Titel

Der Fianna Zyklus
Der Stein von Temair


Leseprobe

Urheber
Sophia West

Verlag
Acabus
Bindung
Paperback
Seitenzahl
164
Sprache
Deutsch
Format
20,5 x 14 cm
ISBN
978-3-9114-0448-9
Preis
€ 15,90 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

Internet
www.celticfantasy.wordpress.com

Kaufen
Buchhandel
Internetshops

www.acabus.de
www.amazon.de

„Der Stein von Temair“ führte seine Leser in die magischer Welt des vor-christlichen Irlands: Ins Reich der Druiden, der verwunschenen Quellen und der heroischen Könige. Ein spannender Fantasy Roman mit realistischen Charakteren, die auf Probleme treffen, die in der heutigen Zeit noch aktuell sind.  

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Lia Fáil, der Stein des Schicksals, der Ériu (der alte Name Irlands) der Legende nach uneinnehmbar macht und in Érius prächtiger Hauptstadt Temair steht. Der Lia Fáil garantiert den Menschen in Ériu Sicherheit und Stabilität. Doch was geschieht, wenn eine dunkle Macht den Stein an sich reißt?  

Die Geschichte hat in Connacht, der Provinz des Westens, die zuerst von der dunklen Macht angegriffen wird, ihren Ausgangspunkt. Bei dem Feind handelt es sich um die sogenannten schwarzen Reiter, die das Land verwüsten und mit ihrem grässlichem Äußeren und ihrer Brutalität die Menschen in Angst und schrecken versetzen.  

Finn, der Thronfolger von Connacht, beschließt sich den unheimlichen Angreifern in den Weg zu stellen. Zusammen mit wenigen Verbündeten sucht er nach Antworten. Woher kommen die schwarzen Reiter? Wer hat sie geschickt? Und vor allem: Wie kann man sie bekämpfen? Begleitet wird Finn auf seiner Reise, die ihn durch ganz Ériu führt von Ríoghanch, der Tochter des Herrscher über das Tír fa Tonn, Diarmuid und Cáilte, zwei Ratsmännern aus Cruachan Aí, Oisín, Cáiltes Ziehbruder und Laoise, die Tochter des Druiden von Garrán Dubh.  

Die Helden der Geschichte stehen nicht nur den schwarzen Reitern - einem scheinbar unbezwingbaren Gegner gegenüber – sie müssen auch die Vorurteile, die sie gegeneinander hegen überkommen, um schließlich als Team zusammen zu finden. Der Kampf gegen Intoleranz ist ebenso Thema des Buches wie das Streben nach Freiheit.

Leseprobe

Aus Kapitel 2 - Der Garrán Dubh:

Als Finn, Ríoghnach, Oisín, Diarmuid und Cáilte am Mittag des dritten Tages ihres Marsches am Rande des Garrán Dubh ankamen, stellten sie - für intelligente Menschen vielleicht nicht überraschend - fest, dass der Garrán Dubh nicht wirklich anders aussah als andere Wälder auch. Aber das konnte natürlich auch Tarnung sein und der nächste menschfressende Baum wartete schon auf ein unvorsichtiges Mittagessen. Während die Fünf vor dem Garrán Dubh standen, gaben sie ein seltsames Bild ab: Finn in der traditionellen Kleidung eines Mitglieds der Fianna, dunkler Inar und Truis, Ríoghnach in ihrem extravaganten blauen Léine, Diarmuid und Cáilte trugen immer noch ihre kunstvoll gearbeiteten Brats und Oisín etwas, was kaum den Namen Kleidung verdient hatte. Einem eventuellen Betrachter war sofort klar, das diese Fünf eigentlich nicht zusammen gehörten. Der Fianna-Anführer, die Firbolg-Prinzessin, die beiden Männer der Oberschicht und der rätselhafte Einzelgänger. Was war es, dass sie verband?

Finn und die anderen betrachteten den Wald genauer. Das einzige, was an dem Garrán Dubh auf den ersten Blick merkwürdig erschien, war dass er sich auf einer Erhebung befand, um die rundherum nichts wuchs. Es sah so aus, als ob jemand den Wald absichtlich in dieser Form dorthin gepflanzt hatte. Er wirkte wie ein Fremdkörper in der umliegenden Landschaft und diese beunruhigende Widernatürlichkeit hatte eine bedrohliche Wirkung auf jeden, der den Wald erblickte.

„Das ist er also. Garrán Dubh“, stellte Finn nüchtern fest.

„Hatte ich mir spektakulärer vorgestellt“, meinte Oisín gleichgültig.

„Ja, ich auch“, bestätigte Cáilte, der sich von dem Wald unbeeindruckt zeigen wollte, da sein Ziehbruder das schon vor ihm getan hatte.

„Was meinst du, Diarmuid?“ fragte Finn.

„Ich weiß nicht. Man kann noch nicht viel erkennen. Es sieht sehr dunkel in dem Wald aus“, antwortete dieser zögernd.

Die einzige, die sich nicht äußerte und auch nicht gefragt wurde, war Ríoghnach. Allgemein legten die Männer der Gaeil nicht besonders viel Wert auf das Urteil ihrer Frauen. Allerdings war Ríoghnach eine Firbolg. Aber im Moment gab sich Ríoghnach mit der Rolle der schwachen Frau zufrieden, da sie tatsächliche große Angst hatte, durch diesen Wald zu gehen.

Die fünf Reisenden gingen weiter auf den Wald zu. Sie mussten nun doch zugeben, dass an diesem Wald irgendetwas nicht stimmte. Er war zweifellos dichter gewachsen und dunkler als andere Wälder. Aber das war nicht das einzig Auffällige an ihm. Von dem Wald ging eine eigenartige Beklemmung aus. Ein innerer Instinkt rief den Reisenden zu, den Wald nicht zu betreten. Ohne offensichtlichen Grund, hatte das Unbehagen ausnahmslos jeden der Reisenden ergriffen. Alle fünf spürten, wie ihre Herzen schneller schlugen. Ein Kribbeln breite sich in ihrem Inneren aus.

Nur ein einziger schmaler Pfad führte in der Mitte durch den Garrán Dubh. Blätter, Äste und Gestrüpp versperrten jede andere Möglichkeit in den Wald einzudringen. Finn verspürte die Beklemmung ebenso wie seine Freunde, doch da er wusste, dass sie von ihm erwarteten, die Führung zu übernehmen, straffte er die Schultern und betrat den Wald. Ein Schaudern erfasste Finn, als er in die schattige Dämmerung trat, aber er konnte es sich nicht leisten vor den anderen seine Angst zu zeigen. Diarmuid, Cáilte und Oisín waren mit Sicherheit davon überzeugt, dass ein Mitglied der Fianna niemals Angst hatte. Aber da irrten sie sich gewaltig. Als die Fianna damals zur Verteidigung Érius nach An Trá Bhán gerufen wurden, hatten auch die mutigsten Kämpfer der Fianna – Finn selbst eingeschlossen – Angst gehabt. Und wie hätte es auch anders sein können? Ihre Gegner waren damals zahlenmäßig weit überlegen gewesen.

„Finn, bist du sicher, dass das der richtige Weg ist?“, fragte Oisín zweifelnd.

„Siehst du hier noch einen anderen?“, entgegnete Finn.

Oisín, Diarmuid und Cáilte folgten Finn scheinbar unerschrocken.

„Ríoghnach?“, rief Finn auffordernd.

Nun trat auch Ríoghnach in den Wald. Am liebsten hätte sie sich an Finn geklammert oder zumindest seine Hand genommen. Doch sie wusste genau, dass die anderen, die es ohnehin für keine gute Idee gehalten hatten, eine Frau mitzunehmen, das als Schwäche auslegt hätten. Und das war etwas, was Ríoghnach eigentlich nicht wollte: Schwäche zeigen.

„Irgendetwas ist hier merkwürdig“, gab Oisín zu.

„Glaubst du, dass der Druide einer der Tuatha de Danaan ist?“, fragte Diarmuid, der versuchte gelassen zu klingen.

„Ich weiß nicht. Jedenfalls hat Oisín Recht, irgendetwas hier ist seltsam,“ entgegnete Finn, während er versuchte, in den umliegenden Schatten irgendetwas zu erkennen.

„Seit der Schlacht von An Trá Bhán hat niemand jemals mehr einen der Tuatha de Danaan gesehen. Und das ist jetzt 25 Zyklen her“, bemerkte Oisín.

„26 um genau zu sein“, korrigierte Finn.

„Du bist damals dabei gewesen, nicht wahr?“, fragte Cáilte, in dessen Stimme eine gewisse Bewunderung mitklang.

„Ja, aber ich habe kaum noch Erinnerungen an diese Zeit. Ich weiß nur, dass es schrecklich war und dass viele mutige Männer ihr Leben in dieser Schlacht ließen.“

Finn versuchte seinen drei jungen Begleitern, die Illusionen zu nehmen. Er wusste, dass sie mutige Kämpfer waren und dass sie so manchen Zweikampf bestritten hatten, aber in einer Schlacht waren sie nie gewesen.

„Aber letzten Endes hat unsere Seite bei der Schlacht von An Trá Bhán den Sieg davon getragen“, erinnerte Diarmuid ermutigend.

„Ja, so ist es gewesen und ich bin zuversichtlich, dass wir das auch diesmal schaffen“, sagte Finn. In Wahrheit hatte er Zweifel, dass es wirklich so sein würde. Finn machte sich um seine jungen Gefolgsleute Sorgen. Sie waren zu enthusiastisch und schienen nicht zu verstehen, dass sie möglicherweise nicht erfolgreich sein würden. Sie kannten die Geschichten der Fianna und glaubten, dass sich alles so abspielen würde wie in diesen Erzählungen. Doch das Leben war keine Heldensage. Das Leben war hart und selten bekam man das, was man sich erhoffte. Finn fühlte sich für die anderen verantwortlich. Cáilte und Diarmuid waren immerhin die Söhne von Ronan und Conn, die selbst bei der Schlacht von Gabhra noch zu ihm gestanden hatten. Und was Oisín anging: Oisín erinnerte ihn an sich selbst, als er jung gewesen war. 

Die Reisenden folgten dem Pfad tiefer in den Wald. Hoch über ihnen formten die Baumkronen ein dichtes Dach, durch das nur wenig Sonnenlicht drang. Sie konnten kaum sehen, wohin sie gingen. Das Ziel des Weges, sollte es eines geben, lag in Dunkelheit. Das Licht, das den Eingang markierte, wurde mit jedem Schritt kleiner und kleiner, bis es schließlich ganz verschwand. Nun lag vor und hinter ihnen nichts als dämmriges Zwielicht. Neben der Tatsache, dass der Wald erstaunlich dicht gewachsen war, erschien hier noch etwas merkwürdig: Im Garrán Dubh herrschte absolute Stille. Kein Tierlaut war zu hören, kein Blätterrascheln, gar nichts. Es war als hätte die Natur den Atem angehalten und traute sich nicht einen Laut von sich zu geben. Das einzige, was diese Stille störte, waren die Schritte der Reisenden. Das abgestorbene Laub knisterte unter ihren Füßen. Das war alles. Die Reisenden verloren kein einziges Wort. So als ob auch sie das, was auch immer hier schlief, nicht aufwecken wollten.

Die Stille zerrte an ihren angespannten Nerven und rief ein dumpfes Gefühl von Taubheit hervor. Die drückende Beklemmung steigerte sich ins Unermessliche, bis sich schließlich die aufkommende Panik kaum noch unterdrücken ließ. Die Reisenden fühlten einen Hauch von Kälte. Bewegte sich in den Schatten der Bäume etwas? Oisín hätte schwören können, dass er für den Bruchteil eines Augenblick etwas durch die Bäume hatte huschen sehen. Er hatte ein ganz leises, tiefes Geräusch in den Ohren. Aber Oisín war nicht der einzige, der sich beobachtet fühlte. Diarmuid, der als letzter hinter den anderen herging, hatte sich ein paar mal nach hinten umgedreht. Er hatte das sichere Gefühl, verfolgt zu werden. Doch es war niemand da. Ríoghnach glaubte einmal, jemand würde sie festhalten, doch als sich umdrehte, war niemand da. Cáilte folgt ihr in etwa drei Metern Entfernung. Zu weit weg um sich einen bösen Spaß erlaubt zu haben. Finn hatte ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Er spürte ein leichtes Vibrieren. Allen war klar, dass ihre Angst keine rationale Ursache hatte, trotzdem ließ sie sich einfach nicht abstellen.

zurück