Titel

Endlich Freyja!

Leseprobe

Urheber
Anabella Freimann

Printbook / Ebook

Verlag
Tredition / ---
Bindung
Paperback
Seitenzahl / Dateigröße
292 / ---
Sprache 
Deutsch
Format
13,5 x 21,5 cm / ---
ISBN / ASIN
978-3-8495-3849-1 / ---
Preis
€ 13,80 (je nach Anbieter zzgl. Porto) / ---

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Wenn nicht jetzt, wann dann? Franziska ist lange genug die fügsame, alles verstehende Ehefrau gewesen! So begibt sich die erwachte, reife Schönheit - mittlerweile gut in den 50ern - getrieben von ihrer tiefen Sehnsucht nach Lebendigkeit und Lustbefriedigung auf die Suche. Franziska bricht die Tabus ihrer Kindheit und Jugend und widersetzt sich selbstbewusst den Klischees, dass Frauen in ihrem Alter in jeder Hinsicht 'einschlafen'. Oh nein, sie 'erwacht' und lässt den Ehemann und die Heimat hinter sich. Freyja wird geboren. Sie erlebt nun die gewünschte Freiheit und ist auf der Suche nach der großen Liebe.

Leseprobe

Die Heimfahrt verlief reibungslos. Ihr Korsar fuhr so schnell und zügig wie nie, sie hatte das sichere Gefühl, dass er sehr mit seiner Herrin zufrieden war. Er gab ein "Zufriedenes Brummen bei der Arbeit" wieder, wie Otto Waalkes in einem seiner Sketche so schön sagte.
Auch Franziska war sehr mit sich zufrieden. Und mit Alexander und Stefan, den zwei wunderbaren Liebhabern. Blond und dunkelhaarig. Welch großer Unterschied zwischen diesen beiden und dem stirnglatzigen Peter, dem Hengst aus dem Vogtland. Dem Hengst? Dass ich nicht lache!
Franziska war zwar nicht die Frau im Märchen "Von dem Fischer un syner Fru", das die Gebrüder Grimm geschrieben hatten. Aber irgendwie doch. Denn Franziskas Ansprüche und Wünsche schienen zu wachsen. In ihren Augen allerdings hielten sie sich immer noch in Grenzen. Wenn sie gekonnt hätte, wie sie wollte. Oder wenn sie es gewagt hätte, was hätte sie da am Meeresufer gerufen? Ach nein, im Märchen war es umgedreht. Da musste ja der Fischer dem Butt die Wünsche syner Frau zurufen. Da hätte also Matthias rufen müssen: "Manntje, Manntje, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See, mine Fru, die Ilsebil (heißt eigentlich Franziska) will nich so, as ik wol will".
Und dann noch: Sie will eine Zweitwohnung in Berlin und einen potenten, charmanten und möglichst auch noch wohlhabenden Mann!
Dass Franziska nicht so wollte wie er, entsprach hundertprozentig der Wahrheit. Aber dass er dann auch noch ihre Wünsche erfüllen würde, das gehörte in den Bereich der Legende.
Als Franziska mit ihrem Roten Korsar im Heimathafen einschwebte, eilte ihr Matthias freudig entgegen. Er stellte keine Fragen, dafür lud er sie zum freundlichen Chinesen gleich um die Ecke ein.
Wie gut es ihr doch ging! Sie hatte, was die Männer anbelangte, von allem etwas. Denn sie brauchte nicht nur Sex. Sie brauchte auch Liebe und Geborgenheit.
Ganz zufrieden war Franziska trotzdem nicht. Wie die Frau vom Fischer. Sie wollte das anders. Sie wollte mehr. Sie wollte frei sein. Und sie wollte noch die große Liebe erleben. So richtig verrückt, leidenschaftlich, wollüstig, mit Herzklopfen und allem Drum und Dran.
Als sie vom Restaurantbesuch nach Hause kamen, hörten sie es schon an der Gartentür. Im Nachbarhaus herrschte wieder einmal Stimmung. Man stritt sich. Das Ehepaar dort drüben liebte wohl frische Luft und offene Fenster. Oder auch Zuhörer?
So konnten Franziska und Matthias, ob sie es nun wollten oder nicht, alles mit anhören. Zuerst den Streit um banale Dinge, Ordnung oder Unordnung, Kindererziehung, Finanzen. Das Übliche. Dies artete schließlich in gegenseitige Beschimpfungen aus. Aber dann wurde es plötzlich still.
Sie machten sich keine Sorgen mehr, dass bei den Nachbarn ein Verbrechen stattgefunden haben könnte. Nein, sie wussten es inzwischen besser. Die brachten sich nicht um. Unmissverständliches Stöhnen signalisierte den beiden später: Es fand eine Versöhnung mit Sex statt.
Matthias empörte sich: "Sind das nicht Untermenschen? Fallen wie die Karnickel übereinander her. Erst Geschrei und dann Sex. Na ja, Pack schlägt sich, Pack verträgt sich."
"Och, das kann doch ganz nett sein, so eine wilde Versöhnung!", antwortete Franziska lächelnd.
Ihr korrekter Ehemann schaute seine Frau verständnislos an.
"Was? Ist das dein Ernst? Dafür sind wir doch nun wirklich zu alt."
Zu alt? Wieso zu alt?, sinnierte Franziska. Wenn es nach ihr ginge ., oder auch nicht . Ach, lassen wir das! Denn ehrlich gesagt, konnte sie sich mit ihrem Mann keinen heißen Sex mehr vorstellen. Aber: Hatten sie den überhaupt schon mal gehabt? So richtig heißen Sex?
Es war eben nicht die große Liebe gewesen, konstatierte Franziska kurzum. Ganz einfach. Und in letzter Zeit existierte nur noch eine liebevolle Freundschaft. Sie waren nur noch eine WG. Jeder schlief in seinem Zimmer. Es gab kein gemeinsames Schlafzimmer mehr.
Dass es im Laufe einer Ehe Höhen und Tiefen gibt, ist sicher auch ganz normal. Eine Ehe ist eine Aufgabe, eine ewige Herausforderung. Hatten sie in dieser Richtung genug getan? Franziska glaubte schon. Meist waren allerdings die Aktivitäten von ihr ausgegangen. Zusammen essen gehen, ein Kabarett besuchen, Urlaub machen. Gemeinsam das Haus renovieren. Ja, alles richtig, alles schön und gut. Man könnte doch zufrieden sein. Matthias war auch zufrieden mit allem. Und was die erotische Zweisamkeit anging, hatte er wenig sexuelle Wünsche. Mit Rollenspielen, die Franziska anregte, konnte er nichts anfangen und ein Video zum Antörnen lehnte er rundheraus ab. Er liebte dafür die häusliche Gemütlichkeit., weshalb ihm Verreisen unangenehm war.
Aber sie, Franziska, sie hatte noch Wünsche. Sexuelle vor allem. Noch immer, Franziska? Du hattest aber doch schon einmal, war das nicht genug? Damals mit fünfundvierzig Jahren? Nein, es war nicht genug. Sie lächelte, schloss die Augen und sah ihn wieder vor sich stehen, ihren ersten Seitensprungmann. Diesen Namen gibt sie ihm im Stillen auch heute noch.

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