Titel

Das Geheimnis vom IJsselmeer

Leseprobe

Urheber
Christian Barmettler

Printbook / Ebook

Verlag
Verlag Kern / Verlag Kern
Bindung
Paperback
Seitenzahl / Dateigröße
220 / keine Angabe
Sprache 
Deutsch
Format
13,5 x 20 cm / keine Angabe
ISBN / ASIN
978-3-9442-2470-1 / 978-3-9394-7898-0
Preis
€ 16,90 (je nach Anbieter zzgl. Porto) / € 12,68

Internet
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Zum Inhalt: Neun Jahre sind vergangen, seit Eriks Schwester während einer Europareise verschwunden ist. Lediglich eine Postkarte aus Brügge, Anitas letztes Lebenszeichen, erinnert an sie; seitdem fehlt von ihr jede Spur. Eriks anfängliche Hoffnung auf den Erfolg der Internationalen Fahndung ist schon längst der Trauer und Resignation gewichen. Ablenkung findet er nur in seiner Arbeit.

Als eines Tages ein Bild von Brügge alle verdrängten Emotionen wieder hochkommen lässt, entschließt sich Erik selbst auf die Reise zu gehen. Es wird ein Aufbruch zu ungewissen Ufern, der ihn in ein faszinierendes Land und zu Menschen führt, die ihm viel zu erzählen haben. Und tatsächlich stößt er auf seiner Reise immer wieder auf rätselhafte Spuren, die seine Schwester für ihn gelegt zu haben scheint.

Der Schweizer Autor Christian Barmettler versteht es wunderbar, seine Liebe zu den Niederlanden gekonnt in eine wunderbare Story einzubinden, die spannender und geheimnisvoller nicht sein könnte. Dieser Roman mit geheimnisvollem Hintergrund ist gleichzeitig aber auch Reiseliteratur pur, die viele Regionen der Niederlande detailliert beschreibt.

Leseprobe

13. Mai 2009 - Gekonnt und in zügigem Tempo lässt Erik seine Finger über die Tastatur gleiten. Gerade gibt er einige HTML-Befehle in den Quelltext ein. Er arbeitet an der Website eines Kunden, eines Reiseveranstalters, der sich auf Destinationen in Europa spezialisiert hat. Erik ist Webdesigner von Beruf. Er mag seine Arbeit sehr. Es ist für ihn immer wieder spannend, die Vorstellungen und Ideen von Kunden zu konkretisieren und umzusetzen in eine Homepage, die dann seine Handschrift trägt. Erik hinterlässt gerne Spuren. Spuren im Internet zum Beispiel.
Er arbeitet gerade an der Unterseite, auf welcher der Reiseveranstalter Vorschläge macht für Trips in die Benelux-Staaten. Amsterdam im Frühling zum Beispiel, inklusive blühende Tulpenfelder, alte Windmühlen und Holzschuh-Fabrikationen. Oder eine Flandern-Rundfahrt mit den geschichtsträchtigen belgischen Städten Antwerpen, Gent und Brügge.
Brügge. Auf einmal hält Erik inne und lässt seine Finger auf die Tastatur sinken. Als er die Vorschau dieser Unterseite betrachtet, sieht er ein Foto von prunkvollen alten Häusern und darunter wieder der Name dieser Stadt: Brügge.
Erik war noch nie dort und trotzdem erfüllt dieser Name seine Gedanken mit Schmerz. Von dort bekam er einst eine Ansichtskarte. Im Jahre 2000, von seiner Schwester Anita.
Es war ihr letztes Lebenszeichen. Seither ist sie verschollen. Erik lehnt sich in seinem Bürostuhl zurück und betrachtet den Bildschirm mit dem Foto. Auf der Ansichtskarte damals war ein ähnliches Bild mit reich verzierten alten Häusern.
Jahrelang hat Erik versucht, den Schmerz zu verdrängen. Die Ungewissheit über das Schicksal seiner Schwester zur Seite zu schieben. Er hat sich in seine Arbeit gestürzt, die ihm Ablenkung gebracht hat. Er hat bereits geglaubt, diesen grausamen Schicksalsschlag von damals überwunden zu haben, immerhin sind doch bereits neun Jahre seither vergangen. Und wie heißt es doch so schön: Die Zeit heilt alle
Wunden.
Doch jetzt holt ein einziges Wort all diese schlimmen Erinnerungen wieder zuvorderst in sein Gedächtnis: Brügge.
Erik hat eine wohlbehütete Kindheit erlebt. Er ist zusammen mit seinen Eltern und seiner um zwei Jahre jüngerer Schwester Anita aufgewachsen. Und zu seiner Schwester hatte er immer ein besonders inniges Verhältnis.
Fast die ganze Freizeit verbrachten sie als Kinder zusammen; zogen zu zweit durch die Wälder, vergnügten sich am Bach und spielten Verstecken.
Erik kann sich an jenen Tag erinnern, als er nicht den Mut aufbrachte, auf den grossen Kastanienbaum hinter dem Schulhaus zu klettern. Dieser Baum, das war die Mutprobe schlechthin für alle Buben seiner Schule. Wer oben war, der hatte die Mutprobe erfüllt. Wer es nicht schaffte, der war ein Feigling. Erik hatte es nicht geschafft. Er war ohnehin nicht der, der von Selbstvertrauen und Mut strotzte.
Er war für sein Alter immer ein bisschen klein und schmächtig. Erik erinnert sich daran, wie er Anita an diesem Abend von seiner Blamage erzählt hatte. Und wie sie liebevoll ihren Arm um seinen Hals legte und ihm ins Ohr flüsterte: "Weisst du, Erik, mir ist es vollkommen egal, ob du auf dem Baum oben warst oder nicht. Für mich bist du einfach der beste Bruder, den man haben kann!"
All die kleinen Kindersorgen hatten sie damals gemeinsam bewältigt. Bei schlechten Schulnoten trösteten sie sich gegenseitig. Auch später, als Jugendliche, blieb diese starke Bindung zwischen den beiden Geschwistern erhalten. Als Erik zum ersten Mal verliebt war und das Mädchen ihm nach kurzer Zeit den Rücken zu kehrte, hatte Anita ihn getröstet.

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