Titel

Ein starker Jahrgang

Leseprobe

Urheber
Max Bauer

Verlag
BoD Norderstedt
Bindung
Paperback
Seitenzahl
156
Sprache
Deutsch
Format
Din A5
ISBN
978-3-8370-6024-9
Preis
€ 9,90 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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ANEKDOTEN AUS DER NACHKRIEGSZEIT 

Max Bauer, während des zweiten Weltkriegs 1940 in München geboren, erlebt die Kriegsjahre in ständiger Angst vor Bombenangriffen und wird 1944 mit Mutter, Oma und Schwester ausgebombt.  

Der Vater an der Front, aber der Onkel kümmert sich um sie. Sie werden evakuiert und ziehen zu ihm in einen Vorort Münchens. Dort sind sie die "Staderer" und gelten zusammen mit den später hinzukommenden Flüchtlingen und Vertriebenen als Eindringlinge.  

Er schildert das Kriegsende mit der amerikanischen Besatzungszeit, den GI's und den "Frauleins".

Die Nachkriegszeit wird bestimmt von der überlebensnotwendigen Nahrungsbeschaffung bzw. dem Hamstern und Schachern. Der Kampf um das tägliche Brot nimmt einen gewichtigen Teil des täglichen Lebens ein.

Der Autor beschreibt die Aufbaujahre, seine bewegte Kindheit, seine Schul- und Ministrantenzeit, seine schwere Lehrzeit in einem ungeliebten Beruf und die permanente finanzielle Notlage der Familie.

Trotz aller Probleme wurstelt er sich durch und findet immer wieder Gelegenheit zu allerlei Streichen. Seine Liebe zu Autos lässt ihn allerlei verrückte und manchmal auch gefährliche Situationen erleben. 

Ehrgeizig wie er ist, versucht er dem Arbeitermilieu zu entfliehen und bildet sich unter schwierigsten Bedingungen schulisch weiter.

Schließlich lernt er seine spätere Frau kennen, heiratet mit einundzwanzig Jahren und wird früh Vater.

Leseprobe

Der letzte durchdringende Ton der Sirenen, als Zeichen der Entwarnung, war noch nicht verklungen, als alle wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen nach draußen stürmten. Frauen und Kinder, Alte und Junge, auch ein paar alte Männer. Sie alle hatten während des vergangenen Luftangriffs Zuflucht in einem der Luftschutzbunker gesucht und hofften inständig, ihr Zuhause unversehrt wieder zu sehen. Zunächst empfing sie beißender Qualm und Feuer, das reinste Inferno. Links und rechts des Frankfurter Rings schossen Feuersäulen aus gewaltigen Bombentrichtern. Der Himmel leuchtete rot und schwarz. Die ganze Stadt schien zu brennen. Ich spürte weder Hunger noch Durst, nur die pure Angst. Auch wir verschanzten uns, während die Bomben fielen, in diesem Bunker. Jetzt mussten wir mit dem Fahrrad zwischen den brennenden Bombeneinschlägen hindurch nach Ismaning in die Obhut meines Onkels weiterfahren. Ich saß bei meiner Mutter und meine Schwester bei unserer Oma auf dem Rad. Wir waren schon seit Stunden unterwegs. Unsere Fahrt wurde aber immer wieder durch einen plötzlichen Bombenalarm unterbrochen. Zum Glück fanden wir immer rechtzeitig einen dieser Luftschutzbunker, die sich untereinander in nichts unterschieden. Diese waren zwar in erster Linie für die Bevölkerung des Münchener Nordens reserviert, aber das kümmerte meine Mutter nicht weiter. Es war immer das gleiche Prozedere. Aufgeregte Frauen, verängstigte Kinder, gebrechliche Alte, Hektik am Eingang des Bunkers und ein wichtigtuender Ordnungsmann - ich glaube, man nannte diesen Würdenträger "Luftschutzwart" - der uns den Eintritt verweigern wollte weil er uns nicht kannte, da wir nicht zu den unmittelbaren Anwohnern aus Freimann gehörten. Diese Spezies von selbsternannten Kommandanten unterschätzten aber meine Mutter ganz gewaltig. Wenn es nämlich um die Sicherheit und das Überleben ihrer Brut ging, wurde sie zur Furie und nichts und niemand konnte sie davon abhalten, uns in die sicheren Gefilde des vor Bombenangriffen geschützten Gebäudes zu bringen. Jedenfalls haben die Herren "Wichtig" nach kurzen aber heftigen Diskussionen mit meiner aufgebrachten Mutter jedes Mal kapituliert.

Wie oft uns insgesamt der nächste Fliegeralarm in einen dieser häßlichen, aber sicheren Betonklötze zur unfreiwilligen Einkehr zwang, weiß ich nicht mehr. Für die fünfzehn Kilometer von München Neuhausen nach Ismaning benötigten wir jedoch einen ganzen Tag und waren danach mit den Nerven fix und fertig. Ich glaube, meine Mutter war einem Weinkrampf nahe. Das penetrante und durchdringende Heulen der Sirenen habe ich noch heute in meinen Ohren.

Mein Onkel war nicht an der Front, er galt als unabkömmlich, denn er war irgendwie mit der Instandhaltung von Kraftfahrzeugen beschäftigt. Er wohnte zu dieser Zeit bereits in Ismaning, einem ruhigen Bauerndorf in der Nähe von München und fühlte sich während der Abwesenheit meines Vaters für uns verantwortlich. Irgendwann 1944 erschreckte uns mein Onkel mit einer bedrohlichen Nachricht. Er hatte gehört, dass ein Bombenangriff der Alliierten Streitkräfte auf München unmittelbar bevorstünde.

Meine Mutter und meine Oma sollten mit uns Kindern das gefährdete Münchener Terrain sofort verlassen und zu ihm aufs Land kommen. Ein Zimmer, in dem wir die nächste Zeit zu viert wohnen könnten, hätte er bereits organisiert. So kam es, dass wir, nachdem das Nötigste zusammengepackt und auf die beiden Räder verteilt war, die abenteuerliche Reise nach Ismaning antraten.

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