Titel

Atlantis I

Leseprobe

Urheber
Heinz Löbel

Verlag
BoD Norderstedt
Bindung
Paperback
Seitenzahl
240
Sprache
Deutsch
Format
22 x 15,5 cm
ISBN
978-3-8391-0023-3
Preis
€ 14,90 (je nach Anbieter zzgl. Porto)

Internet
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Atlantis - ein uraltes Rätsel der Menschheit! Wird es gelüftet durch die Erzählungen der geheimnisvollen Larissa de Rihpo? 

Vor etwa 13500 Jahren werden vier Menschen am selben Tag geboren. Die Hohepriesterin von Atlantis weissagt ihnen ein langes Leben und eine Schicksalswende 10000 Tage nach ihrer Geburt... 

Der Untergang eines Weltreiches, eines zivilisierten Systems und das Wiederauferstehen aus der Zerstörung sind heute gleichsam aktuell wie in längst vergangenen Zeiten.

Leseprobe

Eine hochschwangere Frau schleppte sich den steilen Weg zum Kloster hinauf. Ihr Atem pfiff bei jedem Schritt, das Herz pochte bis zum Hals. Sie spürte wie das Blut aus ihrem Kopf wich. Gleich würde sie zusammenbrechen. Da erblickte sie endlich die alten Mauern des Heiligen Hauses. Vor der Tür säuberte ein alter Mönch den Weg von den heran gewehten Blättern. Die Frau wollte schreien, sie wollte um Hilfe rufen. Lediglich ein heißeres Röcheln entrang sich ihrer Kehle. Das Ziel so nah, schloss sie ihre Augen für immer. Langsam und noch im Sterben darauf achtend, dass ihrem ungeborenen Kind nichts geschehe, sank sie zu Boden.

Der Alte hatte sie gehört. Er kam näher und erkannte, dass er für die Frau nichts mehr tun konnte. Was würde wohl mit der Frucht ihres Leibes passieren, da die Frau tot war? So schnell er konnte lief er ins Kloster, um Hilfe zu holen. Als er Alarm geschlagen hatte und mit zwei weiteren Mönchen zu der Toten kam, waren bereits eine in rotes Gewand gehüllte und zwei dürftig bekleidete Frauen bei ihr. Sie unterwiesen die Mönche, die Leiche ins Kloster zu tragen. Gleich im Vorraum des Gebäudes fand sich eine steinerne Bank auf die man die Verstorbene bettete.
„Bringt Licht, schnell!“ rief eine der Frauen, deren transparentes Gewand und die durchscheinenden weiblichen Formen den Mönchen den Atem nahm. Eilig brachte man Kerzen und entzündete die Wandleuchter.
„Lasst uns allein!“ Der Ton in der Stimme der verschleierten Frau duldete keinen Widerspruch. Die Mönche wollten gerade den Flur verlassen, als einer ihrer Brüder laut schreiend aus einem der hinteren Räume stürzte.

„Feuer!“ rief er. „Der Nordturm steht in Flammen! Kommt alle helfen! Wir müssen den Brand löschen!“
Die Priester verschwanden und ließen die Frauen allein. In großer Eile entkleideten sie die Tote.
„Lebt das Kind noch?“ wollte eine der Frauen wissen.
„Sie wird leben“, antwortete die mit dem roten Gewand.

Sie legte den Schleier ab und entnahm einer mitgebrachten Tasche ein Kästchen aus blitzendem Metall. Sie öffnete es und griff nach dem darin befindlichen Operationsbesteck. Mit einem geschickten Schnitt war die Haut des Unterbauchs der Verstorbenen durchtrennt. Die Frau arbeitete konzentriert. Die Muskelschichten wurden ohne besondere Rücksicht zerschnitten, ebenso das Bauchfell. Stumpf, mit bloßen Fingern präparierte sie weiter. Die Gebärmutterwand wurde vorsichtig mit dem Skalpell gespalten und mit den Händen auseinander gezogen. Das Kind lag reglos vor ihr. Es schien komplett entwickelt. Die Hautfarbe war trotz der unterbrochenen Sauerstoffzufuhr immer noch rosig.

Von den hinteren Räumen des Klosters ertönten laute Schreie. Rauchschwaden krochen stetig aus den Türritzen und hüllten die Frauen ein. Zugleich öffneten sich in kurzem Abstand hinter einander alle drei Türen.
„Wir haben das Feuer nicht löschen können!“ gellte es aus Dutzenden Kehlen. „Flieht, so schnell ihr könnt!“
Die Mönche liefen in Panik an den Frauen vorbei und stürzten ins Freie. Die Operateurin hatte keine Zeit gehabt, ihren Schleier wieder über zu werfen. Einer der Priester erblickte ihr Antlitz und blieb wie versteinert stehen.

„Die Namenlose!“ schrie er. „Die Hohepriesterin von Atlantis ist hier!“
Andere, die ihn gehört hatten, blieben ebenfalls stehen. Ein Bild des Grauens bot sich ihnen, als sie den Schauplatz näher betrachteten. Die steinerne Bank stand zur Hälfte in einer Nische an deren Wand das siebenspitzige Kreuz der Priester Goduréas gemeißelt war. Der Lichtschein der Kerzen beleuchtete flackernd und gespenstisch die Szene. Auf der Liegestatt ruhte die entkleidete Tote. Wie ausgeweidet lag sie in ihrem Blut, die aufgeschnittene Bauchdecke hing zu beiden Seiten an ihren Flanken herunter. Die Hohepriesterin war bis über die Ellenbogen mit dem Blut der Verstorbenen besudelt.

„Hilf uns, o Namenlose!“ rief einer der Mönche. „Unser Kloster steht in Flammen. Nur du kannst unseren Tempel noch retten!“ 'Die Hohepriesterin lächelte still. Sie ergriff das Baby, das auf diese seltsame Weise zur Welt kam. Eine der Frauen klemmte die Nabelschnur ab und schnitt sie durch. Von der Nachgeburt und dem toten Körper losgelöst, mussten nun die eigenen Vitalfunktionen des Kindes zu arbeiten beginnen.

„Geht hinaus“, wandte sich die Namenlose zu den Mönchen, „ich werde euch helfen.“
Sie nahm das Baby – ein Mädchen – an den Fußgelenken und hielt es mit dem Kopf nach unten. Nun konnte das Fruchtwasser, das die Atemwege verlegt hatte, abfließen. Die Lungen füllten sich erstmals mit Luft. Das erste Ausatmen kam in Form eines Schreies. Das Mädchen lebte.
„Kümmert euch um das Feuer“, sagte die Hohepriesterin zu den beiden anderen Frauen.
Diese gingen ohne Furcht durch die Rauchschwaden in Richtung Zentrum des Brandes. Das kleine Mädchen lag ruhig in den Armen seiner Retterin. Die Priesterin hielt es hoch und begann, eine Art Gebet zu sprechen.

„A deszelane dema Lajila ve Ksiti ve Etakoho ve o Lakhdema tad bundo!“ Die Litanei endete im selben Moment als die zwei Priesterinnen zurückkamen.
„Dein Name sei ‚Lakhdema’ – ‚Tag des Feuers’, dein Lebensweg wird fast ewig sein!“

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