Titel

Bapogana

Leseprobe

Urheber
Dieter Janz

Printbook / Ebook

Verlag
Verlag Kern / Verlag Kern
Bindung
Paperback
Seitenzahl / Dateigröße
588 / keine Angabe
Sprache 
Deutsch
Format
13,5 x 20 cm / keine Angabe
ISBN / ASIN
978-3-9394-7835-5 / 978-3-9394-7875-1
Preis
€ 17,90 (je nach Anbieter zzgl. Porto) / € 13,43

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Nach einem Unfall auf einer Baustelle findet sich der Architekt David Schüttler plötzlich als Mr. David Shuttler in einem fremden Land wieder und das größte Abenteuer seines Lebens beginnt.

Gespickt mit Intrigen, gefährlichen Situationen, spannenden Begebenheiten und einer gehörigen Portion Liebe lässt dieser Roman seine Leser in eine Welt eintauchen, die es im "normalen" Leben eigentlich nicht gibt, oder doch?

In diesem Buch wird auf fast 600 Seiten die Unterhaltung geboten, die man erwartet, wenn man sich auf eine fantastische literarische Reise begibt.


Leseprobe

Kaum hatte David Schüttler sein Büro betreten, kam Anna
Reismann, seine Sekretärin, hinterher und kündigte mit leicht
schriller Stimme aufgeregt an: "Auf der neuen Baustelle ist
etwas schief gelaufen, Chef! Ich glaube, Sie müssen mal
nachschauen." Die "neue Baustelle" bestand zwar schon seit
über einem Jahr, aber es war tatsächlich sein jüngster offizieller
Auftrag, den er als selbständiger Architekt angenommen hatte
und der wichtigste obendrein. Ein millionenschweres Objekt,
das seine Zeit fast vollständig in Anspruch nahm, die Freizeit
inklusive. Manchmal glaubte er, davon erdrückt zu werden,
andererseits spülte es ordentlich Geld in seine ansonsten
eher leeren Kassen. Dass sein Privatleben darunter litt, hatte
er schon mehrfach zu spüren bekommen. "Was gibt´s denn
diesmal?", fragte er genervt, während er gleichzeitig auf die
Uhr schaute. Frau Reismann umschrieb in groben Zügen, wo
die Probleme lagen. Er seufzte und fl uchte, was seine Sekretärin
gefl issentlich überhörte. "Okay, okay, ich fahre sofort hin.
Rufen Sie bitte Frau Kast an und teilen ihr mit, dass ich heute
später nach Hause komme. Es wird sie nicht wundern." Frau
Reismann runzelte die Stirn und sah ihn skeptisch an, worauf
er hinzufügte: "Schon gut, ich erledige das selbst."
Nachdem er das Büro verlassen hatte, griff er zum
Telefonhörer, um Miriam anzurufen. Sie hatte es sich schon
längst abgewöhnt, mit "bei Schüttler" zu melden, sondern
meldete sich mit ihrem eigenen Namen, obwohl der Anschluss
auf ihn zugelassen war. "Kast." "Ich bin´s, David. Ich muss
dir leider mitteilen ." "Dass du nicht pünktlich nach Hause
kommst, stimmt´s?" Ihre Stimme klang gereizt. "Wieso rufst
du deswegen überhaupt an? Du solltest mir lieber Bescheid
geben, wenn du rechtzeitig hier eintriffst. Das wäre nämlich
wirklich eine Überraschung." Er antwortete nicht, weil er
keine Lust verspürte, immer wieder dasselbe, lästige Spiel
zu spielen. Dafür redete Miriam weiter: "Aber du weißt,
dass wir heute Abend eingeladen sind, oder? Darf man auch
mit deiner Anwesenheit rechnen?" "Ich weiß es nicht. Aber
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ich werde mich beeilen." "Vergiss es!", unterbrach sie ihn
scharf. "Miriam, versteh doch bitte, dass das momentane
Projekt existenziell wichtig für mich ist! Es gibt Probleme, um
die ich mich kümmern muss." "Oh ja, Probleme gibt es in der
Tat, nur bezweifl e ich, dass du sie erkennst." David seufzte.
Miriams Stimme klang mit einem Mal gekünstelt freundlich.
"Mach dir nur keinen Stress, mein Lieber, das ist schlecht für
Herz und Kreislauf. Lass dir richtig Zeit bei deinen ach so
wichtigen, unaufschiebbaren Aufgaben. Ich werde Jo fragen,
ob er mich heute Abend begleiten will." Das saß! Miriam
hatte wieder auffallend häufi g Kontakt mit ihrem Ex, "auf rein
freundschaftlicher Basis", wie sie immer betonte. Aber David
zweifelte daran. Auf jeden Fall nutzte Miriam Jo zunehmend
als Druckmittel auf ihn, allerdings erfolglos. "Mach was du
willst", erwiderte er resigniert, "ich muss jetzt zur Baustelle
fahren."
Der Bauleiter erwartete ihn bereits sehnsüchtig. Es waren
Sonderschichten eingelegt worden, um schneller voran zu
kommen. Aber jetzt standen alle Räder still und so würde es
auch bleiben, bis David das anstehende Problem gelöst hatte.
Dazu musste er dem Bauleiter bis zum 3. Stock des Rohbaus
folgen, für ihn immer noch, angesichts fehlender Geländer
und Absperrungen, ein mulmiges Gefühl. Er hatte gehofft,
im Laufe der Jahre seine Höhenangst zu verlieren, aber ganz
verschwunden war sie nie. Oben angekommen wurde er auf
einen Balkon geführt. Ursprünglich wollte er sich auf die
Problemstellung konzentrieren, machte aber dann den Fehler,
nach unten zu schauen. Der Magen drehte sich ihm um. Auf
einmal überfi el ihn ein wahnsinniger Schwindel, er suchte nach
Halt, fand aber keinen. Als letztes hörte er die Stimme des
Bauleiters: "Vorsicht! Halt!" Doch da war es schon zu spät, er
rutschte ab und fi el in die Tiefe. Dann war es um David herum
stockfi nster und still.
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Es dauerte eine Weile, bis er die Umwelt nebulös wahrnahm.
Völlig ungewohnte Geräusche drangen zu ihm vor, Wortfetzen,
die er nicht verstand. Als er die Augen öffnete, sah er in das
Gesicht eines Mannes, der sich über ihn beugte und auf ihn
einredete, in einer Sprache, die David völlig fremd war. Ob
der Mann ihm helfen wollte oder gerade im Begriff war ihn
auszurauben, konnte er an dessen Gesicht nicht ausmachen.
David rappelte sich langsam auf. Der Mann bemühte sich
offenbar in guter Absicht um ihn, denn er half ihm dabei,
ebenso wie beim anschließenden Abschütteln des Staubes von
seinem Anzug, der danach wieder ganz passabel aussah.
Der Helfer sah David eine Weile an und fragt ihn dann in
gebrochenem Englisch: "Alles okay? Geht gut?" Auf Davids
Nicken hin klopfte er ihm kurz auf die Schulter und verschwand,
bevor ihm irgendwelche Fragen gestellt werden konnten. Und
deren hatte David weiß Gott genug.
Wo war er und wie war er hier hingekommen? Er befand sich in
einer dunklen Gasse, die wiederum in einer ihm unbekannten,
scheinbar asiatischen Stadt lag. Als er auf seine Uhr schaute,
musste er feststellen, dass das Glas zerborsten und der Zeiger
stehen geblieben war. Was war geschehen? Er erinnerte sich
an nichts mehr. Die Straße war menschenleer und wirkte
unheimlich auf ihn. Nirgendwo konnte er eine Menschenseele
ausmachen. Auch die sich eng aneinander reihenden Häuser
schienen unbewohnt. Doch von Fern vernahm er ein
Stimmengewirr. David beschloss, dieser Richtung zu folgen.
Am Anfang war er etwas benommen, aber dann gewann
er die Sicherheit beim Gehen zurück. Er hatte noch keine
100 Meter zurückgelegt, da gelangte er auf einen belebten
Platz einer ihm völlig fremden Welt. Männer und Frauen in
bunten Gewändern gingen verschiedenen Tätigkeiten nach.
Ochsenkarren wurden durch die Menge geführt, über den Platz
verstreut standen Tische, die mit verschiedenen Waren beladen
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waren, dahinter Männer und Frauen, die sie zum Teil lautstark
feilboten. Dazwischen tauchten immer wieder Menschen
mit völlig anderer Kleidung auf, vor allem die Frauen
schienen europäischen Großstädten der 20er Jahre des letzten
Jahrhunderts entsprungen zu sein. Aber auch die Männer sahen
nicht wie nach der neuesten Mode gekleidet aus. Überhaupt
alles, was David hier mit Staunen betrachtete, schien aus
vergangenen Zeiten zu stammen. Er überquerte den Marktplatz
im Schneckentempo. Einige der Stände boten Essbares an, zum
Teil auf Holzkohlefeuer dampfend heiße und zum Teil kalte
Gerichte. Es roch verführerisch und David bemerkte seinen
Hunger. Aber wie sollte er hier etwas kaufen, es bezahlen?
Sein Griff fuhr in die Hosentasche. Das Portemonnaie war
noch vorhanden und mit reichlich Euro-Münzen gefüllt, die
hier allerdings wahrscheinlich völlig wertlos waren. Dennoch
wagte er den Versuch, einen Snack zu kaufen. Sein Blick fi el
auf eine Art Fleischspieß. Die Verkäuferin, deren an sich schon
schönes Gesicht durch ein freundliches Lächeln noch hübscher
wirkte, sprach ihn an. Er verstand zwar kein Wort, nahm aber
logischerweise an, sie fragte nach seinem Wunsch. Daraufhin
deutete er auf den Spieß. Sie nahm ihn vom Feuer und legte ihn
auf ein grobes Papier. Doch bevor sie den Snack überreichte,
stellte sie eine Frage. David zuckte mit den Schultern und zog
eine hilfl ose Grimasse. Daraufhin wiederholte sie die Frage
in einwandfreiem Englisch: "Möchten Sie eine Soße zu dem
Fleisch?" "Gerne, welche gibt es denn?" Sie deutete auf ein
paar vor ihr stehende Töpfchen und meinte: "Von ganz mild
bis sehr scharf." "Eher mild, bitte." Während sie die Sauce
über dem Spieß verteilte, fragte er sie nach dem Preis. "Eine
halbe Krolie, bitte." "Aha", dachte er, "Krolie heißt hier die
Währung." Er hielt ihr einen Euro entgegen und fragte so naiv
wie möglich: "Nehmen Sie auch das hier?" Die junge Frau
zögerte, nahm aber dann die Münze in die Hand. "Das kann
ich nicht." Sie gab David den Euro zurück, als sei es eine
heiße Kartoffel. Ein elegant, wenn auch altmodisch gekleideter
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Mann, der neben ihr stand, wurde auf David aufmerksam.
"Entschuldigen Sie bitte, wenn ich mich einmische", sprach
er David in akzentfreiem Englisch an, "ich möchte nicht
unhöfl ich sein. Aber dürfte ich mir die Münze einmal ansehen?"
Selbstverständlich hatte er keine Einwände und überreichte sie
ihm. Der Herr betrachtete sie von allen Seiten, wiegte sie in
der Hand und meinte schließlich: "Scheint wertvoll zu sein,
gegen eine Fälschung spricht die exzellente Verarbeitung.
Woher haben Sie sie?" David musste nicht lange überlegen:
"Ein altes Erbstück", log er. "Und damit wollen Sie einen
Fleischspieß bezahlen?", wunderte sich kopfschüttelnd der
Mann. "Nun ja", erwiderte David, wohl wissend, dass seine
Worte schwachsinnig klingen mussten, "ich habe zurzeit keine
Krolien einstecken, aber entsetzlichen Hunger. Da macht man
schon mal verrückte Dinge. Außerdem habe ich keine Ahnung
vom Wert der Münze." Mehr noch als seine merkwürdige
Ausrede wunderte sich David über die Tatsache, dass er ohne
die geringste Mühe Englisch sprechen und verstehen konnte,
also musste er es irgendwann einmal intensiv gelernt haben.
Gleichzeitig wurde ihm erneut schmerzlich klar, den größten
Teil seines Gedächtnisses verloren zu haben und völlig hilfl os
zu sein. "Dem kann man Abhilfe schaffen." Der Herr konnte
keineswegs Gedanken lesen, sondern bezog seine Worte auf
die Münze. "Dort drüben", er zeigte dabei in die Richtung
einer kleinen Straße, "befi ndet sich ein Goldschmied, der sich
auch auf Geld versteht. Suchen Sie ihn auf." David bedankte
sich für den Tipp. Dann wandte er sich mit bedauerndem Blick
an die Verkäuferin: "Tut mir Leid. Ich muss die Köstlichkeit
zurücklassen, denn ich kann sie nicht bezahlen." Lächelnd
schüttelte sie den Kopf und reichte ihm den Spieß. "Macht
nichts. Wenn Sie das nächste Mal vorbeikommen, können
Sie das Bezahlen nachholen." David fühlte sich beschämt. Er
war gerade im Begriff, eine ehrliche, vertrauensvolle junge
Händlerin übers Ohr zu hauen. Daher empfand er das Angebot
des eleganten Herren als Erleichterung. "Lassen Sie sich
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darüber keine grauen Haare wachsen, ich übernehme das." David
bedankte sich überschwänglich, nahm seinen Spieß im Empfang
und entfernte sich in die Richtung, wo der Goldschmied sein
sollte. Der Snack schmeckte, wie er duftete - einfach köstlich.
Nur die Soße machte ihm etwas zu schaffen, sie brannte wie
Feuer in seinem Mund. Und das sollte die milde Variante sein?
Nicht auszudenken, welche Wirkung die sehr scharfe auslösen
würde!

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