Titel

Das Brennen der Dämmerung

Leseprobe

Urheber
Sandra Rehschuh

Verlag
AAVAA Verlag Ug
Bindung
Paperback
Seitenzahl
271
Sprache
Deutsch
Format
19,8 x 13,8 cm
ISBN
3-8625-4593-8
Preis
€ 11,95 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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Finsternis liegt über der Residenzstadt Dresden. 
Die Vampirjägerin Franziska Maschke gerät auf die Fährte eines Blutsaugers, der Interesse an wertvollen Artefakten zeigt. 

Dabei trifft sie auf einen geheimnisvollen Mann, der ihr auf seltsame Art vertraut erscheint. 
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Denn ist der rote Mond einmal aufgegangen, gibt es keine Rettung mehr.  

Leseprobe

Ein halbes Jahr zuvor …

 

Seit Stunden waren die Restaurants und Cafés am Neumarkt zugesperrt. Dichter Nebel zog von der Elbe in die Straßen und tauchte die Altstadt in ein geheimnisvolles Licht. Wenige Laternen brannten zu dieser Zeit noch; Stille beherrschte die Stadt.

Eine Nacht, um für sich zu sein, um nachzudenken, über das Vergangene und das Kommende. Die Augustusstraße, nicht breiter als eine Gasse, und dennoch eine Attraktion für Touristen, war wie leergefegt. Liebevoll fuhr Franziska die Fugen der Sandsteinmauer nach, auf der, in für sie unerreichbarer Höhe, der Fürstenzug thronte. Verirrte Lichtstrahlen spiegelten sich auf den bemalten Kacheln aus Meißener Porzellan. Vierundneunzig Männer zählte Franziska im Vorbeigehen und verließ die Straße in Richtung der Brühlschen Terrasse.

Sie stieg die Stufen der Freitreppe hinauf. Zu beiden Seiten bildeten Bäume eine Allee, an dessen Ende sich ein Plateau befand. Dort ließ sie sich auf den Rand des Delphinbrunnens nieder, hörte dem Plätschern des Wassers zu und schloss die Augen. Der Stein unter ihr war noch warm vom Tag und schenkte das Gefühl von Geborgenheit. Bis jetzt war es ein ruhiger Abend und inständig hoffte sie, dass es so bleiben würde. Ein Auto fuhr am Terrassenufer entlang, ein Dampfer störte mit seinem Tuten die Ruhe. Wenige Wolken verdeckten den sternenklaren Himmel.

Eine einzige Nacht Frieden. Nicht kämpfen müssen. Ein gewöhnlicher Mensch sein. Franziska wusste, dass es nicht ihre Bestimmung war. Sie war anders. Zu oft hatte sie die Schattenwesen berührt, als dass dieses spurlos an ihrem Herzen vorbei gegangen wäre. Ein Funken der Dunkelheit hatte sich auch in ihr eingenistet und einen Abgrund in ihrer Seele geöffnet, der es ihr ermöglichte, zu töten. Unzählige Male hatte Franziska versucht, sich dagegen zu wehren. Das Abschlachten nicht länger mitzumachen. Doch sie war dazu gezwungen. Hätte sie es nicht getan, so wären es die Vampire gewesen, die sie zur Strecke gebracht hätten. Immer war es Notwehr und trotzdem machte es ihr auf Weise Spaß. Das Gefühl, wenn die Klinge durch das Fleisch schnitt, dem letzten röchelnd Atemzug des Monstrums zu hören, bis auch dieser verklang.

Tränen rannen ihr heiß die Wangen herab, Nebel hüllte sie ein. Sie hatte gemordet und würde es erneut tun. Wie lange konnte sie mit diesem Wissen leben, ohne ihre Menschlichkeit zu verlieren?

Ein schriller Schrei durchbrach den Trübsinn, bohrte sich wie ein Pfeil in ihr Innerstes. Dem Ruf folgte ein neuer, der von den Häusern widerhallte. Franziska sprang auf, hob den Kopf in den Wind und versuchte die Bestie zu wittern. Ein erbärmlicher Gestank nach Fäulnis wehte ihr entgegen. Ob es Einbildung war oder ein Instinkt, entwickelt in den Jahren des Jagens, hatte keine Relevanz. Zu glauben, sie riechen zu können, bedeutete ein Stück mehr wie diese Vampire zu sein.

Zum wiederholten Male erklang das Gebrüll, getragen und zerstreut vom Nebel. Sekunden stand Franziska unschlüssig da. Wenn sie sich nicht bald entschied, würde ein Mensch sterben.

Ihre Entscheidung stand schon längst fest, gestand sie sich ein. Ohne weiter nachzudenken, wählte sie die Richtung zum Neumarkt, die Münzgasse hinauf. Sie vertraute auf ihre Eingebung.

Noch bevor das Opfer die Lippen zu einem neuerlichen Laut des Schreckens öffnen konnte, war sie dort und packte den Angreifer im Nacken.

Überrascht von dem unerwarteten Widerstand ließ er von seiner Beute ab.

»Lauf!«, schrie sie dem Fremden zu, dessen Hals mit einem dünnen Rinnsaal Blut bedeckt war.

Erstarrt stand er da, rührte sich nicht.

»Du schon wieder!«, fauchte ihr Gegner.

Die Stimme riss den Unbekannten aus seiner Lethargie. Ohne sich umzudrehen, rannte er davon. Er stürzte über einen unsauber eingesetzten Pflasterstein und kroch auf allen Vieren in die Dunkelheit und verschmolz mit dieser.

Ein weiteres Leben, das sie gerettet hatte. Franziska lächelte und wandte sich der Bestie zu.

»Ja, ich bin es. Was wolltest du von ihm?« Hartnäckig klammerte sie sich um seinen Hals, während ihr Gewicht auf seinem breiten Rücken lastete. Wie ein geschundenes Tier bewegte er sich unter ihr, schaffte es nicht, Franziska abzuwerfen.

»Wir brauchen jeden, den wir bekommen können, um unser Ziel zu erreichen. Und jetzt lass ab von mir, Jägerin, oder du wirst es bitter bereuen.«

»Ständig diese leeren Versprechen.« Sie verstärkte den Griff um seine Gurgel.

»Sowohl du als auch deine Organisation, ihr wisst nicht, was ihr anrichtet. Mehr Schaden denn Nutzen.« Mit einer Schlange vergleichbar wandte er sich.

Nur mit Mühe konnte sich Franziska an ihm halten. Er war stärker, als die Vampire, gegen die sie bisher gekämpft hatte. Deutlich waren seine Muskeln unter dem T–Shirt zu erkennen. Sehnige Hände an Armen, die breiter als ihre eigenen Oberschenkel waren, packten nach ihr. Franziskas Fingernägel bohrten sich in seinen Stiernacken. Sie musste diese Rangelei zum Abschluss bringen, bevor er ihr Ende besiegelte.

»Meine Organisation und ich, wir befreien die Erde von Ungeheuern wie dir.«

»Wir sind keine Ungeheuer.« Er bäumte sich auf. »Ihr seid die Monster. Du verstehst nicht das Mindeste. Töte mich und du wirst niemals erfahren, warum Maik gestorben ist. Und woran die gesamte Menschheit zugrunde geht. Ich wollte ihn retten, würde auch dich retten, Franziska Maschke. Aber du hast deine Chance verspielt. Wenn du und dein Team weitermachen, wird es das Ende dieser Welt sein.«  

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