Titel

Das goldene Herz des Königs

Leseprobe

Urheber
Margit Zwigl

Verlag
BoD Norderstedt
Bindung
Paperback
Seitenzahl
52
Sprache
Deutsch
Format
Din A5
ISBN
978-3-8391-1504-6
Preis
€ 6,90 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

Internet
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Es war einmal ein reicher König. Er hatte alles, was man sich nur vorstellen kann: ein großes Reich, eine Menge Schatztruhen voller Gold, eine wunderschöne Frau, eine ebenso schöne Tochter und zahlreiche Diener, die stets zu seinen Diensten standen. Das Wertvollste jedoch, was der König besaß, war ein großes, goldenes Herz. Dieses Herz war ein ganz besonderes Herz - denn jeder, der es betrachtete, konnte in sich Freude und Zufriedenheit spüren. So kamen jeden Tag viele Menschen in den Festsaal des Schlosses, um sich vom Schatz des Königs beglücken zu lassen.

Bis eines Tages etwas Eigenartiges passierte ... 

Lesealter: ab 5 Jahre

Leseprobe

Es war einmal ein reicher König. Er hatte alles, was man sich nur vorstellen kann: ein großes Reich, eine Menge Schatztruhen voller Gold, eine wunderschöne Frau, eine ebenso schöne Tochter und zahlreiche Diener, die stets zu seinen Diensten standen. Das Wertvollste jedoch, was der König besaß, war ein großes, goldenes Herz. Er hatte dieses kostbare Stück von seinem Vater geerbt.
Der alte König hatte in seiner letzten Stunde seinen Sohn an das Sterbebett gerufen, ihm das Herz gegeben und gesagt: „Mein lieber Sohn, ab morgen wirst du das Königreich regieren. Zum Abschied möchte ich dir meinen wertvollsten Schatz schenken. Dieses goldene Herz soll dir Glück bringen und das Herz vieler Menschen erfreuen. Gib gut Acht auf dieses wertvolle Stück, denn es ist sehr empfindsam. Behüte und versorge es gut, dann wird es dich jeden Tag mit seinem Glanz erfreuen.“
Nach diesen Worten schloss der alte König die Augen und starb. Der junge König nahm die Aufforderung seines Vaters sehr ernst. Aus Angst jemand könnte dem Schatz Schaden zufügen, bettete er ihn sorgsam in eine mit Diamanten und teuren Edelsteinen besetzte Glasschatulle. So war das Herz geschützt und trotzdem konnte es jeder sehen. 

~~~ 

Der König bemerkte bald, dass das Herz kein gewöhnliches Herz war. Täglich kamen viele Menschen in den Festsaal des Schlosses und bewunderten es. Sie standen wie verzaubert vor der Glasschatulle, erfreuten sich am Strahlen des Herzens und gingen dann zufrieden wieder nach Hause.
Es sprach sich schnell herum, dass das Erbstück des Königs eine besondere Wirkung auf jeden hatte, der es betrachtete. So kamen immer mehr Menschen herbei, um durch die Besichtigung Freude und Zufriedenheit zu erlangen.
Weiters hatte sich die Atmosphäre im Schloss seit der Anwesenheit des goldenen Herzens sehr verändert: Alle waren viel freundlicher zueinander, die Diener machten ihre Arbeit mit mehr Freude und selbst den König sah man nun öfter mit zufriedenem Lächeln gemeinsam mit seiner Frau im Schlossgarten spazieren gehen. Auch er spürte deutlich die Veränderungen, welche das goldene Herz bewirkte: Jedes Mal, wenn er es betrachtete, breiteten sich in seinem Inneren Freude und Zufriedenheit aus. An manchen Tagen konnte er von diesen angenehmen Gefühlen gar nicht genug bekommen; so saß er oft stundenlang da, um die Geschenke des Herzens in sich aufzunehmen. 

~~~ 

Eines Tages kam ihm während der Betrachtung seines Schatzes eine Idee: Wenn er von jedem Besucher ein Goldstück verlangen würde, könnte er bald noch viel reicher sein. Außerdem fand er es nicht richtig, dass sich jeder kostenlos Freude und Zufriedenheit mit nach Hause nehmen konnte. So beauftragte er einen seiner Diener, von jedem Besucher ein Goldstück zu verlangen. Ab diesem Tag kamen nur mehr reiche Leute in den Festsaal des Königs. 

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Der Handel lief recht gut – der König erwarb innerhalb kurzer Zeit viele Goldstücke. So breitete sich in ihm allmählich der Wunsch aus, der reichste und dadurch glücklichste Mann der Welt zu werden. Er rief seinen Diener ein zweites Mal zu sich und sprach: „Wie ich sehe, trägt meine Idee bereits reichlich Früchte. In den letzten zehn Tagen haben wir ganze zweihundert Goldstücke eingenommen. Nun möchte ich, dass du statt einem Goldstück zwei verlangst. So werde ich bald der Reichste sein.“
Der Diener tat, wie ihm befohlen. Er verlangte von nun an zwei Goldstücke. Die Freude des Königs sollte jedoch nicht allzu lange anhalten … 

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Eines Morgens eilte der Diener erschrocken herbei und berichtete dem König über das Unglück, welches über Nacht eingetroffen war: Das goldene Herz war fast um die Hälfte geschrumpft. Der König war fassungslos! Wie hatte so etwas nur passieren können? Beide waren ratlos. Sie riefen den Schatzmeister und beauftragten ihn, der Sache auf den Grund zu gehen.
Nach langem Überlegen sprach dieser: „Eure Majestät, in meiner Arbeit als Schatzmeister habe ich schon viele eigenartige Dinge erlebt. Ich habe einmal eine Maus erwischt, die gerade dabei war, an Euren Goldstücken zu knabbern. Ich habe sie verjagt und ihr befohlen, dieses Schloss nie wieder zu betreten. Und ein anderes Mal habe ich beobachtet, wie sich eine Gruppe von Ameisen durch das Schlüsselloch schlich, um Goldstücke zu stehlen. Ich spionierte ihnen nach und entdeckte, dass sie bereits zehn Goldstücke in ihrem Ameisenhaus versteckt hatten. Ich habe ihnen das Gold abgenommen und gedroht, ihr Haus zu zerstören, wenn sie es noch einmal wagen sollten, Gold aus Eurer Schatzkammer zu stehlen. Ihr seht also, ich bin ein recht achtsamer und intelligenter Schatzmeister. Aber wie ein goldenes Herz über Nacht kleiner werden kann, weiß ich leider nicht.“
Der König befahl verzweifelt: „Ich trage Euch auf, das Missgeschick der letzten Nacht zu verschweigen. Niemand soll davon erfahren! Die Besucher sollen der Meinung sein, das Herz sei immer schon so klein gewesen.“
Zum Diener gewandt sprach er: „Und du verlangst weiterhin zwei Goldstücke von jedem Besucher. Wenn sich alles entwickelt, wie ich es mir vorstelle, können wir den Eintrittspreis bald auf drei Goldstücke erhöhen.“
Der Diener befolgte die Anweisungen des Königs. Allerdings lief der Handel nicht mehr so gut wie zu Beginn. Die Besucherzahl sank von Tag zu Tag, viele verließen bereits nach kurzer Zeit enttäuscht den Festsaal. Dem König, der sich vorgestellt hatte, bald der reichste Mann der Welt zu sein, gefiel das natürlich überhaupt nicht.

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