichten, tiefgründigen Fabeln und Gedichten vom Lachen und Weinen. Entdecken Sie die 
amüsanten Seiten eines ganz 'normalen Alltags', oder auch die stillen, nachdenklichen 
Augenblicke, die das Leben bereit hält. Ich nehme Sie mit in eine herrlich “fluffige” Welt.

Leseprobe

"Gewerbeangelegenheiten" stand auf dem Hinweisschild. Hocherfreut, dass ich auf Anhieb im richtigen Gebäude gelandet
war, betrat ich die Eingangshalle der Stadtverwaltung, um mich an der Rezeption nach der Zimmernummer für die Ausgabe
von Gewerbescheinen zu erkundigen. „Gewerbeschein?”, die junge Dame hinter der Panzerglasscheibe sah mich an, als
hätte sie das Wort noch nie gehört. „Hier bin ich doch richtig beim Amt für Gewerbeangelegenheiten, oder?”, fragte ich
unsicher. „Ja, schon, aber Gewerbescheine gibt es nicht hier, sondern in einem anderen Verwaltungsgebäude.” „Ach?
Es gibt noch ein zweites Amt für Gewerbeangelegenheiten?” „Nein, nur ein Auslagerungsbüro in der Kreiselstraße 118,
dort werden Gewerbescheine ausgestellt.” Ich hatte es eilig, verdrängte die eine oder andere aufsteigende Frage, und
machte mich mit meinem Pkw auf die Suche nach dem Auslagerungsbüro für Gewerbescheine. Etwa einen Kilometer
entfernt wurde ich fündig. Das Büro lag an der Hauptstraße ohne Parkmöglichkeit. So kreiste ich um die Altstadt, fand
einen der letzten freien Parkplätze und machte mich zu Fuß zurück zum Auslagerungsbüro.

„Guten Tag, ich möchte gern einen Gewerbeschein beantragen.” „Ja, was für ein Gewerbe wollen Sie denn ausüben?”
fragte mich die junge Beamtin ohne von ihrer Tastatur aufzublicken. Ich begann brav mein Anliegen vorzutragen, doch
ehe ich mit meinen Ausführungen zum Ende gekommen war, unterbrach sie mich und erkundigte sich in gelangweilter
Stimmlage nach meiner Baugenehmigung. „Nein, nein, ich will nicht bauen, die Räume sind bereits vorhanden und werden
auch nicht verändert, mir fehlt nur der Gewerbeschein”, antwortete ich augenzwinkernd. „Trotzdem brauchen Sie eine
Baugenehmigung vom Planungsamt!”, belehrte mich das junge Ding in gereiztem Tonfall. „Ach, ich brauche eine Bau-
genehmigung, obwohl ich gar nicht bauen will?” Ich heuchelte freundliches Erstaunen obwohl ich ärgerlich wurde.
„Ja natürlich! Eine Baugenehmigung und eine Nutzungsänderungsgenehmigung”, klärte sie mich auf. Ich spürte Ungeduld
in mir aufsteigen. Nach meinen bisherigen Erfahrungen dauerte die Beantragung eines Gewer­bescheines höchstens
fünfzehn Minuten und die Papiere waren ausgefüllt, abgestempelt und genehmigt. “Nun gut.”, sagte ich ergeben. “Wenn
das natürlich ist, dann sagen Sie mir bitte, an wen ich mich wenden muss.” Ich bekam eine Wegbeschreibung zum Bauamt
und machte mich wieder auf die Socken. Das Bauamt lag etwa 200 m entfernt vom Amt für Gewerbeangelegenheiten,
in dem es keine Gewerbescheine gibt. So ließ ich das Auto stehen, um den Weg zu Fuß zurückzulegen. Leichtsinnigerweise
ließ ich mich dazu hinreißen, keinen weiteren Parkschein zu ziehen.

Ich betrat das imposante alte Gebäude in dem mir schon von Weitem eine grellgelbe Hinweistafel mit der Aufschrift:
‘Information Bauamt’ ins Auge sprang. Beherzt klopfte ich an die Tür, doch niemand bat mich herein. Es kostete mich
etwas Überwindung unaufgefordert ein­zutreten, aber ich war fest entschlossen, heute noch ein Erfolgserlebnis zu bekommen.
So öffnete ich die Tür, trat ein und fand mich mitten in der Stadtdruckerei wieder. Das Bauamt sei in die erste Etage gezogen,
brüllte mir ein telefonierender Herr zu, nachdem ich ihm zuvor, gegen den Lärm der Maschinen, meine Anliegen entgegengebrüllt
hatte. Er deutete mit dem Zeigefinger an die Raumdecke. Ich bedankte mich überglücklich dafür, dass ich eine Information über
das Bauamt bekommen hatte, und machte mich auf die Suche nach dem neuen Standort. Glücklicherweise fand ich schon bald
auf der oberen Etage eine weitere Tür, an der ein Schild mit der Aufschrift: ‘Planungsamt’ angebracht war. Da auch das Planungs-
amt Bauanträge ausgibt, klopfte ich an, bekam

jedoch auch hier keine Antwort. Drinnen hörte ich jemanden lautstark telefonieren. Ich setzte ich mich auf einen der bereitgestellten
Stühle und blätterte in den auf dem Tischchen ausgelegten Broschüren. Eine halbe Stunde lang hatte ich so Gelegenheit, mich über
den rechtlichen Stand von Grundstücksbepflanzungen und herabhängenden Zweigen auf Nachbars englischen Rasen zu informieren.
Dann endlich öffnete sich die Tür. Ein adretter Herr mit Frühstückspaket unter dem Arm kam pfeifend heraus. ‘Der wird doch jetzt
nicht fortgehen?’, schoss es mir durch den Kopf. Ich sprang auf und stürzte auf ihn zu. „Guten Tag, mich hat das Amt für Gewerbe-
scheine geschickt. Sie möchten mir bitte einen Bauantrag aushändigen — aber nicht, dass Sie mich falsch verstehen, ich möchte
eigentlich gar nicht bauen, sondern nur in meinem bereits fertig gebauten Anbau eine Beratungsstelle einrichten”, ratterte ich drauf los,
während er sich am Türschloss seines Büros zu schaffen machte, ohne mich auch nur einmal anzusehen. Möglicherweise war er
hörgeschädigt? Die Stadtverwaltung hatte einige Arbeitsplätze an Menschen mit unterschiedlichen Handicaps vergeben. So kommt
es schon mal zu Irritationen, wenn man sich diverse verschiedene Formulare für die Steuer besorgen möchte, an den Schalter tritt und
als erstes mit dem schriftlichen Hinweis „Ich bin schwerhörig - bitte machen Sie sich bemerkbar“ konfrontiert wird. Zugegebener
Maßen wird jeder Hörende mit diesem Satz zunächst an sein eigenes Handicap geführt: Es ist schon fast unmöglich, die verschiedenen
Formulare anhand ihrer Deklarierung zu erkennen und zu unterscheiden. Wie aber sollte er deren Inhalt lauthals beschreiben, den
ohnehin niemand nachvollziehen konnte?

Gott sei Dank, kam in dem Augenblick eine Kollegin aus der anderen Bürotür, die mich schon vor einer halben Stunde hatte warten
sehen. Sie erfasste die Situation sofort und legte ein gutes Wort für mich ein, das Herrn Adrett bewog, seine Tür wieder aufzuschließen.
Innerlich jubilierend warf ich der guten Frau lächelnd einen dankbaren Blick zu. Die Zeichen standen auf ‘Vorwärts’.

Nachdem ich dem adretten Herrn mein Anliegen erklärt hatte, fragte er, ob ich denn einen Parkplatz für meine Kun­den hätte.
 „Ja, natürlich, ich habe sogar zwei Parkplätze vor dem Haus. Und in der kaum befahrenen Seitenstraße sind auch noch etliche
Parkmöglichkeiten vorhanden”, sagte ich fröhlich. Instinktiv spürte ich, dass dies ein wichtiger Punkt und eine Voraussetzung für die
Bearbeitung meines Bauantrages sein würde. Und so war es. Herr Adrett aktivierte seinen Computer und schüttelte den Kopf.
„Nein, Sie haben keinen Parkplatz.” Ich riss die Augen auf. „Wieso habe ich keinen Parkplatz? Als ich heute Morgen losfuhr,
hatte ich sogar noch zwei schöne gepflasterte Parkplätze!”, stieß ich fassungslos aus. „Nein, Sie haben noch nie einen Parkplatz gehabt
 — ich weiß zwar, dass dort Autos stehen, aber diese Autos stehen in Ihrem Vorgarten!” Mir schoss das Blut in den Kopf.
Meine Autos in meinem Vorgarten? Eine Katastrophe! Mein Vorgarten hat eine Grundfläche von 1,5 qm! Wenn dort tatsächlich
unsere Autos stünden,

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