Titel

Da, wo der Pfeffer wächst

Leseprobe

Urheber
Alfred Franz Dworak

Verlag
Bookrix
Bindung
epub, mobi, ibookstore
Seitenzahl
37
Sprache
Deutsch
Format
-
IASIN
B004 Y664EM
Preis
€ -,99 

Internet
www.pfeffer-waechst.jahrtausenderfolg.de

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www.amazon.de

Leben Sie Ihre Gefühle?

Dann lassen Sie sich verführen!

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Aus dem Leben für das Leben. Scifi, Satire, Skurril, Bayerisch, Drama!

Für alle Leser von 15 bis 115 Jahre.

Leseprobe

Ikea - wie es wirklich war!?

Sie waren unterwegs zur Erde und hatten eine Mission. Drei Wesen vom Planeten Epsilon acht im Sternbild des Alpha Centauri. Nicht grün, wie allgemein angenommen und auch nicht klein, eher dem Menschen ähnlich im Angesicht, nur ein wenig blasser. Was aber wohl daran lag, dass Sie Sonnenbäder mieden, wegen des Ozonlochs. Vor vielen Jahren ihrer Zeitrechnung, als sie noch schliefen, aßen oder sich anderen unwichtigen Tätigkeiten hingaben, benötigten sie ES noch. Aber jetzt wusste keiner mehr davon und vor allem damit etwas anzufangen. Und so kam es, dass einer aus dem kollektiven Bewusstsein der regierenden Ebene die glänzende Idee hatte, der Erde mit samt ihren Bewohnern, ES als Geschenk oder besser gesagt als eine Art Vermächtnis zu überbringen. Und jetzt waren Sie dahin unterwegs, wieder nach langer, langer Zeit....

 

Ikea- Dreaming

Sonst ging Haberl (55) immer zu Betten-Schmid. Aber heute war es endlich soweit, er hatte sich zu etwas Neuem durchgerungen.

Menschenmassen unterschiedlichen Alters, Couleur und Herkunft zwängten sich durch den schmalen Eingang, wie Brösel durch die Verengung der Staubsaugerdüse in das Rohr, wo für sie eine Reise in das Unbekannte zu beginnen schien. Und mittendrin, F. Haberl, auf Anraten der jungen, etwas flippigen Fräulein Hansen, einer Studentin, die erst kürzlich in sein Haus mit den überteuerten Ein-Zimmer-Appartements eingezogen war.

Vorbei an der Information, wurde er mit einem Katalog bestückt und ab ging die Reise im Menschenpulk Treppe aufwärts. „Fast wie in der U-Bahn“, dachte er sich, bloß die Haltestangen und die vertraute Stimme des Zugführers fehlten, um den Eindruck zu komplementieren.

„Aah, die Kinderabteilung ist immer noch net fertig“, schrie eine jüngere Dame mit Kind entsetzt auf. Ließ dabei das Kind los, das wiederum unserem Haberl zwischen die Beine geriet und er haltlos, kopfüber in die Leere der Kinderabteilung stürzte. Während des Fallens, kurz bevor er aufschlug, erkannte er noch ein Schild, das anscheinend am Boden klebte, >>Tantra - Birke Nachbildung 17 €/qm. Im Lager...<<.

 

Wochenende ohne Ende

Elmar liebte Wochenende über alles und er würde alles dafür geben.

Er gab wirklich sehr viel für seine Hobbys aus, finanziell und auch Zeit bezogen. In den wärmeren Jahreszeiten für Tennis, Surfen, Mountainbiken, Rennradfahren und im Winter für Langlaufen und alpines Skifahren. Den Rest seiner Freizeit widmete er den Aktivitäten seines Single-Stammtischs; der Urlaub und die Wochenenden waren restlos ausgeplant. Und so kam es, dass Elmar und seine Stammtischfreunde, genau diesen Sonntagabend, seinem dreißigsten Geburtstag, eine hoch philosophische Diskussion über das Freizeitverhalten des bundesdeutschen Durchschnittssingles entfachten, die mit steigendem Alkoholkonsum zu einem emotionalen Flächenbrand in der sonst eher oberflächlichen Runde ausartete. Elmar vertrat die Meinung, das Wochenende sollte arbeitsmarktpolitisch gesehen ein weißer Fleck bleiben, unantastbar für die Machenschaften unternehmerischer Willkür. Heiner, der gerade durch eine Beförderung in die Geschäftsführung von ‘H.amle.T.’, einer Telekommunikation-Firma, auf die tarifpolitisch

 gegnerische Seite wechselte, forderte die Abschaffung des Wochenendes, dieser prähistorischen gewerkschaftlichen Errungenschaft in unheiliger Allianz mit der klerikalen Macht...

 

Eiderdei

Marion konnte ihr Leben auch ohne Männer deichseln.

Langsam erringt Marion das Bewusstsein wieder. Nur Dunkelheit um sie herum. Wo bin ich? Kann nichts sehen! Bin ich blind? Nein! Erkenne die Silhouette meiner Hand. Erleichterung. Fühle meinen Körper - keine Schmerzen. Bewege meinen Körper - Gottseidank, es geht. Fühle meine Umgebung - ich taste um mich, alles kalt und glatt. Wo ist der Lichtschalter?

„Duu, Marion?“

„Ja, Spatz!“

Ich drehte mich in Richtung des einzigen Mannes, der mein Leben mitgestalten durfte. Matthias, mein siebenjähriger Sohn, der sanft an meiner Hand zog.

„Du gehst doch noch mit mir zum Kaufhof. Bitte!“

Kaufhof- ach ja! Matthias wollte unbedingt eines dieser Tamagotchis haben - keines dieser nachgemachten China-Taiwan-Korea-Plagiate, nein natürlich das Original von Bandai. Und das würde verdammt schwer werden.

Die Münchner Radiostationen vermeldeten einstimmig deren Ausverkauf und verlosten, um die Einschaltquoten in die Höhe zu treiben, einige dieser Exemplare. Die Wünsche, die Erwartungen, die Sehnsüchte des Gewinnens konnten zwar Kinderherzen erfreuen, aber genauso gut brechen. Und sie waren dabei, Matthias Herz zu brechen. Täglich stand er extra eine halbe Stunde früher auf als sonst und wählte jede dieser Quiz-Telefonnummern an. Aber er kam nie durch und seine Augen wurden von Mal zu Mal trauriger.

Mutterinstinkte sind manchmal kompliziert zu begreifen, werden oft belächelt. Aber trotzdem, irgendetwas gab mir den Impuls zum Kaufhof zu gehen...

 

Da, wo der Pfeffer wächst!

Maria Kobinger 60, und Anna Binder, 70 sind Verkäuferinnen am Viktualienmarkt und richtiges Münchner Urgestein, wenn man das von Frauen behaupten darf. Anna Binder betreibt ihren Obststand seit nunmehr 40, Maria Kobinger den ihren seit 30 Jahren. Da die Standl nebeneinander liegen und die Binderin sich ihre größere Erfahrung seit jeher heraushängen lässt, gibt es andauernd Streit zwischen den beiden. So wird sich gegenseitig fauliges Obst untergejubelt, die eine von der anderen bei den übrigen Standinhabern mit falschen Behauptungen und Gerüchten diskreditiert. Die wiederum kennen die beiden zur Genüge, schütteln entweder den Kopf oder lachen sich nur eins. Nur am Faschingstreiben der Marktfrauen kann es schon mal passieren, dass sie unter Alkoholeinfluss ihre „Abneigung“ gegeneinander verdrängen und gemeinsam den anderen Standlinhabern Streiche spielen. Dabei soll es auch schon vorgekommen sein, dass die beiden dann miteinander getanzt haben. So streiten sie tagein, tagaus, bis der

 Stand von Anna Binder eines Tages leer bleibt. Maria Kobinger ist verwirrt. Das war bisher noch nie vorgekommen...

 

Kais Dienstreise

Kai war unterwegs nach Köln, angeblich auf Geschäftsreise.

Die letzten Kilometer auf der Autobahn zogen sich schleppend dahin. Leichter Schneefall setzte ein. „Ach Scheiße“, dachte Kai sich, „so kurz vorm Ziel- musste das sein!“

Kai dachte an Biggi, seine Frau. Vorgestern hatte er sie wieder vorm Schlafzimmerspiegel erwischt. Wie in Trance stand sie voll angekleidet da. Sie sprach sehr kindlich, zärtlich und gab zum Schluss ihrem Spiegelbild, das sie mit Veronika ansprach, auch noch einen Kuss. Manchmal zankten sich Veronika und Biggi auch, wie zwei fünfjährige Mädchen, die alleine Zuhause Puppen spielen und dabei in Streit geraten.

Das erste Mal erschreckte es ihn sehr, wie er zu früh von der Arbeit nach Hause kam und Biggi so vor dem Spiegel sah. Auf seine vorsichtigen Fragen hin blieb sie stur dabei, mit einer Freundin von früher, die nach ihrer Scheidung wieder in die Stadt gezogen sei, telefoniert zu haben. Aber der Nebenapparat hatte nie funktioniert, irgendein Wackelkontakt am Stecker. Aber da sie noch nicht so lange in der neuen Wohnung lebten, hatte er vergessen, es bei Biggi zu erwähnen...

 

Steves Song

Frank Kofler (30), ist ein erfolgloser Musiker, der sich mit Kinderanimationen bei Einweihungsfeiern von Einkaufsmärkten so recht und schlecht über Wasser hält.

So ist er mit seinem alten klapprigen VW-Bus auf der Autobahn unterwegs in eine bayrische Kleinstadt, südlich von München. Dort soll ein Supermarkt eröffnet werden. Frank denkt an seine Meike 28, seine Freundin. Dann schreckt er auf, plötzlich erscheint vor ihm ein Stauende. Frank bremst stark ab und atmet erleichtert durch. Mit Meike lebt Frank zusammen in einer 3-Zimmerwohnung in einer Trabantenstadt (Neuperlach) im Süden von München. Nicht weit von seiner jetzigen Wohnung liegt das Waisenhaus, in dem er bis zu seinem achtzehnten Geburtstag untergebracht war, mit Ausnahme von kurzen Unterbrechungen bei diversen Pflegefamilien. Die behielten ihn aber nie länger als 2 Monate, da er immer wieder ausriss. Schon während seiner Ausbildung zum Bäcker, lernte er im Jugendzentrum Steve Haase kennen, einen alten Musiker, der in seiner Freizeit ein kleines Jugendorchester leitete. Frank Kofler war begeistert dabei. Gitarre und Keyboard spielte er bald wie ein Profi- er war ein Naturtalent.

 Das Orchester sollte bei einem Empfang des Oberbürgermeisters auftreten, doch dann die Hiobsbotschaft: Steve Haase wurde bei einem Verkehrsunfall getötet. Ein Schock für Franz Kofler. Er brach die Ausbildung ab und tingelte fast 7 Jahre als Straßenmusiker durch Europa. In jener Zeit lernte er Meike Immler auf Teneriffa kennen und lieben. Mit ihr fasste er den Entschluss, nach München zurückzukehren. Sie verschaffte ihm den Kontakt zu der Agentur, die ihm fortan die Auftritte als Alleinunterhalter vermittelte.

Franks Blick wandert auf die Uhr an der Konsole. Mist, schon so spät! Endlich löst sich der Stau auf und er kann die Fahrt wieder aufnehmen...

 

Trügerische Sicherheit

Carla Mathey, 27, Fachärztin für innere Medizin, arbeitet in einem schmuddeligen Stadtkrankenhaus.

Sie ist neu hier und die Kollegen sind ihr gegenüber noch etwas reserviert. Auf dem Stationsflur läuft ihr Ulla Stambke, 12, in die Arme, besser gesagt sie rennt Carla um. Ullas Zigaretten, ihr Feuerzeug sowie Carlas Patientenbuch fallen auf den Boden. „Rauchen ist wohl ein bisschen früh für ein Mädchen ihres Alters“, denkt sich Carla, Nichtraucherin aus Leidenschaft. Sie packt Ulla am Arm, zerrt sie zu Frau Lindner, die gerade frisch am Bein amputiert wurde. „Das kommt nur vom Rauchen“, versichert Carla. Das Bein wurde Frau Lindner aber wegen Diabetes abgenommen. „Eine Notlüge“, denkt sich Carla, „aber wichtiger ist der Schockmoment“, und spricht weiter zu Ulla, während beide das Krankenzimmer verlassen: „Tja junge Frau, mit vierzig Jahren liegst Du ebenfalls hier mit einem amputierten Bein. Ist es Dir das wert?“

Ulla interessiert nicht, was in achtundzwanzig Jahren mit ihr passiert und meint lässig: „Girls just wanna have fun! Voll uncool Doc - hier dumme Gruftisprüche ablassen! Ich lebe jetzt - nicht später!“ Carla gibt ihr die Zigarettenschachtel und das Feuerzeug nicht zurück. Ulla könne es sich nach Dienstschluss bei ihr im Arztzimmer abholen...

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