Titel

Die Saga von Erik Sigurdson Band II - Die Wölfe des Nordens

Leseprobe

Urheber
Rainer W.Grimm

Verlag
BoD Norderstedt
Bindung
Paperback
Seitenzahl
316
Sprache
Deutsch
Format
14,8 x 21 cm
ISBN
978-3-8334-6467-6
Preis
€ 18,50 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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„Das Blut der Wikinger“ war der erste Roman der Erik Sigurdsson Saga.
Mit „Die Wölfe des Nordens“ folgt nun die Fortsetzung der Geschichte um den jungen, norwegischen Wikingerfürsten. 

Nachdem im Jahr 1000 n. Chr. der christliche Norwegerkönig Olaf in einer großen Schlacht von seinen heidnischen Feinden geschlagen wird, teilen die Sieger das norwegische Königreich unter sich auf. 
Der größte Teil des Volkes, fällt vom Glauben an den Herrn Christus ab und opfert fortan wieder Odin, Freya und Thor. 

Die christlichen Jarle, die an dem neuen Glauben festhalten, fliehen aus ihrer Heimat. So auch Jarl Erik Sigurdsson. 
Er verlässt mit seiner Familie Norwegen und lebt als einfacher Bauer auf Island. Doch das Leben auf der Eisinsel wird für ihn zur Qual. 

Es zieht ihn zurück in die alte Heimat. Er wird wieder Herr im Sigurdfjord. Doch einige schwere Schicksalsschläge treiben den jungen Jarl aufs Meer hinaus. 
Von Leid geplagt und vom Hass getrieben, wird Erik zum gefürchteten Wikinger und Seeschäumer.

Leseprobe

8. Auf Raubfahrt  

 

Nach der Wutrede Thorkill Ormssons, waren einige Tage vergangen in denen Erik kaum ein Wort gesprochen hatte. Doch dann eines Morgens stand er vor der Hütte des rothaarigen Schmiedes. Streng sah er den großen Mann an, als Thorkill ihm gegenüber stand.

„Ich habe über deine Worte nachgedacht und ich habe mich umgesehen. Die Männer haben mich gemieden, so wie ich die Männer gemieden habe. Deine Worte sind wahr“, er zögerte einen Moment, bevor er weiter sprach. „ Die Trauer um meine Familie hat mich verbittert und blind gemacht!“ Thorkill sah den jungen Jarl an und ein lächeln huschte über sein Gesicht. „Niemand kann seinem Schicksal entgehen! So wollen es die Götter und sicher auch der Herr Christus“, er klopfte Erik auf die Schulter, wandte sich ab und verschwand in der Schmiede. Erik schüttelte fast belustigt den Kopf über die Bemerkung des Schmiedes, bewies sie ihm doch, dass auch der alte, treue Freund in der Glaubensfrage wankte. Dann begab sich Erik zur Hütte der alten Volva Maja, denn sie sollte in den Runen lesen und ihm die Zukunft weissagen, so wie sie es schon einmal getan hatte. Doch die Hütte der Seherin war leer. Von Thore erfuhr Erik später, das die Alte, kurz nach der Begegnung mit dem jungen Jarl das Dorf Sigurdswik  verlassen hatte. 
So plötzlich wie sie erschienen war, verschwand sie wieder.

Noch am selben Tag schickte Erik Boten aus, denn er brauchte Mannschaften für beide Schniggen. Die Schiffe waren bereits zu Wasser gelassen und nun dümpelten der Wogenbeißer und der Seeschäumer, so hatte Erik das neue Schiff genannt, fest vertäut zu beiden Seiten des Anlegestegs, der in die Bucht ragte.

In den folgenden Tagen kamen Männer aus dem ganzen Gau, die dem Ruf ihres Jarls gefolgt waren nach Sigurdswik, um mit Erik auf Wikingfahrt zu gehen. Einige von ihnen waren mit dem Jarl von Island gekommen und wollten nun den versprochenen Reichtum und die Ehre erkämpfen. Die Männer brachten ihre Seekisten an Bord der Schiffe, in denen sie die wenigen Sachen, die sie mit auf See nahmen verstaut hatten. Die erfahrenen Seekrieger unter ihnen, brachten auch ihre Waffen an Bord. Die Rundschilde hängten sie, wie es üblich war, an die Bordwände. Männer die keine oder nur schlechte Waffen besaßen, wurden von Jarl Erik mit einem guten Schwert und einem Schild beschenkt.

Auf dem Strand nahe dem Anlegesteg, hatten sie ihr Lager errichtet. Mehrere Zelte standen nun dort und Lagerfeuer brannten. Ganze Familien waren nach Sigurdswik gekommen, um die Männer zu verabschieden. Die meisten waren Söhne für die der Hof des Vaters, auf Grund der Erbfolge zu klein wurde. Manche begleitet von Knechten, die ihr Glück auf See suchen wollten. Nach dem zwei Tage lang keine Krieger mehr in Sigurdswik eintrafen, bestimmte Erik den folgenden Tag für die Abreise.

Orm hatte die Männer auf beide Schiffe verteilt und jede Schnigge hatte nun eine Besatzung von achtundzwanzig Kriegern. Erik hoffte im Süden des Landes noch weitere Kämpfer anwerben zu können. So in dem Gau Hardanger, wo die Bevölkerung zum größten Teil christlichen Glaubens war und nicht wenig unter der Besatzung der Dänen litt.

 

„Nun Erik! Wohin wird der Raubzug gehen?“ fragte Thorkill den Jarl am Abend, als sie im Schein der Fackeln am Strand saßen. Die Männer feierten ihren Abschied. Über einigen Feuerstellen drehten Spieße und der Duft gebratenen Fleisches zog durch das Lager. Die Krieger tranken Bier und Met und vergnügten sich mit den Mägden und jungen Mädchen des Gaus, von denen viele an den Strand gekommen waren.

Erik nahm einen tiefen Schluck aus einem Krug den ihm ein Krieger, den Erik nicht näher kannte, gereicht hatte. Er wischte sich mit dem Ärmel seines Kirtels den Schaum aus dem Schnauzbart. „Anfangs dachte ich an den Hakonsson! Es gibt da einige Jarle im Trondheimfjord, denen ich nur zu gerne einen Besuch abstatten würde“, gab Erik auf Thorkills Frage antwort. „Doch ich denke es ist besser, die Asenanbeter nicht auf unsere Anwesenheit aufmerksam zu machen!“ Der Schmied nickte zustimmend und Erik kratzte sich nachdenklich am Kinn. „Irgendwie zieht es mich an die Küste des Dänenlandes!“ Er begann zu grinsen.

„Der Dänenkönig Sveyn Gabelbart lässt das norwegische Volk in Vingulmark, Ranrike und den anderen Gauen des Südens kräftig bluten. Er presst Steuern aus den Einwohnern, um seinen Heerzug in Britannien zu bezahlen!“

Thorkill grinste, denn er ahnte die Gedanken seines Jarls. „Und du willst jetzt die Steuern bei den Dänen erheben“, lachte der Schmied und schlug sich vor Vergnügen auf die Schenkel.

„Ja, so kann man es wohl nennen“, nickte Erik und grinste. „Im Herbst wird der Hakonsson von uns den Zehnten verlangen. Wir können nicht noch einmal seinen Steuereintreiber erschlagen. Da ist es gut, wenn unsere Truhen gefüllt sind!“

„Das wird dem Dänenkönig aber nicht gefallen!“ Orm hatte die Unterhaltung zwischen seinem Vater und seinem Waffenbruder Erik mitgehört. „Umso besser“, mischte sich jetzt auch Ullrik der Sachse in das Gespräch ein. „Es wäre sicher nicht so spaßig, wenn die Dänen mit unseren Überfällen einverstanden sind!“

Die kurze Zeit, die der ehemalige Sklave zuerst bei Leif und nun bei den Nordmännern Erik Sigurdssons war, hatte ausgereicht einen echten Krieger und Wikinger aus ihm zu machen. Er führte die Klinge und auch die Axt, so gut wie jeder andere der Krieger. Und obwohl er noch recht jung war, stand er den Männern auch im leeren der Bierbecher und Methörner nicht nach. Der Bierkrug machte noch unzählige Male die Runde und es wurde an dem Abend noch viel gelacht.

Am darauf folgenden Tag beluden die Männer ihre Schiffe mit Proviant. Sie brachten große Fässer mit Frischwasser an Bord und legten, mit Pech getränkte Holzscheite in die Feuerkörbe. Erik stand am Strand, vor ihm hockte der Graue. Der Jarl strich ihm mit der Hand über den Kopf. „Achte mir gut auf den kleinen Sigurd, mein grauer Freund!“ Der Wolfsmischling winselte leise, als würde er verstehen, dass die Stunde des Abschieds gekommen war. Er leckte seinem Herrn die Hand, dann lief er los und verschwand zwischen den Bäumen des kleinen Wäldchens. Als endlich alle Arbeiten getan waren, die Sonne senkte sich bereits dem Horizont zu, bestiegen die Wikinger Jarl Eriks ihre Schiffe.

 

*

 

Es war ein warmer Frühsommerabend als die zwei Schniggen mit der Flut, kurz vor Sonnenuntergang, vorbei an den kahlen Felsen die den Sigurdfjord säumten in die offene See fuhren. Die Männer waren guter Dinge und legten sich kräftig in die Riemen. Die beiden großen, eckigen Segel wurden gesetzt, sofort griff der Wind in das Tuch und die Schniggen nahmen Fahrt auf.

Orm fuhr als Steuermann auf dem Wogenbeißer den Erik befehligte und Thorkill Ormsson hatte den Befehl über den Seeschäumer.

Als die beiden Segler den großen Trondheimfjord passiert hatten, begegneten ihnen immer öfter die Schniggen und Knarren der Tröndner.

„Zu schade“, jammerte Ullrik, als wieder einmal ein tief im Wasser liegendes Knarr ihren Weg kreuzte. „Die wären eine fette Beute!“ Doch die Befehle Jarl Eriks waren eindeutig, denn der Wikingerjarl hatte andere Pläne. Die zwei Schniggen passierten die südlichste Spitze Norwegens und fuhren weiter mit Kurs nach Süden, in die offene See zwischen Norwegen und Dänemark. Erik gab Befehl die Küste Jütlands anzusteuern und schon bald erschallte der Ruf des Mannes, den Erik als Ausguck auf die Rahe befohlen hatte.

„Land voraus!“

Sie fuhren ein Stück die Westküste entlang und steuerten ihre Schniggen dann in den Limfjord hinein. An einer geeigneten Stelle zogen sie ihre Schiffe auf den Strand und errichteten ein Lager. Vier Krieger schickte Jarl Erik als Kundschafter aus. Und sie hatten schnell entdeckt, wonach der Wikingerjarl suchte. Unweit ihres Lagerplatzes hatten sie ein dänisches Dorf entdeckt und hier wollte Erik die Kampfkraft seines Gefolges erproben. Früh legten sich die Männer zur Ruhe, denn ihr Angriff sollte im Morgengrauen stattfinden.

 

*

 

Dichter Nebel lag über dem Fjord, als sich die zwei Schiffsbesatzungen auf den Weg machten, um ihr blutiges Handwerk zu verrichten. Sie schoben die Schniggen in die kalten Fluten und ruderten langsam an der Küste entlang, bis sie das Dorf erkannten, das nah an das Ufer gebaut war.

Eine kleine Bucht, die dem Dorf als Hafen diente und in der einige Fischerboote lagen, war ihr Ziel. Jetzt erst erkannte Erik, dass dies ein großes Dorf, ja fast schon eine Stadt war und mit nur zwei Schiffsbesatzungen eine kleine Stadt anzugreifen, war ein großes Wagnis. Er ärgerte sich über die Dummheit seiner Späher, witterte nun aber auch reiche Beute.

Kies und Sand spritzten, als die Kiele der Schnellsegler auf den Strand rutschten. In voller Bewaffnung, sprangen die Krieger über die Reling, nahmen die Schilde von den Bordwänden, setzten ihre Helme auf, sofern sie einen solchen besaßen und marschierten den Strand hinauf. Zu aller Verwunderung waren sie noch nicht entdeckt worden. Doch kurz bevor sie die niedrige Mauer mit dem weit geöffneten hölzernen Tor, die den Hafen umgab erreichten, sprang wie aus dem Nichts ein Mann hervor und der Stoß mit seiner Lanze, streckte einen der Angreifer nieder. Hinter einer Fischtonne, die nahe der Mauer stand, hatte der Mann geschlafen der als Wachposten eingeteilt war. Nun beendete die Axt des jungen Thore sein Leben, denn die schwere Klinge der Hiebwaffe, ließ den Schädel des Wächters wie eine reife Frucht zerplatzen. Ein gellender Schrei entfuhr seiner Kehle, bevor er starb.

Dies war wie ein Angriffszeichen für die Wikinger Jarl Eriks. Mit erhobenen Schwertern und Äxten erstürmten sie das Dorf! Türen wurden eingetreten und die Angreifer drangen in die Hütten und Häuser ein. Ohne Gnade machten sie die Bewohner nieder. Schnell brachen nun Angst und Panik unter der Dorfbevölkerung aus, ihre Hütten brannten und die Menschen schrieen voller Entsetzen und in größter Todesangst. Blutgier überkam die Krieger aus dem Norden und sie kannten kein Erbarmen.

 

Doch je weiter sich die Wikinger in das innere des Dorfes vorkämpften, umso größer wurde der Widerstand. Gut bewaffnete Krieger stellten sich nun den Angreifern in den Weg.

Ein Wikinger Jarl Eriks war in ein Haus eingedrungen, hatte mit einem Kriegsruf auf den Lippen den Hausherrn niedergemacht und fiel nun über dessen junges Weib her. Er hatte ihr das Kleid vom Leib gerissen und eilig seine Beinkleider heruntergelassen, doch in dem Augenblick in dem er versuchte in das Weib einzudringen, durchbohrte ihn von hinten die Spitze einer Lanze. Mit weit aufgerissenen Augen entfuhr ihm sein letzter Atemzug. Ein Krieger des Dorfes zog seine Waffe aus dem Rücken des leblosen Feindes und stürmte ohne das Weib eines weiteren Blickes zu würdigen aus dem Haus. Doch nicht allen Frauen, die den Männern des Seekriegers Erik in die Hände fielen, war soviel Glück beschieden.

Einige Krieger aus dem Norden begannen nun die Beute, die sie gemacht hatten, zu den Schiffen zu schleppen. Doch die meisten kämpften immer noch an der Seite ihres Anführers.

Der Kehlenbeißer machte seinem Namen alle Ehre. Ein Verteidiger nach dem anderen, musste unter den Hieben des Jarls sein Leben lassen. „Orm! Sieh dort“, rief Erik seinem Waffenbruder zu und zeigte auf ein großes Langhaus.

„Das muss das Haus des Hersen sein!“ Sofort begriff der rothaarige Steuermann, dass dort sicherlich die größte Beute zu machen war. Nun waren die Wikinger nicht mehr zu halten.

Äxte zerschlugen Knochen! Klingen schnitten tiefe Wunden in das Fleisch der Verteidiger! Gellende Schreie dröhnten aus vielen Kehlen! Ob es nun der Gehörnte oder die Totengöttin Hel war, sie fuhren an diesem Morgen reiche Ernte ein.

Während die Krieger des Jarls die Verteidiger zurück drängten, gelang es Erik und einem kleinen Haufen seiner Kämpfer, in das Haus des Hersen zu stürmen. Die Tür wurde eingeschlagen und die Angreifer drangen in das innere des Gebäudes vor. Nur eine Hand voll Krieger stellten sich den Eindringlingen in den Weg. Doch wie im Blutrausch vielen die Wikinger über die Verteidiger her und einer nach dem anderen ließ sein Leben. Der letzte Mann der noch auf seinen Beinen stand, war ein groß gewachsener Kerl der sicherlich schon weit über vierzig Sommer erlebt hatte. Er war der Herse des Dorfes! Der Häuptling!

Mit dem Schwert in seiner Hand hatte er sich vor einer Kammertür aufgebaut. Sofort erkannte Erik, dass sich hinter dieser Tür etwas Besonderes befinden musste und mit grenzenloser Gier in den Augen, stürmte er auf den groß gewachsenen Mann zu. Noch ehe dieser sein Schwert erheben konnte, fuhr ihm die scharfe Klinge des Kehlenbeißers tief in die Brust und er sank röchelnd zu Boden. Ohne dem Sterbenden weitere Beachtung zu schenken schlug Erik gegen die Tür, so dass diese sich krachend öffnete. Langsam trat er in die Kammer ein. Doch enttäuscht musste er feststellen, dass sich in dem Raum keine Schätze befanden, wie er es erhofft hatte. Stattdessen kauerte da ein junges Weib auf seinem Schlaflager, das sicher nicht älter als sechzehn Sommer war. Wut überkam den Wikingerjarl! Gereizt und zornig von der Enttäuschung über die entgangenen Schätze, angespornt von dem Geruch des Blutes das an ihm klebte, trat er heftig gegen die Tür, so dass diese laut krachend in das Schloss fiel.

Langsam ging er auf das Schlaflager zu. Das junge Weib sah den Wikinger starr vor Angst an, doch sie schrie nicht. Erik nahm den Helm vom Kopf und ließ diesen, so wie sein Schwert zu Boden fallen. Dann öffnete er seine Beinkleider und trat an das Schlaflager. Mit beiden Händen griff er zu und riss der jungen Frau das dünne Gewand vom Körper! Die Augen des Wikingers starrten gierig auf die wohlgeformten Brüste und den blond gelockten Schoß des jungen Weibes. Wie besessen fiel der Wikingerjarl über das Mädchen her!

Geschändet hatte Erik das junge Weib zurück gelassen, doch getötet hatte er sie nicht. Dann war er wieder in die Halle des Hauses getreten. Triumphierend hielt Orm eine Holzkiste in die Höhe und lachte. „Der Kerl hatte sie unter seinem Schlaflager versteckt! Wie ein altes Weib!“

„Das dürfte den Dänenkönig gewiss ärgern!“

Erik begriff und lachte ebenfalls. Dann verließen sie das Haus und erkämpften sich den Weg zurück zum Hafen.

Als sie ihre Schiffe erreichten, hatten die Verteidiger des Dorfes die Verfolgung aufgegeben. Viele waren froh mit dem Leben davon gekommen zu sein.

Die Wikinger schoben ihre Schnellsegler ins Wasser und verließen Jütland Richtung Norden.

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