Titel

Die Saga von Erik Sigurdsson - Das Blut der Wikinger

Leseprobe

Urheber
Rainer W.Grimm

Verlag
BoD Norderstedt
Bindung
Paperback
Seitenzahl
304
Sprache
Deutsch
Format
14,8 x2 1 cm
ISBN
978-3-8334-3957-2
Preis
€ 18,50 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

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Im Jahre 995 n. Chr. tritt der christlich erzogene König Olaf Tryggvesson seine Herrschaft in Westnorwegen an und verfolgt fortan das Ziel ganz Norwegen zu christianisieren. Es bricht ein erbitterter Kampf zwischen dem König und den heidnischen Asenanbetern aus. In dieser schweren Zeit, reift Erik der Sohn des Wikingerfürsten Sigurd zum Mann.

Jarl Sigurd und seine Söhne Bjarne und Erik werden in diesen blutigen Konflikt hineingezogen, schwören König Olaf den Gefolgschaftseid und bekennen sich halbherzig zum Christenglauben. Dem Ruf des Königs folgend, vertreiben sie die heidnischen Dänen aus Olafs Erbreich. Erik schlägt seine erste Schlacht und es soll nicht seine letzte gewesen sein. Er folgt seinem Schicksal und keiner ahnt, dass Erik nur einige Jahre später als Jarl und überzeugter Christ, seiner heidnischen Heimat den Rücken kehren muss

Leseprobe

8. Die Geißel Gottes 

Im Morgengrauen hatten die Nordmänner ihre Schiffe an der Küste des Sachsenlandes unbemerkt auf den Strand gezogen. Eine schwarze Skaid und eine Schnigge.

Die Krieger scharrten sich um ihre Anführer und zogen dann landeinwärts. Aufsteigende Rauchschwaden in der Ferne, verrieten ihnen die Richtung, in die sie marschieren mussten. In einem kleinen Wäldchen hielten sie inne. Vor ihnen lag, in morgendlichen Nebel gehüllt, eine große Ebene, hinter der man nur schwer, die niedrige Mauer erkennen konnte, die das Dorf umgab. An der Spitze der Wikinger, stand ein schwarzbärtiger Hüne. Sein langes, dunkles Haar wehte leicht im Wind, denn einen Helm trug er nicht. Neben dem großen Anführer stand ein Mann. Er trug einen schwarzen Umhang und darunter er ein ehernes Kettenhemd. Der verzierte Helm, bedeckte ein Haupt mit langen, blonden Locken und einen eben solchen Bart.

„Nun mein norwegischer Waffenbruder, kannst du deinen unbändigen Hass und den Hunger nach Christenleibern stillen! So wie ich es dir versprach“, sagte der schwarzhaarige Hüne und lachte.

„Hier hast du ein ganzes Dorf voll von ihnen!“

Er zog sein Schwert aus dem Wehrgehäng und rief den Namen des nordischen Gottes Odin. Nun hab auch der blonde Wikinger seine langstielige Axt und wie ein Wolfsrudel, stimmten die Krieger in den Ruf ein.

„Odin!“ „Odin!“ „Odin!“ 

Donnerhall gleich, dröhnte der Name des Wikingergottes, durch die kühle des Morgens. Und dann brach das laute Kriegsgeschrei der Angreifer los und die Nordmänner stürmten auf die schlafende Siedlung zu.

Vertrauend auf den Schutz des Landesherrn, hatten sich die ahnungslosen Bewohner des Sachsendorfes sicher gefühlt. Wachenmänner gab es keine.

Doch nun war das Entsetzen groß, als sie den Angriff der Wikinger bemerkten. Der Lärm der anstürmenden Krieger, riss auch den letzten Sachsen aus dem Schlaf. Doch da war es für die meisten, bereits zu spät.

Einem Rudel hungriger Wölfe gleich, fielen die Nordmänner in das Dorf ein.

Dies war kein gewöhnlicher Überfall, der es zum Ziel hatte reiche Beute zu machen. In dem ärmlichen Dorf, gab es für die Räuber nicht viel zu holen, das wussten die Wikinger. Diesmal trieb sie die Blutgier. Die reine Lust am töten.

Die wenigen wehrfähigen Männer hatten Mühe, sich zur Verteidigung zu sammeln. Sie liefen aus ihren Hütten und erkannten nicht, was um sie herum geschah. Ein Mann, der der Dorfälteste oder Häuptling war, rief ihnen Befehle zu. Doch kaum einer hörte auf ihn. So nahm das Unheil seinen lauf.

Die Wikinger stürmten über die flachen Mauern, der sächsischen Siedlung und begannen ihr blutiges Handwerk. Schon fielen die ersten Männer, die sich mutig den Angreifern entgegen stellten, mit geschundenen Körpern in den Staub. Als sie jedoch erkannten, dass sie ohne Erfolg kämpften, warfen die Verteidiger des Dorfes ihre Waffen von sich und liefen davon. So wie auch alle anderen Bewohner, in panischer Angst, ihr Heil in der Flucht suchten. Die schützenden Mauern der Burg ihres Lehnsherrn, aber waren weit. Viele liefen wie aufgeschreckte Hühner umher und die Nordmänner wüteten zwischen ihnen, wie der Fuchs im Hühnerstall. 

Krachend berstende Knochen, unter den ehernen Klingen der nordischen Schwerter und Äxte. Gellende Schreie geschändeter Weiber, die in Todesangst um ihr Leben flehten. Immer wieder der Ruf, nach dem Erlöser Jesus Christus, der Hilfe bringen sollte.

Blutende, zerschlagene Leiber in den Gassen und auf dem Platz des Dorfes. Alte Männer die mit Mistforken bewaffnet, verzweifelt versuchten ihre Familien und ihre Habe zu schützen.

Brennende Hütten und Ställe. Dazwischen wild um sich schlagende Wikinger, mit ihren, vom Blut der Opfer rot gefärbten Schwertern.

„Sieh was ich hier habe!“ rief der schwarzbärtige Hüne, dem blonden Norweger zu. Mit seinen riesigen Pranken hielt er einen wild zappelnden Mann, der ihm gerade einmal bis zur Brust reichte, in die Höhe. Eine schwarze Kutte, mit einem weißen Kragen, gab ihn als Priester zu erkennen.

„Das ist genau das richtige für dich, Bjarne. Ein echtes Priesterlein!“ Ein gewaltiger Fußtritt, beförderte den Gottesmann direkt vor die Füße des Norwegers.

„Sieh da, ein Pfaffe“, stellte Bjarne mit hasserfülltem Blick fest. „Jetzt bekommt Odin ein angemessenes Opfer!“

Er stellte dem kleinen Priester einen Fuß auf die Brust, so dass dieser ihm nicht mehr entweichen konnte. Langsam beugte er sich über den, vor Angst schlotternden Mann. „Nun werde ich dir zeigen, dass die Macht der Götter meiner Ahnen, weit größer ist, als die eures Heuchlergottes!“ Zwei Krieger traten hinzu und drückten den Mann zu Boden.

„Ihr seid die Geißel Gottes! Die Strafe unserer Sünden! Verflucht sollt ihr sein, elende Satansbrut!“ schrie der Priester in lateinischer Sprache. „In der Hölle werdet ihr schmoren und die schlimmsten Qualen erleiden! Gott wird euch strafen!“

Die gurgelnde Stimme des Mannes überschlug sich, als er seine Verwünschungen in höchster Erregung heraus schrie. Der blonde Wikinger aber ließ sich nicht beirren. Er riss dem Mann die Kutte vom Leib und seine Krieger grölten vor Freude.

Langsam drang die Klinge seines Dolches, in das weiße Fleisch des Priesters und öffnete mit flinken Schnitten seine Brust. Mit beiden Händen griff der Norweger nun in die offene Wunde und bog die Rippen aus dem Brustkorb. Die schrillen Schreie des Sachsen waren verstummt. Aus seinen weit aufgerissenen Augen, starrte der Priester in das Gesicht des Wikingers.

Nun schnitt die scharfe Klinge des Dolches, dem Gottesmann das Herz aus dem Leib und mit einem leisen Röcheln, entwich der letzte Rest Lebens, aus dem geschundenen Körper.

Mit seinen Händen hielt Bjarne das blutige Organ gen Himmel und rief dabei den Namen des nordischen Göttervaters.

„Odin! Odin!“ 

Großer Jubel brach unter den Nordmännern los. Und es klang, als würde Thor der Donnergott selbst, mit seinem Hammer die Kriegstrommel schlagen, als die Krieger in den Ruf des blonden Norwegers einstimmten.

Nun wurde auch der schwarzbärtige Seeräuber auf das Geschehen aufmerksam, der gerade einem jungen Weib seinen Willen aufzwang. Er begann lauthals zu lachen, schnitt dem Weib kurzerhand mit dem Dolch die Kehle durch und ließ dann von dem gepeinigten Körper ab.

Das junge Weib fiel röchelnd zu Boden und der rote Lebenssaft, floss über ihre milchweißen Brüste.

Nachdem er seine Beinkleider gerichtet hatte, ging er auf den blonden Norweger zu. Der Hüne betrachtete das Werk des Kriegers und spuckte auf den Leichnam des Priesters. „Du würdest einen guten Goden abgeben, Bjarne!“ rief er zufrieden. „Das Schlachten der Opfer verstehst du gut!“ Dabei legte er ihm freundschaftlich seine Pranke auf die Schulter. 

Nach kurzer Zeit, gab es außer den Nordmännern in dem Dorf, keine lebende Seele mehr. Menschen und Vieh lagen gleichsam abgeschlachtet im Staub.

Einigen Sachsen war die Flucht gelungen, doch die meisten hatten, unter den ehernen Klingen der Nordmänner ihr Ende gefunden.

Nun begannen die Wikinger die Siedlung zu plündern. Die wenigen Gebäude, die nicht den Flammen zum Opfer gefallen waren, durchsuchten sie nach Wertvollem. Doch die Beute war gering.

Die Seekrieger brachten das wenige, noch lebende Vieh und die Habseligkeiten die sie erbeutet hatten, auf ihre Schiffe. Und so schnell und überraschend wie sie gekommen waren, verschwanden sie wieder auf der rauen See.

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