Titel

Das Dritte Zeitalter der Menschheit

Leseprobe

Urheber
Jenni Flieg

Verlag
MV-Verlag
Bindung
Paperback
Seitenzahl
119
Sprache
Deutsch
Format
Taschenbuch
ISBN
978-3-8658-2609-1
Preis
€ 12,50 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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In einem finalen Szenarium in einer zeitlich unbestimmten Zukunft gerät die Menschheit an den Rand ihrer Existenz. Es sind keine möglichen äußeren Einflüsse, wie Kometeneinschläge oder eine Pandemie, die zu dieser fiktiven Krise der Menschheit geführt haben, es sind vielleicht sogar nur gut gemeinte Entwicklungen, die aber in ihrem komplexen Zusammenwirken nicht mehr aufhaltbar waren. Dystopische Fiktion

Von der Gegenwart aus in die Zukunft zu schauen, ist immer wie vor einer Wegverzweigung zu stehen. Der Weg aus der Vergangenheit fächert sich mit überschreiten der Gegenwart sofort auf in ein ganzes Spektrum unterschiedlich wahrscheinlicher Wege in die Zukunft. Szenarien dafür sind viele denkbar und je weiter dieser Blick der Gegenwart voraus geht, desto unbestimmter werden die Schlussfolgerungen daraus.

In dem Essay Das Dritte Zeitalter der Menschheit wird der Blick nicht nach vorn in eine ungewisse Zukunft gewagt. Die Richtung der Betrachtung wendet sich aus einer fiktiven Zukunft zurück auf die Gegenwart und Vergangenheit. Da gibt es keine Wegverzweigungen in eine Vielzahl von Vergangenheiten mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit.

In einem finalen Szenarium in einer zeitlich unbestimmten Zukunft gerät die Menschheit an den Rand ihrer Existenz. Es sind keine möglichen äußeren Einflüsse, wie Kometeneinschläge oder eine Pandemie, die zu dieser fiktiven Krise der Menschheit geführt haben, es sind vielleicht sogar nur gut gemeinte Entwicklungen, die aber in ihrem komplexen Zusammenwirken nicht mehr aufhaltbar waren.

Ergänzend dazu wird in dem Essay Warum der Kampf-Sport immer den nächsten Krieg vorbereitet ein Problem aus der fiktiven Menschheitsgeschichte mit der Lupe näher betrachtet.

Entstanden sind diese dystopischen Essays aus dem Konzept zu einem Roman, das tausend Jahre nach einer existentiellen Krise der Menschheit zu einer neuen, andersartigen Entwicklung der Menschen führt.

Leseprobe

Evolution zur Apokalypse?

Seit wann ist es wichtig zu wissen, wie die Geschichte wirklich war? Interessant ist doch nur, wie uns die Vergangenheit helfen kann, unsere Ziele in der Zukunft zu erreichen. (Verfasser unbekannt)

Der lange Weg der Menschen aus dem Tierreich hat einige Fakten geschaffen, die irgendwann einmal dazu führen können, einen final stabilen oder katastrophalen Abschluss zu finden.

Ein katastrophaler Abschluss der Evolution der Menschheit und deren Untergang werden im Laufe der Zeit immer wahrscheinlicher. Warum sollte die Art Mensch nicht auch eines Tages aussterben wie so viele andere Tierarten?

Auch die Entwicklung einer menschlichen Kultur bietet keinen Schutz vor einer Apokalypse. Die Kultur, gemessen am immer grer werdenden Abstand zur Natur, bietet hierfür noch besondere Risiken, die diese Wahrscheinlichkeit der totalen Vernichtung der Art Mensch drastisch erhöht. Die Abhängigkeit der Menschheit von ihren technischen Artefakten nimmt Dimensionen an, die ein überleben in der Natur für die gesamte Menschheit sehr unwahrscheinlich machen. Ein Wegfall all dieser Kulturprodukte würde einem verschwindenden Rest der Menschheit in abgelegenen Gegenden vielleicht eine geringe Überlebenschance auf dem Niveau der Steinzeitmenschen ermöglichen. Diese Menschen müssten aber heute noch eingebt sein in eine Subsistenzwirtschaft, die sie den absoluten Verlust der Kultur ersetzen lässt.

Die Atomtechnik und die damit einhergehenden Risiken sind ein Produkt der menschlichen Kultur und von einem ähnlichen Potential der Vernichtung, wie es nur ein Zusammenstoß der Erde mit einem Kometen oder Asteroiden hervorbringen kann. Die Nutzung dieser technischen Artefakte ist an ein Mindestmaß an wissenschaftlich-technischem Verständnis in der Gesellschaft geknüpft.

Verlieren große Teile der Menschen dieses Verständnis und die Motivation für die Entwicklung von Technik und Wissenschaft, vielleicht weil sie von Religionen und ihren Heilsversprechungen mehr erwarten, dann wird ein Niedergang der menschlichen Kultur sehr wahrscheinlich. Viele Religionen neigen zu apokalyptischen Erwartungen. Sie wünschen die Errichtung eines Gottesstaates und als Voraussetzung dafür muss die bestehende Welt in einem apokalyptischen Inferno transformiert werden. Der Neubeginn startet nach einem verheerenden Kampf des Guten gegen das Böse, falls danach ein Neustart überhaupt noch möglich ist.

Dass die Menschen im Laufe der Evolution die Fähigkeit der Reflektion, Modellbildung und Sinngebung ihres Tuns erlangt haben, ist noch keine Garantie für eine stabile Entwicklung. Exponentielle, asymptotische und lineare Entwicklungen über längere Zeiträume sind in der Natur nicht sehr häufig. Dagegen neigen viele Prozesse zu zyklischem Verhalten. Vielleicht liegt es daran, dass unsere Evolution schon Milliarden von Jahren in ein streng rhythmisches planetares System eingebettet ist.

Nach den gegenwärtigen Erkenntnissen kann man davon ausgehen, dass ein Untergang der Menschheit noch vor dem physischen Ende des Weltalls, vor dem Ende jeder Zeit passieren wird, vorausgesetzt, wir lassen eine wie auch immer geartete Ewigkeit göttlichen Ursprungs außen vor.

Die Frage ist also nicht: Gibt es ein Ende der Menschen? Sondern die relevante Frage ist: Wie lange kann das Ende der Menschheit hinausgeschoben werden?

Wann der stabile oder der chaotische Endpunkt erreicht sein wird, kann nur der Laplacesche Dämon voraussagen, den es ja bekanntermaßen nicht gibt und auch nicht geben kann. Doch dass es ein Ende in der einen oder anderen Art geben wird, steht zweifelsfrei fest.

Ob das hier beschriebene Dritte Zeitalter der Menschheit, ein final stabiles sein wird oder wieder nur in eine Überganszeit zu einem neuen, vierten Zeitalter mündet wir wissen es noch nicht. Wir wissen aber, dass es ein gewisses Potenzial für eine lang andauernde Stabilität in sich birgt und das ist doch schon einmal recht tröstlich.

Das Erste Zeitalter

So wie es in einem genügend großen Ozean hin und wieder vorkommt, dass sich eine sehr große Welle durch Überlagerungen sehr vieler kleiner Wellen bildet, haben sehr viele Überlagerungen von notwendigen Bedingungen dazu geführt, dass in diesem winzigen Raumbereiches des Weltalls, den unser Planet ausfüllt, das Leben entstehen konnte.

Wir Menschen sind dann schon der zweite, höchst unwahrscheinliche Peak in einem wabbelnden Ozean von Lebewesen, die diesen Planeten Erde beleben.

Warum eine spezielle Art von Affen nicht über Jahrtausende Affen geblieben sind, ist wahrscheinlich einem Zufall geschuldet.

Irgendeiner dieser Affen hat beobachtet, dass ein harter Gegenstand (Stein) einem Tierkadaver die Knochen zerschlagen kann. Und was damit seiner ständigen Fresslust geboten wurde, war das energiereiche Nervengewebe und die Gehirnmasse. Offensichtlich blieb diese Beobachtung keine Eintagsfliege und diese Nische der Evolution mit der hochenergetischen Nahrung wurde an die nächsten Generationen weitergegeben. Das Schädeleinschlagen eines Opfers, um an sein Gehirn zu kommen, war in späteren Zeiten eine Domäne der männlichen Hälfte der Menschheit. Aber auch das ist nicht gesichert und kann ein Trugbild sein, das dem Nebel der Vergangenheit geschuldet ist.

Lassen wir das erste Zeitalter beginnen mit der deutlichen Herauslösung der noch affenähnlichen Menschen aus dem Tierreich. Die Benutzung von primitiven Werkzeugen und später des Feuers sind die markanten Veränderungen dieser Frühmenschen. Ab diesem Zeitabschnitt beginnt für die Evolution eine neue Qualität. Sie ist nicht mehr blind tastend bei ihrer Suche nach Nischen des Lebens. Sie schafft diese Lebensräume jetzt selbst.

Doch schon stt sie an ihre erste Grenze. Die neue Qualität des Menschen in der Evolution ist erfolgreich, schnell gewinnt er eine Überlegenheit und wird zum gefährlichsten Raubtier. Er setzt sich an die Spitze der Nahrungskette und breitet sich ungehemmt aus. Das gelingt natürlich auch anderen Lebewesen. Bakterien und Viren können sich auch soweit ausbreiten, dass sie sich selbst die Grundlage ihrer Existenz nehmen. Sie breiten sich in einem Wirtskörper aus, bis dieser zugrunde geht. Für die erste Expansionswelle der Menschen war dieser Wirtskörper der Bestand an jagdbaren Tieren. Plötzlich waren nicht mehr genügend Tiere da, die für die Existenzsicherung benötigt wurden. Vielleicht haben auch Klimaveränderungen einen Beitrag zu dieser Katastrophe geliefert. Wäre diese erste Grenze der Ausbreitung nicht gekommen, was wiederum sehr unwahrscheinlich ist, dann hätte die Evolution die nächste Stufe nicht erreicht und die Menschen würden heute noch als Jäger und Sammler die Erde mit bevölkern. Tiere und Pflanzen mussten jetzt domestiziert und gezüchtet werden. Das was in der Natur blind und langsam erfolgte, das Anpassen an neue Umweltbedingungen, erfolgte jetzt viel schneller durch gezielte Selektion der Pflanzen und Tiere.

Die Menschen wurden zur Sesshaftigkeit gezwungen. Das alte Jagen und Sammeln musste ergänzt werden durch das bequemere Domestizieren und Züchten. In Tausenden von Jahren wurden im Menschen selbst Fähigkeiten selektiert, die vor allem das Gehirn betrafen. Eine neue Fähigkeit kam hinzu, die Raumzeit. Das Muster von Aktion und Reaktion breitete sich über immer größere Zeitabschnitte aus. Wer Saatgut ein Jahr aufbewahrte, der hatte eine Vorstellung davon, dass es ihm einen Vorteil brachte.

Kein einzelner Mensch konnte Ackerbau, Viehzucht, Jagd betreiben und Werkzeuge gleichzeitig herstellen. Das Zusammenwirken in einer Sippe hatte ja schon in der vorhergehenden Epoche so erfolgreich funktioniert, dass der Mensch sogar den ihn an Stärke weit übertreffenden großen Raubtieren überlegen war. Die Polarisierung in männlich und weiblich brachte auch immer mehr Vorteile. Die männlichen Mitglieder einer Sippe spezialisierten sich auf den Außenraum, die weiblichen stärker auf den Innenraum. Der Außenraum wurde bestimmt durch Feinde und jagdbares Wild, das immer den physischen Kampf um Leben und Tod beinhaltete. Der Innenraum war ein Rückzugsraum, hier musste das neue Leben geschützt und bewahrt werden. Feindseligkeiten konnten sich nur in einer nichtphysischen Ebene ausbilden, sollte nicht die Existenz der gesamten Sippe in Frage gestellt werden.

Die universalistische Art Mensch, verbunden mit der Fähigkeit der Differenzierung seiner Tätigkeit, hatte nur eine Chance im Überlebenskampf als Sippe, wenn Erfahrungen an die nächste Generation weitergegeben werden konnten. Das waren in erster Linie weibliche Mitglieder der Gesellschaft, da sie für ein gewisses Kontinuum garantieren konnten und im Allgemeinen eine höhere Lebenserwartung besaßen. Sie waren es, die zuletzt übrig blieben, wenn die männlichen Mitglieder bei der Jagd oder im Kampf mit Nachbarsippen alle umgekommen waren. Die siegreichen Nachbarsippen nahmen sie meistens auf, wenn auch nicht immer gleichberechtigt.

In schriftlichen Überlieferungen der späten Bronzezeit, zum Beispiel der Bibel, finden sich nicht selten Aussagen darüber, das bei der Eroberung eines fremden Stammes oder einer anderen Sippe alle männlichen Mitglieder, auch die männlichen Kinder, getötet wurden. Frauen und Mädchen stellten das wertvollste Beutegut dar, waren sie es doch, die jetzt zusätzlich Kinder gebären konnten und damit einen Machtzuwachs darstellten.

Die anfänglichen Menschenhorden unterschieden sich in dieser Beziehung kaum von den auf Pflanzenkost spezialisierten Herdentieren. Muskulöse und aggressive, auf Kampf spezialisierte Alpha-Männchen gaben eine gewisse Garantie für die Erhaltung der Art im Überlebenskampf aller gegen alle ab.

Raubtiere nahmen meist eine andere, androgynere Entwicklung. Das ergab sich zwangsläufig. Im Phänotyp sind ein Tiger und eine Tigerin vom ungeübten Auge kaum zu unterscheiden. Wer an der Spitze der Nahrungskette im Tierreich steht, hat keine sichtbaren Feinde. Die Aufspaltung in Beschützer vor äußeren Feinden und Konkurrenten und Bewahrer des Nachwuchses und der inneren Ordnung entfällt.

Wer von beiden ist gefährlicher, ein Tiger oder eine Tigerin, ein Bär oder eine Bärin? Diese Frage erübrigt sich meistens oder wird sogar zugunsten des weiblichen Partners beantwortet werden, wenn es gilt, Junge aufzuziehen.

Nicht so beim Menschen. Er steht an der absoluten Spitze. Die Differenzierung in starke Männchen und gebärfreudige Weibchen, eine Differenzierung auch der pflanzenfressenden Herdentiere, wird zu einem der Probleme späterer Zeitalter. Das Rollenverhalten zwischen Männern und Frauen ist nur für einen Abschnitt der Evolution von Vorteil.

Zentrale Figur dieses 1. Zeitalters ist Die große Gebärende, die auf Grund ihres Wissens und ihres langen Lebens eine Garantin für den Fortbestand der Art und ihrer Erfahrungen bildete. Not und Mangelsituationen und ihre Bewältigung schafften diese überlebenswichtigen Erfahrungen. Die wenigen, die so alt wurden, waren schon auf Grund ihrer Seltenheit etwas Besonderes.

Das Ziel war immer die Erhaltung der Sippe und damit der Art. Das ist der Prägung der vorher stattgefundenen Evolution aus dem Tierreich zu verdanken. Dabei darf nicht vergessen werden, dass sich solche sozialen Tugenden wie Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft stets auf die engsten Verwandten und die eigene Sippe bezogen. Menschen, die nicht zum Innenraum gehörten, wurden fast immer als Feinde auf Leben und Tod angesehen. Diese unausgesprochene Beschränkung ethischer Werte auf die eigene Gruppe wird in späteren Zeitaltern eine apokalyptische Dimension annehmen.

Die Evolution mit ihren Komponenten Selektion und Mutation verfolgt kein höheres Ziel, sie folgt keinem höheren Sinn, aber was entsteht, ist durchaus in letzter Instanz sinnvoll zu nennen.

Nicht unerwähnt sollte an dieser Stelle sein, dass die Insekten eine weit ältere Tradition im überleben haben und ein Konkurrenzmodell zur menschlichen Gemeinschaft entwickelten: das Erfolgsmodell Insektenstaat.

In dieser Epoche ist die Geburt von Mädchen wichtiger als die von Jungen. Jungen und junge Männer werden geopfert in Notsituationen und daraus abgeleiteten naturmystischen Ritualen. Hier finden wir vielleicht eine Ursache dafür, dass in späteren Zeiten immer noch Menschenopfer dargebracht werden, sei es, um Unheil abzuwenden oder ganz allgemein, um die Götter günstig zu stimmen.

Solche Notsituationen waren gegeben, wenn eine Bedrohung von außen erfolgte. Männer müssen sich für die Sippe opfern, wenn ein Konflikt mit der Nachbarsippe um ein Jagdgebiet, um Weideland oder um fruchtbares Ackerland besteht. Nur der im Kampf Stärkere kann da überleben. Das ist natürlich weiterhin im Sinne der Evolution. Wenn (fast) immer nur der Stärkere, die stärkere Sippe überlebt, steigen die Chancen für das überleben der ganzen Menschheit.

Die Männer wissen auch ganz genau, wer sie erwartet: Der Tod. Umso üppiger und berauschender feiern die Überlebenden ihren Sieg. Hier finden wir auch erste Anhaltspunkte für die Weiterentwicklung einer Unterkategorie der Intelligenz, die physischer Stärke ebenbürtig ist.

Wie stellt Mann es an, dass er eine solche tödliche Auseinandersetzung unbeschadet überlebt? Durchschaut er den Ritus des Kampfrausches, in den die Männer erst kommen müssen, damit sie kämpfen wie Berserker? Erfreulicherweise sind solche Gene über längere Zeitrume erhalten geblieben, wenn auch nicht dominant. Später musste Mann dann einen Platz auf dem Feldherrnhügel erobern und das Heldentum anderen überlassen.

Bedrohungen von Innen sind vor allem Hunger durch Nahrungsmangel, Kämpfe um die Vorherrschaft, Krankheiten und Untergruppenbildung. Vor allem Nahrungsmangel aller Art ist eine ernste Bedrohung der Gemeinschaft, sei er durch fehlendes Jagdglück oder durch Aufzehren der gesammelten Bestände bedingt. Männliche Kinder sind Esser, auf die man in einem gewissen Umfang in solch einem Falle verzichten kann. Wichtig ist es nur, die "Gebärfähigkeit der Sippe" zu erhalten und das sind nun mal die Frauen und Mädchen.

Das Schlachten und Aufessen eines männlichen Babys oder Kindes in solch einer Notsituation ist ein starker Konflikt und nur über eine "Einsicht in eine höhere Notwendigkeit" der betroffenen Mutter beizubringen. Diese höhere Notwendigkeit war ja existentiell gegeben und das mystische Ritual erleichterte die brutale Handlung.

Der Erbstrom läuft im Ersten Zeitalter über die weiblichen Gene: Nur die Mutter erkennt ihr Kind. Die Frau wählt die Männer in friedlichen Zeiten aus, mit denen sie Kinder haben will. Die Erfahrung zum überleben, zum Bewahren ist in den Alten Frauen akkumuliert. Kinder haben eine größere Überlebenschance, wenn sie den alten Frauen und, wenn es sie gab, den alten Männern blind vertrauen. Nur diese konnten die nächste Generation warnen vor den existenziell bedrohlichen Gefahren der Umwelt.

Gehe nicht zu nahe an das Wasser, dort wohnen Wassernixen, die dich fr immer auf den Grund ziehen! solche und ähnliche Weisheiten, hier in einer späteren Formulierung, schützten die kleinen Kinder vor einem frühen Ende ihres Lebens.

Die heranwachsenden und noch nicht kampffähigen Jungen werden zu Sex benutzt bei längerer Abwesenheit der Männer (Jagd), bei Verlust durch Kriege mit Rivalen oder rivalisierenden und siegenden Tieren. Für das überleben einer Sippe reichen sehr wenige Männer aus; theoretisch genügt ein Mann für eine Überbrückungszeit. Männer wachsen nach einer bestimmten Zeit wieder nach. In der Zwischenzeit ist es für die Frauen zwar nicht besonders bequem und sie müssen teilweise Männertätigkeiten verrichten, was sie in Notsituationen auch können, aber nicht besonders gerne tun.

Eine weitreichende Differenzierung in männliche und weibliche Individuen schafft gegenüber den Mitbewerbern (vor allem Raubtieren) einen großen Vorteil.

Der männliche Jäger ist fixiert auf das zu erjagende Tier, er muss sich konzentrieren, Mut und Rücksichtslosigkeit beweisen und ein Durchsetzungsvermögen gegenüber der Beute und auch gegenüber seinen Artgenossen zeigen. Nur so kann er vielleicht Alpha-Männchen werden. Obwohl alle die Führung der Horde anstreben, kann es immer nur ein Mann werden.

Jäger waren keine Tierschützer, sie waren, mit unseren Moralvorstellungen gesagt, grausam, rücksichtslos und aggressiv. Ihr Verstand war einfach, logisch kausal und räumlich orientiert. Das reichte zunächst aus, um auf der Jagd erfolgreich zu sein. Später dann verschaffte er sich Vorteile durch probieren und entwickeln von Hilfen zur Jagd: Stein, Stock, Speer, Bogen, Steinschleuder. alles Hilfsmittel, die ihm auch bei der Besiegung und Tötung seiner konkurrierenden Artgenossen behilflich waren. In späteren Zeiten wurden dann aus diesen Jagdhilfsmitteln Waffen entwickelt, die nichts mehr mit der Jagd zu tun hatten und nur der Massenvernichtung der konkurrierenden Artgenossen dienten.

Die Mütter, durch ständiges Kinderkriegen und Versorgen der kleinen Kinder an der Jagd gehindert, mussten im Gegenzug soziale Intelligenz entwickeln, die Sippe erhalten, den sozialen Frieden bewahren und ein soziales Geflecht gegenseitiger Hilfe aufbauen.

Sie waren objektiv an der Ausübung männlicher Aktivitäten gehindert. Zum Kämpfen mit physischen Waffen nur wenig geeignet, waren sie es, denen das Bewahren des erreichten gesellschaftlichen Zustandes am Herzen lag.

So ist es nicht verwunderlich, wenn in den Zeiten, in denen die Männer länger auf der Jagd waren oder aus anderen Gründen nicht bei den Frauen und Kindern sein konnten, die friedvollsten und glücklichsten Zustände in der Gemeinschaft der Frauen herrschten.

Kamen die Männer wieder zurück, dann setzte sich der Männerkampf fort, der Kampf untereinander um die Führung, um die Frauen, der Kampf der Männer gegen die Frauen und Kinder durch Gewalt und Vergewaltigung. Waren die Männer wieder da, erwachte auch das weit bescheidenere Konkurrenzdenken der Frauen untereinander, das Buhlen um die Gunst der Männer.

Neben der Differenzierung der intellektuellen Fähigkeiten kam es auch zu einer Differenzierung des Körpers. Ein männlicher Körper musste den Strapazen und Kraftanforderungen der Jagd angepasst sein. Später dann war dieser Körper auch für kraftanstrengende und gefährliche Arbeiten geeignet, die dem Aufbau des industriellen Wohlstandes dienten.

Dieser Körper war ein reiner Kampfkörper geworden, der immer kämpfen musste. Auch wenn es nichts zu bekämpfen gab, musste etwas gefunden werden, um dieses Bedürfnis befriedigen zu können. In der friedvollsten Form waren das Kampfspiele, die später dann verschleiernd als Sport bezeichnet wurden. Wer fit blieb, der war besser auf Kämpfe vorbereitet.

Ein weiblicher Körper musste in erster Linie den Männern gefallen und ein breites Becken besitzen, damit er gebären konnte. Er musste auch Durchhaltekraft besitzen, um den Nachwuchs bis zur Eigenständigkeit zu bringen. Die höhere Entwicklung des Menschen gegenüber den Tieren erfordert eine lange Kindheit und Jugend.

Während das erste Zeitalter unter einer geistigen Führerschaft steht, die oft weiblicher, matriarchalischer Natur ist und noch keine ausgeprägten Führungshierarchien kennt, beginnt sich in der Übergangszeit das Patriarchat zu entwickeln, das neben der physischen auch die geistige Führerschaft beansprucht.

Unter den Männern bilden sich besonders starke heraus, da es für das Überleben günstiger ist, wenn in Zeiten der Gefahr die "Fäden in einer Hand" liegen. Diese Gefahren liefert in immer stärkerem Maße die eigene Gattung. Gegenüber den Mitbewerbern aus dem Tierreich ist der Mensch nun absolut überlegen. Zum größten Feind des Menschen wird der Mensch selbst.

Es besteht jetzt eine Notwendigkeit für ausgeprägte Führungshierarchien, um durch größere Menschenmassen eine Überlegenheit zu erreichen. Die Sippe wird zu einer Untergruppe eines Volkstammes. Nur diese sind jetzt erfolgreich im Evolutionsdruck. Es sind Wahlhierarchien und noch keine Erbhierarchien.

Führungskräfte werden gewählt, weil sie physisch stärker, rücksichtsloser, intriganter und brutaler sind als andere und sich damit auch erfolgreich gegen die Konkurrenten durchsetzen können. So wird die Wahrscheinlichkeit für das Überleben der eigenen Sippe, des eigenen Stammes erhöht.

Das Zweite Zeitalter

Dieses Zeitalter beginnt mit der Organisierung von Stammesverbänden und der Akkumulierung von Macht und materiellem Besitz. Das erfordert eine neue Qualität in der Beherrschung der Natur. Die Technologie der Werkzeug-, Waren- und Nahrungsmittelherstellung hat einen Stand erreicht, der eine Überproduktion in größerem Maßstab erlaubt. Es werden Waren hergestellt, die als Tauschobjekte dienen. Erst mit dem Handel der Überproduktion wird die Akkumulation von materiellem Besitz und Reichtum möglich.

Dieses Zeitalter bringt das Patriarchat zur vollen Blüte. Der Patriarch gründet seine Herrschaft anfangs allein auf physische Stärke, Rücksichtslosigkeit und Grausamkeit gegenüber den Mitbewerbern und Feinden, auch gegenüber denen in den eigenen Reihen. Gütig und jovial verhält er sich zu seinen Gefolgsleuten aus der eigenen Sippe und dem eigenen Stamm.

Das große Problem der Stammesfürsten, das Altern und damit der Verlust ihrer physischen Kraft, verbunden mit ihrer "Abwahl", wird durch die heterosexuelle Gemeinschaft der Ehe für lange Zeit gelöst.

Die alternden "Führerpersönlichkeiten" sind gefährdet, wenn ihre physische Kraft nachlässt, sie sind aber statistisch gesehen weniger gefährdet, wenn ein "persönlicher Nachkomme" sie beschützt. Damit das besser funktioniert, muss Macht und Besitz akkumuliert werden. Aus den Stammesfürsten werden die Patriarchen, die ihre Führungsrolle immer stärker dem Erbstrom verdanken und der damit verbundenen Akkumulation von Macht und materiellem Besitz.

Es entstehen die verschiedenen erblichen Machtstrukturen und Machthierarchien. Damit ist aber bereits ein gefährlicher Keim zur Selbstzerstörung gelegt. Das Erbpatriarchat neigt zur Erstarrung und ist an irgendeinem Punkt seiner Entwicklung überfällig. Besitz und Macht müssen nicht ständig neu erworben und erkämpft werden, sie fallen den Nachfolgern wie reife Früchte in den Schoß.

Das Patriarchat dehnt seinen Einfluss nicht nur auf physische Machtbereiche aus. Es gelingt auch die an sich überlegene soziale Intelligenz der Frauen durch religiöse Versklavung zu bändigen. Das übernehmen Schamanen und später Priester. Die sich entwickelnde Intelligenz ermöglichte eine weitere Differenzierung in physisch starke und geistig starke Alpha-Männchen. Immer blieben es aber Alpha-Männchen. Diese Differenzierung ging nicht bis zu einer Polarisierung, sondern zeigt nur die Ausweitung eines bestehenden Spektrums an. Klug und stark zu sein waren allemal die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Karriere in der Führungshierarchie. Bis zu einem gewissen Mae konnte Stärke durch Klugheit oder Klugheit durch Stärke kompensiert werden.

Zwei große Machthierarchien teilen sich in die Beherrschung der menschlichen Rasse:

Die patriarchalisch weltliche Ordnung gründet sich in erster Linie auf physische Stärke, rigoroses Durchsetzungsvermögen, brutale Gewalt und vielfältige Formen von Aggressivität. Duckmäusertum, sklavische Unterwürfigkeit und Kadavergehorsam sind sekundäre Erscheinungsformen.

Um diese Form der Machtausübung aufrechtzuerhalten, müssen beständig neue, gewaltigere und gefährlichere Waffen entwickelt werden. Das ist die Geburtsstunde der Technik, speziell der Waffentechnik. "Der Vater dieser Technik ist der Krieg" ist eine schon seit den Anfängen dieses Zeitalters bekannte philosophische Wahrheit. Technik ist eine rein männliche Kulturleistung, erfunden zur Ausübung und Erhaltung der weltlichen Ordnung.

Die Beherrschung des Schmiedens von Langschwertern aus Eisen wirkte sich verheerend für die Völker aus, die noch mit den weichen Bronzeschwertern kämpfen mussten, selbst wenn sie eine höher entwickelte Kunst und Kultur besaßen. Eine überlegene Waffentechnik zu besitzen, blieb Jahrhunderte lang das erste Ziel der patriarchalisch geprägten Machthierarchien. Kriege zur Expansion der Macht wurden ständig geführt, bis das angehäufte Vernichtungspotential eine solche Qualität erreicht hatte, dass ein ungehinderter Einsatz die Wahrscheinlichkeit für den gemeinsamen Untergang sehr hoch werden ließ. Es konnte keine Sieger und Besiegten, sondern nur noch Vernichtung auf beiden Seiten geben. Lange Zeit herrschte dieses Gleichgewicht des Schreckens wie ein Damoklesschwert über der ganzen Menschheit. Es hatte die apokalyptische Phase des Zweiten Zeitalters begonnen.

Die patriarchalisch religiöse Hierarchie gründet sich auf Glaubensdogmen, und wird genährt durch die (normale) Angst des Menschen vor dem Tod und durch die Angst vor strafenden göttlichen (weil allmächtigen) transzendenten Gewalten. Diese Dogmen berufen sich auf eine göttliche Offenbarung. Eine Missachtung kommt einer Missachtung der patriarchalischen Autoritt gleich. Verbunden damit ist eine Selbstimmunisierung gegen jede Kritik.

Sie nimmt die Erfahrungen der zuvor herrschenden Naturreligionen geschickt auf. Ab einer gewissen Entwicklungsstufe der Menschheit entstanden spezielle Rituale und Handlungen für die Kommunikation mit dem Göttlichen, zunächst noch ohne priesterliche Vermittler. Die in den Naturreligionen praktizierten Kontaktaufnahmen wie Fasten, Isolation und Visionen wurden zu Bestandteilen der monotheistischen Religionen. Fruchtbarkeitsriten, die sich auf Jahreszeiten bezogen, wurden nahezu identisch übernommen.

Die religiöse Hierarchie gibt vor, den Schlüssel für eine ewige Glückseligkeit zu besitzen und sie verspricht dem Individuum, an dieser Glückseligkeit teilzuhaben, wenn es sich unterwirft.

Religion ist in erster Linie ein Nebenprodukt der Evolution, das geschickt zum Aufbau einer Machtstruktur genutzt werden kann, die nicht vornehmlich auf physischer Stärke aufbaut. Es verschaffte den heranwachsenden Menschen, den Kindern und Jugendlichen, Überlebensvorteile, wenn sie den älteren Mitgliedern ihre Sippe bedingungslos vertrauten und glaubten, was diese über die Gefahren der Umwelt wussten und wie man mit diesen Bedrohungen umzugehen hatte.

Deshalb wurden vor allem schon Kinder religiös erzogen, weil damit eine bessere Gewähr für den Erhalt der religiösen Machtstruktur gegeben war. Kinder können noch nicht entscheiden, was reale von eingebildeten Gefahren unterscheidet.

Sie glauben, weil es sich in im Laufe der Evolution als ein Überlebensvorteil herausgestellt hat. Sie glauben auch die religiösen Dogmen aus dem gleichen Grund. Besonders wenn sie aus einem System von Bestrafung und Belohnung bestehen.

Gipfelpunkt dieser irrationalen Indoktrination ist das Differenzieren von Gut und Böse in Himmel und Hölle, die Erbsünde und das symbolischen Tragen von Folterinstrumenten in Form des christlichen Kreuzes mit oder ohne Gekreuzigtem.

Zentraler Machtfaktor ist die "Stellvertreter- oder Vermittlerrolle" der Patriarchen zu "göttlichen" Glaubensprodukten. Zur Absicherung des geistigen Alpha-Männchens wird ein transzendentes Alpha-Männchen, ein Gott, bemüht. Gipfelpunkt dieser Evolution sind die monotheistischen Religionen.

Es ist ein individueller personaler Gott, der die Welt geschaffen hat und außerhalb stehend in sie eingreifen kann.

Gegenüber dem Polytheismus, der oft auch weibliche Gottheiten umfasste, ist die monotheistische Religion konsequent auf einen "Vatergott" zentriert und damit direktes Abbild der patriarchalischen Struktur der Gesellschaft.

Die monotheistischen Religionen waren anfangs oft in den unteren Schichten und bei den Sklaven verbreitet und dienten dort als eine Art Erlösungshoffnung im Jenseits von den konkreten Leiden in einer brutalen Sklavenhaltergesellschaft. Die damit verbundene Gruppensolidarisierung konnte den gesellschaftlichen Status mildern und das soziale Los erträglicher gestalten.

Später dann, als Staatsreligion, wandelte sich die monotheistische Religion zu einem starken patriarchalischen Herrschaftsinstrument.

Falschheit, Lügen, List, Angst vor göttlicher Bestrafung, religiöser Fanatismus gegenüber anderen und bedingungslose Abhängigkeit sind die sekundären Erscheinungsformen einer Erlösungshoffnung von irdischem Leiden, von physischem Tod und ewigen Qualen im Jenseits.

Eine aus der Religion abgeleitet Ethik bezieht sich nur auf die Angehörigen des eigenen Glaubens oder wird missionarisch zur Gewinnung neuer Anhänger und zum besseren Ansehen der Glaubensgemeinschaft eingesetzt. Dabei ist es unerheblich, ob der einzelne Gläubige aus ehrlichem Glauben heraus handelt. Für die Entwicklung der Gesellschaft sind die monotheistischen Religionen als Gesamtheit von Bedeutung. So wie das Patriarchat auf dem Prüfstand steht, sollten auch die patriarchalisch monotheistischen Religionen auf den Prüfstand kommen.

Beiden Machthierarchien ist Unterdrückung ("der Anderen") und Expansion der eigenen Macht gemeinsam. Zusammen sind sie das Grundübel und der Risikofaktor späterer Zeiten.

Die beiden Hauptformen der Machthierarchie lassen zunächst den weiblichen Mitgliedern der Gesellschaft nur eine sekundäre, "geheime" Machtausübung und Beeinflussung der männlichen Hierarchien durch sexuelle Verweigerung, Intrigen und soziale Geflechte im Untergrund.

Die mangelnde Bereitschaft zur Weiterentwicklung ethischer Vorstellungen, vor allem in religiösen Hierarchien, wirkt sich nachteilig fr die Evolution aus. Es erschwert die Anpassung von Verhaltensregeln an neue gesellschaftliche Gegebenheiten, wie sie mit einer Weiterentwicklung von Wissenschaft und Technik erforderlich sind. Der Einflussbereich eines transzendenten Gottes wird durch die Entwicklung von Wissenschaft und Technik immer weiter eingeschränkt. Schließlich beschränkt sich der Einfluss auf eine Zeit vor der Zeit, auf eine Zeit vor dem Beginn der Welt. Das hält jedoch die Menge der wahrhaft Gläubigen nicht davon ab, einem Kinderglauben nachzuhängen und darin psychische Harmonie zu finden. Glauben lässt im Gegensatz zu einem wissenschaftlichen Weltbild keine Falsifizierung, kein Infragestellen des Glaubensinhaltes zu.

Viele, namentlich religiöse Menschen, sind jedoch praktizierende Atheisten. Deshalb gibt es auch Kämpfe zwischen den weltlichen und religiösen Machthierarchien.

Dieses Zeitalter ermöglicht die Geburt von Kunst und Technik als einem wesentlichen Faktor zum Erhalt und zur Festigung der beiden patriarchalischen Machtstrukturen. Auf dem Höhepunkt dieses Zeitalters gibt es praktisch keine weißen Flecke auf der Erdoberfläche mehr. Die Grundlagenforschung konzentriert sich mehr auf die Suche nach einer einheitlichen Weltformel. Die angewandte Forschung weitet sich aus und schafft einen gigantischen Wohlstand fr einen Teil der Weltbevölkerung. Daraus entstehen nicht zu lösende Ungerechtigkeiten, die nach einer immer umfassenderen Organisation, nach einer Weltregierung verlangen.

Evolution bedeutet Veränderung. Komplexe Systeme versuchen, sich immer in Richtung eines stabilen Zustandes zu verändern. Ist ein solcher erreicht, tritt Stagnation ein und die Entwicklung kommt zum Stillstand. Ein solcher Zustand kann sehr harmonisch sein und größere Zeitrume überdauern. Er könnte sogar praktisch unendlich lange so bestehen, wenn das Universum nur aus diesem einen System bestünde.

Komplexe Systeme bestehen aber meist aus Untersystemen und konkurrieren mit anderen, ähnlich großen oder größeren Systemen.

Eine längere, stabile Phase eines Systems bietet immer einem anderen, nicht stabilen, dynamischen System genügend Anreize, sich so zu verändern, dass es besser wird als der Konkurrent. Meist wird dabei die Stabilität zerstört und der Zyklus beginnt von neuem.

Evolution findet nur statt im ständigen Wechsel zwischen instabilen und stabilen, zwischen disharmonischen und harmonischen Zuständen.

Der Übergang ins Dritte Zeitalter der Menschheit bedeutete eine besondere, so noch nicht da gewesene Qualität an Instabilität für die menschliche Gesellschaft. Es war eine Transformation in einen anderen Zustand.

Das lag zum einen daran, dass dieses System "Menschliche Gesellschaft" an ihre Grenzen gestoßen war und zum anderen daran, dass viel zu lange versucht wurde, Stabilität und Harmonie aufrecht zu erhalten. Das ist aber Gift für die Evolution jedes höheren Systems.

Beide Umstände vergrößerten die Wahrscheinlichkeit der totalen Zerstörung. Zuletzt bestand die Stabilität nur noch als Gleichgewicht des Schreckens. Zu groß war das angehufte Vernichtungspotential.

Es war verständlich, dass die Menschen aus den Erfahrungen von zwei zerstörerischen Weltkriegen, in denen es um die Vorherrschaft von Untersystemen in der Gesellschaft ging, nun endlich die "gewaltfreie, humanistische Gesellschaft" propagierten.

Das war eine Richtung auf ein neues Etappenziel der menschlichen Evolution.

Was die meisten Menschen aber nicht wahrhaben wollten, war die Tatsache, dass solch eine neue harmonische und stabile Gesellschaft nur durch gewaltige Instabilitäten erreicht werden konnte. Instabilitäten, Unsicherheiten und Chaos konnten nur entstehen, wenn die bisher stabilen gesellschaftlichen Untersysteme radikal in Frage gestellt wurden.

Nur wenige erkannten anfangs die existentielle Bedeutung dieser Problematik. Da das System global an Grenzen gestoßen war, mussten alle Bereiche der menschlichen Gemeinschaft in Frage gestellt werden. Es bestand eine große Gefahr darin, dass versucht wurde, einige Bereiche davon auszunehmen.

Industrie Produktion Wohlstand

Obwohl die Gewinnung der Ressourcen an Rohstoffen und Energie immer uneffizienter wurde, wollte die Mehrheit der Menschen in den Industrienationen nicht auf den Wohlstand verzichten.

Die in Jahrmillionen aufgespeicherten Energien in Form von organischen Brennstoffen erreichten eskalierend den Höhepunkt ihrer Ausbeutung, um dann in den Zustand der Vernutzung zu kommen. Das, was sich effizient abbauen ließ, war abgebaut. Die Kohle, das Öl und das Gas waren zum größten Teil verbrannt und die Rückstände wieder in der Luft. Die daraus gewonnene Energie war zum größeren Teil als Wärmestrahlung in den Weltraum entwichen.

Die Hoffnung, man könne mit alternativen Energien wie Sonnen-, Wasser-, Erd-, und Windkraft den Wohlstand für alle erhalten, erwies sich als fataler Trugschluss. Allein die Herstellung dieser Anlagen und ihre Wartung erforderte selbst so viel Energie, so dass im Ergebnis sehr wenig zur freien Verfügung stand. Daran änderte auch eine Renaissance der Atomkraft nichts. Die Reserven an Uran waren, wie die fossilen Energieträger auch, bald erschöpft. Die Beherrschung der Kernfusion erforderte einen gewaltigen technologischen und materiellen Aufwand, für den gegen Ende des Zweiten Zeitalters keine Kapazitäten mehr vorhanden waren.

Die Endlichkeit der natürlichen Ressourcen und die restlose Besiedlung und Nutzung der zur Verfügung stehenden Landmassen machten solche Fähigkeiten wie Aggressivität, Rücksichtslosigkeit, Egoismus, Eroberungs- und Expansionsdrang zu einer Gefahr für den Fortbestand der Menschheit. Es gab nichts mehr, was ungestraft und ohne Missbilligung von einzelnen Interessengruppen, Staaten und Staatenbündnissen erobert werden konnte, weder Land noch Menschen.

Die Ressourcen waren aufgeteilt. Die westlichen Industrienationen konnten ihren Wohlstand nur aufrechterhalten, wenn der große Rest der Weltbevölkerung weiterhin auf einem niedrigen zivilisatorischen Niveau gehalten wurde. Doch das stellte sich als eine Illusion heraus. Die Industrienationen hatten ja ihren eigenen Totengräber schon geschaffen: die Globalisierung. Das Maß der Ungerechtigkeit wurde jetzt im globalen Maßstab überdeutlich sichtbar.

Weltweiter Waren-, Finanz- und Nachrichtenverkehr schufen die Grundlage für neue Begehrlichkeiten und Teilhabeforderungen der Benachteiligten am Wohlstand der reichen Industrieländer. Obwohl sich die westlich geprägten reichen Länder wie in einer Wagenburg zu verteidigen suchten, gelang es doch immer mehr "Zornigen Jungen Männern" aus der dritten Welt die Befestigung zu durchbrechen.

Um diese ständig wachsenden Probleme zu lösen, wurde in streng vertraulichen Kreisen über die Möglichkeiten lokaler Kriege nachgedacht. Mit fingierten Kriegsgründen und Propagandakampagnen wurden Staaten zu Terrorstaaten gemacht, die den Weltfrieden gefährdeten. Sie wurden gleichsam als Krebsgeschwüre angesehen, die vernichtet werden mussten. Doch sie verhielten sich dann tatsächlich wie Krebsgeschwrüe und setzten überall in den westlichen Industrieländern ihre Metastasen ab.

Die demografischen Zustände in den unterentwickelten Ländern waren der Grund dafür, dass die vielen arbeitslosen männlichen Jugendlichen zu einem gefährlichen aggressiven Potenzial anwuchsen. Diese sozialen Missstände, gepaart mit Heilsversprechungen und Belohnungen im Himmel mit einer Schar von Jungfrauen (Warum wurden die Jungfrauen eigentlich so hart bestraft?) ergaben eine explosive Mischung für junge männliche Gotteskrieger. Die Aussichtslosigkeit vieler von ihnen auf einen Job, um damit eine Familie zu gründen und zu erhalten, wurde immer größer.

Selbst unter Jugendlichen in den westlichen Industrieländern machte sich eine gefährliche Endzeitstimmung breit. Niederqualifizierte Arbeiten wurden immer stärker unterbezahlt. Nur wenige in den wohlhabenden Industrienationen wurden durch die Zins- und Inflationspolitik ohne eigene Arbeit immer reicher. Diese inneren Spannungen überlagerten sich mit den äußeren Spannungen, die aus den Widersprüchen zu den immer erfolgreicher werdenden bevölkerungsreichen Ländern entstanden. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Energie betrug in den wohlhabenden Industrienationen ein Vielfaches gegenüber dem Verbrauch in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Ein gerechter Ausgleich, mit einem drastischen Wohlstandsverzicht, war nicht konsensfähig.

Die Kriegsgefahr nahm zu. Eine drohende Umverteilung des Reichtums und eine Neuaufteilung der verblieben Rohstoffe und Energieträger wurde immer wahrscheinlicher. Da halfen auch keine antiterroristischen Maßnahmen, die führten nur weiter in eine totale Überwachung aller und erzeugten gefährliche Spannungen in der Bevölkerung. Denn der Grund und die Basis des so genannten Terrorismus wuchsen weiter und konnten nicht beseitigt werden. Dieses Dilemma vergrößerte sich ständig.

Soziale Strukturen der Gesellschaft

Die soziale Basis des Zweiten Zeitalters der Menschheit war die patriarchalisch organisierte Familie als kleinste Zelle der Gesellschaft. Sie sorgte lange Zeit für Stabilität und Wachstum. Auch die anderen Bereiche der Gesellschaft waren patriarchalisch hierarchisch aufgebaut.

Erst bildeten Könige, Kaiser, Päpste und Kirchenfürsten, später dann Kanzler, Präsidenten, Päpste, Religionsführer, Industrie- und Finanzbosse die Spitzen der Hierarchie.

Als die Industrie ihre niederqualifizierten Arbeiter verlor (sie wurden einfach nicht mehr gebraucht), die Kirchen in den westlichen Industrieländern leer blieben und die Bürger immer weniger zu den Wahlen ihrer politischen Hierarchien gingen, merkte man langsam, dass auch dieser Bereich auf dem Prüfstand der Werte stand.

Was in der patriarchalischen Gesellschaft so gut funktioniert hatte, begann sich aufzulösen. Das betraf auch die kleinste Zelle dieser Gesellschaft, die Familie. Die nicht mehr aufzuhaltende Befreiung der Frauen aus den Fesseln der vergangenen Epochen brachte die alten Familienstrukturen zur Auflösung. Keine Frau wollte sich mehr als Untertan des Mannes fühlen. Wirtschaftliche Unabhängigkeit von dem sich patriarchalisch verhaltenden Mann wurde für viele Frauen ein Ziel ihrer Selbstverwirklichung. Ehegemeinschaften hatten eine immer geringer werdende Lebensdauer. Es begann erst langsam in den westlichen Industriegesellschaften und breitet sich dann immer schneller über den Globus aus.

Viele Familien lösten sich auf, nachdem die Kinder erwachsen waren. Später lösten sie sich auch viel früher auf oder wurden gar nicht erst gebildet. Alleinerziehende Elternteile wurden trotz der wirtschaftlichen Probleme immer häufiger. Allgemein ging aber die Geburtenrate in diesen Ländern zurück. Das war sicher auch sinnvoll, da die Gesellschaft sich längerfristig auf ein nachhaltiges Wirtschaften einstellen musste und das verlangte einen Rückgang der Bevölkerungsdichte, sollte es nicht zu katastrophalen Verteilungskämpfen kommen. Doch dadurch entstanden neue Spannungen zu den religiös geprägten und in archaischen Gesellschaftsstrukturen verbliebenen Ländern. Diese hatten, bedingt durch die fast totale Abhängigkeit der Frau vom Familienoberhaupt, dem Mann, eine höhere Geburtenrate. Außerdem besaßen diese Gesellschaften meist einen geringeren Bildungsstand. Die Epoche der Aufklärung, die Säkularisation, die Trennung von Staat und Kirche war in diesen Ländern, wenn überhaupt, sehr schleppend und unvollständig vonstatten gegangen.

Mit grotesken Kampagnen wurde versucht, die alten Strukturen zu retten. Die Rückbesinnung auf die "Geborgenheit der Grofamilie und Sippe" mit alten religiösen Werten sollte die Lösung bringen und den Einfluss der Kirchen erhalten. Doch dieser Archaismus funktionierte nur noch in bildungs- und internetfernen Schichten der Bevölkerung. Die heranwachsenden Generationen, aufgewachsen mit Computer und Handy, und freiem Zugang zu weltweiten Informationen, geriet immer mehr in Widerspruch zu den Alten, die als Entscheidungsträger und konservative Wächter in den Regierungen und Expertenkommissionen saßen. Hier baute sich ein enormes Konfliktpotential auf, das dann später nicht mehr zu kontrollieren war.

Die Ehegemeinschaft wurde immer brüchiger und war nicht mehr überlebensfähig. Sie war unter dem Trend der geschlechtlichen Gleichberechtigung nicht mehr länger stabil, sie hatte sich überholt und wurde rückständig und später geächtet. Wahre Gleichberechtigung war nur unter androgynen Formen möglich. Die Menschen sind aber keine androgynen Wesen, wie die als edler empfundenen Raubtiere unter den Tieren. Die Menschen sind viel stärker den Herdentieren ähnlich.

Nachdem Ehescheidungen immer häufiger und kurzfristiger erfolgten und auch die neuen Eheschließungen immer enttuschender wurden, setzte sich endgültig der Trend zur alleinerziehenden Frau durch. Der Mann musste in der Familie seine (physischen) Aggressionen unterdrücken, was nie ohne psychische Probleme verlief, während die Frau ihre sozial sanktionierten, psychisch dominierten Aggressionen voll ausleben konnte. Getrennte Wohnungen milderten das Problem. Die gemeinsamen Zeiten zwischen Männern und Frauen waren so auf ein für beide Seiten erträgliches Maß reduziert. Die Frau bewohnte eine Wohnung meist mit den Kindern zusammen, der feste Freund hatte eine räumlich getrennte Unterkunft. Gemeinsame Zeiten beschränkten sich auf die Wochenenden, Feiertage und gelegentlich auch auf den Urlaub. Diese Form konnte längere Zeit stabil bleiben.

Den meisten Frauen in einer archaischen Ehegemeinschaft gelang es später, auf Grund ihrer überlegenen sozialen Kompetenz, sich mit ihren Kindern zusammen gegen den Mann zu verbinden und diesen bis zum Äußersten zu bringen, sodass die Ehe aufgelöst werden konnte.

Das Selbstwertgefühl der Männer geriet in eine nicht mehr zu beseitigende Krise. Es bildete sich in ihren Reihen Widerstand aus, der ein Zurück zu den traditionellen Rollenverteilungen zwischen Mann und Frau in der Gesellschaft propagierte. Besonders heftig wurde das Gendermainstreaming, das Gleichstellen der Geschlechter, bekämpft. Das war ein entscheidender Fehler der konservativen Männerbewegungen, der dann folgerichtig die Wahrscheinlichkeit einer Katastrophe erhöhte.

Die klassische Rollenverteilung zwischen Mann und Frau war am Ende.

Fortpflanzung und Erhaltung der Art

Höhere Lebewesen auf dem Planeten Erde sind polar organisiert in weibliche und männliche Exemplare.

Die Entwicklung hat gezeigt, dass es sehr sinnvoll war. Ein neues Lebewesen entstand in der Regel je zur Hälfte aus den Erbinformationen seines weiblichen und männlichen Elternteils. Es entstanden ständig neue Mischungen der Eigenschaften und angeborenen Fähigkeiten und jedes neue Exemplar Mensch war ein Individuum. Durch dieses ständige Mischen, verbunden mit den Mutationen, konnte auf Umweltveränderungen, die auch in Form verheerenden Krankheiten auftraten, besser reagiert werden.

Sehr sinnvoll war auch die Differenzierung in männlich und weiblich. Das ermöglichte die Spezialisierung des ansonsten universalistisch entwickelten Menschen. Jagende Männerhorden waren den konkurrierenden Raubtieren zumindest ebenbürtig gewesen. Diese, sich in Jahrtausenden herausgebildete Spezialisierung, wurde später zu einem Hindernis der weiteren Entwicklung. Es war eine Sackgasse der Evolution geworden. Diese Spezialisierung war vorteilhaft auf einer niederen Stufe der Intelligenzentwicklung. Aber es war ja auch diese Entwicklung der intellektuellen Fähigkeiten, die den Abstand zum Tierreich ständig vergrößerte und all das, was aus dem Tierreich stammte, obsolet werden ließ.

Durch äußerliche Einwirkungen auf das Erbmaterial und besonders auf die sehr empfindlichen männlichen Samenzellen entstanden ständig Abweichungen, Mutationen. Die meisten dieser Mutanten waren schlechter angepasst als ihre Eltern, einige sehr wenige aber auch besser. Die natürliche Auslese bei den Paarungsriten sorgte dafür, dass die besseren ihre neuen Fähigkeiten und Eigenschaften fortpflanzen konnten. Die männlichen Exemplare einer Gattung hatten die Aufgabe, die genetischen Veränderungen in ihrer Gattung zu beschleunigen.

Diese Art der Fortpflanzung kam erst sehr spät auf den Prüfstand der Evolution. Es gab enorme Widerstände bei der sich langsam herauskristallisierenden Gewissheit, dass diese Methode der Fortpflanzung ein Hindernis für die Weiterentwicklung der Menschheit war. Es war nicht nur ein Hindernis, diese Art der Vermehrung der menschlichen Rasse gefährdete sogar ihren Fortbestand.

Die Männer wollten nicht begreifen, dass ihr Beitrag für die Zukunft der Menschheit aus den verschiedensten Gründen irrelevant war. Dabei wurden Gentechnologien einfach ignoriert, die neue Menschen über In-vitro-Fertilisation, intrazytoplplasmatische Spermieninjektion, Klonen (vehement bekämpft, vor allem von religiösen Moralisten) oder später dann die Vereinigung zweier weiblicher Eizellen, deren Chromosomenzahl auf die Hälfte reduziert wurde.

Es wurde immer wahrscheinlicher, dass der menschliche Nachwuchs in einer künstlichen Gebärmutter aufwachsen konnte und das die dazu benötigten Ei- und Samenzellen aus Stammzellen auch außerkörperlich gezüchtet werden konnten. Selbst wenn es eine gewisse Zeit dauerte, bis diese Technologie voll ausgereift war, kam sie jedoch nicht zu spät.

Aggressionen der Männer, die sich hauptsächlich im Physischen ausleben, werden immer stärker gesellschaftlich geächtet. Diese Aggressionen müssen (von ihren Besitzern) verdrängt werden. Nur leider heißt verdrängen nicht beseitigen, sondern oft nur verschieben in andere Bereiche und Gebiete. Nur ritualisierte Angriffe und Aggressionen (typisch männliche Sportarten: Fußball, Football, Stierkampf, Boxen, Tennis) bei denen getreten, gestoßen, geworfen und niedergerungen wird, sind noch als Betätigungsfeld männlicher Aggression erlaubt.

Der gemeine Mann besitzt eine morbide Faszination fr Gewalt und Blut. Autounfälle, Schlägereien schon auf Schulhöfen, Boxkämpfe, Automobilrennen, Fußballspiele lockten täglich Millionen von begeisterten Männern und Jungen, gierig nach Augenblicken der Gefahr, Schlägen ins Gesicht, gebrochenen Knochen, bewusstlosen oder sogar sterbenden Wettkämpfern.

Karrierismus und Mobbing, vornehmlich im stetig wachsenden Beamtenapparat, waren auch kein vollständiger Ersatz für physische Aggressivität.

Allerdings, und das führte zu großen Problemen, kann die eingeübte Aggressivität nicht mehr wirklich ausgebt werden. Kriege als ein geeignetes Instrument dafür sind, da sie den Fortbestand der gesamten Menschheit gefährden, nicht mehr länger geeignet. Auch die sogenannten Präventivkriege lassen sich nicht länger rechtfertigen.

Als Folge von psychischen Verdrängungseffekten entsteht ein weites Spektrum aller möglichen Perversionen in Subkulturen. Dort herrscht sadomasochistische Gewalt in kleinen abgeschotteten Kreisen und Sekten. Einzeltäter und Amokläufer machen das Problem "Mann" immer wieder öffentlich.

Gegen Ende dieser Übergangszeit entlud sich die verdrängte und aufgestaute Aggressivität in einem apokalyptischen Religionskrieg von vernichtender Brutalität.

Dagegen ist aggressives Verhalten der Frau (üble Nachrede, Freundschafts- und Liebesentzug, Verächtlichmachen, Verspotten, Intrigieren) sozial erlaubt.

Diese frauenspezifischen Widersprüche liegen eine Ebene höher als die Widersprüche einer männerdominierten Gesellschaft. Aggressionen der Frau sind, im Gegensatz zu den Aggressionen der Männer, auf der psychischen Ebene viel stärker zu finden. Für den Fortbestand der menschlichen Zivilisation war es aber von entscheidender Bedeutung, dass die Aggressionen auf der physischen, auf der körperlichen Ebene verschwanden. Nur die Lösung dieser männerbedingten Widersprüche konnte die Gesellschaft insgesamt auf eine höhere Ebene der Entwicklung bringen.

Gegen Ende dieses Zeitalters sind die Erbhierarchien der Macht zerfallen, die Beamtenhierarchie in beiden Machtstrukturen, speziell aber in den weltlichen Strukturen, nimmt immer groteskere Formen an, da sie allein noch eine gewisse Existenzsicherheit im Leben geben kann. Immer mehr Jugendliche, die sich dem Konkurrenzdruck in der freien Wirtschaft nicht gewachsen fühlen, versuchen in diese Oasen der Sicherheit zu gelangen.

Ein immer unförmigerer und langsam erstarrender Beamtenapparat absorbiert alle physische und geistige Macht der übrigen Gesellschaft. Sachzwänge und ein undurchdringlicher Urwald aus Gesetzesvorschriften wirken immer lähmender auf die Gesellschaft. Dieser Apparat ist in hohem Grade egoistisch und auf den Selbsterhalt orientiert. Das Individuum in dieser Hierarchie hat seine (steigende) Besoldung und die gesicherte Altersversorgung im Auge.

Das Ziel des Apparates ist es, omnipotent zu sein und die absolute Macht auszuüben. Die totale Kontrolle und Machtausübung über die Individuen der menschlichen Gesellschaft ist das Ergebnis. Intrigen, persönliche Bereicherung und psychische Schikanierung des Restes der Gesellschaft sind "Tugenden" dieses Apparates. Die Legitimation wird aus der Propagierung der "humanen, gewaltfreien Gesellschaft" geschöpft.

Aggressivität und andere, dem Männlichen zugeschriebene Eigenschaften, werden vorerst nach außen verdrängt. Lokale Präventivkriege zur Sicherung der Macht werden hinter verschlossenen Türen diskutiert und dann mit oft fingierten Kriegsgründen auch begonnen. Offiziell werden solche Kriege im Namen der eigendefinierten Freiheit eines herrschenden Systems oder zur Bekämpfung des Terrorismus geführt.

In Wirklichkeit geht es in jedem Falle nur um den eigenen Machterhalt.

Im Innenbereich der Gesellschaft werden die überlebten patriarchalischen Strukturen im individuellen Zusammenleben propagiert. Die sogenannte Rollenverteilung soll den patriarchalischen Anspruch des Mannes retten. Der Mann sorgt fr die Familie mit seiner Arbeit im Außenraum, die Frau soll mit der Aufzucht der Kinder, der Ernährung, der Sauberhaltung der Wohnung und der Schaffung eine bequemen Umgebung für den Mann im Innenraum beschäftigt sein. Es wird das biologische Modell des Organismus zur Rechtfertigung bemüht. Die Zelle dieses Organismus ist die Familie.

Dem entgegen steht die Selbstverwirklichung der Individuen (vor allem der Frauen) als Nachholbedarf aus früheren Zeiten. Damit wird versucht, den bisher unterdrückten weiblichen Teil der Menschheit für den totalitären Staat zu gewinnen mit dem Ziel der Führungselite, sich eine breitere Legitimation zu verschaffen.

Inzwischen wird aber ein gravierendes Problem und Grundübel der Zivilisation langsam ins Bewusstsein gehoben: Der Mann.

Gipfelpunkt der Übergangszeit ist die sich langsam durchsetzende Erkenntnis des "Monsters Mann": Jungen und Männer sind potentielle Vergewaltiger und Eroberer und gefährden in zunehmendem Mae die Existenz der menschlichen Gesellschaft.

Die zunehmend fraulichere Gesellschaft musste sich vor ihnen schützen, wollte sie eine Zukunft haben. Dabei spielte es keine Rolle, dass sich bei weitem nicht alle Männer in dieses Monsterschema einordnen ließen. Die globalisierte Medienlandschaft machte weltweit die Gewalttaten der Männer publik und es entstand eine scheinbar männerbedingte Gewalt- und Aggressionsdichte, die vorher so noch nicht öffentlich existiert hatte. Diese Probleme waren zwangsläufig eine Folge der weit fortgeschrittenen körperlichen und psychischen Differenzierung zwischen den weiblichen und männlichen Exemplaren der Spezies Mensch. Eine Androgynisierung, eine Annäherung in Physis und Psyche hätte diese Schwierigkeiten längerfristig mildern und vielleicht sogar beseitigen können. Doch dazu kam es nicht.

Sport war größtenteils Kampfsport und darauf ausgerichtet, die Kampfmaschine Mann fit zu halten. In Sportstätten und Fitnessstudios wurde der männliche Körper trainiert, als müsste er in eine Schlacht mit Schwert und Schild. Doch seine Betätigung schränkte sich immer mehr ein auf das Halten eines Schreibgerätes und auf das Bedienen einer Tastatur.

Dieser Widerspruch wurde und wollte auch nicht erkannt werden.

Das propagierte männliche Monsterspektrum:

Eunuch

<Spektrum>

Lustmörder

In einem letzten quälend lustvollen Orgasmus lässt er sich die Hoden und den Penis abschneiden.

Was dazwischen liegt ist stierhaft, tierisch bis hündisch unterwürfig. Auf alle Fälle immer triebhaft tierisch.

Orgasmus wird erreicht, wenn ein erwachsener Mensch (oder noch schlimmer ein Kind) zu Tode gequält wird.

Und das am liebsten auch noch von Frauen.

In jedem Mann steckt so ein (manchmal recht gut) getarntes Monster.

Kastrieren reicht hier nicht mehr.

Zwischen den Extremen gibt es nichts, absolut nichts, was diese behaarten Monster akzeptabel macht könnte.

In Kriegen jeglicher Art wurde das "Monster Mann", auch das bisher gut getarnte, zum Frauen- und Kinderschänder und Mörder. Oft kamen in diesen Kämpfen mehr Frauen und Kinder als Soldaten um.

Kriege waren untauglich geworden, die Männer auf ein für die Gesellschaft erträgliches Maß zu reduzieren und der Gesellschaft neue Ziele zu geben. Technik ist an sich wertfrei. In Folge der männlichen Domäne über die "Technik" entsteht eine starke Gefährdung der Menschheit. Die frauliche Technikfeindlichkeit mit dem Motto: "Gefährdung der Menschheit durch (neue) Techniken" richtete sich gegen die gesamte Technik, da es unmöglich war, in einer männlich dominierten Gesellschaft, die Technik nicht gefährlich werden zu lassen. Jede neue technische Entwicklung wurde zunächst abgelehnt und bekämpft. Das Erhalten und Bewahren, verbunden mit einer kologischen Sichtweise, die nicht weit entfernt von einem Zurück zur Natur angesiedelt war, stellte sich technischen Neuerungen in den Weg. Der oft nicht explizit religiös formulierte Hintergrund eines Gaia-Organismus der Erde wurde zur Begründung für die Ablehnung technischer Entwicklungen herangezogen. Die Komplexität der einzelnen Erdsphären, ihre gegenseitige dynamische Kopplung und Vernetzung erheischte diese religiöse Betrachtung. Doch konnten diese Strömungen die weitere Expansion der Weltwirtschaft nicht stoppen. Alle wirtschaftlichen Systeme waren weiterhin nur existenzfähig, wenn sie Wachstum und Expansion zeigten.

Glücklicherweise zerstörte sich das Patriarchat auf Dauer selbst. Jedoch nicht durch die Frauenbewegung, die ihren Geburtsfehler "Es den Männern gleichzutun" und "es ihnen zeigen zu wollen" nur schwer überwinden konnte.

Das Patriarchat ging an seinen durch die bisherige Evolution aufgebauten Widersprüchen zu Grunde. Die zunehmende Intelligenz, vor allem auch die Zunahme intelligenter und selbstbewusster Frauen in der Bevölkerung, lie diese Widersprüche deutlich werden. Der Mensch begriff sich immer stärker als ein Lebewesen, das dem Tierreich entwachsen war. Er wusste, was er nicht mehr sein wollte, aber wusste lange Zeit nicht, was er jetzt werden wollte.

Konnte man in solch einer Situation noch blind der Evolution vertrauen?

War es nicht besser, die Evolution, auch des Menschen, zu beschleunigen und vor allem sicherer gegen Rückfälle ins Tierreich zu machen?

Das sahen auch immer mehr intelligente Männer ein.

Heftige Widerstände begannen sich zu formieren, vor allem von religiösen, älteren Männern, die ihre Macht, andere, jüngere zu beeinflussen, in diesem Rollback der alten Traditionen auszunutzen versuchten.

Erst durch Quoten, später dann durch legale Machtübernahmen werden die Männer aus den Führungspositionen verdrängt.

Objektiv gab es zunehmend weniger "ursprüngliche Männer". Durch Umwelt, und Erziehungs- und Sozialisierungsprozesse bedingte Impotenz und freiwilliges Zölibat wurden langsam zu einem Problem. Die Geburtenraten gingen in den entwickelten Industrienationen zurück.

Die menschliche Gesellschaft brauchte dringend mehr weibliche Fähigkeiten und Tugenden. Doch wie sollten diese erreicht werden? Eine weitergefasste Eugenik führte auf Widersätnde und konnte nur sehr langsam eingeführt werden.

Wie konnte dem neuen Menschen, vor allem dem neuen Mann, zum Durchbruch verholfen werden?

Die Zurückdrängung der obsolet gewordenen, spezifisch männlichen Eigenschaften musste gewagt werden. Die Sterilisation wird zur staatlich sanktionierten Strafe für alle Männer mit immer weiter gefassten "Verbrechen und Verfehlungen" wie z. B. aggressivem Verhalten Frauen und Kindern gegenüber.

Hormone im Trinkwasser wirkten ebenfalls unterstützend, sie hemmen zusätzlich die Entwicklung der Hoden und die Qualität des Spermas. Hormonelle und psychische Beeinflussung bringt als Ergebnis weniger Sperma von schlechter Qualität und weiche Männer, die gerne "Frau" sein würden. Es ist ein Ansteigen der Transvestiten und eine schleichende Zunahme von Fehlgeburten zu beobachten. Auch Frauen blieben zunehmend unfruchtbar. Wenn auch die Entwicklung einer künstlichen Gebärmutter auf starke Widerstände stößt, lässt sie sich nicht mehr aufhalten. Es gibt gewichtige Gründe dafür. Das ständige Geburtendefizit in den wohlhabenderen Ländern wirkte sich langsam aus. Eine Massenproduktion von Babys erschien immer dringender zu werden. Die Nachkommen könnten einer gesteuerten Selektion unterzogen werden. Nur die wirklich erwünschten Kinder werden geboren. Die Babys wachsen sicherer in einer künstlichen Gebärmutter auf. Störende Einflüsse in Form von chemischen und biologischen Schadstoffen wie Alkohol, Nikotin und Medikamenten könnten vermieden werden.

Ein wichtiger Aspekt ist der Vorteil üfr die Frau. Sie kann ihre jugendliche Figur länger behalten und sie ist nicht mehr den Risiken einer Schwangerschaft ausgesetzt. Sie kann selbst bei Erkrankungen der Gebärmutter ihren Kinderwunsch realisieren. Als ein Nebeneffekt dieser Entwicklung einer künstlichen Gebärmutter war die nicht mehr notwendige Bedingung der Gebärfhigkeit einer Frau. Eine Androgynisierung im physischen Körperbau bekam eine größere Chance für die weitere Entwicklung der Menschen. Weltweit konnte sich die künstliche Gebärmutter allerdings nicht vor der Apokalypse durchsetzen.

Durch eine vornehmlich weibliche Erziehung vom Babyalter bis zum Abitur wurde zunehmend mehr psychischer Druck auf Jungen ausgebt. Es erfolgte eine gesellschaftliche Ächtung aller Kampf- und Computerspiele. Die typisch "männlichen" Kinderspiele wurden aus den Kinderzimmern verbannt. Als Folge davon wird die Entwicklung der primren und sekundären männlichen Geschlechtsmerkmale gehemmt. Das ging nicht ohne anfangs erbitterten Widerstand von Teilen der männlichen Bevölkerung vonstatten.

In eine Spätphase wurden Männer auf Grund ihrer noch vorhandenen typisch männlichen Verhaltenweisen mit dem Schuldkomplex nicht mehr fertig, begingen Selbstmord oder meldeten sich freiwillig zur Sterilisation, um endlich von diesem Druck befreit und über jeden Verdacht erhaben zu sein. "Endlich frei von quälender sexistischer Aggression" war ihr Ziel und wurde von immer mehr Männern als Erlösung empfunden.

Ein geringer Teil der Männer geht in den Untergrund und verhält sich dort unauffällig amoralisch.

Gegen Ende dieser Übergangszeit wird bereits den Eltern von verhaltensauffälligen (aggressiven) Jungen nahegelegt, einer Kastration oder Geschlechtsumwandlung zuzustimmen.

Fr solche Fälle, in denen abzusehen war, was aus diesem latenten Monster von einem Jungen wird, gab es nur zwei Lösungen: Kastration oder Geschlechtsumwandlung. Hier ein typisches Fallbeispiel aus dieser Zeit:

Ein fünfjähriges Mädchen sitzt im Buchladen in der Kinderecke, während seine Mutter in den Regalen stbert. Ein 11jhriger Junge nähert sich dem Kind und spricht es an. Eine Verkäuferin hört, was der Junge zu dem Mädchen sagt, und ist schockiert. In Frauenkreisen nennt man das übelste sexuelle Belästigung. Dazu der zeitgemäße Kommentar: Sexuelle Gewalt oder sexuelle Nötigung ist es auch, wenn ein Jugendlicher ein Kind oder auch eine schon ältere Person gegen den erklärten Willen körperlich berührt, es muss nicht unbedingt eine erogene Zone sein oder auch ein erzwungener Kuss zählt als sexuelle Gewalt und ist sozusagen in dem selben Paragraphen abgehandelt, wie die brutale Vergewaltigung.

Hier ist nur eine Kastration noch sinnvoll.

Als die Kriminalstatistik immer schlimmere Zahlen zu Tage förderte und sich die Fallzahlen in immer kürzeren Abständen verdoppelten und immer mehr Vergewaltiger noch unter 14 Jahren waren, die ein anderes Kind zu sexuellen Handlungen gezwungen oder eine gewaltsame Penetration auch mit Gegenständen vorgenommen hatten, wurden die entsprechenden Gesetze zur Kastration und Geschlechtsumwandlung der auffälligen Jungen erlassen.

Zunächst wurde noch versucht, durch Erziehungsmaßnahmen das Problem zu bekämpfen. Beschwichtigend wurde behauptet, dass es besonders schüchterne, mit wenig sozialen Kompetenzen versehene, ausgegrenzte, aus Patchwork-Familien stammende Jungen seien, die selbst Schlimmes erlebt hätten. Diese Art der Verharmlosung und Abschiebung des Problems hatte keinen längeren Bestand, da die Faktenlage anders war und alle Bereiche der Gesellschaft betraf.

Man glaubte noch, dass eine Umerziehung Erfolg haben könnte, bis man einsah, dass auch diese Maßnahmen keinen Erfolg bringen konnten. Da halfen dann auf Dauer auch keine beschönigten Rückfallquoten aus der Umerziehung.

So wie sich die Nebenwirkungen eines Medikamentes nur durch Absetzung des Medikamentes beseitigen lassen, so konnten auch nur die Nebenwirkungen des männlichen Hormons Testosteron durch Beseitigung des Testosterons vermieden werden.

Wenn ein Sexualdelikt in sehr jungen Jahren (Kindergarten) begangen wurde, und insbesondere dann, wenn es ein Sexualdelikt war, das etwa mit großer Brutalität und als Einzeltäter, also nicht unter dem Druck einer Gruppe erfolgte, wenn also solche Dinge vorlagen, dann wurden nach der Geschlechtsumwandlung des Jungen auch die Gene der Eltern gesperrt, denn es war sicher, dass hier eine kriminelle Karriere vorprogrammiert war. Hier zwei zeitgemäße Fälle:

Wenn 4-, 5-, 6-jhrige Jungen eine altersuntypische Sexualität zeigten: den anderen immer die Hose runterziehen und sie danach anfassen wollten, die eine stark sexualisierte Sprache benutzten, die bestimmte Mädchen auf der Toilette einfach nicht in Ruhe ließen oder überhaupt, wenn Jungens Mädchen anfassten, dann war der Tatbestand, der zur Geschlechtsumwandlung führte, voll gegeben.

Wenn ein Jugendlicher eine Freundin hatte, die noch nicht 14 war, und mit ihr sexuellen Verkehr, es musste gar nicht Geschlechtsverkehr sein, sondern sexuelle Kontakte oder irgendwelche Berührungen hatte und das kam irgendwie heraus und kam zur Anzeige, dann wanderte das in die polizeiliche Kriminalstatistik als ein Fall eines sexuellen Kindesmissbrauchs. Und das führte dann zu einer Verurteilung vor einem Gericht. Kastration des Jungen mit nachfolgender Arbeitserziehung war die Strafe.

Später wurden die Gesetze dann überfällig und (bis auf wenige Ausnahmen) wurden alle Jungen nach der Geburt einer Geschlechtsumwandlung unterzogen. Das war die folgerichtige Entwicklung nach der Apokalypse.

Die gesellschaftlichen Kosten der "Männergewalt" waren bis dahin bereits bis zu einem unerträglichen Maß angestiegen, ebenso das Verhältnis von Mann zu Frau bei Gewaltdaten. Auf 1000 (physisch) gewalttätige Männer kam nur eine (physisch) gewalttätige Frau.

Und wenn diese "physische Gewalttat" der Frau genauer untersucht wurde, dann war sie ursächlich immer auf Männer zurückzuführen, weil Frau es wegen eines brutalen Mannes oder wegen Eifersucht getan hatte.

Nachdem alle frauenpädagogischen Anstrengungen vorheriger Zeiten versagt hatten und auch Sozialisierungsmaßnahmen der Männlichkeit von wenig Erfolg geprägt waren, brachten dann endlich die Kastration und vor allem die Geschlechtsumwandlung im Kindesalter den dringend erhofften Erfolg.

Es wurden Stimmen laut, die nach anderen Wegen der Evolution fragten. So wurde eine Androgynisierung der Gesellschaft vorgeschlagen, eine Angleichung zwischen den Geschlechtern. Die Ausbildung der Jungen in aggressionsfördernden Sportarten, wie zum Beispiel Fußball, sollte aufhören. Die kleinen Jungen sollten "Küssen statt Kicken" schon in der Schule lernen. Eine Minderheit war der Ansicht, dass Frauen und Männer in der alten Geschlechterrolle nicht mehr zusammenpassten. Vom Sport mit seinen aggressionsfördernden Eigenschaften wollte man nicht lassen, war er doch die beste Kriegsvorbereitung schon zu Friedenszeiten.

Eine neue Ebene der Evolution wurde dennoch erreicht, nur nicht so friedlich wie der Übergang hätte sein können.

Die expansive und ausbeuterisch gewalttätige Etappe (auf allen Gebieten) der Menschheit war zu Ende. Das "Nachhaltige Wirtschaften" wurde dringend notwendig.

Davor kam es anfangs noch zu religiös verschleierten Kämpfen ("Heiligen Kriegen") zwischen patriarchalisch, religiös orientierten, archaischen Gesellschaften und sogenannten modernen Industriegesellschaften. Zum Schluss kämpfte jeder gegen jeden.

Eine Reihe katastrophaler Zusammenbrüche wirtschaftlicher, finanzieller, religiöser und sozialer Art sowie menschlich verschuldeter Naturkatastrophen leiteten diese Übergangsepoche ein.

Ausgelöst durch Naturkatastrophen und Rohstoffknappheit, kam es in der ökonomischen, kommunikativen und politischen Globalisierung zu einer sich schnell ausbreitenden Hinwendung zu Glaubensinhalten. Die Komplexität der Gesellschaft war für das Individuum zu groß geworden. Zu viele Fragen mussten rational unbeantwortet bleiben. Dafür gab es dann die unterschiedlichen irrationalen Erklärungen der verschiedenen Glaubensrichtungen. Erkenntnisse, wie etwa die der natürlichen Evolution aus einer vorangegangen Epoche des Rationalismus und der Aufklärung, gerieten in Vergessenheit. Erst wurden die wissenschaftlichen Erkenntnisse von religiösen Fundamentalisten bekämpft und später verschwanden sie dann aus der immer stärker religiös ausgerichteten Schulung des Nachwuchses.

Der religiöse Fundamentalismus in allen Religionen nahm gewaltige Ausmaße an. Besonders in den monotheistischen großen, das Patriarchat stützenden Glaubensgemeinschaften, breitete sich eine apokalyptische Endzeitstimmung aus. Die Religionen steuerten auf eine Entscheidungsschlacht hin, in der schließlich jeder Mensch gezwungen wurde, sich für oder gegen den jeweiligen Gott zu entscheiden. Die grausame Verfolgung der anderen, der "Ungläubigen" setzte ein.

Der Humanismus, wenn es je einen gegeben hatte, endete auf dem Scheiterhaufen der Geschichte. Die Menschheit schien auf den Höhepunkt des sittlichen Verfalls, der Gewaltverbrechen, der Ungerechtigkeiten gekommen zu sein. Die Herrschaft des Bösen wurde jeweils in den anderen Religionen und Wirtschaftsmächten gefunden, gegen die man dann unerbittlich den Endkampf "Gut gegen Böse" führen musste.

Die eigentliche Ursache, das Auslaufmodell der Evolution, der Mann, der diese monotheistischen Religionen erst hervorgebracht hatte, wurde nur von den wenigsten erkannt. Aber diese wenigen handelten, zunächst noch im Verborgenen und später waren sie es dann, die auf dem Trümmerfeld, das die Gotteskrieger hinterlassen hatten, die neue Gesellschaft aufbauten.

Alle Religionen hatten ihren Anhängern das "Paradies auf Erden" versprochen, was sie erreichten, war die fast vollständige Vernichtung der Menschheit im "Apokalyptischen Nuklearkrieg".

Es war aber nicht die totale Vernichtung der Menschheit sondern nur die totale Vernichtung des Patriarchats.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass hier einige Frauen aus dem geheimen Untergrund aktiv beteiligt waren, indem sie die verbliebenen Gottes-Männer und Gottes-Krieger in ihre "letzten Gefechte" schickten.

 

Das 3. Zeitalter, das wahrhaft "Goldene Zeitalter" konnte jetzt endlich beginnen.

Was die Insekten, von manchen Biologen als die eigentlichen Herrscher der Erde bezeichnet, vorgemacht hatten, konnte nun in Angriff genommen werden: die praktisch monogeschlechtlich stabile Gesellschaft. Die physische Entwicklung war zu Ende, jetzt begann die lang ersehnte geistige Entwicklung der Menschheit.

(weiter im Buch)

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