Titel

Der Kurschatten
Ein Abenteuer auf Zeit


Leseprobe

Urheber
Astrid Hess

Verlag
Spielberg-Verlag
Bindung
Paperback
Seitenzahl
244
Sprache
Deutsch
Format
Din A5
ISBN
978-3-9406-0919-9
Preis
€ 12,90 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

Internet
www.astrid-hess.de

Kaufen
Buchhandel
Internetshops

www.spielberg-verlag.de
www.amazon.de

Männer sind anders. Frauen sowieso. 

Männer denken rational, mathematisch und in Kanten. Deshalb kann es schon mal vorkommen, dass sie die Heiratsurkunde mit einem Arbeitsvertrag verwechseln und sich selbst in der Funktion des Arbeitgebers sehen.

Frauen, romantisch, übermütig und lebensfroh, kommen mit dem Schwarz-Weiß-Denken ihres Gebieters nicht klar. Und mit der alleinigen Verantwortung für Ehemann, Kinder und Schwiegermutter schon gar nicht. Ärger ist vorprogrammiert. 

And the winner is: THE MAN - auf den ersten Blick zumindest. 

Auf den Zweiten macht die Angetraute schlapp und gönnt sich eine Auszeit.

Paula verkriecht sich in einer Mutter-Kind-Kurklinik, um wieder "Frau" zu werden und ist für drei Wochen nicht mehr für das Wohlergehen ihres Mannes Franz zuständig.

Aber die Welt ist voller Überraschungen und vor allem voller Verrückter. Die ohnehin schon Burn-Out-Geplagte muss sich mit hyperaktiven Sportfreaks, einer schielenden Ärztin, strohdoofen Arzthelferinnen und dem schwulen Klinikleiter abquälen. Außerdem stiften hormongesteuerte Mitpatientinnen und deren Kurschatten einige Verwirrungen. Nicht zu vergessen der zweibeinige Polyestermops in rosa, der Paula den letzten Nerv raubt. 

Da kommt "Frau" schnell zu der Erkenntnis, dass "Mann" doch nicht die schlechteste Wahl war.

ODER??

Leseprobe

Heinz und Jockel warteten schon eine Viertelstunde vor dem ›Kraftwerk‹, einem alten Schuppen im Hafengebiet, der jetzt als alternativer Club fungierte. Hier regierte der Punk oder wie es der Leadsänger der heutigen Band bezeichnete, der ›Rock von der Straße‹. Hanna und Ute kamen etwas verschüchtert um die Ecke und waren froh, dass sie die beiden Jungs vor dem Eingang sahen. Die meisten der anderen Ankömmlinge waren in Leder gekleidet. Typen mit Ketten geschmückt, Kippe im Mund und Bierflasche in der Hand und die Punkladies in löchrigen Nylons und bunten Neonsträhnen in den sonst schwarz gefärbten Haaren wirkten etwas beängstigend. Das war nicht das Partypublikum, das sie gewohnt waren. Besonders als Ute Hanna auf einige mit Nadeln und Rasierklingen durchbohrte Gesichter aufmerksam machte, waren beide nicht mehr sicher, ob Jockels Geschmack wirklich den ihren traf. »Ihr seid aber spät«, pflaumte Heinz die beiden an, »ist schon ganz schön was los!« – »Na ja«, meinte Hanna verschüchtert, »die sehen hier aber alle ziemlich verwegen aus.«– »Das ist nur die Aufmachung, eigentlich sind die meisten ganz in Ordnung«, stellte Jockel richtig. »Ein paar Idioten sind natürlich auch darunter, aber das ist ja überall so.« Ute und Hanna schienen noch skeptisch, aber die Freude über die neue Wohnung ließ sie das vergessen und sie platzten mit der Neuigkeit raus. »Na, das ist ja klasse. Aber wie hast du das denn angestellt?«, wollte Heinz wissen. »Ich habe monatelang gesucht und habe dann meine jetzige Bruchbude nur bekommen, weil ich einen früheren Schulkameraden getroffen habe, der auch eine Bude bei dem Vermieter hat und wusste, dass der was frei hatte.« – »Ja, wer könnte meinem Charme schon widerstehen«, lachte Hanna und breitete beim Posieren ihre Arme aus. Dabei streifte sie eine Punkerin am Arm und als sie deshalb zu ihr hinsah, bemerkte sie eine Ratte auf deren Schulter. Unwillkürlich stieß sie einen Schrei aus. »Nu komm mal wieder runter, Tussi«, meinte die tierliebe Braut. »Das arme Tier erschrickt  sich ja sonst.« Hanna wich mit panikerfüllten Augen zurück. »Die tut dir nichts. Ich hab sie aus dem Labor geklaut, weil sie als Versuchstier vorgesehen war. Streichle sie doch mal! Hat ein ganz weiches Fell.« Hanna starrte nur auf den nackten Schwanz des Tieres und schüttelte den Kopf. »Das find ich aber echt gut, dass du die aus dem Labor befreit hast. Ich bin auch dagegen, dass die Tiere für irgendwelche Schönheitscremes oder so ein Zeug quälen«, mischte sich Ute ein, die ihre erste Scheu wohl überwunden hatte. »Na, du bist ja ’ne ganze Süße, ich heiße übrigens Jana«, stellte sich die Rattenbesitzerin vor. »Hier, kraul sie mal hinterm Ohr, das hat sie besonders gerne.« Ute hob langsam und noch etwas unsicher den Arm und streichelte die von Jana hingestreckte Ratte. Die kniff genießerisch die Augen ein wenig zusammen und bewegte leicht den Mund, als ob sie schnurrte. »Die ist ja ganz weich«, freute sich Ute, »gehst du auch zum Konzert? « – »Nee«, meinte Jana, »das ist zu laut für meine Kleine. Ich wollte hinten ins ›Cafè Verkehrt‹, da treffe ich mich mit ein paar Mädels. Die haben ruhige Musik, das geht mit meiner Süßen. Weißt du, Ratten können sogar Ultraschall hören, sind aber deshalb auch sehr geräuschempfindlich. Jedenfalls mag sie dich. Sie heißt Mary. Wenn du auf das Konzert gehst, kannst du ja später noch mal vorbeischauen. Ist immer sehr gemütlich da.« – »Das mache ich wahrscheinlich«, erwiderte Ute ganz spontan. »Super«, freute sich Jana. »Wir beiden Hübschen warten dann auf dich«, verabschiedete sie sich und streichelte Ute vertraut über den Arm. Als sie etwas entfernt war, stellte Jockel grinsend fest: »Da hast du wohl eine Eroberung gemacht, gratuliere.« Ute lächelte verschämt. »Ist die nicht ein bisschen zu krass?«, konnte Hanna sich nicht zurückhalten. »Also, ich fand sie echt nett und auch verantwortungsvoll. Was die alles über ihr Tier wusste, war doch toll. Und auch gegen ihren Einsatz ist doch nichts zu sagen«, sprang Heinz Ute bei. »Kommt«, drängte Jockel, »lasst uns reingehen. Es muss gleich anfangen.« – »Ja klar«, pflichtete Heinz ihm bei, »und dann können wir auch auf die Wohnung anstoßen.« Dabei nahm er Hanna in den Arm und ging mit ihr zum Einlass, während Ute und Jockel folgten. Im Innern der Halle sah man noch deutlich, dass hier früher montiert worden war. Alte Flaschenzüge hingen von der Decke und nur die provisorisch aufgebaute Bühne und Theke ließen erkennen, dass es sich um einen Veranstaltungsraum handelte. In lockeren Gruppen standen Punks und langhaarige Freaks herum, rauchten und tranken Bier. Heinz wollte wissen, was alle trinken wollten. Als Hanna und Ute wieder Cola verlangten, meinte er: »Also kommt, zur Feier der Wohnung und hier auf der Fete müsst ihr aber auch mal was anderes trinken! Seid nicht immer so langweilig. Wie wäre es auch mal mit einem Bier?« Ute nickte, aber Hanna meinte: »Also das auf keinen Fall. Das ist mir einfach zu bitter.« – »Wie wäre es dann mit einem Apfelkorn? Ist einfach Apfelsaft mit einem Korn drin. Den Alkohol schmeckt man kaum, aber man kommt in Stimmung«, schlug Jockel vor. »Na, dann würde ich sagen, dass wir zum Anstoßen alle einen Apfelkorn nehmen. Kommst du mit zum Tragen?«, wollte Heinz von Jockel wissen. Während die Herren also für Getränke sorgten, warteten Hanna und Ute. Nach kurzer Zeit kamen sie mit den vier Apfelkorn und drei Bier zurück. »Ich dachte, wir würden Apfelkorn oder Bier trinken«, wunderte sich Ute, als Heinz ihr beides hinhielt. »Na, dann nimm nur den Kurzen«, meinte er lakonisch. »Das Bier wird bestimmt nicht schlecht.« Dabei stellte er den Becher vor seine Füße. »Auf den Beginn einer langen Freundschaft«, hob Heinz in Anlehnung an den Casablanca Film pathetisch das Glas, »und auf unsere Ingrid Bergmann, die das mit ihrem Charme ermöglicht hat!« Hanna lächelte ihm liebevoll zu, als sie ihm zuprostete. In diesem Moment hörten sie einen unglaublichen Krach und sahen, wie die Bandmitglieder auf die Bühne stürmten. Sie waren auch mehrheitlich in Leder gekleidet. Besonders auffallend war allerdings der Sänger, der im hautengen Leopardenhemd und Trainingshose auflief. Da der Herr über eine ordentliche Plauze verfügte, musste sich der unvoreingenommene Betrachter unwillkürlich fragen: »Wie kam die Wurst in diese Pelle?« Allerdings war das Temperament nicht zu bändigen. Lauthals, mit einem irren Rhythmus, wurde im rheinischen Dialekt das Schwarzfahren besungen und der Funke sprang sofort auf die Masse über. Mit Pfeifen und Grölen rückte die Menge näher an die Bühne und alle begannen wild mit sämtlichen Gliedmaßen zu fuchteln, wobei man auch noch im Takt des Songs in die Höhe sprang. Auch die vier wurden von dem Sog der Masse erfasst. Während Heinz und Jockel sofort mitmachten, waren die Mädels erst noch etwas zurückhaltend. Vor allem Hanna bekam ein wenig Panik und klammerte sich an Heinz. Der stellte sich aber hinter sie, packte sie an den Hüften und so sprangen beide schnell im Takt der Musik, wie es die anderen auch taten. Ute hatte schon schneller die Scheu verloren und ließ sich von der unbändigen Lebensfreude mitreißen. Nach dem ersten Stück wollte der frenetische Applaus kein Ende nehmen. Nachdem sich der Sänger in Siegerpose hatte feiern lassen, forderte die Menge begleitet von rhythmischem Klatschen: »Ausziehen, ausziehen, …« Der Gefeierte wehrte verschämt ab und meinte: »Ach, wat seid ihr widder lüstern hück. Ever ne joude Jeschmack habt ihr ja.« Hanna blickte Heinz fragend an: »Was hat er gemeint?« Und Heinz übersetzte brav: »Ach, was seid ihr heute wieder lüstern. Aber einen guten Geschmack habt ihr ja.« Auch Hanna musste jetzt herzhaft lachen. In diesem Moment riss sich der schöne Mann das Shirt vom Körper und sein beträchtliches Biergeschwür wurde komplett sichtbar. Dann begann er unter dem ohrenbetäubenden Lärm der...

zurück