Titel

Ein Euro und Fünfzig Cent

Leseprobe

Urheber
Christiane Knepel

Verlag
BoD Norderstedt
Bindung
Paperback
Seitenzahl
280
Sprache
Deutsch
Format
14,5 x 21 cm
ISBN
978-3-8423-7847-6
Preis
€ 17,90 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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Blanka, eine deutsche Euro-Münze verliebt sich in einem Sparschwein in Preciosa, das wundervollste spanische 50-Cent-Stück, welches jemals geprägt wurde. Aber das junge Glück währt nicht lang. Die beiden Münzen werden getrennt, als Blanka in einer Cocktailbar unfreiwillig den Besitzer wechselt. Es folgt eine wilde Odysee durch unzählige Portemonnaies und Supermarktkassen. Die jeweiligen Besitzer der Geldstücke haben ihre ganz eigenen Alltagssorgen zu bewältigen. Über die 10-Cent-Nachrichtenkuriere, die in jedem Portemonnaie brandheiße News herausposaunen und die 1-Cent-Privatsekretäre, die in jeder Kasse schriftliche Notizen hinterlassen, gibt Blanka eine Suchmeldung nach Preciosa auf. Die spektakulärste Suchaktion,

die es in der Welt der Münzen jemals gegeben hat, beginnt. Zunächst scheint Blanka vom Pech verfolgt zu sein. Durch ungewollte Besitzerwechsel durchquert der verzweifelte Euro halb Europa. Währenddessen wird das wackere 50-Cent-Stück in Hamburg in einen gefährlichen Falschgeld-Skandal verwickelt. Wird es trotz aller Widrigkeiten ein Happy End für die beiden Geldstücke geben? 

Wer diesen Roman gelesen hat, wird die Münzen in seinem Portemonnaie mit völlig neuen Augen betrachten!

Leseprobe

Auch im Sparschwein wurde es lebendig. Ein französischer Euro schlug eine After-Work-Party vor. Der Vorschlag wurde vor allem von dem dänischen 10-Kronen-Stück, aber auch von den 2-Euro-Münzen begeistert aufgenommen. Schließlich waren wir als Trinkgeld das Ergebnis guter Arbeit. Die 50-Cent-Münze, welche heute Vormittag so herablassend von Birthe begrüßt worden war, hatte ihren Kummer überwunden und entpuppte sich als wahre Disco-Queen. Jetzt wusste ich auch ihren Namen: Preciosa. Es war der schönste Name, den ich je gehört hatte. Sie tanzte ausnehmend sexy. Auch die 2-Euro-Münzen, die Preciosa vorher keines Blickes gewürdigt hatten, warfen ihr bewundernde Blicke zu und auf einmal spielte ihr niedriger Wert in der Münzhierarchie keine Rolle mehr. Nach zwei Liedern forderte sie mich zum Salsa auf. Wir tanzten zwei Stunden lang, genau so lange, bis Maria mit der Arbeit fertig war, die Musik ausmachte und fluchtartig den Salon verließ. Die nächsten Tage liefen ganz ähnlich ab, es plumpsten weitere Münzen ins Sparschwein und sobald Maria zum Putzen den Salon betrat, startete unsere After-Work-Party. Während die deutschen Münzen zu den feurigen Klängen eher monoton auf- und abhüpften, wackelten die italienischen und spanischen Euros neckisch mit den Münzrändern. Der französische Euro, der die Party ins Leben gerufen hatte, lehnte meist lässig an der Innenwand des Sparschweins und machte den mediterranen Tänzerinnen schöne Augen. Jeden Abend nahm der kleine Gigolo eine andere Münze ins Visier. Wohlwollend beobachtete ich, dass Preciosa seinen Flirtversuchen gegenüber absolut resistent war. Sie würdigte ihn keines Blickes, bis er beleidigt mit einem deutschen 20-Cent-Stück abrauschte. An den folgenden Abenden ignorierte der französische Charmeur Preciosa komplett, was ich mit Erleichterung zur Kenntnis nahm. Auch wenn Preciosa nun mehr Auswahl an Tanzpartnern hatte, tanzte sie fast nur mit mir. Jedes Mal, wenn sie anmutig ihre Pirouetten drehte, warf sie  mir einen dermaßen koketten Blick zu, dass mir heiß und kalt wurde. Dieses spanische 50-Cent-Stück hatte mich vollkommen in seinen Bann gezogen und am Ende der Woche war mir klar, ich hatte mich – bis über beide Münzränder – in Preciosa verliebt!

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